Ausgabe 
28.8.1883
 
Einzelbild herunterladen

Der Marineminister erhielt aus Saigun vom 25. d. eine Depesche folgenden Inhalts: Das SchiffDrace hat die Nachricht von dem stattgesundenen Bombardement der an der Mün dung des Flusses vor Hüe gelegenen Forts und Batterien, sowie von der nach einem glänzenden Landangriff stattgefundenen Belagerung gebracht. Die Operation hatte in der Zeit vom 18. bis 20. August stattgefunden. Die SchiffeVipere undLynx sind in die Straße von Thuanan ein gelaufen. Der Admiral Courbet hat den An namiten einen Waffenstillstand bewilligt. Der Civilcommissär Harmand ist am 22. d. nach Hüe gegangen, um mit dem erschreckten Hof zu verhandeln. Die Blokade ist erklärt.

25. Aug. Ein Telegramm des Admirals Pierre an den Marineminister meldet, das Ver fahren gegen den englischen Missionär Shaw sei eingestellt und Shaw auf der Jusel Bourbon in Freiheit gesetzt worden. Pierre gestattete den Mitgliedern des Consularcorps die Wiederauf nahme ihrer Funktionen vom 28. Juli ab. Im Uebrigen ist die Situation fast unverändert.

Großbritannien. London, 24. Aug. Das Unterhaus lehnte das vom anderen Hause wieder hergestellte Amendement Salisbury's zu der Pachtbill auf's Neue ab. Hierauf wurde das Finanzgesetz definitiv angenommen. Im Oberhause passirte das Finangzgesetz die erste Lesung. Das Haus nahm ferner das Finanz gesetz und die Pachterbill in der Fassung des Unterhauses an. Der Schluß des Parlaments erfolgt morgen.

24 Aug. Nachrichten aus Canton be sagen, daß die Chinesen dort Drohungen gegen die Europäer ausstoßen; in den Bazars herrscht große Aufregung, an den Straßenecken sind Proclamationen angeschlagen, welche zur Er mordung der Barbaren auffordern. Der eng lische Consul hat den Kriegsdampfer Swift zur Beschützung der dortigen Engländer verlangt.

Italien. Rom. Wie es heißt, soll Mancini vor seiner Abreise von Neapel dem Minister Präsidenten mehrere die auswärtige Politik be treffenden Documente eingesendet haben, welche den baldigen Zusammentritt des Ministerrathes erfordern.

Spanien. Madrid, 26. Aug. Der König wird morgen nach Madrid zurückkehren und einem Ministerrath präsidiren. Am Freitag werden König und Königin nach Corunna gehen.

Bulgarien. Sofia. Wie man von hier meldet, gilt die Einberufung einer großen Sobranje, um das Budget für 1884 votiren zu lassen, noch im Laufe dieses Jahres für wahrscheinlich. Gleichzeitig soll eine Aenderung der Verfassung von Tirnowo angeregt werden. Es wird in der bulgarischen Hauptstadt ange nommen, daß auf dieser Grundlage die Her stellung des constitutionellen Regimes, und zwar mit Unterstützung beider großen Parteien des Landes ermöglicht und dem Regime der fremden Generale eine Ende bereitet werden könne.

Türkei. Konstantinopel, 26. Aug. Wie verlautet, hat der Fürst von Montenegro seine Abreise bis zum Montag verschoben. Die Pforte soll sich eingehend mit der montenegrinischen Grenzfrage beschaftigen.

Rußland. Petersburg, 25. Aug. Der Kaiser besuchte gestern den Kriegsminister Wan nowski, welchem ein Urlaub zum Kurgebrauch bewilligt wurde. Während der Abwesenheit des selben ist der Chef des Generalstabes, Obrutscheff, mit der Verwaltung des Kriegsministeriums be traut worden. Gestern wurden die Truppen revuen in Krasnojsselo beendet; zahlreiche Be sörderungen von Zöglingen der Militär-Lehran stalten zu Offizieren haben stattgefunden. Groß

fürst Constantin ist nach der Krim abgereist.

Egypten. Alexandrien. Ein Decret des Khedive setzt die Wahlen für den legislativen Provinzialrath, sowie für die allgemeine Landes

versammlung fest. Asien. Simla. Dem Reuter'schen Bureau wird von hier gemeldet: Nachrichten aus

Afghanistan melden, daß unter der Leitung des

Erhebung der Ghibzais gegen die Regierung des Emirs erfolgt sei.

