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lerie-Verwaltung commandirt und Polsikoff in sein früberes Regiment zurückversetzt worden.
— Das Journal de St. Petersbourg sant: Die jüngst gemeldete russische Expedition nach Tedjene war nur eine Recognoscirung bebufs Bekämpfung des Räuberunwesens in der Steppe. Ueber die Zwecke dieser Maßregel waltete zwi— schen der russischen und persischen Regierung Ein⸗ verständniß ob. Rußland wolle nicht nach Merw; Persien habe weder die Prätension noch die Mittel, diese Landstrecken zu besetzen, welche außerhalb der beiderseitigen Grenze liegen.
— 11. Nov. Der Minister des Aeußern, v. Giers, tritt heute seine Urlaubsreise in's Ausland an. Der russische Konsul in Berlin, Staatsrath Kudchawzeff, ist zum General-Konsul daselbst ernannt worden.— Das Journal de St. Petersbourg stellt die Meldung mehrerer Londoner Zeitungen von einer Mobilisirung der Pakower Truppen⸗Division und der Einberufung der Altersklasse von 1877 kategorisch in Abrede.
Asien. Teherau. Wie man von hier meldet, beabsichtigt der bier als Flüchtling lebende Emir von Herat, Achmed Ejub Khan, in den nächsten Tagen über Merw nach Bokhara abzureisen, wo er fortan seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen gedenkt. Der genannte Fürst soll sich eifrigst um die jetzt erledigte Würde eines Khans der Turkomenen bewerben und dabei von Rußland unterstützt werden. Der Schah von Persien wäre gleichfalls für dieses Project gewonnen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 12. Nov. Die Tage der Lutherfeier sind vorüber und wir dürfen getrost und freudig sagen, es waren schöne und würdige Tage. Am Freitag Abend wurde dle Feier durch alle Glocken der Stadt- und Burg⸗ kirche eingeläutet. Als dann am Samstag früh die Sonne schien und ein klarer, heiterer Himmel lachte, über— kam eine freudige Feststimmung die Herzen der protestan tischen Einwohner unserer Stadt. Rasch ging man allenthalben an die Beflaggung der Stadt und mit auf— richtiger Freude bemerkten wir, daß auch der größte Theil unserer andersgläubigen Mitbürger ihre Fahnen zum Schmucke der Stadt entfaltet hatte, wie die Evan gelischen es seiner Zeit ebenfalls bei der Einweihung der Synagoge nnd der katholischen Kirche dahter gethan Um 9 Uhr sammelten sich die Schulen in ihren Lokalen und zogen unter Führung ihrer Lehrer in die im Innern geschmückte Stadtkirche, woselbst sich auch viele Erwachsene eingefunden hatten, um mit Andacht dem Jugendgottes— dienste beizuwohnen, bei welchem Professor Dr. Weiffen⸗ bach eine frische, zündende Predigt hielt. Von ergreifender Wirkung war dabei das mitten in der Predigt gesungene Lied„Ein feste Burg“. Nach dem Gottesdtenst wurde eine kleine Schrift über das Leben und Wirken Luthers an die Kinder vertheilt. Bel Beginn des Nachmittags stellte sich zwar regnerisches Wetter ein, trotzdem zeigte sich aber reges Leben in den Straßen; die Schulen und Vereine sammelten sich zum Festzuge und auch viele Fremde bewegten sich in den Straßen auf und ab, um den Festzug zu sehen und der Pflanzung der Lutherlinde beizuwohnen. Nachdem der Zug sich an der Burgkirche geordnet hatte, wurde das„Lutherschwert“ mit Musik an dem Hause des Verlegers dieser Blätter feierlich ab— geholt und dem Zuge eingereiht, worauf letzterer sich in folgender Ordnung in Bewegung setzte: Vorauf gingen die Schulkinder mit ihren Lehrern, hierauf kam die zu pflanzende Linde, getragen von Knaben mit Schärpen und begleitet von Madchen mit Kränzen; es folgte das „Lutherschwert“, getragen von Mechanikus Henkel und begleitet von den Gemeinderäthen Falck und Waas; so— dann