Ausgabe 
19.5.1881
 
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sei, welche beim Eintritt der in Rede stehenden außerordentlichen Maßregel sich der Ausweisung aus Stadt und Gebiet Leipzig zu gewärtigen haben, und es liegen Anzeichen vor, welche schon für die nächste Zeit interessante Verfügungen erwarten lassen.

Straßburg, 13. März. Das Journal L'Union meldet aus Rom: In einem heute ab gehaltenen Consistorium erfolgte die Praͤconisirung der Prälaten Stumpf und Fleck(welche zu Coad jutoren der Bischöfe von Straßburg und Metz ernannt sind), zu Bischöfen in partibus.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Mai. Im Abgeordnetenhause legte der Unterrichts Minister die Gesetzentwürfe für die Errichtung der czechischen Universität Prag und des bezüg lichen Nachtrags-Credites vor.

Pest, 16. Mai. Das Unterhaus nahm nach längerer Debatte mit großer Majorität den Ge setzentwurf betr. die Pest-Semliner Bahn in General- und Specialdebatte an.

Frankreich. Paris. DieRep. Fr. weist die Aeußerungen der englischen und italienischen Presse über die tunesische Angelegenheit zurück und erklärt, der in Bardo abgeschlossene Ver trag werde Frankreich in den Stand setzen, sich mehr als je der friedlichen Arbeit zu widmen.

14. Mai. Internationale Münzconferenz. Denormandie hob die Gefahr der gegenwärtigen

NRünzverhältnisse hervor und wies an dem Bei spiel Englands seit 1837 nach, daß die alleinige Goldwährung dem Uebelstande nicht abhelfe. Er forderte die Delegirten auf, durch geschickte Maßregeln einer schließlich mit Gewalt eintreten den Krisis vorzubeugen. Der niederländische Deputirte Pierson wies die Einwendungen gegen den Bimetallismus zurück. Der norwegische Delegirte Broch trat für den Monometallis mus ein.

16. Mai. Die Khrumirs zogen sich nach Nordosten zurück. Verschiedene Tunesen, welche Unruhen zu erregen suchten und behaupteten, der Bey habe den Vertrag vom 12. Mai ge zwungener Weise unterzeichnet, wurden auf Be fehl des Bey eingesperrt.

Marseille. 16. Mai. In Folge des Verbots eines Meetings gegen die Hinrichtung der Jesse-Helfmann fand gestern eine Kundgebung vor dem russischen Consulatsgebäude statt, an welcher sich etwa 100 Personen aus den untersten Volksschichten betheiligten. Die Menge zerstreute sich, nachdem drei Personen verhaftet worden, die bald nachher wieder in Freiheit gesetzt wurden.

Großbritannien. London, 16. Mai Unterhaus. Gladstone nimmt die Debatte zur zweiten Lesung der irischen Landbill wieder auf und erklärt im Laufe der Debatte, die Verwerf ung der Bill werfe auch die Regierung, die ihr Schicksal damit verknüpft habe. Wenn dann die Conservativen zur Regierung gelangten, würden sie eine noch weiter gehende Bill vor schlagen müssen. Billige Amendements werde die Regierung annehmen; aber den Charakter der Bill dürften sie nicht ändern.

Liverpool, 16. Mai. Heute Nacht wurde eine mit Dynamit gefüllte Röhre in das Cen tralbureau der Polizei geworfen, welche viele Fenster zertrümmerte, jedoch keine Menschen verletzte.

Italien. Rom, 15. Mai. Der König hat das Entlassungsgesuch des Cabinets ange nommen und Sella mit der Neubildung beauf tragt. Dieser hat den Auftrag acceptirt.

16. Mai. Es verlautet, Sella bestehe auf der Auflösung der Kammer. Der König conferirte heute mit Farini.

Türkei. Constantinopel, 15. Mai. Im Palais des Sultans fand gestern ein Minister⸗ Rath wegen der tunesischen Frage statt.

Die Pforte ersuchte den Fürsten von Bulgarien um nähere Mittheilungen in Betreff der in seiner Proclamation abgegebenen Erklär ung und wird sich mit den europäischen Mächten wegen dieser Angelegenheit in Verbindung setzen.

Wie verlautet, soll der Fürst von Bulgarien folgende Verfassungsänderungen verlangen: Ver minderung der Deputirtenzahl; Ausschließung der Beamten aus der Nationalversammlung; Vermehrung der Zahl der vom Fürsten zu er nennenden Deputirten.

DieKöln. Ztg. veröffentlich den Wort laut einer Note der Pforte vom 11. d. M. an ihre auswärtigen Vertreter, welche den Nachweis der Souveränität des Sultans bezüglich der Regentschaft Tunis nachweist und mit Anrufung der unparteiischen Vermittlung der Signatar mächte des Berliner Vertrages schließt. Die selben würden gewiß eine Versöhnung der Inte ressen herbeiführen, welche Frankreich und die Türkei in der tunesischen Provinz, einem un trennbaren Bestandtheile des osmanischen Reiches, besäßen.

