Ausgabe 
31.8.1882
 
Einzelbild herunterladen

5 N N 1 1 0 f N 1 * 4 1 7. 9 1 4

gegangene Versuche, Beunruhigungen wegen eines angeblichen englisch-russischen Confliktes zu erwecken, der die unmittelbare Folge der englischen Campagne in Egypten sein müsse, werden in hiesigen diplomatischen Kreisen als tendenziöse, jeden positiven Anhaltspunktes entbehrende Ausstreuungen bezeichnet.

Ausland.

Frankreich. Paris, 26. Aug. Gestern Abend fuhr Gambetta zurNouvelle Librairie auf dem Boulevard des Italiens, um Bücher einzukaufen. Als das Publikum ihn im Innern des Ladens erblickte, sammelte es sich sofort zu einer großen Masse an. Man regquirirte 10 bis 12 Polizisten, um die Passage frei zu machen. Beim Heraustreten wurde Gambetta vom Pub- likum mit Hohnliedern und Pfeifen empfangen. Wüthend schlug er die Wagenthür zu und ließ den Kutscher in scharfem Trab davonfahren.

Italien. Rom. Hiesige Blätter berichten, daß die Regierung im Gardasee einige Kanonen boote zu stationiren beabsichtige.

Türkei. Constantinopel, 27. Aug. Said Pascha begab sich am Sonntag Abend zu Lord Dufferin und zeigte demselben an, daß die Pforte beschlossen habe, die Proclamation, welche Arabi Pascha zum Rebellen erklärt, zu publi- ciren und auch die Militärconvention nach dem Entwurf Dufferin's zu acceptiren.

28. Aug. Das Gerücht, Lord Dufferin hatte Said Pascha auf die Mittheilung von der Annahme der Militärconvention durch die Pforte geantwortet:zu spät! wird als unbe⸗ gründet bezeichnet. Die Pforte nahm alle Punkte des britischen Entwurfs an und fügte, wie verlautet, drei neue Punkte dem militärischen Programm hinzu. Der Secretär des Sultans, Kiamil Effendi, ist abgereist, um den entflohenen kurdischen Scheik Obeidullah zur Rückkehr zu

bewegen.

Bulgarien. Sofia. Der Staatsrath hat das Wahlgesetz mit der Abänderung ange nommen, daß die Nationalversammlung von nun an 80 Deputirte statt 52 zählen soll.

Griechenland. Athen, 29. Aug. An der türkischen Grenze erfolgte zwischen griechischen und türkischen Soldaten ein Zusammenstoß, wobei drei Unterofficiere und vier griechische Soldaten getödtet, sowie zwölf verwundet wur den. Die Regierung hat dieAmphitrite mit zwei Campagnien und zwei Batterien beordert, nach Volo abzugehen.

Rußland. Petersburg. Der Tag der Krönung ist nunmehr auf den 26. September russischen Stils festgesetzt.

Egypten. Alexandrien. Das neue Cabinet hat sich nunmehr wie folgt constituirt: Cherif Pascha, Präsidium und Auswärtiges; Riaz Pascha, Inneres; Haidar Pascha, Finanzen; Mubarek Pascha, öffentliche Arbeiten; Omar Lufti Pascha, Krieg und Marine; Fakri Pascha, Justiz; Kairi Pascha, Unterricht; acki, Wakufs.

28. Aug. Die egyptischen Truppen bei Kafr⸗el⸗Dowar wurden verflossene Nacht er⸗ heblich verstärkt. In ihren Linien war heute früh große Bewegung zu bemerken und viel neue Zelte wurden aufgeschlagen. Auch in Mex, wo die Egypter Verschanzungen aufwarfen, sind Verstärkungen eingetroffen.

29. Aug. Es wird berichtet, daß der Khedive vier Officiere Arabi's empfangen habe. Sultan Pascha geht als Gouverneur nach Kairo ab

Port Said, 28. Aug. Der hier eingetroffene LloyddampferKalypso hat 150 Mann türkischer Truppen an Bord. Die vor dem Hafen kreu zenden armirten englischen Boote verwehrten diei Enfahrt, worauf sie die Erklärung erhielten, die türkischen Soldaten seien nach einem Fort des rothen Meeres unterwegs.

Ismailia, 27. Aug. General Wolseley ist hierher zurückgekehrt, um den durch die großen Trausport- Schwierigkeiten nur langsam von Statten gehenden Nachschub zu beschleunigen.

eine sehr feste, denn sie lehnt ihre beiden Flanken an Wasserläufe an. Die Engländer haben einen

gepanzerten Eisenbahn-Waggon mit einem 40Pfünder und einigen Gatling⸗(Mitrailleusen) Geschützen durch 16 Pferden mühsam nach der Front schleppen lassen.

