— In Folge eines nunmehr zu Stande gebrachten Uebereinkommens zwischen der Re⸗ gierung und der geistlichen Behörde wird das Grab des Königs Victor Emanuel nicht im Mittelpunkte des Pantheons, sondern in der beim Eintritte in das Pantheon zur Rechten gelegenen Centralkapelle errichtet.
Rumänien. Bukarest, 1. Dec. Der ehe— malige rumänische Minister des Auswärtigen, Boerescu, ist in Paris gestorben. Senat und Kammer beschlossen, die Ueberführung der Leiche nach Rumänien und die Beisetzung derselben auf Staatskosten vorzunehmen und die Verhandlungen als Trauerzeichen auf drei Tage zu unterbrechen.
Bulgarien. Sofia. Ein Dekret des Fürsten sanctionirt die Vorlegung des Zankow'schen Ge— setzentwurfs, betreffend die Abänderung der Ar⸗ tikel 8 und 9 der Constitution, in der National— versammlung; die Regierung schlägt darin zwei Kammern, sowie die Wahl eines Abgeordneten auf je 20,000 Einwohner beiderlei Geschlechtes vor.
Epypten. Kairo, 29. Nov. Von den 600 egyptischen Gendarmerie-Mannschaften, welche gestern nach Suakim abgesandt wurden, sind 268 auf der Fahrt von Kairo nach Suez desertirt.
— 2. Dec. Wie dem„Observer“ gemeldet wird, ist in der Provinz Darfur ein Aufstand ausgebrochen und der Gouverneur der Provinz, Stettin Bey, ein Oesterreicher, verwundet wor— den. Die Beduinenstämme in der Umgegend von Kassala sollen ebenfalls revoltirt haben.
Asien. Peking, 30. Nov. Von hier wird telegraphirt, Frankreich habe in Beantwortung der chinesischen Note sich bereit erklärt, weiter zu verhandeln, jedoch mit dem Vorbehalt, daß die französischen Truppen den Befehl hätten, Sontay und Bac-Ninh zu nehmen.
Aus Stadt und Land.
Malbach. Dem„W. B.“ schreibt man von hier: Am 23. November, Abends gegen 5 Uhr, kehrten zwei hiesige Bursche, von Eschbach kommend, wo sie sich ihre Aexte zur Holzfällerei hatten schärfen lassen, nach Mai— bach zurück. An der Malbacher Mühle angelangt, welche gegenwärtig von armen Leuten bewohnt wird, fiel es denselben ein, in die Hofraithe einzudringen, um die Familie darinnen recht zu ängstigen, weil sie wußten, daß der Vater derselben nicht zu Hause war. Die Frau nebst ihren 6 Kindern schloß sich aber im Wohnhause ein. Die Eindringlinge schlugen nun mit ihren Aexten mehrmals wider die Wände und die Thüre des Hauses. Einer von ihnen begab sich hierauf in den Stall nnd ließ das Pferd heraus, auf welches er unbarmherzig losschlug. Den Mißhandlungen setzte er dann die Krone auf, indem er seine scharf geschliffene Axt dem Thiere in die linke Seite schlug, daß dieselbe bis an den Sttel in den Körper drang. Rasend vor Schmerz sprengte dann das so schändlich zugerichtete Pferd mit der Axt in der Seite davon, kehrte aber bald in den Hof zurück und brach endlich zusammen. Nachdem der Frevler sich wieder seines Werkzeugs aus dem in seinem Schmerze sich windenden Thiere bemächtigt hatte, entfernte er sich elligst mit seinem Spießgesellen. Die Frau aus der Mühle machte bald darauf Anzeige auf hiesiger Bürger— meisterei und da überdies das Pferd mittlerweile ver— endete, so arretirte Bürgermeister Saltenberger die beiden rohen Gesellen in einer hiesigen Wirthschaft und lieferte sie unter guter Bewachung an das Amtsgerichtsgefäng— niß nach Butzbach ab. Beim Verhör des anderen Tages gestanden sie die ihnen zur Last gelegte Unthat ein und es wird ihnen bald der gebührende Lohn zu Theil werden.
Mainz, 29. Nov. Es ist neuerdings auch hier aufgefallen, daß in ganz bestimmten Stadttheilen eine Menge Ein- und Zweimarkstücke, welche falsch waren, in Circulation gesetzt wurden. Gestern nun wurde eine Frau verhaftet, welche einem Bäcker falsches Geld ein— händigen wollte. Bei einer in der Wohnung der Ver— hafteten vorgenommenen Haussuchung sollen nun auch die Geräthe zum Anfertigen des Geldes gefunden worden sein; der Mann der Frau, der das Geld angefertigt haben soll, ist ebenfalls in Haft.
