weniger erhebliche augenemmen, die übrigen ab⸗ gelehnt. Die Ablehnung der achten Unterab— theilung, welche bei Concessionirung von Theatern die Vorfrage der Prüfung des Bedürfnisses aus— schließen will, erfolgte in namentlicher Abstimm— ung mit 142 gegen 137 Stimmen. Der so ab— geänderte§ 33a wurde genehmigt. Zu dem § 33bp(Concession für Musikaufführungen von Haus zu Haus, auf Straßen und Plätzen) be— antragt Ackermann, auch die Darstellung in öffentlichen Localen unter Concessionszwang zu fassen. Der Antrag wird mit 153 gegen 129 Stimmen abgelehnt.§ 33b wird nach dem Be⸗ schlusse zweiter Lesung angenommen.— 29. Mai. Eingegangen ist der Handels- und Schifffahrts— Vertrag mit Italien. Es wird in die dritte Berathung der Gewerbenovelle eingetreten. Zu § 33e(Tanzlustbarkeiten) beantragen die Abgg. Richter und Büchtemann einen Zusatz, wonach Beschränkungen der öffentlichen Tanzlustbarkeiten für einzelne Volksklassen unzulässig sein sollen und in Gemeinden, wo die Tanzlustbarkeiten auf bestimmte Tage des Jahres beschränkt sind, an diesen Tagen hinsichtlich der Erlaubuiß zur Ab— haltung und der Dauer derselben zwischen den Gastwirthen oder Schankwirthen ein Unterschied nicht stattfinden darf. Bundescommissär Bödiker sprach sich gegen den Zusatz Richter's aus.— Die Discussion war eine ziemlich erregte. Nach einer Reihe scharfer persönlicher Bemerkungen wird der Antrag Richter in namentlicher Ab— stimmung mit 190 gegen 122 Stimmen abge⸗ lehnt und der Paragraph nach der Fassung zweiter Lesung genehmigt.
— 29. Mai. Die Budget⸗Commission er— ledigte das Ordinarium des Postetats und lehute die Mehrforderung von 120,000 M. gegen 1883 bis 1884 für Hafer ab.
Erbach(Rheingau), 29. Mai. Die Prinzessin Marianne der Niederlande ist heute hier gestorben.
Karlsruhe, 28. Mai. Der Großherzog ist heute Abend hierher zurückgekehrt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Pest, 28. Mai. Die zweite Session des ungarischen Reichstags ist geschlossen und die dritte Session für den 27. September einberufen worden.
Schweiz, Zürich, 28. Mai. Bei der gestrigen Volksabstimmung wurde mit großer Mehrheit die Aufhebung des Impfzwanges und mit geringer Majorität die Wiedereinführung der Todesstrafe beschlossen. 1
Belgien. Brüssel. Dem Vernehmen nach wird die Regierung demnächst der Kammer einen Wahlreform-Entwurf vorlegen.
Frankreich. Paris. Die chinesische Ge— sandtschaft dahier telegraphirte auf Wunsch Challemel's an die chinesische Regierung, sie möge Prisou noch vor der Ueberreichung seines Beglaubigungs-Schreibens empfangen.
Toulon, 29. Mai. Für Tonkin sind gestern 300 Marine-Soldaten aus Brest eingetroffen, weitere 700 werden aus dem Norden erwartet.
Großbritannien. London, 29. Mai. Unterhaus. Fitzmaurice antwortet Bartlett, die Regierung würde gegen einen Angriff Frank— reichs auf Madagascar keinen Protest erheben.