Aus Stadt und Land.

st. Frledberg. Vor einiger Zeit ist eine Eingabe von einer Anzahl hiesiger Einwohner an hiesiges Kreis⸗ amt eingereicht worden, worin um Errichtung eines Isolir-Hospitals außerhalb der Stadt gebeten wurde. Die Bittsteller sind auf Grund eines Gutachtens des Medietnalraths Dr. Lorenz abschläglich beschieden worden und dürfte es wohl sehr im allgemeinen Interesse sein, sowie zur Aufklärung und Beruhigung dienen, wenn wir das höchst interessante Gutachten in seinem wesentlichen Inhalt wiedergeben:Es kann als durch die Erfahrung vollkommen erwiesen betrachtet werden, daß eine Ueber tragung ansteckender Krankheiten aus einem vom Verkehr völlig abgeschlossenen Hause auf in der Nähe befindliche oder in näherer Nachbarschaft wohnende Personen nicht stattfindet. Wenn überhaupt Ansteckung erfolgt, so ge schieht dies durch den Aufenthalt in unmittelbarer Nähe des Kranken oder in einem von den Aus dünstungen des selben erfüllten oder behafteten geschlossenen Raume oder endlich durch Berührung mit Gegenständen, welche vor kürzerer oder längerer Zeit mit dem Kranken in Berühr ung oder in dessen Nähe gewesen sind. Eine Ansteckung durch die freie Luft auf Entfernungen von selbst nur 1 Meter gibt es nicht. Man kann ruhig auf einen Meter Entfernung zu dem geöffneten Fenster einer Isolir anstalt für Ansteckende herantreten oder im Freien an einem Kranken vorübergehen. Dies gilt im Allgemeinen für alle ansteckenden Krankheiten, besonders auch für die in diesem Gesuche besonders berührten Blattern. Diese Sätze sind unbestrittene naturwissenschaftliche Erfahrungs thatsachen, und wir dürfen wohl annehmen, daß sie auch ohne specielle elementäre Beweisführung als Grundlage der nachstehenden Besprechung des vorliegenden Gegen standes werden angenommen werden. Ste l(diese Sätze) sind durchaus entscheidend für die Platzwahl einer Isolir anstalt für ansteckend Kranke, denn sie beweisen: was unter den fraglichen Umständen gefürchtet werden muß, ist keineswegs die Nähe zu anderen Häusern, sondern nur der Verkehr zwischen der Anstalt und der Außenwelt, wobel die Entfernungen an sich nahezu gleichgültig sind. Dies entspricht auch thatsächlich dem dermalen allgemein herrschenden Gebrauche; in Gießen steht die Blatternbaracke mitten im Hofe der Klinik, und das alle Ansteckende aufnehmende Garnisonslazareth mitten in der Stadt; ebenso an den meisten Orten, und wenn irgendwo anders gebaut wurde, so geschah dies nicht zum Schutze der Umgebung, sondern im Interesse der Heilanstalten selbst, für welche reine unverwohnte Luft gesucht wurde. Jedenfalls überschreiten die in unserem Falle gegebenen Entfernungsverhältnisse das an gegebene Maß so bedeutend, daß die Gefahr der Nähe von vornherein als nicht vorhanden völlig aus geschlossen werden kann. Wie aber verhält es sich mit dem Verkehr? In der hlesigen Anstalt ist das Isolir haus völlig verschlossen, die leitende Diaconissin hat die Schlüssel zu beiden Hausthüren; im Falle des Noth bedarfes(Arzt, Arznei, Geistlicher ꝛc. ꝛkc.) gibt der mit dem Kranken eingeschlossene Wärter ein Signal, worauf hin das Hospital(Haupthaus) die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte für die Bedürfnisse der Isoliranstalt sofort in Bewegung setzt. Die Isoliranstalt sel bst bleibt dabei völlig geschlossen, Niemand betritt ste, Niemand verläßt ste(Ausnahmen nur unter Beisein des Arztes oder der Diakonissin unter besonderen Maßregeln). Es ist offenbar, daß eine so absolute Durchführung des Abschlusses von dem Verkehr nur zu Stande gebracht werden kann unmittelbar unter den Augen einer dlenstlich mit der Isoliranstalt organisch verbundenen Heilanstalt, welche die unter allen Umständen übrig bleibenden Faden von Außenbeziehungen der Isolir anstalt(s. oben) sofort aufnimmt und in unschädlicher Weise weiter führt, und ferner unter den Augen eines mißtrauisch controlirenden Publikums von Nachbarn. Wie gestaltet sich nun die Sache bel Fernlegung der Isoliranstalt in's Freie, wie muß sie sich da gestalten? Dem Wärter muß dann für Nothfälle die Möglichkeit des Austritts gewährt sein, und diese Möglichkeit wird sicher mißbraucht werden. Die Langeweile des Wärter's, die Anhänglichkeit von Angehörigen der Kranken und vor allen Dingen der leidige Hospitalschmuggel werden dann in Form von Ab- und Zufuhr und von Ab- und Zugang unfehlbar ihr Spiel beginnen. Es entsteht eln geheimer und nicht zu controlirender Verkehr zwischen der Anstalt und der Stadt und durch ihn ergeben sich unvermeidlich an Kleidern, Personen und Gegenständen Verschleppungen des Contagiums. Diese sachlichen Be denken treten unseres Erachtens dem Wunsche der Petenten mit einer für unsere Verhältnisse schlechterdings nicht zu überwindenden Schwierigkeit entgegen. Das Gesund heitsinteresse der ganzen Stadt sowohl, als auch der dermaligen Hospitalnachbarschaft wird durch die jetzt vorhandene Hosspital- und Isolireinrichtung in welt höherem Maße gesichert, als durch irgend eine uns für hier denkbare andersartige Veranstaltung. Wir bedauern lebhaft, dies aussprechen zu müssen, da wir wissen, daß bei dem dermalen herrschenden und wohl noch für lange Zeit nicht zu verbessernden Anschauungen des Pub likums in dieser Materie, so irrthümlich diese auch sind, eine Beunruhigung und wohl gar materielle Schädigung mit der Hospitalnachbarschaft verbunden ist und bleiben wird. Die Gewißheit, daß man hinsichtlich ansteckender Krankheiten wohl nirgends mehr Schutz genießt, als gerade in der Nähe eines Hospitales, bei dem die seru