kam die Feuerwehrmusik, die wie immer ihre Dienste in bereitwilligster Weise angeboten hatte, das Comité, die Geistlichkeit, der Gemeinderath, die Beamten und sonstige Einwohner der Stadt, die Seminaristen, die Ver— eine: Liederkranz, Frohsinn, Musikverein, Turnverein, Kriegerverein, alle mit ihren Fahnen und den Schluß machten Mitglieder der Feuerwehr. Auf dem Vlerelchen— platze angelangt, stellten sich die Theilnehmer des Zuges im Halbkreise auf, die Musik spielte ein getragenes Stück und die Gesangvereine sangen eine Hymne. Hierauf hielt Kreis⸗Schulinspeetor Schmidt eine gediegene Wetherede, worauf die Pflanzung des Baumes durch Hofgärtner Lott erfolgte unter Glockengeläute, Choralmusik und Absingung des ersten Verses des Liedes„Nun danket alle Gott“. Der Zug bewegte sich sodann durch die Stadt zurück nach dem schoͤn geschmückten Hecht'schen Hause, in welchem Luther seiner Zeit auf der Rückreise von Worms übernachtete. Hier wurde der erste Vers von„Ein feste Burg“ gesungen, worauf Professor Dr. Weiffenbach nach einer kernigen Ansprache ein Hoch auf Luther und die Lutherstadt aus brachte, worauf noch der Vers gesungen wurde„Das Wort sie sollen lassen stahn“. Der Zug loöͤste sich sodann auf und die Theilnebmer eilten in die Burgkirche, wo— selbst Professor Dr. Köstlin eine tiefempfundene Predigt hielt, die in den Herzen der andächtigen Zuhörer einen freudigfrommen Wiederhall fand. Am Abend fand die Hauptprobe des Oratoriums„Luther in Worms“ statt,
bei welcher unsere große Stadtkirche kaum die Menge der Zuhörer fassen konnte. War auch der Himmel von Beginn des Festzuges an der Feier nicht mehr sehr günstig und strömte manchmal schier endloser Regen herab, so konnte dies der Feststimmung doch keinen Ein⸗ trag thun und die Herzen der protestantischen Einwohner unserer Stadt schlugen heute höher als sonst. Gestern, als am Hauptfesttage läuteten abermals alle Glocken um 7 Uhr den Festtag ein, worauf Choralmusik durch die Kapelle der Feuerwehr vom Hecht'schen Haus(dem Lutherhaus) aus ertönte. Der Festgottesdienst, der um halb 10 Uhr begann und bei welchem Kirchenrath Baur eine vor⸗ treffliche Predigt hielt, war sehr stark besucht. Nach⸗ mittags um halb 2 Uhr begann die Aufführung des Oratoriums„Luther in Worms“ von Meinardus. Lange vor Beginn war die große Stadtkirche bis zum letzten Platz gefüllt. Die Aufführung selbst war eine muster⸗ hafte. Wie brausten die herrlichen Töne durch unser hehres Gotteshaus, wie bob sich in feierlicher Andacht eines jeden Zuhörers Herz! Wir wüßten wirklich nicht, welcher Nummer wir die Palme zuerkennen sollten, alle waren gleich gut und man merkte dem Dirigenten, dem Chor, den Solisten und den Musikern an, wie sehr sie sich ihrer hohen Aufgabe bewußt und mit welcher Lust und Lebe sie bel der Sache waren. Die Solisten waren Fräul. Hoffmann aus Frankfurt(Sopran), Frau Weiffen⸗ bach aus Gießen(Alt), Tenorist Ed. Bautz und Bassist Ed. Thomas aus Frankfurt, Varitonist J. Geisell und Bassist F. Waßmuth aus Hanau. Abends 8 Uhr be— gann das Bankett, der große Saal im Hötel Trapp mit seinen Nebenzimmern konnte die Menge der Er— schtenenen nicht fassen und viele mußten unverrichteter Sache wieder nach Hause gehen. Es wechselten Orchester— stücke mit Gesängen der Vereine, allgemeinen Gesängen und Ansprachen und Toasten, letztere oft unterbrochen von dem Beifall der Zuhörer. Die erste Ansprache hielt Direktor Dr. Diegel über Luther und die evangelische Kirche. Hierauf toasteten Kaufmann Weis auf den Kaiser, Professor Ur. Weiffenbach auf den Großherzog, Amts— richter Süffert auf die Frauen, Kreisschulinspektor