Der Director des Gesundheitsamtes Struck und Bundescommissär Köhler widerlegen dieselben. Nach längerer, aber wenig erheblicher Debatte, an welcher sich Häuel, v. Minnigerode, Schrader, Braun, Rickert, Lingens und Reichensperger bethei— ligen, wird die Sitzung bis zum Montag vertagt.
— Die Vossische Zeitung registrirt das Ge— rücht, daß der Herzog von Edinburg sein Erb— recht auf das Herzogthum Sachsen-Coburg⸗ Gotha für eine Million Lstr. an Preußen abge— treten habe.
— 21. Jan. Im Befinden des Prinzen Karl, des Bruders des Kaisers, ist gestern Abend eine bedeutende Verschlimmerung ein— getreten. Der gesammte prinzliche Hof war gestern dort versammelt. Auch Nachts war der Zustand bereits sehr bedenklich. Der Kaiser verließ heute vor zwölf Uhr wieder das Palais des Prinzen, um sich jedoch mit der Kaiserin gegen 1½ Uhr nochmals in das Palais zu begeben, um mit dem Prinzen das Abendmahl zu nehmen; in Folge zu großer Schwäche des— selben mußte indeß die heilige Handlung unter—
bleiben. Der Prinz unterhielt sich mit dem Kaiser und den später eintreffenden Prinzen durch Geberden. Der Generalsuperintendent
Kögel betete mit den Majestäten am Lager des Sterbenden, während des Gebetes verschied der Prinz kurz vor 2 Uhr. Um 2 Uhr erschien das Kronprinzenpaar, später die anderen hohen Herrschaften am Sterbelager.
Karlsruhe, 19. Jan. Der Großherzog und die Großherzogin werden Sonntag Abend die Reise nach Berlin antreten.
Freiburg i. Br. Erzbischof Orbin wählte den Pfarrer Schmieder aus Haslach zum Dom—
präbendar. Ausland.
Pest, 18. Jan. Wie es heißt, wird sich der Ministerpräsident v. Tisza in der nächsten Woche nach Wien begeben, um den in Wien erwarteten russischen Minister des Aeußeren, v. Giers, per— sönlich kennen zu lernen.
Schweden. Stockholm. Die Regierung verlangt vom Reichstag 838,000 Kronen zum Bau von Panzerbooten.
Frankreich. Paris, 19. Jan. Einige republikanische Journale berichten von einem legitimistischen Complot; es wäre dies eine weit— verzweigte Verbindung unter der Leitung des Herzogs von Chartres, deren Zweck der Um⸗ sturz der Republik, selbst mit Waffengewalt sei. 33 Legionen würden im Westen und im Centrum gebildet, mehrere Officiere würden daran theil— nehmen, auch seien Waffendepots vorhanden. La Paix, ein dem Präsidenten der Republik nahestehendes Organ sagt, daß man in politisch wohlinformirten Kreisen über eine legitimistische Verschwörung unterrichtet sei. Royalistische Journale dementiren die Nachrichten von einer legitimistischen Verschwörung und erklären die— selben als ein Manöver, um die Annahme des Antrags der Verbannung des Prinzen zu recht— fertigen.
— 20 Jan. General Pittie geht morgen nach Berlin, um den Präsidenten Grevy bei der silbernen Hochzeit des Kronprinzen zu ver— treten.