bekannten Mollah Muschki Alum eine allgemeine vulöseste Vorsicht in Behandlung aller einschlägigen Vor⸗

gänge einfach Pflicht der Selbsterhaltung ist, wird ja freilich so bald noch nicht in den Anschauungen der großen

J. Friedberg. Am Samstag Abend fand das Concert unserer Feuerwehr-Musik zum Benefiz ihres Dirigenten J. Hertel statt. Das Coneert war sehr stark besucht, in dem Binzel'schen Garten war kaum noch ein Platz zu finden, ein Beweis, wie sehr unsete Einwohner⸗ schaft wirkliche Verdienste zu würdigen weiß. Die Musik⸗ stücke, sowohl die Ensembles als die Soli, wurden vor züglich vorgetragen, was sowohl ein gutes Zeugniß für die Ausführenden wie für den Dirigenten ist, zumal wenn man bedenkt, daß man lediglich Dilettanten vor sich hat. Möge die wackere Capelle auf dem betretenen Wege fortfahren, die Anerkennung des Publikums wird ihr dann auch fürder nicht fehlen.

h. Friedberg. Die Vorbereitungen zu unserer Sedanfeter sind im Gang. Diesmal wird die Betheilig ung eine besonders große werden, zumal die Feier auf einen Sonntag fällt. Wenn das Wetter gut ist, will sich auch, wie wir hören, die Umgegend zahlreich betheiligen. Nun, es soll und wird dem kommenden Besuch an nichts Erforderlichem fehlen, weder an geistigem noch leiblichem Genuß. Der Gottesdlenst, der Zug durch die Stadt, der Aufenthalt auf dem Festplatze bei Rede, Musik, Gesang, Spielen, Turnen u. s. w., alles Das wird Alt wie Jung geistig heben und erfreuen und das umsomehr, als bekanntlichGetheilte Freude, doppelte Freude ist.

h. Friedberg. Zur Feier des Ludwigstages hat das Schullehrerseminar, Lehrer und Seminaristen, einen Ausflug nach Frankfurt gemacht und dort das Schlach tenponorama, den Palmengarten, den zoologischen Garten,

saal, die Markthalle und weitere Sehenswürdigkeiten be sucht. Beim Mittagsmahl und Nachtessen würde den Gesinnungen der Treue und Liebe für unseren Groß herzog in Wort und Gesang begeistert Ausdruck gegeben. Alle Theilnehmer sind von den Exlebnissen des schönen Tages befriedigt zurückgekehrt und werden ihn in treuem Gedächtniß bewahren.. f

