Ausgabe 
14.2.1882
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt, 10. Febr. Der Großherzog und der Prinz Wilhelm haben sich heute nach Schwerin begeben, um der Beisetzung der Leiche der Herzogin Anna von Mecklenburg beizuwohnen.

Das Regierungs-Blatt Nr. 2 enthält: J. Nachtrag zu den Statuten des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen. II. Bekanntmach ung, die Besetzung der Stellen von Revisoren und Revidenten im Eisenbahndienst betr.

Der zweiten Kammer wurde ein Gesetz entwurf, über die Ausführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Vieh seuchen, nebst Motiven vorgelegt.

Im Interesse der Vereinfachung der Geschäftslast der Hauptstaatskasse befürwortet der Finanzausschuß zweiter Kammer die Vorlage eines Gesetzentwurfs, behufs zwangsweiser Ab lösung der noch bestehenden Staatsrenten. In der letzten Zeit haben ziemlich belangreiche Ab lösungen stattgefunden.

Berlin. Die Eisenbahn-Commission ge nehmigte den Ankauf der Bergisch-Märkischen Bahn mit 12 gegen 6 Stimmen. In der Budget⸗Commission gab Finanzminister Bitter über die gestrige Interpellation Richter Auskunft: wenn auch nach den Ergebnissen von April bis December kein Ueberschuß zu erwarten, so sei doch gegründete Hoffnung, daß die Einnahmen und Ausgaben balanciren würden. Ueber den Bau des Rhein-Weser-Canals, der in der Thronrede in Aussicht gestellt ist, sagt die Nordd. Allg. Ztg., daß man an der Hoffnung unverändert festhalte, die Vorlage noch diesem Landtage mitzutheilen. Es sei bis jetzt noch nicht möglich gewesen.

11. Februar. Sitzung der Kirchengesetz Commission. Windthorst fragt den Cultus minister, ob die Regierung mit der Curie über eine materielle Revision der Maigesetze ernsthaft verhandele; ferner, ob die Vorschläge in der Vorlage dauernd gelten, oder ob die Regierung in nächster Zeit eine weitere Revision jener Gesetze beantragen wolle. Der Cultusminister erklärt darauf: Schlözer habe den Auftrag, mit der Curie über diese Vorlage zu verhandeln. Bei günstigem Verlaufe werde er Vollmacht zu weiterer Verhandlung erhalten. Auf nochmalige Anfrage Windthorst's, daß sonach auf eine grundsätzliche Revision nicht zu rechnen sei, er klärte der Minister: Die Revision sei nicht ausgeschlossen; zur Zeit sei aber die Vorlage das Aeußerste, über das eine Verständigung denkbar. Es wurde beschlossen, eine zweite Lesung in der Commission stattfinden zu lassen. Die Abstimmungen in erster Lesung sollten nur eventuell, nicht präjudicirend sein.

DieNordd. sagt: Gewisse Blätter be haupten, in den russischen Militärkreisen herrsche außergewöhnliche Regsamkeit; speciell an den Grenzen von Galizien würden die Grenzgarni sonen verstärkt. Sie sei in der Lage, zu sagen, daß in den Kreisen, die solches absolut wissen müßten, Nichts davon bekannt sei. Ein Auf sehen erregender Artikel derTribüne führt aus, ein Krieg zwischen Rußland und Oesterreich sei unvermeidlich. DerIntransigeant in Paris bringt eine Depesche derAgence Con tinentale, derzufolge in hohen russischen Militär kreisen ein Zusammenstoß mit Oesterreich als unvermeidlich betrachtet wird.

München, 10. Febr. In der Abgeordneten kammer wurde der Antrag Schels, daß die Regierung sich gegen das Tabaksmonopol er klären möge, trotz des Widerspruches des Ministers Riedel, mit 98 Stimmen(darunter die Liberalen) gegen 43 Stimmen angenommen. Ein Antrag Stauffenberg's auf motivirte Tages ordnung wurde abgelehnt.

DieAllg. Zetg. widerlegt die Nach richt, der Justizminister werde nach Schluß de Budgetverhaudlung zurücktreten.

Karlsruhe, 11. Febr. Zweite Kammer. Bei der Berathung des Justizetats wurde der Regierung gegenüber mehrfach der Wunsch aus gesprochen, den Gerichtsvollziehern feste Be

soldung, statt des bisherigen Bezuges von Gebühren, zu gewähren. Das Ersuchen auf Beseitigung der dem Kleingewerbe durch den Arbeitsbetrieb in den Strafanstalten gemachten Concurrenz, beantwortete der Vertreter der Regierung mit der Erklärung, es werde darauf gesehen, daß keine erschwerende Concurrenz ge macht werde. Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 10. Febr. Das Haus der Abgeordneten nahm in der Specialdebatte das Gesetz über die Erhöhung des Petroleumzolles mit 160 gegen 146 Stimmen an. Das Herrenhaus beschloß mit 82 gegen 55 Stimmen, daß die Errichtung einer czechischen Universität neben der ältesten deutschen in Prag gleichbedeutend sei mit einer Verkümmerung der Letzteren. 11. Febr. Im Abgeordnetenhause antwortet Ministerpräsident Taaffe betreffs der vorjährigen Excesse in Prag, dieselben seien polizeilich und vom Strafgericht verfolgt worden und gegenwärtig herrsche Ordnung und Ruhe, demnach sei für die Regierung kein Anlaß, außerordentliche Maßregeln zu ergreifen. Falls wider Erwarten weitere Ausschreitungen vor kommen sollten, werde die Regierung die Strenge des Gesetzes walten lassen.

