Ausgabe 
29.5.1879
 
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wirthschaft zu kämpfen babe und beantragt die Türkei. Constantinopel, 26. Mai. Erböbung des Zolles für bearbeitetes Nutzholz Aleko Pascha ist heute nach Pbilippopel abgereist. von 0,25 auf 0,30 M. Klügemann polemesirt Ein Delegirter des General Stolipine und eine gegen Holzzölle und führt aus, daß gerade die Deputation von Eingeborenen sind ihm entgegen- Landwirtöschaft darunter leide, aber auch der gegangen, um ihn an der Grenze zu empfangen. Transithandel und die Schifffahrt schwer geschädigt Salonichi, 25. Mai. In einem Theile würden. 27. Mai. Der Reichstag berieth in der muselmanischen Bevölkerung der Provinz No- beutiger Sitzung das Sperrgesetz und nahm den vibazar und Albaniens gibt sich anläßlich der ersten Paragraphen in der von Windthorst bean- Convention mit Oesterreich noch immer eine ge tragten Fassung an, wonach die Zölle für Roh- wisse Aufregung kund. Die Regierung zeigt eisen, Materialwaaren, Specerei- und Conditor- jedoch Energie und wird von den Notablen unter- waaren, Consumtibilien und Petroleum durch stützt. In Navibazar fand ein Conflict zwischen Anordnung des Reichskanzlers in derjenigen Höhe Baschibozuks und türkischen Soldaten statt, wobei vorläufig erhoben werden können, welche der drei der letzteren getödtet wurden. Reichstag bei der zweiten Lesung des Tarifgesezes Griechenland. Athen, 27. Mai. Finanz- und des Tabaksgesetzes genehmigt hat oder noch mininster Deligeorgis ist gestorben. Bezüglich genehmigen wird. der Errichtung eines Lagers von 10,000 Mann 26. Mai. Die Zolltarif-Commission des bei Lepeno wird von bestunterrichteter Seite mit: Reichstags berieth beute die Zollsätze für Kupfer getheilt, daß diese Maßnahme der griechischen und beschloß, den Zoll für Kupferdraht und Regierung keineswegs gegen den Frieden gerichtet Kupferbleie von 14 auf 12, und für grobe sei, nur einen defensiven Charakter habe und durch Kupferwaaren von 20 auf 18 M. herabzusetzen. die Erregung der albanesischen Bevölkerung wie 27. Mai. Die Commission des Reichs- die Vertheilung von Waffen unter Letzere motivirt tags für den Tabakszoll lehnte die Zollsätze der werde. In Janina fanden neuerdings am Regierungs vorlage von 120 M. für ausländischen Namenstage des Königs Georg Kundgebungen zu und 80 M. für inländischen Tabak pro 100 Gunsten Griechenlands statt. Bei Agrapha in Kilogramm mit 24 gegen 2 Stimmen ab und Thessalien kam es zum Kampf zwischen nicht unter- nahm dagegen die von den Centrumsmitgliedern worfenen Insurgenten, ungefähr 200 an Zahl, Graf Galen und Gielen beantragten Zollsätze von und einer türkischen Truppenabtheilung unter 60 M. resp. 25 M. mit 17 gegen 9 Stimmen an. Mussa Gnucka, wobei Letzterer den Kürzeten zog, 27. Mai. DieN. A. Ztg. berichtet 30 Mann verlor und in Gefangenschaft gerieth. über ein Diner, welches der Kaiser mit dem Die Insurgenten verlangen 3000 Lires Lösegeld. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin gestern bei Rußland. Petersburg. Hiesigen Nach- dem Fürsten Bismarck eingenommen hat. Das richten zufolge soll der in Solowjeff's Attentat ver- Diner fand im Confetenzsaale statt. Der Kaiser wickelte und deßhalb zur Haft gebrachte Dr. Weimar, saß zwischen den Fürstinnen Bismarck und Radziwill der zugleich als Günstling des Großfürsten Thron⸗ und war in der heitersten Laune. Er unterhielt folger bezeichnet wird, sich immer mehr kompro sich nach der Tafel auf's Leutseligste mit allen mittirt zeigen; er scheint mit fast allen nihilistischen Gästen und nahm unter der Führung des Fürsten Attentätern in Verbindung gestanden zu haben. Bismarck und der Fürstin Bismarck alle Wohn- 26. Mai. Kiew'schen Blättern zufolge räumlichkeiten in Augenschein. Das Blatt fügt wurden in einem einsamen Stadtheil Kiew's zwei hinzu, dem Vernehmen nach habe der Reichskanzler unbekannte Persönlichkeiten verhaftet und in deren die Gelegenheit benutzt, sich von dem Kaiser einen Wohnungen zwei Metallkugeln, scheinbar Explosions- mehr monatlichen Urlaub in seinen dienstlichen Be- bomben, sowie zwei Gußformen dazu vorgefunden. ziehungen zu erbitten. Ebendaselbst fanden Gendarmen eine große Kiste DieN. A. 3. hebt in einem Artikel mit kleineren Kästchen, von denen jedes ein gläsernes über Deutschlands Stellung in der ägyptischen Fläschchen mit gepreßtem Pyrokilin, muthmaßlich Angelegenbeit hervor: die Wahrscheinlichkeit der englischer Fabrikation, enthielt. Weiter fand man Nichteinhaltung der Verbindlichkeit Aegyptens gegen 500 Kapseln, eine Kiste mit vier Revolvern und seine Gläubiger legten der deutschen Regierung zwei geschliffenen Dolchen, auch mehrere anscheinend unabweislich die Pflicht auf, für die bedrohten falsche Pässe. Interessen der deutschen Reichsbürger mit vollem Amerika. Washington, 25. Mai. Das Gewicht einzutreten. Der deutschen Politik liege Repräsentantenhaus hat mit 114 gegen 97 Stimmen Nichts ferner als die Absicht, den Kreis ihrer die Bill angenommen, durch welche die Prägung Interessensphäre künstlich zu erweitern. Die deutsche von Silbermünzen angenommen wird; das Ge Regierung würde es gewiß nicht ablehnen, die wicht der Silber- Dollars soll 212½ Grain be⸗ Erfüllung ihrer Ansprüche in Aegypten gemeinsam tragen. Diese Silber- Münzen sollen gesetzliches mit den anderen interessirten Mächten zu suchen. Zahlungsmittel sein und monatlich zwei Millionen Ebensowenig könnten aber abweichende Entschließ: Dollars geprägt werden. ungen anderer Mächte Deutschland abhalten, sein New Nork. Nachrichten aus Panama vom

