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antwortete am 15. Januar: Rußland beabsichtige nicht auf Gallipoli vorzurücken, wenn nicht tür⸗ Usche Truppen dort concenttitt würden. Gort⸗ schakoff verlangte seinerseits die Versicherung Eng- lands, Gallipoli nicht besetzen zu wollen. Allein die Russen rückten vor, und als Suleiman Pascha sich in der Richtung auf Gallipoli zurückzog, be · schloß die Regierung, die Flotte in die Darda- nellen zu senden. Der Sultan sandte einen Ferman, worin die Zulassung der Flotte gestattet wurde. Sobald es aber bieß, daß die Pforte bereit sei, die Friedens- Grundlagen anzunehmen und daß die Dardanellen Frage nicht allein durch Rußland und die Türkei, sondern durch eine Con: ferenz geregelt werden solle, wurde die Flotte zurück- beordert. Die Expedition der Flotte war nur eine lemporäre Maßregel, dieselbe hänge nicht mit der Credit Forderung zusammen. Die Frage sei, ob England mit der Stärke einer einigen Nation zur Conferenz gehen solle. Man könne nicht

Frieden fordern, wenn man fortwährend vor bereite. England fürchte sich, in den Krieg zu geben, der Credit brauche nicht verwendet zu

werden; er solle die Regierung nur in den Stand setzen, auf der Conferenz mit der Macht aus- gerüstet zu sein, Englands Recht wirksam zu machen. Wenn das Haus das Vertrauen in die Regierung versage, müsse letztere die Entscheidung hinnehmen; es sei dann aber unmöglich, so wich- tige Dinge zu behandeln, wie solche der Conferenz unterbrlitet werden sollten. Das Unterhaus ver tagte die Berathung über die Credit- Forderung der Regierung nach längerer Debatte auf nächsten Donnerstag.

29. Jan.Daily News ersährt, daß die Führer der Opposition beute erwägen wollen, in welcher Form der Rüstungs⸗Credit bekämpft werden solle. Hartington werde ohne Zweifel ein Amendement gegen den Rüstungs Credit ein- bringen. Gestern fanden in Leeds, Birmingham, Manchester, Liverpool, Nottingham, Oxford und anderwärts große liberale Kundgebungen gegen den Rüstungscredit statt. Die gefaßten Beschlüsse erklären, der Rüstungscredit sei eine Bürde für das Land und eine Gefahr für den europzischen Frieden.

Italien. Rom, 28. Jan. Der König hat ein Decret unterzeichnet, durch welches Prinz Amadeus zum Commandanten des Armeecorps von Rom ernannt wird. Der Gesundheits-Zustand des Papstes hat sich etwas gebessert, doch hütet derselbe wegen Anschwellung der Beine das Bett.

Die gegenwärtige Parlaments ⸗Session wurde geschlossen und das Parlament ist auf den 20. Februar wieder einberufen.

Türkei. Constantinopel. Nach hier eingegangenen Berichten haben am 26. Jan. dei Silistria und Bettekik Gefechte stattgesunden. Auch mit den Serben wurde bei Sienitza und Kur schumlje, ferner mit den Montenegrinern bei Kova und Popova gekämpft. Bei Mostar wurden sämmt liche feindliche Angriffe zurückgeschlagen. Suleiman Pascha befindet sich in Kükagutel. Die Einschiffung der Truppen dauert fort; sechs egyptische Trans- portschiffe werden erwartet.

27. Jan. Die Kammer bat beschlossen, den Kriegs⸗Minister üder die Gründe der Exilirung verschiedener Personen zu interpelliren, und ver langte ferner, die Regierung solle Maßregeln er greifen, um die Bevölkerung vor Acten der Plün⸗ derung zu bewahren, wie solche namentlich in Rodosto von Tscherkessen begangen worden seien.

In Folge des andauernden Zuströmens von Flüchtlingen wurde die Polizei verstärkt.

Das Parlament hat die Regierung aufge fordert, die Albanesen, welche die gesammte Be- völkerung des Dorfes Stathopulo bei Burgas niedergemetzelt, und die Tscherkessen, welche Tschorlu angegriffen haben, zur Verantwortung zu ziehen. Dem Parlament liegt ein Antrag auf Abschaffung des Zehnten vor. Die ägyptischen Hülftstruppen haben sich von Basardschik nach Varna zurückge zogen. Die Skadt Tschorlu ist von deu Ein; wohnern und den Behörden verlassen. Mehemed Ali ist hier, kebrt aber baldigst nach Tschataldja zurück.

Montenegro. Cettinje, 29. Januar. Gestern ergab sich das Fort Esendra den Mon-

tenegrinern; diese rückten gegen Skutari vor.

Der Commandant von Skutark, Ali Saib Pascha, dürste von der Bevölkerung gezwungen werden sich mit seinen Truppen zurückzuziehen.

