Kissingen, 29. April. Der Großherzog von Baden ist zu mehrwöchentlichem Kurgebrauch hier eingetroffen.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. April. Das Abgeordnetenhaus nahm heute eine von der Opposition heftig bekämpfte Resolution zur Schulnovelle an, welche die Vorlegung eines Entwurfs verlangt, der lediglich die Grundsätze des Volksschulunterrichts mit Ausschluß aller in den Wirkungskreis der Landtage fallenden
Bestimmungen feststellt und nahm die Schul— novelle in dritter Lesung mit 170 gegen 167 Stimmen an. Tomaszyzuk hatte Namens der Linken erklärt, dieselbe betrachte die Novelle, wenn sie nicht eine Zweidrittelmasorität erlange, als nicht verfassungsgemäß beschlossen. Der Präsident entschied, daß die einfache Majorität genüge. Bei der ganzen Debatte in zweiter und dritter Lesung handelte es sich eigentlich um den F. 48, welcher gewissermaßen das punctum saliens des ganzen Gesetzes bildet, in— dem er die Bestimmung enthält, daß der ver— antwortliche Schulleiter auch zum eventuellen Religions unterrichte befähigt sein müsse und der Confession der Mehrzahl der Schüler anzu— gehören habe. Hier spannte die Linke alle ihre Kräfte an. Sie behauptete, daß dieser Para— graph eine Verletzung der Verfassung involvire, da diese ausdrücklich sage, daß alle Aemter dem österreichischen Staatsbürger ohne Unterschied der Confession zugänglich sein sollen. Zu einer Verfassungsänderung aber gehört eine Zwei— drittelmajorität und da diese nimmermehr hätte zusammengebracht werden können, so ging die Rechte auf eine Erörterung dieses Punktes gar nicht ein und erhob den Paragraphen mit 6 Stimmen Majorität— darunter 5 Minister—
stimmen— zum Gesetz. Die vereinigte Linke
berieht darauf über den Austritt aus dem
Reichsrath. Graf Salm brachte den Autrag
ein, zu erwägen, ob angesichts der Situation
nicht eine Passivitäts-Politik einzuschlagen sei.
Herbst, Sturm und Cblumecky bekämpften den
Antrag, welcher schließlich mit 69 gegen 37
Stimmen abgelehnt wurde.
— 28. April. Der Empfang, welcher dem gestern hier eingetroffenen Prinzen Wilhelm von
Preußen, dem ältesten Sohn des deutschen Krou—
prinzen, zu Theil geworden, trug den Stempel
der aufrichtigsten Herzlichkeit.
— 29. April. Gestern wurde in Paris die die Meistbegünstigungs-Convention bis Ende Februar 1884 verlängernde Uebereinkunft unterzeichnet.
rankreich Paris, 27. April. Der Staatsrath sprach sich dahin aus, daß die Re— gierung das Recht habe, die Gehalte sämmtlicher Kirchendiener, die Bischöfe nicht ausgenommen, zu beseitigen.
Großbritannien. London. Dem Observer zu— folge ist Generallieutenant Stephenson zum Nach⸗ folger des Generals Alison als Oberbefehlshaber der englischen Armee in Egypten ernannt worden.
Türkei. Constantinopel. Einer Stefani— meldung vom 27. c. zufolge ist die Candidatur Danisch Effendi's für den Posten eines Gou— verneurs des Libanon von allen Mächten ange— nommen und soll seine Ernennung nahe bevorstehen. d
Rußland. Petersburg. Mehrere Offiziere f und Soldaten der hiesigen Garnison, welche im Verdacht standen, in die Nihilisten-Verschwörung verwoben zu sein, haben ihrem Leben ein ge⸗ waltsames Ende bereitet.
Egypten. Alexandrien, 27. April. Es ist hier die allerdings unverbürgte Schreckensnach— richt eingetroffen, daß Mahdi mit seinen Schaaren nur noch wenige Stunden von Khartum entfernt 2 und die egyptische Armee in voller Auflösung b
begriffen sei. Um den Platz vor der angedrohten Vernichtung zu retten, verhandele man bereits wegen Uebergabe desselben.
