Ausgabe 
17.7.1883
 
Einzelbild herunterladen

15. Juli. Gestern Abend veraulaßte in Roubaix eine Bande von 300 Anuarchisten Ruhe störungen und versuchte in das Rathhaus ein zudringen. Ein Polizeicommissär wurde schwer verletzt, 6 Verhaftungen wurden vorgenommen.

In an den Marineminister über Zanzibar eingegangenen Depeschen aus Tamatave vom

6. Juli berichtet der Admiral Pierre, er habe

am 22. Juni und 5. Juli zwei nächtliche An griffe der Howas mit großem Verluste für letz tere zurückgeschlagen. Die Franzosen hatten nur einen Todten, keinen Verwundeten. Ueber die Vorgänge, welche nach englischen Berichten am 22. Juni in Tamatave stattgefunden haben sollen, enthält die Depesche Pierre's absolut Nichts

Der Standard hat eine Depesche aus Hongkong erhalten. Darnach herrscht in Tonkin Anarchie; Räuberbanden durchziehen das Land und feuern mit großer Verwegenheit auf die französischen Vorposten. Das Klima ist derart, daß größere Operationen vor October unmög lich werden. Ferner wird gemeldet, daß 3000 Mann chiuesischer Truppen von Canton nach Ganchan an der Grenze von Tonkin beordert seien.

Großbritannien. London, 13. Juli. Unterhaus. Northcote kündigt an, er werde die Verwerfung des Suezeanal-Arrangements bean tragen. William Fowler(liberal) wird einen gleichen Antrag stellen. Gestern fanden in London und in den Provinzen verschiedene Meetings statt, welche sehr ent chieden gegen das Abkommen mit Lesseps protestirten.

14. Juli. Gestern fand ein außerordent licher Cabinetsrath statt, um die in Folge der wachsenden Opposition gegen das Abkommen mit der Suezcanal-Gesellschaft zu ergreifenden Maß regeln zu erörtern. An Lesseps wurde telegraphisch die Anfrage gerichtet, ob eine Abänderung des Abkommens noch thunlich sei. Der Pariser Correspondent des Daily Telegraph berichtet, Lesseps habe geäußert, es sei ihm ganz gleich gültig, ob das englische Parlament den Vertrag annehme oder ablehne; er sei entschlossen, den zweiten Suezcanal zu bauen, sei es nun mit oder ohne Englands Unterstützung. Wenn das Abkommen scheitere, so würden die englischen Schiffsrheder am meisten darunter leiden; denn wenn die Suezcanalgesellschaft die Kosten des Unternebmens allein zu tragen habe, so müsse der Gebührenentwurf erhöht werden.

13. Juli. Der chinesische Botschafter Marquis Tseng ist heute mit seinem Gefolge nach Paris abgereist.

Ferry äußerte sich gegenüber dem Cor respondenten des Standard über den Vorgang in Tamatave, daß derselbe sicherlich übertrieben sei. Frankreich wünsche die Aufrechterhaltung der herzlichen Beziehungen mit England. Der von den Franzosen in Tamatave eingesperrte Seeretär des britischen Cousuls heißt Adrianisa und ist ein Bruder des Sekretärs der mada gasischen Gesandschaft, welche jüngst Europa besuchte. Obwohl madagasischen Ursprungs ist er ein britischer Unterthan, da er auf der Insel Mauritius geboren wurde. Der verstorbene Con sul Pakenham war 21 Jahre hindurch britischer Cousul in Tamatave. Erst vor einigen Wochen war seine Ernennung zum Generalconsul in Odessa erfolgt.

Italien. Rom, 14. Juli. Das Journal de Rome sagt: Eine Antwort von Seiten Preußens erwarte der Vatican nun nicht mehr, doch könn ten die Unterhandlungen, welche selbst während Schlözer's demnächstiger Abwesenheit durchaus nicht vollständig zu ruhen brauchten, auf der Grundlage neuer gegenseitiger Concessionen wie der aufgenommen werden. Deutschland fürchte viel mehr, als es zugestehe, die Wirrsale, welche ein Bruch mit der Kirche nach sich ziehen würde. Der heilige Stuhl sei bereit, alle moͤglichen Concessionen zu bewilligen; man solle ihm nur annehmbare Garantien bieten. Das Journal de Rome glaubt heute mehr als jemals an eine friedliche Lösung. Der preußische Gesandte v. Schlözer hatte heute eine Unterredung mit dem Cardinalstaatssecretär Jacobini.