Türkei. Konstantinopel. In Folge der Einwendungen Deutschlands gegen den ad valorem Zolltarif, stellte die Pforte für die deutschen Ein— fuhren bis auf Weiteres den status quo wieder her. Die übrigen Mächte verlangen die Be—
jüngst in Rostow. Die Judeubevölkerung wurde arg mißhandelt. — 29. Mai. Die Krönnngsfeier ist an allen Orten des Reiches mit großem Enthusias— mus begangen worden. Bei den gestrigen Illu— minationen fanden hier unausgesetzt patriotische Kundgebungen statt, u. A. wurde die National- hymne auf dem Newski-Prospect abgesungen. Moskau, 27. Mai. Ein kaiserliches Mani⸗ fest verkündet den Erlaß aller rückständigen Steuern per 1. Jauuar 1883 und zwar der Rückstände der Kopfsteuer, sowie der direkten und indirekten Abgaben; die Strafmilderung aller Urtheile, welche noch nicht die Gesetzeskraft be— schritten haben; die Erleichterung abzubüßender Strafen sowie die Aufhebung der Polizeiaufsicht der auf administrativem Wege Verbannten und die Gestattung von deren Rückkehr. Das Mani⸗ fest euthält die Erlaubniß zur Rückkehr für die über die Grenze gegangenen Flüchtlinge und Theilnehmer an der polnischen Insurrection, denen bisher der Aufenthalt in den Residenzen und polnischen Gouvernementsstädten und der Eintritt in den Staatsdienst verwehrt gewesen. Ausgeschlossen sind Mörder, Räuber und Brand— stifter.— Mit Eintritt der Dunkelheit begann die prachtvolle Illumination der ganzen Stadt; dieselbe bot bei der Meuge der Verschieden— heit der Beleuchtungskörper einen wunderbaren Anblick, ein förmliches Flammenmeer. Dicht⸗ gedrängte Volksmassen durchzogen die Straßen in festlich erregter Stimmung. Nirgends wurde die Ordnung gestört.— 29. Mai. Das gestrige Ballfest in der Granowitaja-Palata ist sehr glänzend verlaufen. Der Kaiser erschien um 9½ Uhr und verweilte bis 11 Uhr. Bei der Polonaise führte der Kaiser die Kaiserin, dann folgte eine Tour des Kaisers mit der Königin von Griechenland und den Gemahlinnen Wad— dington's und Jauré während die Kaiserin mit v. Schweinitz, Waddington und Jaurcé's tanzte. Im Saale waren die dem kaiserlichen Paare heute dargebrachten Geschenke, mehrere Hunderte zählend und von hohem künstlerischem Werthe, sowie von ganz außerordentlicher Pracht aufgestellt. Der Kreml war feenhaft illuminirt. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen heute die Beglückwünschungen seitens der Stadthäupter, der Provinzialbehörden und der Vertreter eines Theiles des Adels entgegen.
Egypten. Kairo. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Regierung, entgegen den Bestimm— ungen der Capitulationen das unbewegliche Eigen— thum der Ausländer mit einer Steuer zu belegen.
Asien. Shangai, 28. Mai. Einer Meld— ung des Reuter'schen Bureaus zufolge ist Lehung— Chang, welcher kürzlich zum Oberbefehlshaber der Truppen in den vier südlichen Provinzen China's ernannt worden ist, in Shanghai an— gekommen. Derselbe verbleibt dort einen Monat, um die nöthigen Vorbereitungen zu treffen, be— vor er sich auf seinen Posten begibt.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Der Lehrlings-Turncursus, welcher vor einiger Zeit von dem Vorstande des hiesigen Turnvereins in's Leben gerufen worden ist, hat sich bis jetzt nur einer schwachen Betheiligung zu erfreuen. 12 bis 16 Leute von 14 bis 17 Jahren waren bis dahin regelmäßige Besucher der Stunden, welche jeden Dienstag— und Freitag-Abend in der Turnhalle(bei gutem Wetter auf dem Turnplatze) von Lehrer Muth gehalten worden. Wahrlich, ein unbefriedigendes Resultat, wenn man be⸗ denkt, daß im letzten Winter manche Feierabends-Zu— sammenkünfte von 60 und mehr Lehrlingen besucht ge—
handlung der meistbegünstigten Nation.
— 29. Mai. Fünfzehn der in der Umgegend von Smyrna kützlich durch Räuber entführten Personen, darunter Beamte und Ausländer, sind in Freiheit gesetzt.