Allerlei.
d. Frankfurt. Der berühmte koönigl. bayerische Kammersänger Vogl von München wird in dieser Woche an 2 Abenden in hiesigem Opernhause gastiren.
Stuttgart, 29. Nov. Ein im„Stern“ zu Bruchsal verhafteter Stromer wurde durch die dortige Gendar— merie nach Stuttgart transportirt. Die daselbst sofort vorgenommenen Confrontationen haben die Wahrschein— lichkeit sehr erhöht, daß es gelungen ist, in diesem In— dividuum den zweiten der vier Stuttgarter Mordbuben zu ergreifen. Abgesehen von dem Umstand, daß seine neuen Kleider in Stuttgart gekauft sind, will ihn ein dortiger Wirth in seinem Local gesehen haben und zwar mit einem Barte, ganz ähnlich dem, den die Bruchsaler Sternenwirthin unter seinen Effeeten wahrgenommen,
den man aber leider bis jetzt nicht hat finden können. Die„N. Z. Z.“ veröffentlicht eine Zuschrift, welche in dem ergriffenen Stuttgarter Raubmörder Kumitsch, der sich bekanntlich als Soeialdemokrat zu erkennen gab, eine Persönlichkeit vermuthet, welche schon die Schweiz un— sicher machte. Ein gewisser Kumitsch trat nämlich am 3. September in St. Gallen dem Reichstagsabgeordneten Grillenberger als Anarchist Most'scher Richtung mit dem Evangelium des Dynamits und Petroleums entgegen. Dieser Kumitsch war niemals Anhänger oder Mitglied einer deutschen oder schweizerischen socialdemokratischen Organisation; in Wien wie in St. Gallen gehörte er der anarchistischen Richtung an.
München, 1. Dez. Der Insbrucker Güterzug ist mit dem Landecker Personenzug zusammengestoßen. Ein Postschaffner wurde schwer, mehrere Personen leicht ver— letzt, einige Wagen zertrümmert.
Bruck(Bayern), 23. Nov. Zwischen Puch und Mammendorf wurde der Sattlergeselle Steib von Salach von seinen drei Reisegefährten zu Boden geschlagen, mit einem Messer schwer verletzt und seiner Baarschaft von 70 M. beraubt.
Hamburg, 2. Dez. Der englische Dampfer„Flora“, welcher heute Morgen nach Hull abgegangen war, ist bei Finkenwärder mit dem norwegischen Schooner„Ottar“, auf der Fahrt von Batavia, zusammengestoßen, worauf an Bord des letzteren Feuer ausbrach. Der„Ottar“ ist gesunken, die Mannschaft wurde von der„Flora“ gerettet. Die„Flora“ ist beschädigt und deshalb hierher zurück— gekehrt.— Der französische Dampfer„Hyp“ und der deutsche Dampfer„Prinz Leopold“, beide heute Morgen abgegangen, sind beschädigt hierher zurückgekommen. Dieselben waren in der Elbe mit der Hamburger Bark „Georg Blohm“, auf der Rückreise von Apia, zusammen⸗ gestoßen. Die Bark„Georg Blohm“ ist stark beschädigt hier angelangt.
Bredow, b. Stettin, 1. Dez. Heute ist die dritte hier erbaute chinesische Panzercorvette vom Stapel ge⸗ lassen worden. Li-Fong Pao taufte dieselbe Tschi Vuen.
Wien, 2. Dez. Der bekannte österreichische Nord— polfahrer Payer ist gestorben.
New⸗Vork. In Albany(Wisconsin) brach am 27. November vor Tagesanbruch ein großes Feuer aus, welches die etwa 10,000 Einwohner zählende Stadt fast gänzlich zerstörte. Infolge des zur Zeit wehenden hef— tigen Windes griffen die Flammen rasch um sich unter den hölzernen Gebäuden, deren Insassen in den meisten Fällen nur das nackte Leben retteten. Durch einstürzende Mauern wurden zwet Personen getödtet, während drei in den Flammen umkamen.
Gerichtssaal.
Altenstadt. In der Donnerstag den 6. December dahter stattfindenden Schöffengerichtssitzung, kommen fol— gende Sachen zur Verhandlung: 1. Strafsache gegen Karl Seitz und Johann Heinrich Schenk von Stamm— beim, wegen Körperverletzung z 2. Strafsache gegen Heinrich Henrich und Heinrich Peter Repp von Altenstadt, wegen Unterschlagung bezw. Hehleret; 3. Strafsache gegen Martin Grteßmer und Chrtstian Grtleßmer von Staden, wegen Widerstands und Pfandveräußerung.