16. Mai. In der letzten Sitzung der Delegirten in der griechischen Grenzfrage er klärten die türkischen Mitglieder der Conferenz, sie seien noch nicht ermächtigt, die letzthin vor gelegten vier Punkte zuruͤckzuziehen. Die Bot schafter verschoben daher die Sitzung. In der heutigen Sitzung der Conferenz über die griechisch türkische Grenzfrage zogen die türkischen Dele girten die bekannten vier Punkte zurück. Die Verhandlungen nahmen im Uebrigen einen be friedigenden Verlauf, so daß man nach einigen Sitzungen bereits ein vollständiges Einvernehmen erwarten zu können glaubt. Morgen findet aber mals eine Plenarsitzung der Deputirten statt.

Rußland. Petersburg, 16. Mai. Das Entlassungsgesuch des Ministers des Innern, Loris Melikoff, ist angenommen worden. Der bisherige Domainen-Minister Ignatieff über nimmt das Ministerium des Innern.

Meldungen der Blätter zufolge sind im Kriegsministerium folgende Maßregeln behufs Verminderung der Ausgaben beabsichtigt. Ab schaffung der als unnütz betrachteten Militär districte, Einschränkung des Personals der Kanz leien und der Verwaltungen der Militärressorts, Verminderung des Friedenscontingents, Abschaff ung einiger Militäranstalten, Einstellung der Gehalts-Zahlung an länger als 11 Monate beurlaubte Generale, Aufhebung verschiedener Militär-Commissionen, Einschränkung des Per sonals und der Gehalts raten des Marinemini steriums. Das bezügliche Project soll demnächst dem Staatsrathe vorgelegt werden.

DieAg. Russe hebt hervor, daß es einer Auslieferungs-Convention mit der Türkei nicht bedürfe, da die Türkei jüngst der Ausliefe rung aus Rumänien nach der Türkei gepflüchteter russischer Nihilisten kein Hinderniß eutgegenge stellt habe. Den verhafteten Flüchtlingen sei es gelungen, der türkischen Polizei zu entkommen.

17. Mai. Ein Telegramm des General gouverneurs von Odessa meldet vom 15. d.: Heute tumultuirte ein unbedeutender Haufen meist betrunkener Personen und warf an einigen Juden häusern die Fenster ein. Um 9 Uhr Abends war durch energische Maßregeln die Ordnung wieder hergestellt. Ebenso fanden heute und gestern Abend Tumulte statt gegen die Juden in Losowafa, Romny, Smela und Wolotschinsk; außer in Smela, wo Militär einschritt, waren die Unordnungen nur unerheblich. In diesem Augenblicke ist die Ruhe in allen Orten wieder hergestellt. Einer durch eine Proclamation auf morgen angekündigten Judenhetze in Warschau wird durch energische Vorsichtsmaßregeln Seitens der Behörden begegnet.

17. Mai. Wie die hiesigen Blätter welden, sind außer dem Marineoffizier Suchanoff, welcher, wie bereits signalisirt, bei Anlegung der Mine in der kleinen Gartenstraße betheiligt war, in Kronstadt noch zwei Marine-Lieutenants ver haftet worden und zwar wegen Entwendung mehrerer Minen aus der Kronminenwerkstatt. Untersuchung ist eingeleitet.

Amerika. Washington, 15. Mai. Dem Schatzamte sind bereits über fünfzig Millionen Dollars fünfprocentige Obligationen zur Ver

längerung gegen 3½procentige Verzinsung zu gegangen.

16. Mai. Die Senatoren für New

Vork, Conkling und Platt, legten ihre Mandate nieder, weil Präsident Garfield auf Ernennung

Robertson's zum Direktor der Zölle in New

Vork besteht. Der Rücktritt dieser beiden Sena⸗

toren erregt großes Aufsehen.

Afrika. Tunis. krankt; es heißt, derselbe habe vor der Unter⸗ zeichnung des Vertrages vom 12. Mai einen heftigen Wortwechsel mit Mustapha Pascha ge

habt und demselben vorgeworfen, daß er ihn getäuscht, indem er ihm den militärischen Bei-

stand Italiens versprochen habe.

Aus Stadt und Land. S. Friedberg, 17. Mai.

