Ausgabe 
22.2.1883
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Oberrechnungs-Revisor Paul wurde in den Ruhestand versetzt; der Ge richtsvollzieher Bauer zu Gießen zum Gerichts vollzieher in Alsfeld ernannt.

Sicherem Vernehmen nach wird Prinz Alexander der Krönung seines kaiserlichen Neffen in Moskau beiwohnen. Auch der Fürst von Bulgarien wird sich zur Krönung des Kaisers nach Moskau begeben.

Berlin. Die Nordd. Allg. Ztg. theilt mit, daß die nach Coofisland in der Südsee ent sendeten KriegsschiffeCarola undHyäne daselbst Mannschaften gelandet und die Be strafung der Eingeborenen ausgeführt haben, welche im vergangenen Sommer die Nieder lassung der deutschen Firma Herusheim und Compagnie zerstört, den Stationsbeamten er mordet, die DampferPacific undFreya beim Anlaufen in die Inselgruppe beschossen und den Capitän derFreya getödtet, sowie einen Schiffsjungen schwer verwundet hatten.

In der Angelegenheit des Reichskriegs hafens schweben noch die Verhandlungen mit Oldenburg wegen Abtretung einer von diesem Staat angelegten Befestigung an der Jahde behufs Enutschädigung. Ein günstiger Abschluß gilt als sicher.

Der Reichsanzeiger publicirt die Denk schrift uber die Ausführung des Gesetzes, be treffend die Reblauskrankheit, welche Denkschrift soeben dem Bundesrathe zugegangen ist.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Febr. Im Unterhause beantragte Herbst eine authen tische Auslegung, beziehungsweise Abänderung des§ 3 des Preßgesetzes, betreffend die Ent ziehung des Einzelverschleißes der Journale.

20. Febr. Das Herrenhaus nahm heute mit großer Majorität die Schulnovelle an. Der Unterrichtsminister polemisirte gegen die kleri kalen Redner und erklärte die neue Schule für gut und patriotisch; die Schulnovelle nehme nur auf wirthschaftliche Verhältnisse Rücksicht. Alle Amendements der Linken werden hierauf abgelehnt.

Holland. Haag, 20 Febr. Der Colonial minister hat seine Demission eingereicht in Folge eines Votums der Kammer über die Minen auf der Insel Billiton.

Frankreich. Paris, 19. Febr. Einem Redacteur des Gaulois gegenüber sprach sich Leon Say dahin aus, daß der Kriegsminister die Prinzen von Orleans wahrscheinlich sofort aus der Armee entfernen werde. Sollte das neue Cabinet die Prinzen durch Decrete ausweisen, so würde der Senat keinen Protest erheben.

19. Febr. Nach wiederholtem Confe riren wurde Ferry von Grevy mit der Cabinets bildung beauftragt. Wie es heißt, werde Ferry das Auswärtige, Martin Feuillés das Innere, Waldeck-Rousseau die Justiz, Tirard die Finan zen, Thibaudin das Kriegsministerium, Raynal das Ministerium der öffentlichen Arbeiten und Cochery das der Posten übernehmen. Nach anderer Version wurde das Ministerium des Auswärtigen Challemel angeboten. Wenn dieser annimmt, wird Ferry Unterrichtsminister, andern falls aber Minister des Auswärtigen. Für das Portefeuille des Krieges sei Campenon, für das des Junern Waldeck-Rousseau in Aussicht genommen. DerFrance zufolge würde das Programm Ferry's die Revision der Verfassung und die Wiederaufstellung der Forderung des Listenserutiniums enthalten.

Großbritannien. London, 19. Febr. Granville und die Gesandten Madagascar's unterzeichneten einen revidirten Vertrag

19. Febr. Eine Meldung des Temps besagt, die Donau-Commission habe gegen die Aufhebung der Freihäfen Galatz und Sulina seitens der rumänischen Regierung protestirt und darauf hingewiesen, daß der rumänische Delegirte im Jahre 1879 die Freiheit dieser Häfen formell anerkannt habe und somit eine internationalen Verpflichtung eingegangen sei.

20. Febr. Unterhaus. Die erste Lesung der parlamentarischen Eidesbill wurde mit 184 gegen 53 Stimmen angenommen.

Dublin, 18. Febr. In Folge der Ent⸗ hüllungen über die Ermordung von Cavendish und Burke wurde gestern die Frau des Secre tärs der Landliga in Peckam verhaftet. Byron ist von dem Kronzeugen Carey beschuldigt worden, die bei der Ermordung verwendeten Messer von London nach Dublin gebracht zu haben. Das am Samstag von dem Kronzeugen Carey unter der BezeichnungNumero eins erwähnte Ju dividuum soll vom Continent zurückgekehrt und in einer der Londoner Vorstädte versteckt sein. Man sagt, seine Persöulichkeit sei der Polizei wohl bekaunt. Mehrere Verhaftungen wegen Theilnahme an den Ermordungen in Irlaud sollen in England bevorstehen. 19. Febr. Der Prozeß gegen die fenischen Mordbanden wurde heute fortgesetzt. Die wegen der Er mordung von Cavendish und Burke angeklagten Gefangenen wurden zur Aburtheilung formell vor das ordentliche Tribunal verwiesen. 20. Febr. Der berüchtigte VerschwörerNumero Eins dürfte identisch sein mit einem amerika nischen Iren, Namens Milue. Es heißt, daß er wieder nach dem Continent entkommen sei. Es verlautet gerüchtweise, die Regierung werde am Freitag in Dublin eine geheime Untersuchung eröffnen, betreffend eine Ver schwörung, welche eine größere Tragweite und vernichtendere Zwecke als das jüngst entdeckte Complot haben.