Rußland. Petersburg, 28. Mai. Stadt war während der? verflossenen Nacht glaͤnzend illuminitt. Die Häuser sind festlich geschmückt und die Straßen von der freudig be⸗ wegten Bevölkerung durchwogt. Ueberall herrscht eine musterhafte Ordnung. f
— 28. Mai. Neuerdings haben in Char— kow und Kiew Judenexceesse stattgefunden, wie
Die
wesen sind. Nach Gründen dieses Mangels an Theil⸗ nahme zu suchen, erscheint uns unnütz, da wir schon Rug mit der Thatsache zu rechnen haben, daß unsere Bevölkerung für Pflege des Turnens wenig Interesse und Sympathien übrig hat. Es fehlen uns in dieser Hinsicht die guten Beisplele der Erwachsenen; wer selbst nicht turnt, nicht geturnt hat, im Turnen wo⸗ möglich eine unnütze Spielerei erblickt, ist natürlich sehr ungeeignet, jungen Leuten turnerische Leibesübungen zu empfehlen oder sie hierzu besonders anzutreiben. Es ist wohl hier am Platze, einige Worte des krefflichen Spieß weiteren Kreisen mitzutheklen, worin er sich über Zweck und Bedeutung des Turnens ausdrückt:„Beim Turnen kommt es darauf an, daß jeder Einzelne zum freien
Leibes, je nach seiner natürlichen Bestimmung, kunst⸗ gemäß geübt werde und somit der ganze Leib, eben⸗ mäßig ausgebildet, unter der Herrschaft des Geistes stehe. Vor Allem aber muß jede Turnschule sein eine Schule für Zucht und Ordnung, eine Anstalt zu gesetz⸗ mäßiger Entwickelung der Thatkraft und Entäußerung willkürlichen Treibens, eine Vorschule für den Staats- bürger zu allen Gewerken des Friedens und zu jeder Rüstigkeit im Kriege.“ So Spieß. Leider ist die Zabl derer, die nach seinen Worten handeln, in unserer Mitte sehr klein. Spießbürgerlichkeit haben wir genug auf Lager; es fehlt uns an Spieß schem Geist. Friedberg. Zur Nachahmung empfohlen! Ein Theil der Herren Landstreicher hatte die Gepflogenheit, im Arrest— locale zu Mainz die Lumpen, in die sie gekleidet waren, vollständig zu zerreißen, damit sie durch bessere Kleider ersetzt wurden. Auf Anordnung der Bürgermeisterei Mainz erhalten jetzt die Kerle einen Anzug, dessen eine Hälfte weiß, die andere Hälfte bunt carrirt ist. Gestern wurde ein so gekleideter Vagabund hier entlassen, hunderte von Kindern folgten dem Burschen, welcher sich eilig dem Gespötte zu entziehen suchte.
r. Friedberg. Die General-Versammlung des Vereins gegen Bettelei fand Samstag den 27. Mal statt, war aber leider, außer dem Vorstande, nur von drei, sage drei— von 320 Mitgliedern besucht. Wo waren die 317 Fehlenden? Ein Glück, daß diese drei anwesend waren, sonst hätte sich der Vorstand nicht einmal ergänzen können, denn es mußten zwei neue Mitglieder gewählt werden, weil im Laufe des Jahres zwei mit Tod abge⸗ gangen sind. Der Vorsitzende gedenkt in seinem Bericht in ehrender Anerkennung der zwei mit Tod abgegangenen Vorstandsmitglieder Meyer J Hirsch und Adam Söllner, von denen das erstere, seit dem Bestehen des Vereins (34 Jahre) als sehr thätiges Mitglied dem Vorstande angehörte. Die Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen zum Zeichen ihres Einverständnisses. Dann berichtet er, daß im Laufe des letzten Jahres 5268 Durchretsende, von denen nur ein ganz kleiner Bruchtheil wirkliche Hand— werker, die große Mehrzahl Vagabonden waren, unterstützt wurden. Im Jahr 1881 waren es 5924, also eine Abnahme von 656. In den vier ersten Monaten dieses Jahres beziffert sich die Zahl der Unterstützten auf 1562. Sollte das so fortgehen, dann würde