Recht mit den zweckdienlichen Mitteln nöthigen⸗ falls allein zu suchen.

Ausland.

Großbritannien. London, 26. Mai. Unterhaus. Northrote theilt mit: Angesichts der Lage der Dinge in Süd-Afrika und weil die Vertheilung der Civil- und Militärgewalt daselbst unter 4 Personen nicht zweckentsprechend ist, be⸗ schloß die Regierung, den General Wolselev zum böchsten Civil⸗ und Militärbefehlshaber in Natal, Trans vaal und den Gebieten der Eingeborenen östlich der Colonien, welche jetzt den Kriegsschau⸗ platz bilden, zu ernennen. Der Staats-⸗Secretär der Colonien erklärt: die vorzulegenden Schrift stücke werden die absolute Nothwendigkeit dieser Schritte der Regierung ergeben. Bartle Frere behalte die Functionen des Gouverneurs der Cap Colonien und höchsten Commissärs, wie solche sein Vorgänger gehabt. Wolseley sei von dem Wunsche der Regierung unterrichtet, das britische Gebiet nicht auszudehnen, vor Allem aber die Sicherheit desselben herzustellen und bona side ge- stellte Friedensanträge Cetewayo's zu berücksichtigen. Oberhaus. Staatssecretär Cranbrook theilt mit,

Cavagnari habe telegraphirt, daß der Friedensver⸗

trag mit Jakub Khan heute unterzeichnet worden sei.

störung von Eigenthum französischer Staatsange-

rufen,

17. d. zufolge protestirte das diplomatische Corps in Lima bei dem chilenischen Admiral energisch gegen die Zerstörung nicht befestigter Plätze und neutralen Eigenthums. Der französische Consul in Arequipa protestirte ebenfalls gegen die Zer

gehöriger. In Pisagua beschossen peruvianische Truppen von einer hinter dem britischen Consulat gelegenen Ansiedelung die chilenische Flotte. In

olge dessen concentrirten die Chilenen, ungeachtet der Remonstrationen des Consuls, ihr Feuer nach dieser Richtung und zerstörten das Consulatsge⸗ bäude, wobei mehrere dorthin geflüchtete Personen getödtet wurden.