Serbien. Belgrad, 29. Januar. Die serbischen Ktiegs-Operationen werden eifrigst fort⸗ gesetzt. Leschjanin erfocht auf dem Plateau Petro⸗ vagora einen vollständigen Sieg über Hafiz Pascha. Serbien verlangt als Friedens basis die Abtretung Alt- Serbiens und des halben Kreises von Widdin, sowie Ersatz der Kriegskosten.

Rumänien. Bukarest, 28. Jan. Die Rumänen haben gestern außer dem von drei Re- douten vertheidigten Dorf Emirdan die türkischen Positionen Rucaz und Kaptitanovtscha unter er- deblichen Verlusten mit Sturm genommen. Die selben haben nunmehr die Türken aus allen vor- geschobenen Werken Widdin's vertrieben, welches jetzt vollkommen eingeschlossen ist.

Die Berliner rumänische Vertretung ist er- mächtigt, die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Meldung, der Fürst von Rumänien solle zum König ausgerufen werden, auf's Aus drücklichste zu widerlegen. Rumänien habe seine absolute Un- abhängigkeit proclamirt und halte diese Thatsache

aufrecht, denke aber keineswegs daran, den tradi tionellen Titel seines Souveräns umzuändern.

Griechenland. Athen, 27. Jan. Heute fanden abermals tumultuarische Kundgebungen statt; eine große Menschenmasse sammelte sich in den Straßen und zog unter Lärmen und Schreien vor die Wohnungen der Minister. Eine Schaar von cn. 2000 Menaschen zog nach dem Piräus, wo es ebenfalls zu lärmenden Auftritten kam. Das Militär schrikt ein und zerstreute die Menge durch mehrere Angriffe. Gegenwärtig ist die Stadt ruhig.

29. Jan. Die Kammer stimmte mit 91 gegen 6 Stimmen den anläßlich der Unruhen er griffenen Maßregeln zu. Die Regierung, welche die Cabinets Frage stellte, bleibt im Amte. Die Ruhe darf jetzt, nachdem noch einige Verhaftungen vorgenommen worden sind, als vollkommen wieder hergellt angesehen werden.

Nußland. Petersburg: DerRegier ungsbote veröffentlicht eine Adresse der Bewohner des Sandschaks Tultscha, worin der Kaiser zu seinen glänzenden Siegen beglückwünscht und der Dank der Bulgaren für ihre Befreiung ausge sprochen wird.

Einem Telegramm vom 26. d. zufolge ist in Adrianopel die Ruhe vollständig wieder herge⸗ stellt, die Bevölkerung berubigt, und hat das öffentliche Leben seinen gewöhnlichen Verlauf an genommen. Die Verkaufsbuden und Magazine sind wieder geöffnet und der Handel ist ein be lebter. DerInvalide veröffentlicht ein Hand schreiben des Kaisers an den Großfürsten Nikolaus, womit Letzterem in Anerkennung des Uebergangs der Armee über den Balkan ein goldener, mit Diamanten geschmückter Säbel verliehen wird.

Tiflis, 26. Jan. Der Frost in der Um gebung von Erzerum dauert fort; das starke Schnee-Gestöber hat seit dem 24. c. aufgehört Ismail Pascha ist am Typhus erkrankt

Amerika. Washington, 28. Jan. Die Repräsentantenkammer hat die Resolution Matthew's angenommen, welche erklärt, die Regierung sei besugt, die Bonds in Silber Dollars einzulösen. Der Senat trat in die Discusston der Silberbill ein.

Aus Stadt und Land.

Mainz. Bei Hechtsheim wurde in einem Stroh haufen ein Soldat todt aufgefunden, der schon fast seit zwi Monaten vermißt wiroz der Mann gehörte dem 118. Regiment an und stamm: aus Wöerstadt. Am Samslag Morgen wurde am Raimundithor die Leiche eines Mannes des 117. Regiments geländet. 0

Ueber die enorme Vermehrung der Wirthschaften enthält ein Bericht des Kanzlers Rümlin, den er als Referent der volkswirthschaftlichen Kommission der württemb. Kammer der Abgeordneten zu er statten hatte, äußerst merkwürdige statistische No- tien.Seit dem Jahre 1858 ist die Bevölkerung um 11 pCt. gestiegen, die Zahl der Wirthschaften dagegen um 60 pCt. Damals kam eine Wein ausschenkende Wirthschaft auf je 181 Einwohner; im Etatsjahr 1875/76 fommt auf je 117 Ein