Eine Depesche Wolseley's vom 27. Aug. meldet, die Resultate der Gefechte am Donnerstag und Freitag seien weit wichtiger, als am Samstag angenommen wurde. Der Feind ist in voll⸗ ständiger Deroute und flieht gegen Zagazig unter Zurücklassung des Lagers mit Waffen, Munition und den Vorräthen aller Art. Der Hauptrathgeber Arabi's, Mahmud Fehmi, ist als Gefangener im Lager Wolseley's. Mahmud Fehmi Pascha hatte von Telel-Kebir aus auf einem Eisenbahnzug eine Recognoscirung unter nommen. Bei Annäherung der Engländer hatte der Locomotivführer die Maschine abge hängt und war in toller Hast damit zurück⸗ gefahren. Mahmud Fehmi sagte aus, bei Tel⸗ el⸗Kebir seien drei Batterien Festungsgeschütz und fünf Krupp'sche Feldbatterien in Position.

29. Aug. Die Truppen Arabi's griffen gestern Abend die englischen Positiouen bei Gassasin an, wurden aber zurückgeschlagen und verloren viele Mannschaften, sowie 11 Ge schütze. Die Engländer hatten einen Verlust von 120 Mann.

Aus Stadt und Land.

Alzey, 28. Aug. Gestern Abend fand auf hiesigem Friedhofe unter zablreicher Betheiligung von hier und auswärts die feierliche Enthüllung des Grabdenkmals für den dahier verstorbenen Realschuldireetor Steinberger statt. Die Feier legte ein beredtes Zeugniß dafür ab, wie sehr Steinberger in seiner hiesigen Stellung und in seinen früheren sich dankbare Schüler, sowie zahlreiche Verehrer und Freunde erworben.

Allerlei.

Berlin. Das Verbrecher-Album unserer Polizei, eine verhältnißmäßig noch junge Schöpfung, erfordert gleichwohl von den Criminalpolizisten schon ein gründ⸗ liches Studium. Das bereits zu stattlichem Umfange angewachsene Album, dessen Inhalt die Abconterfeiten sehr gegen ihren Willen geliefert haben, zählt zur Zeit 2135 Photographieen. Die in dem Album vereinigte Gesellschaft besteht aus folgenden angenehmen Persön⸗ lichkeiten: 663 Mörder, Einbrecher und Räuber, 291 Taschendiebe, 143 Ladendiebe, 191 Schlafstellendiebe, 153 Bauernfänger, 153 Fälscher und Hochstapler, 386 Paletot⸗, Boden-, Colli- und Billarddiebe, sowie 155 Damen von unzweifelhaftem Charakter. Für einen Physiognomiker bildet diese Galerieberühmter Per⸗ sönlichkeiten eine wahre Fundgrube, für den Polizisten dient sie als Nachschlagebuch, um hartnäckige Incognitos zu lüften.

Pest. Aus Groß-Beeskerek kommt folgende Mit⸗ theilung über eine angebliche Massenvergiftung. Bei dem dortigen Gerichtshof wird gegenwärtig die Unter⸗ suchung in einer überaus sensationellen Affaire gepflogen, in welcher ungefähr hundert Personen in Anklagestand versetzt werden dürften. Die Fäden des ungeheueren Verbrechens oder vielmehr dieser Verkettung eolossaler Frevelthaten laufen in der Ortschaft Meleneze zusammen; hier residirte eine Quacksalberin, Namens Thekla Popov, die aus verschiedenen animalischen Stoffen und Kräutern eine giftige Flüssigkeit zu brauen verstand, welche mehrere⸗ mal genossen, langsam aber sicher tödtete. Dlese Popov hatte nun in die ganze Umgegend ihres Wohnortes Emissärinnen ausgeschickt, die überall ausspähten, wo es Zwistigkeiten zwischen Ehegatten gab. Wo sie solche Häuser fanden, dort nisteten sie sich ein, überredeten die Frauen, ihre Gatten aus dem Wege zu räumen, und verkauften denselben schließlich den erwähnten giftigen Saft, welcher denn auch in allen Fällen den Tod des unglücklichen Ehegatten herbeiführte. Fünfunddreißig Frauen sind durch den gewandten Untersuchungsrichter Verscsay bereits des Gattenmordes überführt worden; gegen weitere dreißig Weiber liegt der begründete Ver⸗ dacht dieses Verbrechens vor. Das Verbrechen wurde auf Veranlassung des Gemeinde-Arztes, Or. Rankovies, durch die Tochter der Giftmischerin dem Gerichtshof zur Anzeige gebracht.

Große Kinder große Sorgen!