Der Bey ist leicht er

1 In der gestern stattge- habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde auf das Ausschreiben des Großherzoglichen Kreisamts

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bezüglich der Renumerirung der Feldschützen für das 1

Rechnungsjahr 1880/81 die Meinungsäußerung des Ge⸗

meinderathes über die Dienstführung derselben eingeholt und erklärte sich ersterer mit letzterer zufrieden. In Be. treff der Erbauung einer städtischen Brückenwaage nächst des Bahnhofes wurde von der Baucommission Bericht

über die Platzfrage erstattet, ferner eine Proposition des

G. H. Freundlieb mitgetheilt, wonach derselbe unter der

Bedingung, daß ihm für eine Reihe von Jahren das Wiegeramt übertragen wird, einen Theil seines an der Fauerbacher Straße gelegenen Gartens zur Errichtung

der Waage an die Stadt verkäuflich abzutreten sich er 0

bietet. Der Gemeinderath beschloß mit dem Genannten in weitere Verhandlungen zu treten. Die von der Ge

meinde Dorheim beschlossene Entwässerung eines Theiles

der dortigen Gemarkung, wobei der hiesige Augustiner⸗ schulfonds bethelligt ist, findet die Zustimmung des Ge meinderathes. Auf eine Beschwerde der Bürgermeisterei Ockstadt bezüglich der Abrechnung über die Herstellung der Wehrheimer Hohl soll in geeigneter Weise entgegnet werden. Ein wegen der Straßenanlage am Fauerbacher Thor unbebaut liegengebliebenes Streckchen Land soll anderweitig verpachtet werden.

Darmstadt. Ein Polytechniker, Sohn eines hiesigen Schreinermeisters, hat sich um nichtiger Ursachen willen am Samstag, wahrscheinlich mittelst Cyankali, vergiftet.

Gießen, 17. Mai. Prof. Dr. Perls ist am Sonn⸗ tag Abend nach längerem Krankenlager am Unterleibs⸗ typhus verschieden. In dem Vorstorbenen verlor die Landesuniverfität einen ihrer bedeutendsten Lehrer und die Stadt Gießen einen liebenswürdigen Mitbürger.

Allerlei.

Frankfurt a. M. Der Andrang zu der Patent⸗ und Musterschutz-Ausstellung und den auf dem Ausstell⸗ ungsplatz gebotenen Vergnügungen war am Sonntag, als

am ersten Sonntag nach der Eröffnung, ein ganz immenser

und war es das erste Mal, daß die Durchschnittszahl der täglichen Besucher(8000) erreicht, beziehungsweise um ca. 4000 überschritten wurde. Nachdem die Augen⸗ lust geweidet und die verschiedenen wunderlichen Dinge, welche der menschliche Geist erfand und mit einem Patent versehen ließ, durchmustert waren, wandte sich der durch nichts zu unterbrechende Zug der Ausstellung der Flora zu, wo das Gedränge zeitweilig so arg war, daß gar viele Besucher darauf verzichteten, in das feenhaft mit den Kindern Floras geschmückte Innere zu dringen. Der reiche an der Peripherie des Platzes sich hinziehende Kranz der mehr oder minder elegant ausgestatteten Wirthschaften fesselte das Publikum bis zum späten Abend und war namentlich die Binding'sche Halle mit ihren mittelalterlich costümirten Schankknechten der Anziehungspunkt. Bütschly, Milani und die altdeutsche Trinkstube erfreuten sich nicht minderen Zuspruches. Es. sind bis jetzt beinahe 3000 Abonnements à 30 M. mit ca. 15000 Beikarten aus⸗ gegeben. Am Montag Abend begann auf der Ausstellung die aus 65 Künstlern bestehende Kapelle des Musik⸗ direetors Bilse ihre Concerte abwechselnd in den beiden Musikp villons von 4 bis 6 Uhr Nachmittags und von 8 bis 10 Uhr Abends. Dieselbe findet jetzt täglich statt. Wien, 15. Mai. Der Schriftsteller Franz Dingel⸗ stedt, Director des Burgtheaters, ist heute gestorben.

Jahresbericht des Landes⸗Pferdezucht⸗ Vereins pro 1880.

Erstattet in der General-Versammlung zu Oppenheim am 10. April 1881. Von Freiherrn von Schaeffer-Bernstein. Geehrte Versammlung! Wenn wir heute mit Genug⸗ thuung auf die vielseitige Anerkennung hinweisen dürfen,

die unseren Erfolgen von competenten Beurtheilern ge-

worden, so sind wir doch keineswegs dadurch beirrt in der Ueberzeugung, daß die Aufgaben, welche wir uns bel

Gründung des Vereins stellten, bei Weitem noch nicht

gelöst sind, sondern ihre Lösung höchstens eingeleitet ist. Bei der nachfolgenden Schilderung der Vereinsthätigkeit im verflossenen Jahre halten wir uns an die in unseren Statuten als Hauptmittel zur Erreichung des Vereins⸗ zweckes aufgestellten sechs Sätze:

1. Prämiirung von Mutterstuten und von

Fohlen. Die Anerkennung guter Leistung ist vornehmlich auf dem Gebiete der Pferdezucht als ein Haupthebel zur Aneiferung

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