Ausgabe 
3.7.1883
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Regierungsblatt, Bei⸗ lage Nr. 5, enthält:

J. Bekanntmachung, den Gehalt des Rabbinen zu Bingen für 1883 betr.

II. Uebersicht der für 1883/84 genehmigten Umlagen in den Gemeinden des Kr. Gießen.

III. Bekanntmachung, die Niederschlagung von Kopfgeld in der israel. Religionsgem. Wolfskehlen Goddelau betr.

IV. und v. Uebersicht der für 1883/84 in den israel. Religlonsgem der Kr. Darmstadt und Mainz genehmigten Umlagen.

VI. Bekanntmachung, die Erhebung einer Umlage der evang. Gemeinde Kastel-Kostheim betr.

VII. Namens veränderungen. 5 s

VIII. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine Lehrerstelle zu Reichenbach, Gehalt 900 M.; dem Grafen zu Erbach⸗ Schönberg steht das Präsentations recht zu. Die Lehrerstelle zu Etzean, Gebalt 900 M.; dem Grafen zu Erbach Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu. Eine Lehrerstelle zu Ebersheim, Gehalt 900-1000 M. Eine Lehrerstelle zu Nieder-Olm, Gehalt 900 M. Zwei Lehrerstellen zu Viernheim, Gehalt je 1000- 1600 M. Eine Lehrerinnenstelle zu Gernsheim, Gehalt 1000 M. Eine Lehrerstelle zu Vielbrunn, Gehalt 900 M.; dem Fürsten zu Löwenstein⸗Wertheim-Rosenberg und dem Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentations recht zu. 2 1

Berhin. Das Gefolge des Kaisers während des Manövers bei Homburg diesen Herbst wird ein äußerst glänzendes sein. Neben dem Könige von Sachsen und den anderen fremden Fürst. lichkeiten, sowie den militärischen Vertretern fast aller europäischen Staaten werden u. A. noch der Prinz von Wales, der Herzog von Edin burgh und der Großfürst Wladimir von Ruß laud erwartet. Der große Generalstab der deut schen Armee wird ebenfalls in seiner Gesammt heit zur Stelle sein.

Der Bundesrath genehmigte gestern die Literar-Convention mit Belgien und lehnte ferner den Beschluß des Reichstags wegen Abänderung des Zolltarifs bezüglich harter Kammgarne ab. Sodann wurde die Session des Bundesraths geschlossen.

Der Staatsanzeiger veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Reichskriegshäfen und die

Feststellung des Nachtrages zum Reichshaus

haltsetat pro 1883/81.

30. Juni. Die Auswechselung der Ra tificationen des deutsch-italienischen Handels- und Schifffahrtsvertrages hat heute hier stattgefunden.

Wie man der M. Ztg. von hier meldet, soll die Festung Küstrin jetzt zu einem Waffen platz ersten Ranges umgewandelt und zu diesem Behufe mit sechs großen Forts, die je 6 Kilo meter von den alten Festungsmauern entfernt liegen, umgeben werden; zwei dieser Fortifica tionen sind bereits im Bau begriffen. Küstrin beherrscht die Eisenbahnlinien der preußischen Ostbahn und der Breslau-Stettiner Eisenbahn. Nach Fertigstellung der Befestigungen können über 40,000 Mann hinter denselben lagern.

Neuwied, 30. Juni. Gestern Abend fand Hofball im fürstlichen Schlosse statt. Die Königin von Rumänien, das Fürstenpaar, die Fürstin Mutter zu Wied, Graf zu Laubach nebst Ge mahlin und 230 Gaͤste wohnten demselben an.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 1. Juli. Der Kaiser hat heute eine Reise nach Steyer mark und Krain angetreten.

Die Nachricht der Nowoje Wremja von der angeblichen Verhaftung eines österreichischen Generalstabs Offiziers in Siedlee begegnet hier mit Recht den stärksten Zweifeln.

Schweiz. Bern, 29. Juni. Der Stände⸗ rath nahm mit 33 gegen 7 Stimmen das Gesetz über das Rechnungswesen der Eisenbahnen au.

Belgien. Brüssel, 29. Juni. Die Central⸗ section der Kammer lehnte mit 4 gegen 3 Stim men die Regierungsvorlage betreffs Erhöhung der Alkoholsteuer ab und genehmigte mit 4 gegen 3 Stimmen die Wahlreformvorlage.