Kairo, 28. April. Dem Khedive ist be- züglich der Einberufung und Vertagung des gesetzgebenden Raths die Prärogative Seitens
1
öffentlichen Anschlag dem Betteln und Umfragen im Orte gewarnt und gleich— zeitig die Retisenden darauf verwiesen werden, daß sich wegen Arbeit und Unterstützung an Gr. Bürgermeisterei bezw. an wem sonst in den Nachbarländern,
Cassel wurde heute ein
markt heimkehrenden Landmann auf öffentlicher Landstraße überfiel, niederschlug Derselbe legte auf der Polizei in Cassel ständniß ab. Theil noch bet demselben vorgefunden.
bei Bommersheim, gerade mitten auf dem hohen Damme. Es platzte der linke Kolbencylinder der Maschine. Gluͤck gelang es noch zur rechten Zeit Stehen zu bringen, so daß ein größeres
soll beschlossen worden sein, den Dynamitver— schwörern energisch gegenüberzutreten Uebertretung der Gesetze mit den strengsten Stra— fen heimzusuchen. g
Philadelphia, 28. April. Die irische Na— tionalconvention vertagte sich auf unbestimmte Zeit, nachdem vorher ein aus 7 Mitgliedern be— stehender Executivausschuß ernannt worden war.
Aus Stadt und Land.
u. Friedberg, 27. April. Heute fand im hiesigen Rathhaussaale unter dem Vorsitze des Gr. Kreisrakhs Dr. Braden eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises statt, in welcher über die gegen das Vaganten⸗ thum zu ergrelfenden Maßregeln berathen wurbe. Großh. Kreisrath Dr. Braden leitete die Verhandlung ein und ertheilte dem Regier.⸗Accessisten Fey, welcher das Referat übernommen hatte, das Wort. Aceessist Fey beleuchtete in eingehender und überzeugender Weise die großen sitt⸗ lichen und volkswirthschaftlichen Schäden, welche das immer mehr und mehr um sich greifende Vagantenthum im Gefolge hat, indem er dieselben, insoweit sie speciell den Krels und die Gemeinden des Kreises in den letzten Jahren betrafen, an der Hand von Zahlen erläuterte. Auf Antrag des Referenten wurden von der Versamm— lung folgende Resolutlonen gefaßt: 1) Es muß darauf hin⸗ gewirkt werden, daß die Unterstützung Durchreisender seitens der Privatpersonen gänzlich aufhört. Die Gewährung von Unterstützungen übernimmt die Gemeinde in der Art, daß der Bürgermeister oder ein anderes Ortsvorstands— mitglied dieselbe in jedem einzelnen Falle anweist. 2) Die Unterstützung ist thunlichst von vorhergängiger Verrichtung von Arbeit abhängig zu machen. Die erforderlichen Ein⸗ richtungen hierzu sind in allen Gemeinden derartig zu treffen, daß entweder öffentliche Arbeit(Steinklopfen, Reinigung von Ortsstraßen und Wegen, Zerkleinerung von Holz u. dgl.), oder daß Arbeit bel Privaten auf bestimmte Zeit obrtgkeitlich angewiesen und die Ver— richtung der Arbeit obrigkeitlich eontrolirt wird. 3) Die Unterstützung darf nur in unmlttelbarer Gewährung der nothwendigen Lebensbedürfnisse, nicht aber in Geld⸗ spenden bestehen und muß in allen Gemeinden des Kreises zu bestimmten Tageszeiten stattfinden. Die Anweisung auf Naturalverpflegung erfolgt vermittelst besonderer Karten. Mit Wirthen oder sonst geeigneten Personen sind Verträge wegen Gewährung von Speise und Nacht⸗ quartier abzuschließen, in welchen bei Meidung namhafter Conventionalstrafe für jeden Zuwiderhandlungsfall der Umtausch der Karten gegen Geld oder die Verabfolgung von Getränken anstatt Spetse ausdrücklich zu untersagen ist. Die Karten werden monatlich mit den hiernach von den Aecordanten liquidirten Beträgen aus der Gemeinde— kasse ausbezahlt. Besonders in Anspruch genommenen Gemeinden soll womöglich eine Beihülfe durch den Kreis erwirkt werden. 4) Es sind Einrichtungen dahln zu treffen, daß die Arbeitgeber das Bedürfniß nach Arbeits- kräften an einer Stelle anmelden, damit die Möglichkeit gegeben wird, arbeitssamen, im Besitz ordnungsmäßiger und guter Zeugnisse befindlichen Arbeit zu verschaffen. 5) Durch an den Ortsausgängen soll vor
Legttimationspaplere Reisenden andauernde
zu wenden ist.— Die Erfahrungen
Amerika. Wasbington. Im Ministerrath f voller Glutb.