Friedberg. Ein Fest seltenster Art ist es, welchts in aller Kürze von einem Einwohner unserer Stadt gefeiert wird. Postdirektor Brentano wird näm lich am 17. Sept., wie wir aus bester Quelle erfahren, sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern. Bel der allge meinen Achtung und Beliebtheit, der sich der Genannte nicht uur bei seinen Beamten, sondern bei allen Ein wohnern unserer Stadt und weit über die Grenzen der selben hinaus erfreut, bei der Thatsache, daß er jetzt schon 20 Jahre Bewohner unserer Stadt ist und fuͤr dieselbe bei allen Gelegenheiten das regste Interesse ge zeigt und bethätigt hat, dürfte das bevorstehende Fest auch für weitere Kreise eine freudige Veranlassung bieten, dem Jubllar bei dieser Gelegenheit die Gefühle der Freundschaft und Achtung zum Ausdruck zu bringen.

a. Darmstadt. Die diesjährige ordentliche Delegir ten-Versammlung des Verbandes der südwestdeutschen landwirthschaftlichen Creditgenossenschaften findet Montag den 3. Sept., Vormittags 10 Uhr beginnend, dahier im Saale des Darmstädter Hofes statt. Auf der Tages⸗ ordnung stehen: 1) Jahresbericht des Verbandspräsidenken. 2) Geschäftliche Angelegenheiten. 3) Ergänzung der Ver bands einrichtungen im Sinne des§ il der Verbands⸗ satzungen. 4) Anfragen und Mittheilungen aus den Ver bandsvereinen. 5) Ist die Gewährung von Credit an die Mitglieder des Vorstandes während der Dauer ihrer Amtsthätigkeit zulässig? 6) Wahl des nächstjährigen Ver sammlungsortes.

Darmstadt, 25. August. Heute Mittag kurz nach 2 Uhr brach in dem Ständehaus und zwar in dem Bureau erster Kammer Feuer aus, das indeß bald ge löscht werden konnte. Vermuthlich liegt eine Unvorsich tigkeit der bei Einführung der Gasleitung beschäftigten Arbeiter vor. Die Gefahr war bei der schlechten Bau art der mit Aeten vollgepfropften Räume immerhin keine unbedeutende.

Allerlei.

Cronberg, 24. Aug. Heute Vormttag kam mit dem um 9 Uhr 20 Min. von Frankfurt abgehenden Zug eine schwächliche, ältere Dame hier an, um in der Kur und Heilanstalt Falkenstein aufgenommen zu werden. Ein mit ihr in demselben Coupee fahrender Herr erbot sich, ihr den Weg nach Falkenstein zu zeigen, führte sie aber einen Feldweg in der Richtung nach Oberböchstadt zu. Einige, die Oberhöchstädter Straße passirende Per sonen hörten auf einmal Hilferufe und sahen, wie der Mann die Frau zu Boden warf, sie ihrer Baarschaft beraubte und hierauf die Flucht in der Richtung nach Weißkirchen ergriff. Wie die Dame angibt, sind ihr 40 Mark genommen worden.

Köln, 24. August. Eine Abtheilung Soldaten der 11. Komp. des 65. Regiments machte im hiesigen Hafen unter Führung ihres Hauptmanns Menges Schwimm übungen bei vollständigem Anzug. Die Schwimmer ge riethen in eine Untiefe und versanken; gerettet wurden Alle bis auf einen Unteroffizier und 4 Mann, welch letztere man als Leichen aus dem Wasser zog.

Gerichtssaal. Gleßen. Die Schwurgerichts Verhandlungen pro 3. Qlartal für die Provinz Oberhessen werden den 24. Sept., Vorm. 9 Uhr, unter dem Vorsitz des Land⸗

gerich:sraths Pfannmüller ihren Anfang nehmen.

Menge ihren Platz finden. Wir glauben nach dem Gesagten nicht, daß dem Gesuche Folge gegeben werden könne.

die Bildergallerie, das Städel'sche Museum, den Kaiser⸗

1

Jupapünd

iislüis 31318

.

8

1 D 1 12 12 * 12 f 1

Df nid emen

. ˙

0 E 12 E 8 12 *

ͤð

I

pünnhört

Asp N aun