Ausgabe 
30.5.1878
 
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1 Betheiligung von über 100 Vereinen liberaler Richtung in Gera der deut sche Arbeiterkongreß

* Aer mit . dn f ebildet. 5 5 rn* auf 9 Diese Vereinigung kann für die Entwickelung der ee Wee esellschaftlichen und wirthschaftlichen Verhältnisse unseres

8 aterlandes von nachhaltigem, segensreichem Einflusse werden, wenn dieselbe neben der Bekämpfung der Soeialdemokratie den Haupttheil ihrer Aufgabe darin erblickt, daß sie sich der berechtigten Forderungen und Interessen der Arbeiter aufrichtig und that⸗ kräftig annimmt. In der von dem ständigen Aus schusse desDeutschen Arbeiterkongresses ergangenen Aufforderung zum Beitritte heißt es in dieser Hinsicht: Der Belehrung und der Erforschung socialer, uns Alle schädigender Uebelstände, muß, um die Gefahr zu beseitigen, die helfende?

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That folgen.

Dies soll durch Anregung, Gründung und Unterstützung von Einrichtungen geschehen, die namentlich die Erhöhung der beruflichen Tüchtigkeit, die Besserung der ökon omischen Lage des Arbeiters und Handwerkers und die Hebung ihrer gesellschaftlichen Stellung be zwecken, kurz die gesammte Lebenslage des

behalten.

Was bisher auch dafür gethan sein mag, heutzu tage reicht es einmal nicht mehr aus. Es gilt das schon Erprobte in alle Theile unseres Vaterlandes zu verpflanzen, auf dem Boden der Erfahrungen und des praktischen Lebens Neues zu schaffen und hierzu Alle an die Arbeit zu rufen. Mit bienenartigem Fleiße müssen

Nur so wird es möglich sein, den großen Massen des Volkes die Wege zu einem kulturmäßigen Dasein zu ebnen und zu erleichtern, den auf Industrie, Handel und Ge werbe schwer drückenden Klassenkampf zu beseitigen, die Arbeit der Nation wieder zu beleben und das Vaterland mittelbar auch politisch zu stärken.

Das Gelingen dieser Ziele wird von dem bereitwilligen und verständnißvollen Ent gegenkommen der Einzelnen und der Vereine abhängen. Wir appelliren daher nicht allein an die finanzielle Opferwilligkeit, obschon ohne diese die Ver wirklichung unserer Aufgabe unmöglich ist, sondern auch an das Einsetzen persönlicher Thätigkeit.

So weit der erwähnte Aufruf. Den freisinnigen Parteien ist in unserer Zeit eine große, schwere Aufgabe gestellt, die Aufgabe nämlich, unbeirrt durch die Ver dächtigungen der Rückschritts-Parteien und das revo lutionäre Treiben der Social- Demokratie, auf dem gemeinsamen Wege der Humanität durch ein- müthiges, entschlossenes und selbstbewußtes [Handeln Zeugniß abzulegen, daß die große Mehrheit des deutschen Mittelstandes von dem Glauben an den endlichen Sieg der dem liberalen Principe innewohnenden Lebens kraft fest durchdrungen ist. Wer von der Gerechtig keit, dem inneren Werth seiner Ueberzeugung durchdrungen ist, muß aber auch durch die That beweisen, daß er hierfür mehr als Worte aufzuwenden hat. In dieser Beziehung haben die liberalen Parteien sehr viel nach zuholen, denn gerade in ihren Reihen herrschten und herrschen bis heute Lässigkeit, Gleichgültigkeit, Organisationslosigkeit; es fehlt jene opferfreudige Hin gabe, ohne deren dauernde Bethätigung keine große Idee Zu verwirklichen ist. Wie der geistige und materielle Fortschritt des einzelnen Menschen an die Bedingung geknüpft ist, daß er strebt und arbeitet, daß er entweder allein oder, wo dies nicht möglich, auf genossen schaftlichem Wege sein Dasein zu verbessern sucht, so wird sich der Einfluß einer großen Partei wie der liberalen auf die Entwickelung und Gestaltung des Deutschen Volkslebens nur dann in vollem Maaße und in nachhaltiger Weise äußern, wenn die Partei Benossen in ganz Deutschland für die Ziele der Partei arbeiten, hierfür unermüdlich, unverdrossen und opfer willig thätig sind, wenn sie nach dem Göthe'schen Worte

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deutschen Gesammt-Arbeiterstandes im Auge

Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam Hand anlegen.

handeln: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.