Frankreich. Paris. Bezüglich der Cholera gefahr weist derTemps darauf hin, daß be reits alle Mächte, England ausgenommen, Maß regeln gegen die Einschleppung der Cholera ge troffen haben. Wenn die Cholera erst von Port Said in die Häfen Englands gelangt, daun

werde es unmöglich sein, die Weiterverbreitung nach dem Continent zu verhindern. Wenn Europa aber von der Cholera befallen werde, verdanke man das der Gleichgültigkeit eines Landes, wel ches durch allzu engherzige Sorge um seine materiellen Juteressen Europa dieser Gefahr be reits aussetzte. N

30. Juni Challemel-Lacour trifft Abends hier ein und übernimmt morgen die Leitung des auswärtigen Amts. Der Haudelsminister theilte heute dem Ministerrathe die gegen die Cholera getroffenen Maßregeln mit. In allen Mittel meer- und Oceauhäfen sind Quarantäuen für verdächtige Provenienzen errichtet; jedes Schiff mit klarem Patent wird den entsprechenden Vor sichtsmaßregeln geradeso unterworfen, wie die Schiffe mit unreinem Patente. Diese Maßregel wurde obligatorisch durch die Gewohnheit der eng lischen Seebehörden, ihren Schiffen, selbst wenn sie aus Cholerahäfen kommen, klare Gesundheits pässe auszuhändigen. Dem Voltaire zufolge finden zwischen den Mächten Besprechungen be hufs Bildung einer internationalen permanenten Sanitäts Commission in Egypten statt. Nach Nachrichten aus Constantinopel wären durch einen kaiserlichen Firman die Pilgerfahrten nach Mekka zur Zeit untersagt worden.

Großbritannien. London. Das Ober haus verwarf mit 145 gegen 140 Stimmen in dritter Lesung die Bill, welche die Ehe eines Wittwers mit der Schwester seiner verstorbenen Frau legalisirt.

Italien. Rom. Die Gazette Ufficiale veröffentlicht die Gesetze, durch welche die Han dels- und Schifffahrtsverträge mit Deutschland und England mit dem heutigen Tage in Wirk samkeit gesetzt werden, sowie das Gesetz, welches die Ermächtigung zur Verlängerung der italie nisch-französischen Schifffahrtsconvention ertheilt.

30. Juni. Eine Special-Depesche der Riforma aus Tunis meldet die Verhaftung eines Italieners Namens Villa durch französische Sol daten wegen einer Schlägerei mit den Fran zosen. Der italienische Consul verlangte ver geblich die Auslieferung desselben. Es scheint, daß die Franzosen Villa kriegsgerichtlich ab urtheilen werden.

Türkei. Konstantinopel, 30. Juni. Der Sanitäts-Rath beschloß die Verschärfung der Maßregeln gegen die Cholera. Alle nicht cholerafreien Schiffe haben eine fünfzehntägige Quarantäne ungerechnet der Fahrzeit zu be stehen. Die zehntägige gilt für die während der Ueberfahrt cholerafrei gebliebenen Schlffe.

Rußland. Petersburg, 29. Juni. Zu Sarmaxa am Swirtflusse fand gestern die feier liche Eröffnung des neuen Swirt- und Sias Canals durch den Kaiser und die Kaiserin statt; zugleich waren mehrere Minister eingetroffen. Deputationen der Petersburger und Rybiuskser Kaufmannschaft überreichten eine Adresse. Der Kaiser gab der Hoffnung Ausdruck, der neue Wasserweg werde zur Förderung des russischen Handels beitragen. Auf der Hin- und Rückceise wurde die kaiserliche Flottille von enthusiastischen Ovationen der Bevölkerung am Ladoga-Ufer begleitet.

Ein Berichterstatter der Katkow'schen Zeit ung erzählt in einem Warschauer Briefe, es sei unzweifelhaft, daß in Warschau eine geheime Gesellschaft ihre Thätigkeit entfalte. Augenblick lich beschäftige sich dieselbe noch mit der Or ganisation der Waffen; wenn indessen die russi schen Behörden noch immer die Augen geschlossen hielten, dann müsse es wieder so kommen wie 1863. In den Schulen, in allen Gesellschaften, bei der Feuerwehr, auf Ausstellungen, Hoch zeiten und auf den gutsherrlichen Jagden, überall soll gegen Rußland geschürt werden.

Amerika. Washington, 27. Juni. Das Cabinet erörterte gestern die Frage bezüglich der armen Einwanderer aus Irland und das Er gebniß der Bewegung war der Erlaß eines Be fehles an die Zollamtsbehörden New-Vorks im Verein mit den Einwanderungs-Commissären

dahin zu wirken, daß die Landung von armen

nach dem Hafen zurück zu befördern, woher sie

gekommen. f Lima, 29. Juni. Der Cougreß Peru's trat

in Arequipa zusammen und ermächtigte die Re⸗ gierung des Präsidenten Iglesias, den Friedens⸗ vertrag auf der Basis der Abtretung Tarapacas an Chili abzuschließen.

Asien. Peking, 30. Juni. Die chinesische Gesandtschaft in London hat eine Depesche aus Shanghai erhalten, wonach eine freundliche Lösung der Tonkinfraze durch das schroffe Auf treten des französischen Gesandten Tricou ver eitelt sei. Li-Hung-Tschang weigere sich Tricou weiterhin zu empfangen und beabsichtige nach Tientsin zurückzukehren, weil er keine Möglich keit einer Verständigung mehr sehe.