Die Jahre fliehen pfeilgeschwind dieses Dichterwortes volle Bedeutung erkennt wohl Niemand besser, als die Eltern, denen eine Schaar munterer Kinder bescheert wurde. Sie wachsen heraus, ohne daß man es nur recht merkt. Ist es doch, als ob die gute Mutter erst vorige Ostern das Söhnchen zur Schule geschickt hätte, und nun ist es zu einem stämmigen Burschen herangewachsen und hat jetzt die

Die egyptische Stellung von Telel-Kebir ist

Schule verlasseu. Kleine Kinder kleine Sorgen,

große Kinder große Sorgen! Es dürfte wohl] itt di am Platze sein, kurz auf alle Gesichtspunkte den,

hinzuweisen, welche bei der Wahl eines Berufes für den der Schule entwachsenen Knaben maß⸗ gebend sein müssen. natürlich die geistigen und leiblichen Krafte des Kindes gehörig berücksichtigt werden. Hinsicht befindet sich oft in den Kreisen, in welchen man eine bessere Einsicht voraussetzen sollte, der größte Unverstand. Der Gelehrte bestimmt seinen Sohn zum Gelehrtenstande, ob⸗ wohl derselbe dazu gar keine, für einen technischen Beruf aber alle Fähigkeiten zeigt. barmherzige Vater schmiedet den Sohn an einen Beruf, den Letzterer nie genügend ausfüllen lernt und der ihm deßhalb sein ganzes Leben verbittert, weil er ihn nie zu rechter Schaffens freude führt. Dieselbe Unbarmherzigkeit begeht jener Vater, der durch sein einträgliches Ge⸗ werbe zu Wohlstand gekommen ist, und nun durchaus aus seinem einzigen Sohne etwas Besseres als einen gewöhnlichen Handwerker machen will, er hat ja die Mittel dazu, den Sohn studiren zu lassen. Ob auch der Sohn die nöthigen geistigen Kräfte besitzt, um die gelehrte Laufbahn gehen zu können, das wird nicht genügend erwogen. Nun sitzt der arme Junge auf den lateinischen Bänken und rutscht vor Verzweiflung die deutschen Hosen durch, kaut die Finger und beißt am Federhalter, wenn die Vokabeln und Lehrsätze nicht in den Kopf wollen. Und über kurz oder lang muß er doch noch die Schande erleben, von der Schule ab⸗ gehen zu müͤssen, dann aber fällt es ihm schwer, einen Beruf zu ergreifen, den er früher mit Freuden gewählt hätte. Nicht minder aber als die geistigen, sind die leiblichen Kräfte des Kindes bei der Wahl seines zukünftigen Berufes in Rechnung zu ziehen. Ist diese Rücksichtnahme ganz besonders bei einem bereits vorhandenen körperlichen Gebrechen oder der Anlage dazu geboten, so sollte doch jeder Vater ganz genau die körperliche Konstitution prüfen und nicht blos auf die Hoffnung zukünftigen Wachsthums bauen. Ein besonders kräftiger, Mensch sollte z. B. nicht für's Uhrmacherhand⸗ werk bestimmt werden. Tritt dann in dem

Knaben auch die entschiedene Neigung hervor,

den seinen Kräften angemessenen Beruf zu wählen, so ist dies die beste Garantie, daß er denselben mit Liebe ergreifen und ihn nicht beim ersten Anlauf verlassen wird. die Macht des Geldes auf der einen Seite überschätzt wird, so sehr würde man doch auch irren, wenn man diesen Faktor bei der Wahl eines Berufes unterschätzen, nicht gehörig be rücksichtigen würde. Ein völlig unbemittelter Vater sollte seine Söhne nie in Berufsbahnen eintreten lassen, in welchen sie voraussichtlich ohne Vermögen nie selbstständig werden können sie würden später, wo sie nicht aus der Rollt der Untergebenen herauskommen könnten, sich höchst unglücklich fühlen. Ebenso ist es seht gewagt, wenn wenig bemittelte Eltern ihn Söhne einen Beruf ergreifen lassen, dessen Erlernung Kapitalien erfordert, die sie selbf nicht besitzen. bis 6 Mal theurer, als in früherer Zeit; wie schlimm ist es dann, wenn der Sohn einge Semester studirt hat und der Vater dul pekuniär ganz erschöpft ist. Der Sohn muß von der Universität abgehen und bleibt ein m fertiger Mensch sein Lebtage. Oder kommt e doch glücklich durch alle Semester und da Staatsexamen, so hängen sich, sobald er eil Amt erhalten hat, die Schulden bleischwer al seine Fuͤße, und die Eltern, welche Alles, wal sie hatten, für den Sohn geopfert und ihn

In erster Linie müssen

Der un⸗

So sehr

Das Studium ist heutzutage

In dieser

1

muskulöser

Kräfte für ihn in harter Arbeit aufgerieben hoffen von ihm mit Recht Unterstützung. H er nun nicht das Glück, Carrière zu machen so begleiten ihn die Schulden durch den größ

Theil seiner Lebenszeit hindurch. Hat

Vater mehrere Söhne, so erscheint es doppehl

unklug, an den einen Sohn Alles zu wendes während die anderen leer ausgehen. Wie

0

Glüͤc Soh Elte

1 1

wels

eine wuc

noch

lesen Diese Wag geb Mei ho gelt gut

bol