Aus Stadt und Land.

Melbach, 26. Mai. Gestern hat sich dahier ein landw. Consum- Verein, ein sog. Ortsverein, gebildet. Derselbe hat einstimmig beschlossen, in den Verband der Hess. Consum-Vereine einzutreten. Auch aus dem nahen Södel gehören einige Mitglieder dem Vereine an.

Darmstadt, 24. Mai. Gestern verstarb dahier der in weiteren Kreisen bekannte Geheime Oberbaurath Renner, nachdem nur eine kurze Krankheit desselben vorausgegangen war. Früher Mitglied der Obervaudireclion, wurde er bei Aufhebung der letzteren zum vortragenden Rath in die bautechnische Abtheilung des Finanzminißeriums be⸗ in welcher er namentlich seine hervorragenden

eitig erster Com missär der R'iglerung bei der Hessischen

Beamten. Bis vor wenigen Jihren hatte er auch au dem biesigen Polytechnikum Vorträge überWasserbau gebalten.

Groß⸗Umstadt, 26 Mai. Gestern wurde in Semd der Sohn des hieflgen Schlossermeisters B. erstochen. Der bereits in Haft befindliche Thäter ist 17, der Er⸗ flochene 23 Jahre alt. Die jungen Leute geriethen belm Kegelsriel in Streit.

Allerlei.

Petersburg. Telegramme aus Irbit und Perm vom 25. Mai melden, daß in den beiden Städten Vor sichtsmaßregeln gegen Feuersbrünste ergriffen wurden. In Perm wurde die Polizei verstärkt. Mehrere der Brand- stiftung verdächtige Personen sind verhaftet worden. Auch in Jekaterinburg wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Das Schulwesen in Hessen vor dem Richterstuhl derDeutschen Reichspost. ö 1