Liberal wählen, patriotische Festemitmachen, dann und wann einmal eine Versammlung besuchen und im Uebrigen für die Hebung der Gesammtheit wenig oder nichts thun und noch weniger hierzu Geld beisteuern: wer glaubt, dies genüge heutigen Tags, um als liberaler

Staatsbürger gelten zu können, gibt damit zu erkennen, daß er entweder den Kopf oder das Herz nicht auf dem rechten Fleck hat, daß ihm jedes Verständniß für die Aufgabe des Liberalismus mangelt. Nur Kurzsichtig keit, Verblendung und die leider noch stark grassirende philisterhafte Gesinnungslosigkeit suchen Schutz hinter Redensarten, wie etwa:was kann ich thun gegen sociale Uebelstände, gegen soeiale Gefahren? Wie es kommen soll, so kommt es doch, einerlei ob ich etwas thue oder nichts. Jeden Tag kann man solche Aeußerungen von dem Volke, in dem Lande hören, dessen reichentwickeltes Vereinswesen dem Blödesten und Verstocktesten zuruft: Erstrebe und erkämpfe im Bunde mit Gleich gesinnten und Allen, die mit gleichen Mitteln dasselbe Ziel verfolgen, was zu erstreben und zu erkämpfen dem Einzelnen nicht gelingen kann.

Als Vertrauensmann des deutschen Arbeiterkongresses richtet der Unterzeichnete an seine liberalen Parteigenossen, an die Vorstände von Corporationen, Vereinen, Genossen schaften die dringende Aufforderung, Mitglieder des deuschen(anti- socialdemokratischen) Arbeiterkongresses zu werden. Auf Wunsch erfolgt kostenfreie Zu⸗ sen dung des Programms und tatuts des Kongresses. Der jährliche Mitglieds-Beitrag ist M. 3. Das Organ des Kongresses ist dieSociale Frage, vierteljährlicher Abonnements-Preis M. 1. 50.

Friedberg im Mai 1878.

Carl Trapp.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 29. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 9095. Pf. Eier zwei Stück 9 Pf. ö Friedberg, 28. Mai Waizen M. 22 Korn M. 18., Gerste M 17.50, Hafer M. 1518. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund. Gießen, 28. Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfd. 85-90 Pf., Eier per Stück 45 Pf., Tauben das Paar 65 Pf., Hühner per Stück M. 1., Habnen, per St. M., Kartoffeln, 100 Kilo M. 5., Ochsenfleisch 6870 Pf. per Pfd. Kuh- und Rindfleisch 5860 Pf. Schweine fleisch 64 Pf., Kalbfleisch 5056 Pf., Hammelfleisch 60 bis 70 Pf. Frankfurt, 27. Mai. Der heutige Viehmarkt hatte bei geringerer Zufuhr die Preise erheblich angezogen. Angetrieben waren 360 Ochsen, 150 Kühe, 190 Kälber und 350 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 70.73. 2. Qual. M. 65.68., Kühe und Rinder 1. Qual. M. 62. 64., 2. Qual. M. 54.56., Kälber 1. Qual. M. 63. 65 2. Qual. M. 58.60., Hämmel 1. Qual. M. 60. 63., 2. Qual. M. 52. 54 ö Frankfurt, 27. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. M. 42. Nr. 2 M. 38, Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30, Nr. 5 M. 24. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 24., do. II.(Berliner Marke) M. 21. Walzen, eff. hiesiger ab Bahnhof hier M. 2324, ab unserer Umgegend M. 22 50 bis 22.75, do. fremder je nach Qual. M. 22.5024., Roggen je nach Qual. M. 16 17.25, Gerste M. 19. Hafer M. 14.16., Erbsen M. 19.23., Wicken M. 16., Linsen M. 19.23., Rüboͤl, detail, M. 72 Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.