Schmidt in längerer Rede auf die deutsche Schule als eine Schaffung Luther's, Professor Dr. Köstlin auf die Solisten, den Chor, das Orchester und last not least auf den Musik— dirigenten und hier durchbrauste den Saal heller lauter Jubelruf, als Redner meinte„wenn Luther heute Nach— mittag in unserem herrlichen Gotteshause gewesen wäre, dann hätte er wohl sein Käpplein gelupft, dem Dtiri— genten auf die Schulter geklopft und gesagt: Meister Schmidt, Ihr seid kein Grobschmied, sondern ein Gold— schmied und Ihr habt ein feines Geschmeide gemacht, das habt Ihr gut gemacht.“ Und in der That, was Schmidt geleistet, steht einzig in Friedberg da; man muß die Schwierigkeiten kennen, mit denen die Auf— führung eines solchen Werkes in einer kleinen Stadt verbunden ist, um voll das würdigen zu können, was er zu Wege gebracht. Wir haben ihn beneidet um das Gefühl berechtigten Stolzes und freudiger Genugthuung, das er gehabt haben muß, als er den letzten Taktschlag gethan. Nachdem die Reihe der programmmäßigen Toaste geschlossen war, sprach noch Gerichtsschreiber Weber dem Comité im Allgemeinen den Dank der Stadt aus, ganz besonders aber dem Obmann der Finanz— commission, Seminarlehrer Wahl, der wie immer in emsiger, unermüdlicher Thätigkeit seine ordnende Hand überall hatte und der wesentlich zum schönen Gelingen des Festes beigetragen hatte. Wahl sprach, von lautem Jubel begrüßt, seinen Dank für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit aus und brachte ein Hoch aus auf die Toleranz. Hiermit schloß der officielle Theil des Banketts, während die Theilnehmer noch lange in gehobener Stim— mung bei einander blieben und die einzelnen Gruppen sich einer ungetrübten Heiterkeit hingaben, für die Einzelne in besonders gehobener Stimmung besorgt waren. Wir Evangelische aber dürfen mit Stolz auf das gelungene Fest zurückblicken, das sicher auf immer in dem Gedächt— niß Aller, Groß und Klein, bleiben und das seine Wirkung auf das kirchliche Leben und das evangelische Bewußtsein nicht verfehlen wird. Das walte Gott!
Friedberg. Die neueste Nummer des„Für's Haus“ erhebt einen energischen Protest gegen die Unsitte so vieler deutschen Damen, ihre Modewaaren aus Frankreich kommen zu lassen. Es gibt in Deutschland genug Modehand— lungen— heißt es in dem genannten Blatte— die alles Nothwendige und Wünschenswerthe in vortrefflichem Ge schmack, großartiger Auswahl und zu vernünftigen Preisen liefern. Beweisen wir den Franzosen, daß es nicht schwer fällt, uns mit deutschen Waaren anmuthig und dabei sittsam zu kleiden. Befreien wir uns ein für allemal von dem Aberglauben, daß nur Das preiswerth, schön und modisch, was aus dem Seine Babel zu uns gelangt! Jede deutsche Frau weise von nun an jedes Cirkular zurück, welches ihr von einer französischen Modewaaren handlung zugeschickt werden sollte! Möchten wir auch in Bezug auf unsere Kleidung das herrliche Wort mehr be— herzigen:„An's Vaterland, an's theure schließ Dich an, das halte fest mit Deinem ganzen Herzen!“ Es ist kein kleinlicher Kampf, den wir kämpfen. Es spricht aus ihm die Liebe zum Vaterlande. War sie groß genug, um unsere Männer, unsere Söhne und Brüder in den Tod zu schicken,— sollte sie hier versagen? Sagt Euch los von Paris, stellt Euch auf eigene Füße: Deutschland ist frei, seid es auch Ihr! Auch hier bedürfen wir einer „Wacht am Rhein“ und diese„Wacht“ habt Ihr zu halten, deutsche Frauen! 5
Darmstadt, 10. Nov. Heute fand unter ungemein zablreicher Betheiligung die Beerdigung des vorgestern verstorbenen Präsidenten des Oberlandesgerichts Wirkl.
Geheimeraths Kempff statt.
f Gerichtssaal.