— 21. Jan. In der Kammer wird der Gesetzententwurf über eventuelle Maßregeln gegen Thronprätendenten verlesen. Derselbe er— mächtigt den Präsidenten der Republik, durch ein im Ministerrathe festzustellendes Dekret jedes Mitglied früherer Herrscherfamilien Frank— reichs auszuweisen, dessen Anwesenheit die Sicher— heit des Staates gefährden könnte. Die Rück— kehr nach Frankreich unter Verletzung des Dekrets zieht Verurtheilung zu ein- bis füunf— jähriger Gefängnißstrafe nach sich. Prinzen, welche der Armee angehören, können in Dis— ponibilität versetzt werden(Unterbrechungen, Unruhe). Ein zweiter Gesetzentwurf über Ab— änderungen des Preßgesetzes von 1881 bedroht Schmähungen der Regierung der Republik mit Sirafe und verweist die deshalb Angeschuldigten vor die Zuchtpolizeigerichte. Ballue(Radikal)
beantragt, den Prinzen von Orleans aus der Armee zu entfernen und verlangt für seinen Antrag Dringlichkeit. Der Minister ist mit der Dringlichkeit einverstanden, weil es noth— wendig sei, über alle diese Fragen rasch zu beschließen. Die Dringlichkeit wird mit 407 gegen 94 Stimmen beschlossen. Der Gesetz— entwurf über die Maßregeln gegen Thronprä— tendenten und der Antrag Ballue wird an die Commission verwiesen, welche die Bureaux Dienstag zur Vorberathung des Antrages Floquet wählen. Der Gesetzentwurf über Abänderung des Preßgesetzes geht an eine besondere Com— mission.
Lyon, 19. Jan. Im Anarchistenprozesse wur— den Krapotkin und Gautier zu funf Jahren Gefäugniß und zehn Jahren Polizeiaufsicht ver— urtheilt.
Großbritannien. London. Die Donau— Conferenz wird am 5. Febr. unter dem Vorsitz des Lord Grauville zusammentreten. Der ita— lienische Vertreter ist bereits eingetroffen.
— Prinz und Prinzessin von Wales reisen Montag via Calais nach Berlin ab und treffen daselbst Mittwoch ein.
— 20. Jan. Parnell ist nach Norddentsch— land abgereist, wie es heißt, im Interesse der irischen Industrie, welche er zu fördern wünscht.
Dublin, 21. Jan. Die Anklage in dem Prozesse wegen eines Komplottes zur Ermordung mehrerer Polizeiofficianten und Beamten ist gegen 22 Personen gerichtet. Der Hauptzeuge Farrel, welcher der Mörderverbindung ange— hörte, verrieth seine Kameraden; seine Dispo— sitionen ergaben, daß die Mehrzahl der Ange— klagten an den jüngsten Morden und an dem mißglückten Versuche, Forster zu ermorden, be— theiligt war. Der Prozeß macht großes Aufsehen, die Verhandlung ist um acht Tage verschoben.
Türkei. Constantinopel, 19. Jan. Trotz der officiellen Anstrengungen, die Revolte im Palast zu vertuschen, bestätigt sich dieselbe. Es hat ein heftiger Kampf zwischen einem albanischen und einem Neger-Regiment stattgefunden, her— vorgerufen durch einen Streit zwischen einer schwarzen Schildwache und einem Albanier, der zwei Stunden dauerte und bei dem es fünfzig Todte und Verwundete gab. Der Sultan war äußerst erregt über dieses Zeichen mangelhafter Subordination in der Armee. Es wird ferner bestätigt, daß alle Palastgärten allnächtlich jetzt mittelst Gas beleuchtet werden.
Serbien. Belgrad, 20. Januar. Skupschtinn nahm den Deutschland an.
Montenegro. Cettinje, 20 Jan. Der Finanzminister Cerovic ist zum Gouverneur von Niksie und Maternovic zum Finanzminister er— nannt worden.
Egypten. Kairo, 19. Jau. Zufolge der ungünstigen Nachrichten aus dem Sudan wird Baker Pascha Anfangs Februar eine Expedition gegen den falschen Propheten Mahdi leiten und der General Whingate zeitweilig das Commando über die Gendarmerie übernehmen.
— 20. Jan. Einer Meldung der Agence Havas zufolge wurde die Aufhebung der Con— trole dem Vertreter Frankreichs notificirt. Letzterer machte alsbald seine Vorbehalte.