Rußland. Petersburg. Der Minister des Innern erweiterte behufs Schutzes der Häfen des Schwarzen Meeres die gegen die Cholera infection nothwendig erachteten prophylaktischen Maßregeln dahin, daß sämmtliche Schiffe mit unreinem Patent auläßlich der Cholera einer zweiwöchentlichen, alle anderen mit reinem Pa tent aus der Meerenge von Constantinopel und von der anatolischen Küste kommenden Schiffe, gleichwie die unter Observation in den auslän dischen Quarantänepunkten gewesenen Fahrzeuge, einer siebentägigen Observation unterworfen wer den. Alle oben erwähnten Schiffe können aus schließlich nur Odessa, Kertsch, Theodosia und Batum anlaufen. 5

14. Juli. Wie verlautet, wurde der Großfürst Nikolaus Konstantinowitsch, welcher den Bau des Ary-Canals in Turkestau leitete, wegen Einmischung in die Angelegenheiten des Gouverneurs auf Befehl des Zaren verhaftet.

Der nach Tomsk verbannte frühere Inten dant des Rustschuk'schen Detachements, Naksche jeff, ist begnadigt worden.

Egypten. Kairo. Die Agenzia Stefani meldet aus Khartum, der falsche Prophet hätte verschiedene Christen tödten und die Missionäre gefangen setzen lassen.

Asien. Simla, 14. Juli. Gerüchtweise verlautet, Lord Ripon habe der euglischen Re gierung telegraphisch seine Demission als Vice könig Indiens eingereicht.

Aus Stadt und Land.

Vilbel. Durch die anhaltenden durchweichend en Regen der letzten Tage machen unsere Felder ein ganz anderes Gesicht. Schaden sollen die Gewitter wenig oder gar keinen in hiesiger Gegend verursacht, nur bei Büdes heim und Heldenbergen soll es etwas gehagelt haben. Es wäre nur im Interesse der bevorstehenden Ernte zu wünschen, wenn der Himmel wieder ein heiteres Gesicht machte.

Mainz, 14. Juli. Eine schreckliche Katastrophe drohte vor wenigen Tagen in der Nähe des Bahnhofs. Mittags 12 Uhr fuhr der Zugführer Sch. mit einem Rangierzug zum Neuthor hinaus, als ihm der um 12 Uhr von Frankfurt hier eintreffende Zug auf demselben Ge leise entgegenkam. Zum Glück sahen die beiden Zug führer die gräßliche Gefahr und gaben sofort Contre dampf, sämmtliche Bremsen wurden in Thätigkeit gesetzt und es gelang, die beiden Züge, als sie nur noch eine Wagenlänge von einander entfernt waren, zum Stehen zu bringen. Eine Untersuchung ist bereits eingeleitet.

Marnz, 14. Juli. Heute verschied hier der in weiten weiten Kreisen als Autorität bekannte Geheime Medieinalrath Dr. Adolph Wernher.

Allerlei.