Italien. Rom. Der Moniteur de Rome veröffentlicht Briefe des Papstes au Kaiser Wilhelm vom December und Januar. Letzterer, welcher die Antwort auf das kaiserliche Schreiben vom 22. December enthält, ist vom 30. Januar datirt, und sagt, die Antwort des Kaisers be stätigte die Hoffnung des Papstes, den Conflict seiner Lösung zugeführt zu sehen, da der Kaiser zu einer Revision der gegenwärtigen Gesetz gebung geneigt sei. Der Papst stellte Schlözer durch Cardinal Jacobini eine Note zu, worin er den Entschluß ausdrückte, den Bischöfen zu gestatten, die Wahl der Seelsorger der Re gierung zu notificiren, ohne die complete Re vision der bestehenden Gesetze abzuwarten. Der Papst verlangt jedoch, die Maßregeln zu mildern, welche die Ausübung des geistlichen Amtes und die Ausbildung des Klerus verhindern.

19. Febr. Einer Meldung der Agenzia Stefani aus Tripolis zufolge, verurtheilte das Gericht den Araber, welcher einen Italiener mißhandelt hatte, zu einer Gefängnißstrafe von einem Monat und den betreffenden Offizier zu einer Gefängnißstrafe von einem halben Monat. Die Nachricht, das Haus des italienischen Consuls sei angegriffen worden, ist erfunden.

Türkei. Konstantinopel. Dank den ener gischen Vorstellungen des britischen Geschäfts trägers Wyndham, der eine Note an die Pforte über die betr. Angelegenheit richtete, ist der VergnügungsyachtSanta Cecilia endlich ge stattet worden, die Dardanellen zu passiren und dieselbe ist hier angekommen.

Die Pforte versendete neuerdings ein Circulär, worin sie den aufrichtigen Willen be theuert, die montenegrinische Grenzfrage in be friedigender Weise beizulegen und an den ein gegangenen Verbindlichkeiten festzuhalten.

Egypten. Kairo, 18. Febr. Das Kriegs gericht zu Alexandien verurtheilte fünf der wegen der Ermordung des Professors Palmer ange klagten 13 Beduinen zum Tode.

Oberst Stewart telegraphirt aus Khar tum, Obeid sei am 17. Januar in die Hände des falschen Propheten gefallen, unker den An hängern des Propheten beständen aber so große Zwistigkeiten, daß voraussichtlich viele der egyp tischen Armee sich anschließen würden, sobald diese vorrücke. Khartum ist nicht in Gefahr.

Aus Stadt und Land. Offenbach, 19. Febr. Nach derO. Z. ist es der hlesigen Poltzel gelungen, einem Falschmünzer auf die Spur zu kommen, der sein Handwerk schon längere

Zeit ganz im Stillen betreibt und die Erzeugnisse seiner Kunstfertigkeit er machte falsche Thaler- und Mark⸗ stücke in verschiedenen Läden dahier, in welchen er Einkäufe machte, auszugeben versuchte, auch verschiedent lich solche an den Mann brachte, die nachträglich als falsch erkannt wurden. Gestern Abend gelang es, den Burschen in der Person eines hier in Arbeit stehenden Posamentirgehilfen zu ermitteln und zu verhaften.

Allerlei.