Amerika. New-Pork. Aus Mexico wird gemeldet: Zwischen mexicanischen Truppen und Indianern erfolgte bei Tehuantepec ein Zusam— menstoß, wobei fünfzig Soldaten und achtzig Indianer gefallen sind.
Aus Stadt und Land.
h. Friedberg. Folgende Mittheilung, die den Lesern des Oberh. Anz., namentlich denen in Friedberg, von Interesse sein dürfte, ist einem schon vor längerer Zeit von der Darmstädter Zeitung gebrachten größeren Aufsatz entnommen, dessen wesentlicher Inhalt auch bereits in verschiedenen größeren deutschen Zeitungen, wie in der Augsb. Allg. Ztg. der Berliner Börsenzeitung und anderen Aufnahme gefunden hat. Letztere Zeitungen schreiben: Der Gymnasiallehrer Robert Schäfer in Friedberg hat interessante Forschungen über den Fried— berger Zweig der Familie Goethe veröffentlicht. Daß Göthe Verwandte väterlicherseits in der Wetterauer
Die Handelsvertrag mit
[Reichs hauptstadt Friedberg besaß, wissen wir aus seinen
Mittheilungen in„Dichtung und Wahrheit.“ Genaueres war über den geneologischen Zusammenhang der beiden
Zweige bisher nicht bekannt. Schäfer's Untersuchungen führten den Ursprung des Friedberger Zweiges zunächst nach Allstedt(Sachsen Weimar) und dann nach Artern in der Grafschaft Mansfeld, welches längst als Sitz der Familie Göthe bekannt ist. Der Großvater des Dichters und der Stammvater der Friedberger Familie waren Brüder. Ihr gemeinsamer Vater war der Huf— schmied Hans Christian Göthe zu Artern( 1694). Sein Sohn, der Schreiner Johann Christian Göthe zu Friedberg(T 1768), hatte eine Tochter, geboren 1731, welche von Frau Cornelia Göthe zu Frankfurt, der Großmutter des Dichters, aus der Taufe gehoben wurde, und deren Namen führte. Die Familie Göthe ist in Friedberg erloschen, und das Haus„Zum Ritter“, welches ihr von 1730 bis 1770 gehörte, ist 1879 abge- brochen worden.
h. Friedberg, 22. Januar. Der Feierabend war gestern von 73 jungen Leuten besucht, die sich in schon bekannt gegebener Weise beschäftigten und unterhielten. Einer derselben äußerte sich dem Schreiber dieses gegen— über:„Das ist schön, da weiß man doch, was man Sonntagsabends treiben soll, es ist hier schöner als wie zu Hause.“—„Bildung heißt, sich zu jedem Menschen so stellen, daß das Aneinanderklingen seines und unseres Wesens Wohllaut gibt.“„Harmonische Ent— wickelung unserer Kräfte macht uns freudig, glücklich, gut und gesund.“„Eine zarte Rücksicht für das Wesen und die Gefühle Anderer, Achtung vor ihrer Menschen⸗ würde, Sanftmuth und Herzensgüte wird der wahrhaft Gebildeten ganzes Benehmen durchdringen.“ Solche Sätze sind die Richtschnur für die Leitung des Feierabend. Alles Andere, wie namentlich auch die Erreichung eon— fessioneller Zwecke, liegt der Errichtung desselben fern. Der Glaube und seine confessionelle Gestaltung ist eine innere, persönliche Angelegenheit des Menschen; in der Lebensgemeinschaft hat nur, wie innige Religiosttät, so wahre Toleranz und herzliches Wohlwollen gegen Jeder— mann Berechtigung. Man bittet darum, sich nicht gegen das Streben im Feierabend einnehmen zu lassen und dasselbe mit Mißtrauen zu verfolgen, wohl aber mit auf— merksamen, scharfen und unpartheilichen Augen. Die Einrichtung des Lokals für den Feierabend wurde, wie nothwendig, vervollständigt, und dafür nicht unerhebliche Mittel der Vereins kasse freudig aufgewandt. Aber auch für erhaltene Geschenke an Stühlen, Spielen und Geld hat der Vorstand wieder herzlich zu danken.