Usingen, 12. Jult. Der SchreckensrufFeuer versetzte heute, Nachmittags gegen 5 Uhr, unsere Stadt in große Aufregung. In der Untergasse stand plötzlich ein von vier gering bemittelten Familien bewohntes Haus in Flammen. Bei dem eng zusammenhängenden Ge bäudekomplex ist es nur dem energischen Eingreifen der schnell zu Stelle eilenden Rettungsmannschaften zu danken, daß der Brand auf seinen Heerd begrenzt wurde. Mehrere unerschrockene und gewandte Männer baben eine wirklich staunenswerth sichere und aufopfernde Thätigkeit bewiesen. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens erfolgte, als einer dieser Braven(ein hiesiger Zimmermann), von der Wucht eines einfallenden Schornsteines erfaßt, mit diesem zu sammen vom Dache herunter zur Erde stürzte. Allge⸗ mein glaubte man, der Fall sowohl, als auch das nach folgende Gerölle müßten dem Unglücklichen den sicheren Tod gebracht haben. Als der Wackere aus den Trümmern hervorgezogen war, eilte er davon, um sich das aus mehreren Wunden am Kopf und Hals hervorquellende Blut abzuwaschen und wollte dann sofort wieder frlsch auf seinen Posten eilen, wovon er aber selbstverständlich abgehalten wurde. Dank und Ehre solchen Männern, die im Dienste der Nächstenliebe ihr eigenes Leben auf's Spiel setzen. Die Ursache des Brandes tst noch nicht ermittelt. Homburg. Unsere Gewerbeausstellung wird all seitig stark frequentirt und bietet nunmehr, nachdem sämmt liche Objeete eingeliefert, eine stattliche Collection von Erzeugnissen des Kunst- und Gewerbefleißes. Das all gemeine Urtheil spricht sich recht günstig, sowohl über die Ausstellungsobjekte selbst, als auch über die gefällige und praktische Anlage des Ganzen aus, und sind es bei ersteren hauptsächlich die vorzüglichen Leistungen der Cron berger Malercolonie, Burger, Winter, Fresenius, Frieden⸗ berg, Ph. und Emil Rumpf, Maurer, Ida Braubach u. A., welche von Kunstverständigen sehr gelobt werden. Der Besuch ist besonders an Sonntagen ein zahlreicher, wo viele Hunderte aus der Umgegend, hauptsächlich auch aus Frankfurt, die Gelegenheit wahrnehmen, bei den er mäßigten Eisenbahnfahrpreisen Homburg zu besuchen und zugleich die nächst der Mineralbrunnen belegene Gewerbe Ausstellung zu besichtigen.

Frankfurt. Nach dem Muster der Wilhelmsdorfer

Arbeiter-Colonie soll nunmehr auch in der Nähe Frank⸗

bundenthums gegründet werden. Daß gerade unsere

Freuden begrüßt werden.

Nachmittag wurde der war augenblicklich todt.

Kind, die beide sich in seiner Nähe befanden, waren in

fallen, erholten sich jedoch bald wieder und sind voll- ständig unversehrt geblieben. Nyiregyhaza, 13. Juli.

äußern sich im Sinne der Vertheidiger gegen die Suppo sition einer Abschlaͤchtung und des Leichenschmuggels. Um den Tod Esther's in so kurzer Zeit herbeizuführen, wie Moritz Scharf vorgibt, hätte die große Halsader durch schnitten werden müssen, in welchem Falle das Blut in hohem Bogen emporgeschossen wäre. Die Blutspuren hätten nicht so leicht besettigt werden können. Doctor Traitler beharrt trotz des Gutachtens der Universitäts⸗ experten bei seinen früher zu Protokoll gegebenen Aus- sagen, gibt aber zu, daß er vorher noch keine Wasserleiche secirt habe. 14. Juli. Doktor Horvath, der dritte jener Aerzte, welche der ersten Leichenschau und der Ob duktion der Dadaer Leiche beiwohnten, hält bet seiner Vernehmung an dem Inhalt des Obduktionsprotokolls fest und erklärt, obgleich er viele Wasserleichen seelrte, habe er doch niemals eine Wasserleiche solchen Aussehens gefunden. Am kommenden Dienstag findet die Localbe sichtigung in Eßlar statt. i

Alexandrien, 13. Juli. Vom Mittwoch bis gestern Abend sind in Damiette 40, in Mansurah 73, in Samannud 11 und in Schirbin 3 Personen an der Cholera gestorben. 14. Juli. Während der Letzten 24 Stunden bis gestern Abend 7 Uhr sind in Damiette 38, in Mansurah 57 und in Samannud 15 Personen an der Cholera gestorben. 15. Juli. In den letzten 24 Stunden starben in Damiette 48, in Mansurah 51, in Schirbin 6, in Menzaleh 20, in Talka 3, in Chobar 13 Personen an der Cholera. Während der letzten zwölf Stunden kamen in Samannud 10, in Schirbin, Cl Kom je 2 und in Zifteh 2 Choleratodesfälle vor. In Ghizeh, einer Vorstadt von Kairo, kamen 5 Choleratodesfälle vor. Gbizeh ist deßhalb durch einen Sanitätscordon abge sperrt worden.