Die in Frankfurt erscheinendeDeutsche Reichspost brachte vor einiger Zeit eine Reihe von Aufsätzen, die sich über die hessischen Schulzustände, wie sie seit der Gesetz gebung von 1874 geworden sind, in der abfälligsten Weise auslassen. Diese Artikel wimmeln von Unrichtig keiten und Entstellungen, die wir höflicher Weise nur auf eine großartige Unkenntniß jetziger und früherer Ver⸗ hältnisse zurückführen wollen. Versuchen wir eine Wider⸗ legung der erhobenen Anklagen! Da wird zunächst ge⸗ sagt, die hessischen Volksschulen seien im Augenblick schlechter als vor 30 Jahren. Eine Behauptung von wahrhaft imponirender Keckheit, aber darum doch durch und durch unwahr. In welchem Falle sind die Garantien für gute Schulen gegeben? Wir denken, wenn die Lehrer bildung gut ist, wenn jeder Lehrer genau weiß, was er zu thun hat, wenn strenge Aufsicht darüber geführt wird, daß die bestehenden Gesetze und Verordnungen auch wirk lich zur Ausführung kommen, wenn gesorgt wird für schöne und gesunde Schulhäuser, wenn die nöthigen Unterrichtsmittel da sind, wenn die materielle Lage der Lehrer derart ist, daß ihnen quälende Nahrungssorgen nicht die Berufsfreudigkeit verkümmern und rauben. In all diesen Dingen sind nun seit 30 Jahren und nament⸗ lich seit die gegenwärtige Schulbehörde die Geschäfte führt, so gewaltige Fortschritte gemacht worden, daß eine Ver⸗ gleichung zwischen sonst und jetzt fast unmöglich wird. Man frage doch die alten Lehrer, die die fruheren Zu stände kannten und alle Wandlungen zum Bessern an sich selbst erlebt haben! Und trotz alledem und alledem sollen die Schulen schlechter geworden sein? Die heutigen Lehrer, die eine dreijährige Seminarbildung durchgemacht haben, deren materielle und soeiale Lage eine auskömmliche und würdige geworden ist, die sollen weniger leisten als ihre Vorgänger zu einer Zeit, da die jammervolle, kärgliche Besoldung den armen Schulmeister zu einer stehenden komischen Figur des Volkswitzes gemacht hatte und da man die kaum erloschene Institution des Wandeltisches noch in frischer Erinnerung trug? Das glaube, wer Lust hat. Wer hat denn die vor 30 Jahren verhältnißmäßig guten Schulen so schlecht gemacht, daß alle Welt ohne Ruͤcksicht auf Parteistellung eine Aenderung um jeden Preis wünschte? Die neue Regierung doch nicht. Und die neue Regierung soll dann nach vierjähriger angestrengter Reformthätigkeit (das Gesetz ist erst seit 1875 in Kraft, nicht, wie die Reichspost meint, seit 6 Jahren) das Kunststück fertig gebracht haben, die Schulen noch schlechter zu machen, als sie schon waren? Die Reichspost muß wahrhaftig ein unbegrenztes Zutrauen zu der Glaubensfähigkeit oder der Gedankenlosigkeit ihres Leserkreises haben, wenn sie es wagen darf, ihm solche Dinge ernsthaft vorzureden. Der Herr Artikelschreiber hat sich bemüht, seine kecke Be hauptung von der Schlechtigkeit der heutigen Schulen nun auch einigermaßen zu begründen. Er sagt, die Volks⸗ schule sei überladen mit Lernstoff; dadurch trete eine Zer⸗ splitterung ein, die es in keinem Fache zu einer rechten Leistung kommen lasse. Die Begründung dieses Vorwurfs geschieht in wenig loyaler Weise. So wird gesagt, die heutige hessische Volksschule lehre Botanik und Physik. Das ist unwahr. Botanik und Physik verlangen einen wissenschaftlichen Unterricht, der auf den Gymnasten und Realschulen ertheilt wird, aber nicht in der Volksschule. Warum wählt der Herr Gegner überhaupt diese hoch⸗ klingenden Fremdwörter? Auf die Art weiß ja der ge⸗ meine Mann gar nicht, was eigentlich gemeint ist. Die Worte Botanik und Physik kommen im ganzen Schul gesetz und in sämmtlichen Ausführungsverordnungen auch nicht ein einziges Mal vor. Da ist bescheidener Weise die Rede von Naturbeschreibung und Naturlehre; und damit soll angedeutet werden, daß sich die betreffenden Belehrungen in den allerelementarsten Grenzen zu halten haben. Wie sieht es nun mit dem Vorwurf der Zer⸗ splitterung aus? Das Schulediet von 1832 schreibt 8 24 vor:Die Lehrgegenstände der Volksschule sind entweder unbedingt oder bedingt nothwendige. Jene, die auf keiner Schule mangeln dürfen, sind, neben der Ausbild⸗ ung der geistigen und körperlichen Kräfte überhaupt, Religionslehre, biblische Geschichte, Sittenlehre, richtiges Lesen, Recht- und Schönschreiben, Rechnen, Unterricht in der Muttersprache und im Gesange. Bedingt noth wendig sind: Erdbeschreibung, vaterländische Geschichte, Mustk, Landwirthschaftslehre, Anfangsgründe der Natur⸗ lehre, der Naturgeschichte und der Formenlehre. Der

Artikel 12 des Schulgefetzes von 1874 sagt:Gegen stände des Unterrichts in der Volksschule sind: Religion,

Kenninisse im Wasserban verwerthete. Er war gleich⸗

Lesen und Schreiben, deutsche Sprache, Rechnen, Formen

1 udwigsbahn und genoß in dieser wie in seiner Haupt⸗ stellung den Ruf eines sehr tüchtigen und pflichitreuen

kann wise 1874 geschi