Das Feuer wurde rasch gelöscht, richtete aber doch großen Schaden an. An den Weiterbetrieb
und jede der Wirthschaft ist vorerst nicht zu denken.
Allerlei.
Frankfurt. Die vereinzelten Blatternanfälle, die hier vorgekommen, geben vorläufig zu Besorgnissen keinen Anlaß. Wie verheerend aber diese bösartige Krankheit werden kann, sobald sie einen epidemischen Charakter annimmt, beweisen die Erfahrungen früherer Jahre, in denen die Krankheit herrschte. Bis zum Jahre 1870 sind die Blattern hier immer nur vereinzelt(meist einge⸗ schleppt) aufgetreten. Im Jahre 1870 aber kamen ca. 260 Erkrankungen mit 23 Todesfällen, 1871 ca. 910 mit 120 Todesfällen und 1872 ca. 120 mit 19 Todesfällen vor. In Summa waren es 1290 Erkrankungen mit 162 Todesfällen. In den nächsten Jahren verschwanden die Blattern fast ganz, bis im November 1875 eine neue, aber unbedeutende Epidemie zur Besorgniß Anlaß gab, die Krankheit war ebenfalls eingeschleppßt worden und trat vorzugsweise in der Altstadt auf. Sie währte bis in den August 1876, und es kamen in dieser Zeit 290 Erkrankungen mit 18 Todesfällen vor.
Elsenach, 28. April. Dle Stadt Geisa(im Groß— herzogthum Sachsen-Weimar, an der Ulster) ist zur Hälfte abgebrannt, die Oberstadt ist in diesem Augenblick noch gefährdet. Schule und Pfarrei sind durch das Feuer zerstört.
Potsdam, 29. April. Wir haben den Verlust eines Mannes zu beklagen, der durch die eminente Ausdauer, mit welcher er seine ganze Kraft in die Dienste des Ge— meinwohls gestellt und durch die Erfolge, welche seinen volkswirthschaftlichen Bestrebungen beschleden waren, sich in allen Kreisen einer seltenen Popularität erfreute. Dr. Hermann Schulze-Delitzsch, der Gründer des deutschen Genossenscheaftswesens, zugleich einer der hervorragendsten und begabtesten Führer der Fortschrittspartei, ist beute früh vor Vollendung setnes 75. Lebensjahres nach mehr— wöchentlichem Leiden dahier verschieden.
Hamburg. Der norddeutsche Lloy ꝛdampfer„Habs⸗
burg“ wird vermißt, und es sind bereits mehrere Dampfer ausgesendet worden, um ihn aufzusuchen. Derselbe wurde am 17. April auf 480 N. und 230 W., also etwa 900 Kilometer westlich von Irland, mit gebrochener Welle durch den Dampfer„Standard“ angesprochen. Toulon, 29. April. Die mit 17 Mann besetzte Geschwaderschalluppe„Ocean“ wurde von elner Böe er— faßt und ist auf der Rhede gekentert. Nur 10 Personen wurden gerettet. New⸗Nork. Durch die Wirbelstürme in Mississippi, Georgia, Suͤdcarolinga am vorigen Sonntag sind zwischen 200 und 300 Menschen ums Leben gekammen und über 1000 haben mehr oder minder erhebliche Verletzungen davongetragen. Berichte über die Zerstörung von Eigen— thum laufen fortgesetzt ein.