Lokal-Gewerbe-Verein Friedberg.
(Fortsetzung.)
Man ist aber auch in den Kreisen, welche solche Wünsche hegen, klug genug gewesen, nicht sofort mit der vollen Forderung des Zunftzwanges hervorzutreten, weil man mit Recht fürchtete, der Handwerkerstand in seiner ungeheuren Mehrheit würde dieser Forderung mit der groͤßten Energie entgegentreten. Man hat deßhalb einen Umweg gewählt und geglaubt, daß man im Stande sei, dadurch den Handwerkerstand selbst und das große Publikum über die wirklichen Absichten zu täuschen. Glücklicherweise ist aber die große Mehrheit des Hand— werkerstandes vollständig auf dem Posten gewesen; sie merkte die Absicht und wurde verstimmt. Es beweisen dies klar und deutlich die verhältnißmäßig ungemein wenigen Bildungen neuer Innungen und die äußerst ge— ringen Erfolge, welche die sogen. Handwerkerpartei mit ihren Agitationen in unserem gesammten Vaterlande ge— habt hat, wenn man den Ausdruck„Erfolge“ überhaupt für das glänzende Fiasko derselben anzuwenden berech— tigt ist. Wir sehen ja, daß hinter diesen wenigen Agita— toren absolut keine Partei steht; die Handwerker haben zu ihrem eigenen Glücke erkannt, welche Zwecke diese Agitatoren verfolgen. Wem aber gar das zweifelhafte Glück zu Theil geworden ist, die nähere Bekanntschaft eines solchen Agitators zu machen, der ist häufig gerade hierdurch von der Verderblichkeit der durch dieselben gepredigten Ideen überzeugt worden, oder er hat gar eingesehen, daß nur persönliche Zwecke die Trieb— feder der ganzen Agitation sind.
Trotzdem nun also die bedeutend überwiegende Mehr—
heit des Handwerkerstandes diesen Bestrebungen Nichts weniger als freundlich gesinnt ist, hat man es doch er- reicht, daß wieder einmal mit dem Handwerkerstande Experimente gemacht werden, die allem Anscheine nach nicht zum Vortheil desselben ausschlagen werden.. hat auf gesetzlichem Wege die durch Einführung der Ge werbefreiheit in Deutschland im Absterben begriffenen Innungen wieder zu beleben gesucht. Freilich hat man
nicht gewagt, mit der Forderung von Zwangsinnungen zu kommen, denn diese waren nicht zu erreichen, aber man hat gehofft, auf krummen Wegen und durch Hinter- thüren womöglich noch mehr zu erreichen, als die Zwangs
innungen bieten konnten. Mit einem Worte, man er⸗
strebt die Herrschaft der Innungen auch über diejenigen Gewerbetreibenden, welche den Innungen nicht angehören,
Wäre es aber dann nicht wenigstens gerechtfertigt, daß der Beitritt zur Innung jedem Handwerksgenossen frei stehen möchte? Das aber wollten jene Herren na— türlich nicht, und deßhalb forderten und erhielten fie nicht die Zwangsinnungen, sondern sogen.„freie Inn, ungen“, in welche sie aufnehmen können, wen sie wollen.
Ist es aber in einem Rechtsstaate wohl erhört, daß sich eine kleine Zahl der Mitglieder eines Gewerbes, die zu einer freien Vereinigung zusammengetreten sind, welche aber freilich von sich selbst behauptet, daß sie die Elite dieses Gewerbes sei, anmaßen darf, über die große Mehrzahl der Mitglieder desselben Gewerbes, welche sie entweder in die Innung nicht aufnehmen wollen, oder welche selbst kein Vedürfniß und keine Neigung haben, der Innung beizutreten, zu Gericht zu sitzen? Und doch ist es dahin gekommen, daß in die Gewerbeordnung vom 18. Juli 1881, ein§ 100e bineingekommen ist, welcher an— ordnet, daß durch die höhere Verwaltungsbehörde nach An— hörung der Aufsichtsbehörde bestimmt werden kann: einer Innung, deren Thätigkeit auf dem Gebiete des Lehr— lüngswesens sich bewährt hat, können die weitgehendsten Befugnisse in Bezug auf das Lehrlingswesen auch über die Handwerksgenossen ertheilt werden, welche der Inn— ung nicht angehören. Es soll und kann durch diese Be— stimmung dahin kommen, daß die vom Reichstage abge— lehnte Anordnung, wonach Lehrlinge nur von Innungs— mitgliedern gehalten werden sollten, auf Umwegen wieder hergestellt würde.