D. Frankfurt a. M., 28. Mai 1878. Nachdem gestern die continentalen Börsen den signalisicten Zusammen tritt des Congresses mit einer energischen Hausse beant wortet hatten, folgte auch London mit einer baussirenden Bewegung, weshalb sich im biesigen Abendverkehr die Besserung noch kräftiger entwickeln konnte. Heute setzte sich die Hausse bei sehr regen Umätzen fort, unterstützt von rasch steigenden Berliner und Wiener Coursen. Nachdem

sationen eine geringe Abschwächung der Coutse ein.

Hess. Ludwigsdahn/% besser.

20- Frankenstücke

und vermehrt worden.

dieTimes bereits die Mittheilungen anderer Blätter über die Präliminarten einer Verständigung zwischen Ruß⸗ land und England als nicht unzutreffend bezeichnele, liegen heute auch äbnliche Versicherungen derMorning⸗Post und desDally Telegraph vor. Ferner hält die Wiener Politische Correspondenz den Congreß fürdefinitiv gesichert. Zu berücksichtigen dürfte übrigens sein, daß eine elfizielle Bestätigung der seit Sonntag courstrendenCon greß Nachrichten bis jetzt noch von keiner Seile vorliegt. Die à la hausse disponirte Börse ließ indeß die aus diesem Umstand enistehenden Bedenken bei Seite, da sie den Glauben an eine schließliche Einigung zwischen den Mächten nicht aufgeben mag und den mulhmaßlichen Congreß,

welchen sie in den neuesten Courssteigerungen escomptict,

als den hauptsächlichsten Factor zur Echaltung des Frie⸗ dens betrachtet. Gegen Schluß trat auf Gewinnstreali⸗ J Die beutige Ultimo-Liquidation ging leicht von Statten. Stücke waren etwas übrig; Geld für Proton gationszwecke 44/0%/.

Creditactien, gestern Mittag 187, bewegten sich zwischen

192194 und 192½, Staatsvabnactien, geiern Mitlag 216, zwischen 217219½ und 218½. Lombarden nolirten 60¼. Von ausländischen Staalsfonds stiegen Russen von 1877 1% Orsterr. Goldrente/% Silberrente 7/18 0%, Papserxrente/%, Ungar. Schatzbons J. Em. 5/16 0/0, II. Em. ½¼% Ungar. Goldrente ½ 0%, Oeslerr. Bahnen sast durchweg höher. Galizier hoben sich 25/4 fl., Elisabeth 2 fl. Oesterr. Prioritäten anziehend. Von deulschen Bahnen Banken sehr fest und tteilweise böher. Wechsel ibeurer. Privatdisconto 23/ 0%.

Geld⸗Cours. Frankfurt am 28. Mai 1878. M. 16 19 23 20 31-36 16 65 70 65

Englische Sovereigns Russische Imperiales. Holländische fl. 10-Stücke. Ducaten 3330 Ducaten al mareo Dollars in Gold.

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* *

Literarisches.

Vor uns liegt cas Grobel'sche Eisenbabn⸗Couts buch. Dasselbe ist für den Sommer 1878 wesenlich verbessert Außer den zablreichen Fahrplänen des Eisenbahnnetzes von Mittel- und Westdlulschland ent hält dasselbe auch noch die Rhein- und Wiserdampfschiff⸗ fahrten. Auch die Zweigbahnen nach dem Harz haben

ine ausführliche Bearbeitung erfahren und sicht das hand⸗

liche Werkchen an Vollständigkeit jetzt keinem gioͤßern Cours⸗ buche nach. Dasselbe läßt sich bequem in der Westentasche unterbringen und kostet mit Karte nur 40 Pi.

Auszug

aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg.

Getraut: Ludwig Karl Rudolph Wilh. Gtorg Seyd II., Großh. Hofgerichtsadvokat, und Elise Helene Loulise Meline Emilie Groß aus Friedberg. Christian Wilhelm Emil Wahl, evang. Pfarrer zu Trais⸗Horloff, und Friederike Karoline Henriette Gossi von Friedberg. Julius Fischer, Kaufmann zu Gottingen, und Sitta Engel von Friedberg.