New⸗Nork, 15. Juli. Nach hier eingegangenen Nachrichten haben andauernde starke Regengüsse in mehreren Districten der westlichen Unionsstaaten großen Schaden gethan. Missouri wurde von heftigen Stürmen heimgesucht, welche große Verheerungen anrichteten.

Gerichtssaal.

Bad Nauheim. In der Donnerstag den 12. Juli stattgefundenen Schöffengerichtssitzung wurde in folgenden Strafsachen erkannt: 1) gegen Heinrich Schneider IV. von Ober-Mörlen, wegen Körperverletzung, auf eine Geldstrafe von 30 Mark und die Kosten; 2) in der Privatklagesache der Friedrich Wilhelm Knieriem's Ehe frau von Bad⸗Nauheim gegen Franz Simmrock's Ehe frau von Bad⸗Nauheim, wegen Beleidigung, wurde die Letztere in eine Geldstrafe von 25 M. und 2/ der Kosten, die Klägerin und Wiederbeklagte in eine solche von 3 M. und ½ der Kosten verurtheilt; 3) in der Privatklage sache des Georg Nicolaus von Wetzlar gegen Wittwe Katharina Stoll, Georg Stoll ledig und Friedrich Bingel, sämmtlich von Bad⸗Nauheim, wegen angeblicher Beleidig ung, wurden die drei Angeklagten von Strafe und Kosten freigesprochen und dem Privatkläger die Kosten des Ver fahrens zur Last gesetzt.

Butzbach, 14. Juli. Das gestrige Schöffengericht erkannte in folgenden Sachen: 1) gegen Heinrich Wolff's Ehefrau von Butzbach, angeklagt am 2. Pfingstfeiertage die öffentliche Ruhe gestört zu haben, auf 14 Tage Haft und Tragung der Kosten; 2) gegen Jakob Leimbach von Ronshausen, angeklagt des Betrugsversuchs, auf zwei Monate Gefängniß, wovon jedoch ein Monat erlittener Untersuchungshaft in Abrechnung kommt, sowle zur Zahl ung der Kosten des Verfahrens. 3) gegen Franz Joseph Langsdorf von Rockenberg, angeklagt wegen Körperver letzung, auf eine Strafe von drei Wochen Gefängniß und Tragung der Kosten. 4) gegen Heinrich Urband von Holzheim, wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletz ung, auf 3 Monate Gefängniß und Tragung der Hälfte Kosten. 5) Die Beleidigungssache Suppes gegen Polizei diener Zörb, beide von Kirchgöns, wurde wegen Vor ladung neuer Zeugen auf den 27. Juli vertagt.

Verloosung.

Kaiserin Elisabethbahn-Prioritäts-O bli⸗ gationen. In Ausführung des von der 27, ordent lichen Generalversammlung der Aetionäre am 5. Mai gefaßten Beschlusses und im Hinblicke auf die der Kaiserin Elisabeth Bahn bezüglich der Verloosungen zustehenden Rechte, wird die Verloosung sämmtlicher, noch im Um laufe befindlichen Silber Prioritäten der k. k. prio. Kaiserin Elisabeth-Bahn aller Emissionen am 2. Juli 1883 vorgenommen und erfolgt die Rückzahlung derselben vom 2. Januar 1884 ab, im Nomimnalbetrage, in effectiver Silbermünze ö. W. beim Wiener Giro- und Cassenver eine in Wien.

Volksbad. Wasserwärme der Usa am 16. Juli Mittags: 130 Reaumur

Walter.

furts eine solche Heimstätte zur Unterdrückung des Vaga⸗

Gegend sich sehr hierfür eignet ist außer Frage und wird die Durchführung dieses Gedankens gewiß allseitig mit

Hassenhausen(Amt Frohnhausen), 10. Juli. Heute hiesige Schäfer Rabenau am Wolfshäuser Weg von einem Blitzschlag getroffen und Seine Frau und ein 3jähriges

folge des heftigen Schlages besinnungslos zur Erde ge

Prozeß Tisza-Eszlar. Der Universitätsprofessor Michalkovies und Scheuthauer

A1 Uf 7 0 Markte Sprlogt be tere 10. ie Butter J

säͤse per bühren

Nomaln

per Hu

9727