Aus Stadt und Land.

st. Friedberg. Eine Adresse an R. v. Bennigsen ist in Seriba's Buchhandlung dahier zur Unterzeichnung für Gesinnungsgenossen aufgelegt.

b. Friedberg. Am 14. Juni fand auf dem Windecker⸗ schen Felsenkeller die Generalversammlung des hiesigen Volksbildungsvereins statt. Dieselbe war, wenn auch nicht stark, so doch weit besser als in früheren Jahren besucht und schloß sich den Verhandlungen eine recht lebhafte Debatte an. Aus der reichen Tagesordnung sei hier das Nachfolgende hervorgehoben: Der Vorsitzende des Vereins, Reallehrer Blickhahn, gedachte zunächst in warmen Worten des Ablebens von Schultze Delitzsch, des Präsidenten der Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung, deren Zweigverein der hiesige Verein ist und verlas einen Nachruf für denselben aus dem Organ der Bildungsvereine. Hierauf verlas Seminarlehrer Dr. Heid als Stellvertreter des durch Unwohlsein ver hinderten Schriftführers des Vereins, Seminarlehrer Kirchner den Jahresbericht, aus welchem hervorgeht, daß die Thätigkeit des Vereins, ähnlich wie in früheren Jahren, eine dreifache war, Veranstaltung von Vorträgen Unterhaltung eines Lesezimmers und Ausgabe von Büchern aus der Vereinsbibliothek. Es wurden im letzten Vereins⸗ jahre 9 Vorträge von 7 Herren gehalten, die alle sebr zahlreich besucht waren. Das Lesezimmer, das täglich von Vormittags 11 bis Abends 10 Uhr für Jedermann geöffnet ist, so wie die Vereinsbibliothek, aus welcher jeden Mittwoch von 2 Uhr Bächer entliehen werden können, werden ebenfalls von dem Publikum fleißig be⸗ nutzt. Wie in früheren Jahren, so auch im letzten, be⸗ stimmte der Ausschuß die Summe von 20 Mark zu Prämien für Schüler der Fortbildungsschule, die sich durch gutes Betragen, Fleiß und Leistungen ausgezeichnet haben. Die Zahl der Mitglieder beträgt 110. Es wurde hierauf die von 3 Mitgliedern geprüfte und ohne jeglichen Anstand befundene Rechnung vorgelegt und dem Rechner, Seminarlehrer Wahl, Decharge ertheilt. Ebenso wurde der vorgelegte Voranschlag pro 1883/81 unverändert angenommen. Die von Kaufmann Hofmann und Stadt- rath Hirsch gemachten Vorschläge, welche schon mehrfach den Vorstand beschäftigten, sollen nochmals in reifliche Erwägung gezogen werden. Wir schließen dieses kurze Referat mit dem Wunsche, daß jeder Volksfreund hiesiger Stadt sich den Bestrebungen des Vereins anschließen und ihn durch Beitritt unterstützen möge, denn nur mit ver⸗ einten Kräften vermag der Verein sich immer mehr dem gesteckten Ziele zu nähern.

Friedberg. Bezüglich der angeblichen Geburt von Fünflingen in Nidda hakten wir uns an Großherzogliche Bürgermeisterei daselbst gewandt, da man beabsichtigte, dle Frau event. von mehreren biesigen Seiten zu unterstützen. Darauf erhielten wir von Großh. Vürgermeisterei Nidda folgende Zuschrift, die wir nicht verfehlen zu veröffent lichen:Wenn an der Fünflingen-Geschichte, welche sich in Nidda ereignet haben soll, etwas Wahres wäre, so verdiente sie, wie auch aus Ihrer geehrten Correspondenz vom 27. Juni hervorgeht, der Beachtung wohlwollender Menschen und mildthätiger Herzen. So ist es aber ein ganz unerlaubter, sehr zu mißbilligender Scherz wenn es überhaupt als Scherz bezeichnet zu werden verdient welchen sich ein Phantast, ein Mensch, welcher Leicht gläubige zum Besten halten will, erlaubt hat.

Darmstadt. Die Erdstöße haben sich wiederholt, Am 27. machte sich um 11 Uhr 18 Min. Vormittags noch ein weiterer Stoß bemerkbar; in der Nacht vom 27. auf den 28. wurden drei schwache Stöße beobachtet und in der Nacht vom 28. zum 29. um 11 Ubr 38 Min. wurden Viele wieder durch ein starkes, 2 Secunden an haltendes Schütteln aus dem Schlafe geweckt.

Bessungen, 29. Juni. Gestern Nacht gegen halb

12 Uhr baben wir hier wiederum ein Erdbeden ver?

spürt. Die wellenförmige Bewegung ging von Westen nach Osten und hielt etwa eine Secunde an. Sie war derart, daß man glaubte, einen Lastwagen unter dem Hause herfahren zu hören.

Allerlei.

Aachen, 29. Juni. Ein in der Gummiwaarenfabrik von J. P. Monheim ausgebrochenes Feuer verbreitete sich schnell über das ganze Rathhaus Viertel. Die beiden Rathhausthürme sind abgebrannt, der Krönungssaal und der Schatz sind gerettet. Aus Köln und anderen Städten

war die Feuerwehr und das Pioniercorps requirirt worden,

Einwanderern daselbst verhindert und falls be⸗ reits einige ausgeschifft sein sollten, dieselben

Abtreibung

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