P. C. Homburg v. d. Höhe, 19. Febr. Die vom Central-Comité der Gewerbe-Ausstellung auf letzten Sonntag Nachmittag im Schützenhofe zu Cronberg an beraumte Versammlung war von 9 Mitgliedern des Comités und ca. 20 Gewerbetretbenden aus Cronberg besucht. Thiemann von Cronthal eröffnete die Versamm⸗ lung unter Hinweis auf den Zweck der Zusammenkunft, worauf Hptm. Wodiezka das Wort ergrlff und die Be deutung der Ausstellung für die Gewerbetreibenden des Kreises sowie die daraus resultirenden Vorthelle er läuterte, mit besonderer Betonung, daß für die Aus⸗ steller keinerlei Resieo erwachsen könne, indem die Garantlezeichnungen und der Ertrag der Lotterie allein schon die Unkosten decken würden, ganz abgesehen von den Eintrittsgeldern, welche zweifellos auch die Garantie zeichner wieder entlasten würden. Von einem Krach mit verderblichen Folgen für die Theilnehmer der Ausstellung könne also unter gar keinen Umständen die Rede sein. Redacteur Schick gab hiernach eine Uebersicht über die Entwickelung und den Stand des Unternehmens, woran sich eine längere Debatte knüpfte. Die anwesenden Ge werbetreibenden erklärten sich mit den gehörten Aus- einandersetzungen vollkommen einverstanden und gaben ihre Bereitwilllgkeit zu erkennen, dle Ausstellung zu be⸗ schicken. Der Vorschlag, eine besondereColleckiv-Aus⸗ stellung Cronberg zu veranstalten fand lebhafte Unter⸗ stügung. Aus den Erörterungen ließ sich erkennen, daß vielfach irrige Ansichten über das Unternehmen verbreitet waren und daß nach den gegebenen Erläuterungen auch unter dem dortigen Handwerkerstande ein völlsger Um schwung in Hinsicht auf den Werth und die Vortheile der Ausstellung stattgefunden hat. Die nächsten Sonntag in Oberursel stattfindende Versammlung, sowie eine weitere für Friedrichsdorf in Aussicht genommene werden gewiß das gleiche Ergebniß haben und die Gewerbe Ausstellung sonach in Wirklichkeit das bieten, was sie 1 ein Bild der Produetionsfähigkelt des Obertaunus reises.

w. Windecken. Sonntag den 18. Februar fand zu Höchst a. d. N. die diesjährige Delegkrtenversamm lung des Nidderthal⸗Sängerbundes statt. Einige An⸗ träge, die auf der Tagesordnung standen, wurden in Berathung gezogen und erledigt. Durch Abstimmung fand ferner die Aufnahme von zwei neuen Vereinen statt, der Liedertafel in Hainchen und der Teutonia in Kilianstädten. Der Bund zählt also jetzt zehn Vereine. Bei der Verloosung des Festortes für das Bundes- fest 1883 zog der neu aufgenommene Verein Liedertafel in Hainchen das Loos. Als Bundeslied für das nächste Sängerfest ist der ChorEintracht von Nägelt bestimmt; derselbe wird von dem Präsidenten, Lehrer Scharmann in Kalchen, dirigirt. Eine besondere Ueberraschung wurde den Delegirten durch die Abendunterhaltung geboten, welche der Gesangverein zu Höchst arrangirt hatte und welche in allen Theilen als sehr gelungen bezeichnet werden muß. Besonders effectvoll wirkte die Aufführ ung des Solostückes:Meine Schwiegermutter und das Gesangs⸗Quartett:Im Land Tyrol. Auch die theatralische Darstellung ließ Nichts zu wünschen übrig; besondere Anerkennung erwarben sich die hierbei mit wirkenden Damen, deren Auftreten sicher und deren Spiel natürlich war.

Freiburg, 19. Febr. Der Bürger⸗Ausschuß ge⸗ nehmigte einstimmig 400,000 M. für die Höllenthalbahn, die Bedingungen des Gesetzentwurfs sind somit erfüllt,

Bayreuth, 18. Febr. Die Leichenfeierlichkeit zur Bestattung Richard Wagner's begann um 4 Uhr. Turner und Feuerwehr hielten die Ordnung aufrecht. Unter ihrer Assistenz erfol te vor der Tribüne am Bahnhofe die Aufbahrung unter den Klängen des Siegfried-Trauer⸗ marsches. Bürgermeister Muncker sprach im Namen der Stadt. Hierauf ergriff der Reichstagsabgeordnete Feustel das Wort. Ein Grablied, vorgetragen von dem hlesigen Liederkranz, schloß diesen Aet der Feier. Nunmehr formirte sich der Zug, alle Läden waren geschlossen. Den Zug eröffneten Ibthellungen der Feuerwehr und 2 Trauer⸗ herolde, an die sich das Musikeorps des 7. Inf.-Regts. reihte. Nun kamen Kranzträger, darunter Vlele mit herrlichen Palmen, und die Träger des kostbaren Kranzes, den die Künstler Münchens widmeten, sowie Wagen, welche mit Bouguets und Kränzen überlastet waren. Hierauf folgte der Leichenwagen mit 4 Rappen bespannt. Dem Leichenwagen folgte eine unabsehbare Menschenmenge. In die Villa Wahnfried wurden nur etwa 100 speekell Geladene eingelassen. Zwölf Bürger trugen den schweren Sarg in die Gruft, dessen Bahrzipfel hier die drei Kinder Wagner's trugen, die Einsegnung der Leiche war still und kurz, doch rührend im höchsten Grade. 20. Febr. König Ludwig von Bayern besuchte heute das Grab Wagner's.

Agram. Von den Verbrechern, welche die Post aus raubten, sind bereits drei eingefangen. Es sind Bauern aus Popovaca, unweit Sissek; sie haben ihr Verbrechen bereits eingestanden.

Pest, 19. Febr. Das Theater zu Arad ist abge⸗ brannt. Der Schaden beträgt über 155,000 fl.; Menschen⸗ leben sind nicht zu beklagen. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. f

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