Brodpreise vom 1. bis 16. Mai. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach
unverändert. Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 1. bis 16. Mai. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach
unverändert.
Heute wurde von uns der Rest der f. Z. für die
Wasserbeschädigten in Hessen eingegangenen Gelder mit M. 3.63 an die Hauptsammelstelle abgeliefert.
Die Expedition des Oberh. Anz.
vor Allem im Königreich Würtem—
as Publikums einheitlich olg nicht fehlen.
Buß bach, 25. April.
zusammen, so kann der Er—
Von der Criminalpolizei in junger Mensch verhaftet, der am 9. d. Mts., Abends, unweit Butzbach einen vom Jahr⸗ und um über 100 Mark beraubte.
ein offenes Ge— Das geraubte Geld wurde zum größten
Homburg v. d. H., 29. April. Der um 9 Uhr 0 Minuten von Frankfurt abgehende Homburger Zug atte ein Unglück auf der Strecke kurz vor Oberursel
Zum den Zug zum f Ungtück, das ier sehr leicht hätte bedeutende Dimensionen annehmen
Gießen, 27. April. Heute früh ½5 Uhr brach in] v
Englands zugestanden. Es ist daher bereits die d
Veröffentlichung der neuen Verfassung erfolgt. stand der Dachstuhl
em Wenzel'schen Etablissement Feuer aus, überall an em Holzwerk reiche Nahrung findend. In kurzer Zeit
berg aber auch in einzelnen Kreisen des Großherzog— Pfennig ⸗Sparkasse.
thums(Dieburg, Darmstadt und Offenbach), haben den
Beweis geliefert, daß die Durchführung der vorstehenden Sammelstellen. Einlagen. Betrag. Grundsätze das nahezu vollstaͤndige Verschwinden der M. Pf. Stromer zur Folge hat. Die Durchführung ist aber, f abgesehen von der Thäligkeit der Gemeindeorgane, vor Bestand am 1. Juni 1882
Allem abhängig von der Mitwirkung des Publikums. amt z 16388 O05 In erster Linte muß sich Jedermann zum GrundsatzsUebertrag vom 21. April 1883 27153 182134 61 machen, Stromern keine Geldunterstützung zu geben, 1. C. Vindern agel. 67 46 60 ondern sie an die Gemeinde zu verweisen. Wer Almosen 2. W. Bernbeck 3 202 126 95 geben will und kann, möge seine Mittel für die Orts-. Ph. Binn? 13 92 50 armen, nicht aber für die durchziehenden Vagabunden 4. H. Flaschenträger.. 97 65 8 aufwenden. In zweiter Linie steht zu hoffen, daß dies 5. H. Flaschenträger. 119 81 65 Gemeinden auch seitens des arbeltgebenden Publikums Jr Y 35015 9 unterstützt werden. Wirken die Gemeindebehörden und 30 88
Uebertrag am 1. Juni 1882 Einleger 978. Uebertrag vom 21. April neue Einleger 272. Neue Einleger„— Gesammt⸗Einleger 252. Friedberg den 28. April 1883. Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Eredit⸗Nerein. e. G.
—
Bekanntmachung.
Die Actienzuckerfabrik Wetterau beabsichtigt auf dem
ihr gebörigen Terrain, gelegen in der Gemarkung Fauer⸗ bach, Flur 11 und 111, Größe 4 Hectare 73 Dampfkessel⸗Anlage zu errichten. ungen liegen 14 Tage, von Veröffentlichung dieser Ver—
0 Ar, eine Pläne und Beschreib⸗
ügung an gerechnet, auf dem Büreau der unterzeichneten
Behörde zur Einsicht offen, woselbst auch etwaige Ein⸗ wendungen innerhalb der bemerkten Frist bei können, verhindert wurde. d
Meidung
es Ausschlusses und der Annahme Einverständnlsses
orzubringen sind. Friedberg am 28. April 1883. Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
des Mittel- und Flügelbaues in!!
666 Dr. Braden.
——
auf den und Lie
Maur Glefert „
Iflast Chau Gral Kefer
1654