Geboren: Ein unehelicher Sohn. Dem Kammmacher Heinrich Böhmer ein Sohn. Dem Schneider Adam Rampe eine Tochter. Dem Metzger Samuel Neuhof ein Sohn. Dem Bäcker Joh. Georg Windisch ein Sohn. Dem Kaufmann Karl Theodor Kranz eine Tochter.. Dem Kaufmann Louis Wetterhahn ein Sohn.

Gestorben: Wilhelm Hanstein II., Wagner, 74 Jahre alt. Georg Martin Kopp, 71 Jahre alt.

16. Mai.

17. Mai.

19. Mai.

10. Mai. 14. Mai. Mai. 3. Mai. . Mai. . Mai.

. Mai.

. Mai. . Mai.

Bekanntmachung. 4775 Einwendungen etwaiger unbekannter Gläubiger des

Ziesem abgeschlossene Arrangement, dessen Einsichtsnahme gestattet wird, sind innerhalb 14 Tagen so gewiß vorzu⸗ dringen, als sonst diesem Arrangement die gerichtliche Bestätigung ertheilt werden wird. Vilbel den 23. Mai 1878. Großherzogliches Landgericht Vilbel. Jäger, Pückel, Landrichter. Landgerichts-Assessor.

Klee⸗ und Gras⸗Versteigerung. 1790 Freitag den 31. Mal d. J., Vormittags 10 Uhr,

oll auf hiesigem Rathhaus die städtische Klee- und Gras nußung von der Säuweide und am stumpfen Graben

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Friedberg den 28. Mai 1878. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg.

Empfehlung.

Einem geehrten Publikum wibme sch bierburch die Agebene Anzeige, daß ich fortwährend ein vollständiges ager in Schuhen und Stiefeln sowohl für Damen als uch für Herren unterhalte. Ich bitte unter Zusicherung eller Behandlung um geneigten Zuspruch.

Assenheim im Mal 1878. S. Simon.

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Heinrich Nau III. von Klein⸗Karben gegen das mit

n Abthellungen öffentlich meistbietend versteigert werden. f

Molbiliar-Versteigerung.

Montag den 3. Juni lfd. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, soll der Mobiliarnachlaß der verstorbenen Friedrich Christian Ritzel's Eheleute in der Behausung des Messerschmiedes Schäfer dahier, bestehend in:

1 Sopha, 3 Tischen, 1 Commode, 6 Rohrstühlen,

1 Commode mit Glasaufsatz, 1 Nachttisch, 1 Kleider-

schrank, 1 Bettstelle, sowie in Bettwerk, Weißzeug,

Kleidern und sonstigen Haus- und Küchengeräth

schaften, öffentlich meistbietend werden.

Friedberg den 28. Mai 1878.

Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fou car.

gegen Baarzahlung versteigert

1792

ümstliche Zähne werden nach amerikanischer Methode ohne Entfernung der Wurzel schmerzlos eingesetzt. Plombiren, Reinigen ze. ze. Repara turen binnen 2 Stunden. G. Stuckert, 1733 Frankfurt a. M., gelbe Hirschstraße 14, Ecke der Frlebbergerstraße.

No et 0 b 8⸗ 501 Versteigerungs-Anzeige. Dienstag den 4. Juni lfd. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, sollen in der Behausung des L. H. Strauß dahier nachstehende Mehl- und Schrotvorräthe c. de. gegen Baarzahlung versteigert werden:

17 Saͤcke Roggenvorschuß,

56 Futtermehl,

6 Krackauer Walzenmehl,

87 Schrotmehl,

10 Centner Wickenschrot, 50 Säcke Walizenschalen, 3 Oolderbsen, Sack Futtererbsen, Säcke Gries, Centner Brodmehl,

. Repskuchen.

Friedberg den 27. Mal 1878. a Großherzogliches Ortsgericht Friedberg.

1791 F o ue r.

Ein trächtiges Mutterschwein

1746 hat zu verkaufen Boͤnstadt. Adam Leonhard.

Ein 9 Jahre altes Pferd

1744 hat zu verkaufen Ossenheim. Fr. K. Schaubach.