12. Febr. DasTagblatt meldet aus Ragusa: Der AvisodampferThurn und Taxis hielt zwischen Megli und Baoasic ein italienisches Trabakel mit Lebensmitteln und 240 Martini gewehren für die Insurgenten an und brachte das Trabakel sammt der italienischen Bemannung nach Castelnuovo.

Pest. Ein allgemeiner Zolltarif mit um fangreichen Motiven wird im Laufe nächster Woche dem ungarischen Reichstage unterbreitet und soll die Verhandlung mit möglichster Be schleunigung erfolgen.

Serajewo, 10. Febr. Aus Fotscha entsendete Recognoscirungscolonnen von 2 Batailloneu mit 2 Geschützen und einem Bataillon mit 2 Ge schützen, stießen Erstere bei Susjerno, Letztere bei Sojahan auf je 200 Insurgenten und zer sprengten dieselben nach halbstündigem Kampfe. Die Mahomedaner in Metokia(auf der Hochebene von Gatzko) hielten eine Volksver sammlung und beschlossen, dem Aufstand sich nicht anzuschließen. Sie sandten eine Depntation an den österreichischen Feldherrn Jovanovitsch, um demselben in einer Zuschrift ihre Ergebenheit auszusprechen.

Frankreich. Paris. Wie verlautet, ist Tissot als Botschafter für London, Moailles als Botschafter für Konstantinopel designirt. Als Botschafter für Petersburg ist Admiral Jaures in Aussicht genommen.

Der Nihilist Pierre Lawroff ist aus Frankreich ausgewiesen worden. Es heißt, weil er versuchte, in Frankreich eine nihilistische Section zu gründen, wie Vera Sassulitsch in der Schweiz. Die Journale der Jutransigenten mißbilligen die Ausweisung; die anderen Zei tungen heißen sie gut.

Belgien. Brüssel, 10. Febr. Die Kammer berieth das Kriegsbudget. Der Kriegsminister erklärte die Befestigun der Maaslinie nicht für nothwendig. Die hierüber vom General Brial mont veröffentlichte Broschüre enthalte lediglich dessen persönliche Ansichten; er habe demselben wegen der darin ausgesprochenen anticonstitu tionellen Ansichten seine Mißbilligung ausgedrückt.

Großbritannien. London, 10. Febr. Unterhaus. Dilke antwortet Bartlet, Skobeleff habe keine amtliche Stellung und Lobanoff habe Granville dahin informirt, daß Skobeleff's Rede ganz ohne politische Bedeutung sei; dieselbe vertrete in keiner Weise die Ausichten der rus sischen Regierung. Ein Amendement von Smyth zur Adresse wird mit 93 gegen 37 Stimmen verworfen. Mac Carthy beantragt ein Amen dement zur Adresse und tadelt die Action der Executivgewalt in Irland. Forster rechtfertigt die Politik der Regierung, die durch die Haltung der Boden-Liga veranlaßt worden sei. Die Debatte wird schließlich vertagt.

127 setzte die Debatte über die Listenwahl fort fa Depretis sprach für die Annahme eines Pros lch portional-Votums, welches die Anklagen gegen dete die Listenwahl beseitige. Tajani beantragte eine bahah,

motivirte Tagesordnung, daß das Proportional Votum das legitime Ergebniß der Wahl ent stelle. Sie wird mit 216 gegen 139 Stimmen abgelehnt.

Montenegro. Cettinje. DiePresse und dasTagblatt melden als Gerücht aus Cattaro: Der Familienschatz des Fürsten Nikita (mehrere Million), der im vorigen Monat nach Antivari gebracht wurde, ist auf unerklärte Weise verschwunden.

Rußland. Petersburg, 10. Febr. Man meldet von Charkow, daß heute der Rector

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wegen stattgehabter studentischer Unordnungen Aa 0 die Schließung der dortigen Universität anord- dehnung nete. Es verlautet, die Unordnungen hätten, 800 fu keinen politischen Hintergrund. f 7 itt. D.