M. 17, Gerste M 18., Hafer M 1417

wohner schon eine Wein- Wirthschaft. In Baden kemmt auf je 143, in Hessen auf je 166 Ein · wohner eine Wein- Wirtschaft. Selbst in Elsaß⸗ Lotbringen, wo der Wein- Verbrauch durch alle Klassen der Gesellschaft verbreitet ist, auch die srabrik- und Stadt-Bevölketung ansehnlich größer ist, kommen auf eine Wein- Wirtbschast 120 Ein- wohner. Eine konzessionirte Wirthschaft kam 1875/76 in Württemberg schon auf je 97 Ein- wohner. Württemberg hat unter allen süddeutschen Staasen die meisten Wein- Wirthschaften, nämlich 1875/76 14,891; dazu kommen noch unständige Wirtihschasten 1120. Die Zahl aller konzessionirten Wirthschaften betrug 20,496. Die Zahl der Wirthe nimmt von Jahr zu Jahr in einer Weise zu, über die man mehr erschrecken, als sich freuen kann. Nach annähernden Berechnungen und Schätzungen, die aber jedenfalls eher zu niedrig greifen, kommen in Württemberg auf den Kopf der Bevölkerung(einschließlich der Weiber und Kinder) im Jahresdurchschnitt 150 Liter Bier, 30 Liter Wein, 10 Liter Obstmost und etwa 4 Liter Branntwein. Für die erwachsene männ- liche Bevölkerung wären diese Ziffern(etwa den Obstmost ausgenommen) zum mindestens zu ver dopplen. Den Geldwerth jener Getränke zu- sammen zu 36 Mark angeschlagen, ergibt sich für die Bevölkerung ein Jahresverbrauch von 68 Millionen Mark. Wenn man nun auch nur annimmt, daß der Geldwerth des in den Wirths häusern konsumirten Biers dem des versteuerten Weins und Obstmostes gleichkommt, so ergibt sich, daß volle zwei Dritttheile jener Summe, etwa 46 Millionen, jährlich blos für Getränke ins Wirthsbaus wandern.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 30 Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.90 100, Eier ver Stück 8 Pf.

Friedberg 29. Jan. Waizen M. 22.., Korn Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S 200 Zollpfund.

Gießen, 29. Jan. Wochenmarkt Butter per Pfd. 80 90 Pf., Eier per Stück 8 9 Pf., Hühner per Stück M. 1 30, Hähnen per Stück M 1.90 Enten per Stück M. 2.80, Gänse per Pfund 40 46 Pf., Kar⸗ toffeln 100 Kilo M 750

Frankfurt, 28 Jan. Der heutige Viehmarkt ließ hinsichtlich des Zutriebs wie der Preise viel zu wünschen übrig. Angetrieben waren ca. 340 Ochsen, 200 Kühe und Rinder, 230 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 73 75 2 Qual. M. 6870 Kühe und Rinder 1 Qual. M. 6062,

2 Qual M 50 54 Kälber 1. Qua. M. 70 80, 2 Qual M. 6065 Hämmel 1. Qual. M. 6070, 2. Qual. M. 50 52

Frankfurt, 28 Jan. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr 2 M. 37, Nr. 3 M. 33, Nr. 4 M. 29, Nr. 5 M. 23 Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 24., do II.(Berliner Marke) M. 20 Walzen, ab Bahnhof hier M. 23, ab unserer Umgegend M. 22 22 50, do. fremder je nach Qual. M. 23 24 Roggen je nach Qualität M. 16 1750 Gerste M. 19 23. Hafer M. 13 16.50. Erbsen M. 19. 24. Wicken M. 17. Linsen M. 19.24 Rüböol, detail. M. 80 Die Preise verstehen sich saͤmmtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.

Brodpreise vom 1. bis 16. Februar. Für Friedberg, Bad- Nauheim und Butzbach unverändert.

Fleisch⸗ ꝛc. Preise v. 1. bis 16. Februar. Für Friedberg und Butzbach unverändert.

Für Bad⸗ Nauheim: Pr. ½ Kilo.

Ochsenfleisch 70 Pf. n M. Pf. Kuhfleisch, gen. 50 Schweinefleisch 64 i ungem. Dörrfleisch 88 Hammelfleisch 60 Solperfleisch 70 Keil und Carre Geräucherter Speck 1 3 Kalbfleisch 70 Schinken 13 3 Keil und Carre Leber- u. Blutwurst 80 Nierenfett 60 Schwartenmagen 91 HammelsfettCeervelatwurst 1 70 Schaaffleisch Frueischwurst 91

Bratwurst 8

Schmalz, ausgelassen, 96 Pf., unausgelassen 86 Pf. Schweinen Keil und Carre bei sämmtl. Metzgern 68 Pf. Ausnahmspreise. Bei S. Loeb Nierenfett 50 Pf. Bei H. Aletter Schweinefleisch 62 Pf., Keil und Karre 66 Pf., geräuch. Speck 1 M., Schinken 1 M. Beil H. Fritz Schweinen Keil und Karre 70 Pf., geräuch. Speck 1 M. Schinken 1 M., Servelatwurst 1 M. 40 Pf. Bei Fr. Langsdorf Servelatwurst 1 M. 50 Pf. Bei J. Schimpf Wittwe Cervelatwurst 1 M. 40 Pf.

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385 Stolbe Distrik

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