am Ende des Jahres die Summe 4688 sein. Daß das aber nicht so fortgehen darf, leuchtet ein, und darum muß jedes Mitglied und jeder Hausstand darauf bedacht sein, dem Uebel die Wurzel abzuschneiden. Aber wie? Erstens unter keinem Umstand eine Gabe zu verabreichen. Wer Mitglied ist, kann mit gutem Gewissen Jeden ab— weisen, denn er gibt ja seinen Beitrag an die Unter— stützungskasse. Dazu ist es freilich nöthig, daß jeder Einwohner der Stadt Mitglied ist; wer's noch nicht ist, den wird in nächster Zeit Rathsschreiber Wagner be— suchen und eine Liste zur Einzeichnung vorlegen. Zweitens den Vagabonden Arbeit geben. Auf dem Rathhause sind bei Rathsschreiber Wagner Gesuche in dieser Richtung anzumelden. Auch Handwerker, welche Mitglieder des Vereins sind, wollen ihre Gesuche um Gesellen an ge— dachter Stelle deponlren. Wird Arbeit angeboten, aber nicht angenommen, dann kommt Unterstützung in Weg⸗ fall. Liegt jedoch kein Gesuch vor, dann erhält der or— dentliche, wirkliche Handwerksbursche, der mit einem richtigen Arbeitsbuch versehen ist, ein Viatikum von 15 Pf., aber nicht in baar, sondern in einem Bond, für welchen ihm auf der Herberge entsprechendes Essen oder Nacht⸗ quartier zu verabreichen ist. Wird nach dieser Weise überall verfahren, dann hört das Vagabondenthum von selbst auf. Arbeitseolonien, wie die von Bodelschwing'schen bei Bielefeld können wir in der Wetterau nicht gründen, denn wir haben keine Wüsteneien zu cultiviren, aber Ar— beit haben wir vollauf. Wer nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.
J Mainz, 28. Mal. Gestern fand in dem benach— barten Bretzenheim die Jahresversammlung des Verban— des mittelrheinischer Bildungs vereine statt. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verband jetzt aus 27 Vereinen mit ca. 3900 Mit⸗ gliedern besteht und sich bis Edenkoben in der Pfalz und Burbach bei Saarbrücken erstreckt. Die Tbeilnahme an den Vorträgen war etwas geringer als früher, nament⸗ lich wurde über den Mangel an guten Rednern und an⸗ ziehendem Stoff geklagt. Der Verband wird dem durch Wechsel und gegenseitigen Austausch der Vortragenden abzuhelfen suchen. Die Wanderbibliotheken sind eben— falls wenig verlangt worden, weil die meisten Vereine bereits eigene besitzen. Es sollen deshalb die Wander— bibliotheken auch solchen Gemeinden und Vereinen über— lassen werden, die noch nicht Mitglieder des Verbandes sind. Sehr begehrt war dagegen das Skioptikon, welches zur Veranschaulichung bei Vorträgen treffliche Dienste leistet.
Allerlei.
9 Der wichtigste und für das Publikum interessanteste Moment der Herbstmanöver wird am 24. September sich abspielen, indem an diesem Tage das Armeecorps im Feldmanöver in 2 Abtheilungen gegen einander manöveriren wird. Feldmarschall Graf Moltke wird den letzten Theilen der Manöver um Homburtz anwohnen.
Homburg.
Gerichtssaal. Bad⸗Nauheim. In der Donnerstag den 10. Mai d. J. stattgefundenen Schöffen gerichtssitzung wurde in folgenden Fällen erkannt: 1) gegen Georg Langsdorf III. von
Gebrauche seiner leiblichen Kräfte gelange, die ohne Pflege. wie die geistigen, nur ein karges Gut bleiben; es kommt darauf an, daß jedes einzelne Glied des
Vad⸗Naubeim, wegen Diebstahls eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen und in die Kosten des Verfahrens ver⸗ urtheilt; 2) in der Privatklagesache des Johann Remigius
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