b. Friedberg. Heiteres neben dem Herzeleid. In einem Orte der Wetterau legte eine Frau, deren Vermögen nicht nach Tausenden, sondern nach Hundert— tausenden zählt, bei der zweiten Sammlung für die Wasserbeschädigten vier Mark hin. Als nun der eigene Sohn sie auf das Unzureichende des Betrag's gegenüber ihrem großen Vermögen aufmerksam machte mit dem Bemerken, man müsse sich ja schämen, der Lehrer habe ja drei Mark gezeichnet, antwortete sie:„Dos glab' ich, wät der aach'n Gehalt hott, der kanns aach!“
Mainz. Vom 21. Januar an ist auf der Strecke Mainz⸗Worms auch der Personenverkehr wieder eröffnet.
Allerlei.
Bockenheim, 20. Jan. Gestern Abend gegen acht Uhr brach in Bockenheim im Speeerei und Materialisten— geschäfte von Gebrüder Schmidt in der Frankfurterstraße ein bedeutendes Feuer aus, welches das ganze Lager, bestehend aus lauter brennbaren Stoffen, Oel, Petroleum, Spiritus u. s. w. binnen Kurzem ganz in Flammen setzte. Nur dem raschen Eingreifen der Bockenheimer Feuerwehr und dem windstillen Wetter war es zu danken, daß die umliegenden Gebäude nicht weiter in Mitleidenschaft ge— zogen wurden. Nach Verlauf einer Stunde war die Ge— fahr beseitigt, während erst gegen Mitternacht der ganze Brand gelöscht war. Der Brandschaden soll bedeutend sein. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.
Hamburg, 20. Jan. Der Dampfer„Cimbria“ auf der Fahrt von Hamburg nach New⸗Pork begriffen, gerieth am Freitag Morgen bei Borkum mit dem Dampfer„Sultan“ von Hull in Collision und ist bald darauf gesunken. Es wurden 6 Dampfer ausgesandt, um die Boote zu suchen. Der„Sultan“ ist nach der Collisten ohne Rettungsversuch weggedampft und gestern mit einem Loch hier angekommen. Die Offiziere desselben sind sofort verhaftet worden. Die„Eimbria“ ist in fünfzehn Minuten gesunken. Boot Nr. 1 und Nr. 7 mit 39 Passagieren von der englischen Barke„Theta“ aufgenommen, sind heute hier eingetroffen. Die Gerette— ten erzählen von dem unglaublich raschen Sinken der „Cimbria“, welche mit Halbkraft fuhr. Die Schuld an der Collision ist zweifellos dem„Sultan“ beizumessen. Boot Nr. 5 war überladen und ist gekentert, Boot Nr. z ist abgegangen, doch wurde bis jetzt Nichts gehört davon, weitere 17 Passagiere sind am Weserleuchtthurm gelandet worden. Zwei fernere Boote mit 17 und 8 Personen sind gerettet.
Wien, 19. Jan. Die Eröffnung des Verkehrs auf der Pusterthalbahn wird Ende Januar vor sich gehen. Die Kosten der Wiederherstellung werden auf zwei Mil— lion geschätzt.
Neusatz, 17. lich in den letzten
Jan. Die Donau steigt continuir⸗ e 24 Stunden um 12 Centimeter. Die Festungsschanzen, die Promenade und der äußere Lan— dungsplatz stehen unter Wasser. Zwischen dem Schiff— ladeplatz und dem Brückengraben wird ein neuer Damm errichtet.
Amster damm, 19. Jan. In der Pulverfabrik bei Muiden(dretl Stunden von Amsterdamm) haben heute früh drei furchtbare Explosionen stattgefunden,
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