Ich bin nun durchaus kein Feind der freien Inn— ungen, wenn dieselben wirklich freie Vereinigungen von Fachgenossen zur Wahrung ihrer Interessen sind. Wenn aber die Zunftfreunde erklären, daß sie gegen Zwangs— innungen seien, weil sie in die frete Innung aufnehmen könnten, wen sie wollten, dagegen in die Zwangsinnung alle Genossen desselben Gewerbes aufnehmen mußten, nach ihrer Ansicht aber nur die sogenannte Elite des betreffenden Gewerbes in die Innung gehöre, worunter sie natürlich sich selbst verstehen, so muß doch jeder denkende Handwerker stutzig werden und die Möglichkeit in's Auge fassen, daß der§ 100e auf eine Innung seines Gewerbes Anwendung finden könne.
Sollten aber die freien Innungen wirklich freie Vereinigungen sein, dann wären alle diese Klauseln und Bestimmungen überflüssig und es wäre gleichgiltig, ob man eine solche Vereinigung eine Innung, einen Ge— werbeverein oder sonst wie benenne; keinenfalls aber dürfte man einer solchen freien Vereinigung irgend⸗ welche Macht-Befugnisse über die außerhalb derselben
stehenden Fachgenossen beilegen. Da aber die klare Absicht zu Tage liegt, daß die sogenannten freien Innungen eine ziemlich exelusive Gesellschaft werden
sollen, welche sich fast für uafehlbar hält, und welchen sogar Jurisdiktions rechte über die nicht zur Innung ge— hörenden Fachgenossen zuerkannt werden können, so muß meines Erachtens jeder Handwerker, der es redlich mit seinem Stande meint, nicht nur der Bildung von Inn, ungen auf Grund der jetzigen Gesezgebung durchaus fern bleiben, sondern er muß auch die Bildung solcher Innungen mit ganzer Kraft zu verhindern suchen.
Sie könnten mir aber nun erwiedern, meine Herren, wie soll man denn zur Hebung des Handwerkerstandes beitragen können, wenn man sich nicht mit den Gewerks genossen zu gemeinschaftlichem Handeln vereinigt? Gewiß, meine Herren, sollen sich die Handwerker zur Hebung ihres Standes, ebenso wie alle anderen Berufsarten, vereinigen, aber sie sollen dies in vollständig freien Ver— einigungen thun, zu denen jedem Fachgenossen der Beitritt freisteht. Sie sollen in diesen Vereinigungen ihre Interessen selbst vertreten, sollen sich aufraffen zu eigenem Handeln und nicht stets auf die Hilfe des Staates rechnen und nicht Andere, denen ihre Bedüfnisse vollständig unbekannt sind, Bestimmungen über ihr Wohl und Wehe treffen lassen, denn„selbst ist der Mann“ sagt ein gutes altes deutsches Sprichwort. Solche freien Vereinigungen besitzen wir aber glücklicherweise in unserem Vaterlande, und besonders im mittleren und südlschen Deutschland, bereits in großer Zahl in den Gewerbe— vereinen.
Seit Einführung der Gewerbefreiheit haben sich die— selben nicht allein fortwährend vermehrt, sondern sie haben auch ihre Mitgliederzahl unausgesetzt vergrößert und sind fast alle zu einer bedeutenden Blüthe gelangt Die segensreiche Thätigkeit, die diese Gewerbevereine be— reits entwickeln, sollte nun aber einem Trugbilde ge— opfert werden?
Meine Herren, ich bin der festen Ueberzeugung, daß der Handwerkerstand am allerwenigsten zum Experimentiren geeignet ist und es energisch von der Hand weisen muß, wenn man ihn dazu benutzen will. Seinen Willen hler— zu kann er aber am besten bekunden, wenn er unbeirrt auf dem bisherigen Wege weiter fortschreitet und seine Hebung betreibt durch Fortbildung seiner Mitglieder auf praktischem und theoretischem Wege. Die Mittel zu diesem Zwecke sind aber vor Allem die Unterrichtsanstalten, welche von den Gewerbevereinen in's Leben gerufen sind, sowie neben diesen die Cinrichtung von Bibllotheken, die Verbreitung guter Fach Zeitschriften, gemeinverständllche Vorträge u. s. w.
Was nun Ihre Unterrichts-Anstalten anlangt, so bin ich der Ansicht, daß der hiesige Gewerbeverein für Er richtung derselben alles Lob verdient. Sie haben Nichts gescheut, meine Herren, keine Mühe und Kosten, um Institute in's Leben zu rufen, die allen Ansprüchen des Gewerbestandes genügen können. Ich habe vorhin schon
gesagt, daß gute Unkerrichts-Institute das vorzüglichste
suuch a augtwel lb al vilche e scgenste
Spese khörte unter der Grun lat att
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