Bad⸗Naubeim. In der Donnerstag am 8. Nov. dahier stattgehabten Schöffengerichts⸗ Sitzung wurde in
folgenden Fällen abgeurtheilt: 1) Georg Schutt VI. in
Dorhelm, angeklagt wegen Körperverletzung und Be. wurde wegen der angeklagten Körperverletzung dagegen wegen Be.
drohung, von Strafe und Kosten freigesprochen,
drohung in eine Gefängnißstrafe von 10 Tagen und in die Kosten des Verfahrens verurthellt; 2) in der Sache Georg Mathes von Nieder-Mörlen, angeklagt wegen Ruhestörung,
inzwischen in den Militärdienst eingetreten ist; 3) in der Privatklagesache des Joh. Schweitzer IX. von Ober⸗ Mörlen gegen Joh. Reuß von da, wegen Beleidigung, wurde der Letztere von Strafe und Kosten freigesprochen und die Kosten des Verfahrens dem Privatkläger auferlegt.
Feuerlose Locomotiven.
Der Kampf der Electricität mit dem Gas⸗ licht findet ein interessantes Gegenstück in dem Wetteifer der Elektrotechnik und der Dampf— maschine auf dem Gebiete der Fortbewegung. Der große Vorzug der electrischen Locomotiven ist der, daß sie ohne Feuer und Rauch arbeiten, auf städtischen Straßen also den übrigen Ver— kehr und die Anwohner nicht belästigen, auch in Bergwerken, Tunnels u. s. w. die Luft nicht verderben. Die Arbeit wird in einer Central— stalion an einer feststehenden electrischen Maschine geleistet und von dieser auf den Motor der Locomotive übertragen. Jedermann kennt die nach diesem Grundsatz construirten electrischen Bahnen, welche auf den Gewerbeausstellungen zu Berlin, Düsseldorf, Brüssel, Frankfurt u s. w. in den letzten Jabren sich zum Vergnügen des Publi⸗ kums producirten. Die hochkantige Mittelschiene, welche dort den electrischen Strom leitete, kann auf Straßen nicht angewandt werden, woraus die Nothwendigkeit entspringt, den Strom, welcher die Locomotive beständig mit Kraft zu versorgen hat, entweder oberirdisch an Stangen (wie es von Siemens in Paris ausgeführt war) oder unterirdisch in offenen Röhren zu führen (wie Siemens für Wien beabsichtigen soll). Diesen Fortschritten gegenüber sind die Con— structeure der Dampflocomotive nicht müssig gewesen. Man hat schon vor einigen Jahren feuerlose Locomotiven construirt, welche auf der Eigenschaft des Wassers beruhen, daß dasselbe bei hohem Druck erst bei einer sehr hohen Temperatur zum Sieden kommt und dann Dämpfe liefert, deren Spannung aufangs jenem hohen Drucke gleich ist, während der Arbeit aber immer abnimmt, während gleich— zeitig das Wasser durch die im Kessel aufge speicherte Wärme weiter verdampft. Sehr viel vollkommener ist diejenige feuer- und dampf⸗ lose Locomotive, welche kürzlich Moritz Honigmann in Aachen construirt und auf der dortigen Straßenbahn probeweise in Betrieb gesetzt hat. Die Honigmann'sche Erfindung ist von solcher Bedeutung, daß der neue Rector der Aachener polytechnischen Hochschule, Prof. Dr. Wüllner, in der Antrittsrede seines Rectorats sich mit derselben durch folgende Erörterung beschäftigt hat:„Honigmann's Locomotive ist eine Dampfmaschine, welche auf den ersten Blick allen Grundsätzen der Theorie zu widersprechen scheint. Dieselbe wird geheizt durch den arbeiten— den Dampf selbst; sie braucht nur einmal auf einer Centralstation angeheizt zu werden; sowie sie dann beginnt, Arbeit zu leisten, hält sie sich selbst je nach den gewählten Verhältnissen durch Verwendung des Dampfes, der die Maschine treibt, kürzere oder längere Zeit auf einem nahezu constanten Spannungszustand. Der von Honigmann benutzte physikalische Satz ist in den Kreisen der Physiker seit langen Jahren bekannt. Im Jahre 1822 publicirte Faraday in den„Aunales de chemie et de physique“ eine Notiz, daß ein Thermometer, dessen Kugel mit Salz bestreut sei, in den Dampf von siedendem Wasser gehalten, eine Temperatur von mehr als 100 annehme, daß man also mit Dampf von 100 eine höhere Temperatur er— zeugen könne. Diese Notiz Faradays begleitete der Redacteur der Annalen mit der Bemerkung, daß die Thatsache in Frankreich längst bekannt gewesen sei, ja auch, daß man durch Einleiten
wurde die Hauptverhandlung ausgesetzt, weil Angeklagter
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