Allerlei. 1 1

Biebrich, 8. Febr. Die ersten Störche zogen heute pve über unsere Stadt. bus en Gelnhausen. Der wegen eines angeblichen Atten⸗ gegenwär tats verhaftete Bauer aus Großenhausen ist wieder frei- pelt, sen gelassen worden, da sich bei der eingeleiteten Untersuch als ein ung ergab, daß nicht er die Schüsse abgegeben, sondern werden ke der Handelsmann Reiß auf den Bauer geschossen hatte. Die Reiß hat, durch Zeugen überführt, eingestanden und ist d also

bereits gefänglich eingezogen. Barnstorf. Vor acht Tagen starb dahier der Musi⸗

bandl

kus Schwarze. Der Hund desselben verließ die Lager⸗ N stätte und sodann die Leiche keinen Augenblick, und als des Wa der Sarg zum Friedhof getragen wurde, mußte der Hund e eingesperrt werden. Trotzdem fand er später das Grab eine be seines Herrn. Da liegt nun das treue Thier Tag und Ausfüh Nacht auf oder an dem Grabhügel und verschmäht Speise Herstell und Trank. 5 ubm

Berlin. Berthold Auerbach ist am 8. Februar in führung Cannes, in Südfrankreich, wo er Heilung von seinen fall Leiden suchte, gestorben. Auerbach wurde am 28. Fe⸗ Bun bruar 1812 in dem württembergischen Dorfe Nordstetten, bog dick am östlichen Abhange des Schwarzwaldes, von jüdischen[ Großber Eltern geboren. DieNat ⸗Ztg. berichtet, das Be dien

gräbniß Auerbach's finde am 15. Februar zu Nordstetten

8 Ne b a Venn di statt. Zuvor wird in Cannes eine Leichenfeier veran⸗ uf dl

staltet, bei der Professor Lazarus aus Berlin dem ge in def schiedenen Freund die letzte Ehre erweisen wird. ni Bautzen, 7. Febr. Telegraphischer Meldung zu 17 Til folge, ist heute Vormittag gegen 10 Uhr das Trocken⸗ Apparat haus der königl. Pulverfabrik in Gnaschwitz durch Pulver- tation 50 explosion in die Luft geflogen. Verunglückt ist Niemand; 10 des Wa alle Gefahr beseitigt. asrackt Linz, 8. Febr. Das Dorf Lauterbach bei Kirch Srräng⸗ dorf ist heute Morgen abgebrannt. Zwei Menschen sind F. der 5 bei dem Brande umgekommen. Der Schaden beträgt borlige über 300,000 Gulden. anderer London, 9. Febr. Das deutsche SchiffLisette ist den St bei St. Johns auf einem Riff gesunken. Es steht fest,

daß dabel fünf Mann einschließlich des Capitäns den Tod gefunden haben; man befürchtet indeß, daß alle an Bord befindlichen Personen ertrunken seien.

Gerichtssaal.

Bad⸗Nauheim. Donnerstag den 16. Februar, Vormittags 9 Uhr anfangend, kommen vor hiesigem Schöffengericht folgende Strafsachen zur Aburtheilung: 1. die Strafsache gegen Karl Frei und Johs. Frei II. von Ober Mörlen wegen Ruhestörung, 2. die Strafsache

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Procurat,

8 an gegen Friedrich Kleiß Ehefrau von Schwalheim wegen ban Verleitung ihres Kindes zum Betteln, 3. die Strafsache J gegen Ludwig Dickel von Ober-Ohmen wegen Sachbe⸗ Ae un schädigung, 4. die Strafsache gegen August Hofmann iz 0 von Schwalheim wegen Uebertretung des§. 367, 11 des 465 Reichstrafgesetzes, 5. die Privatklagesache der Kath. Pfeifer itt von Friedberg gegen Konrad Schutt J. und Konr. Schuttil. 0 Air von Dorheim wegen Beleidigung. Nut

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Die Wasserversorgung der Stadt Friedberg. de S. Nachdem schon seit längeren Jahren eine bessere 0 Wasserversorgung unserer Stadt als ein dringendes Be. In dürfniß empfunden wird, mehrfache Vorarbeiten und Ver

suche hierzu jedoch erfolgslos geblieben sind, hat der 1 Stadtvorstand im verflossenen Jahre diese Aufgabe aber⸗ 195 in mals in die Hand genommen, mit dem bestimmten Ent nada schluß, sie zum Ziele zu führen. Zu dem Ende wurde Rerum, die in diesem Fache bewährte Firma Aird& Mark in Frie Berlin dafür gewonnen, um zunächst die bezüglich einer N. 551

Wasserleitung in Frage kommenden technischen Erhebungen und Terrainuntersuchungen vorzunehmen, um auf Grund derselben zu bestimmten Vorschlägen und Plänen zu ge langen. Das Ergebniß dieser Untersuchungen war, daß

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auf Zuleitung mit natürlichem Druck aus den Quellen 0 westlich von Ockstadt wegen Mangels der erforderlichen 1 Höhenlage verzichtet werden mußte; die höher auf dem soorden Gebirgszug gelegenen Quellen aber außer Rücksicht bleiben] berden mußten, da nach allen Ermittelungen die Gewinnung einer Nobt

Wassermenge, welche die Errichtung einer sehr ausge; dehnten und kostspieligen Herleitung rechtfertigen und den 1599