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1878.

Donnerstag den 29. August.

M 102.

Oberhe sischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet,

Amtlicher Theil.

bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres⸗ Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

ein Beleg kostet 9 Pf.

Friedberg den 28. August 1878.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Aus einer großen Zahl von Ortschaften feblen noch die Sammellisten für die Wilhelms Spende.

Da der Abschluß der Sammlung zum

9 September c. erfolgen soll, so wollen Sie die etwa noch zurückgehaltenen Sammellisten sofort unter der Adresse:Wilhelms Spende Berlin ane absenden, die gezeichneten Beiträge aber an dieFiliale der Darmstädter Bank für Handel und Industrie zu Frankfurt a. M. abliefern. Wie geschehen werden Sie unfehlbar innerhalb 3 Tagen hierher berichten.

Bekanntmachung.

J. B. d. K.: Küchler, Kreis ⸗Assessor.

In der Nacht des 17. bis 18. August laufenden N wurden aus dem Wohnhause des Otto Abrie in Bad-Nauheim durch nächtliches

weißer rothgestreifter Kolter, 2 Paar hohe lederne Frauenstiefel,

2 Cachemirfrauenröcke,

E Paar Frauenzeugstiefel(1 Paar hinten mit Leder besetzt und ohne Absätze), 1 grau und braun carrirter Sackrock, 1 do. Hose, 1 dunkeles Jaquet, Paar Mannsstiefel, 1 dunkele Buxkinhose, 1 etwa 3 Meter langes Stück Seil, 1 braunlackirter Henkelkorb und mehrere Flaschen Wein im Gesammt⸗

bverthe von etwa 500 M. entwendet. Friedberg am 27. August 1878.

Um Nachricht über die entwendeten Gegenstände und die Thäter wird ersucht.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. . B. d. K.: Küchler, Kreis- Assessor.

Deutsches Reich. Darmstadt. Der

Aktuar Schmitt in Gießen wurde zum Universitäts- elsaß⸗lothringischen Bezirks und Kreistage,

Zentamtmann ernannt. Berlin. DieNordd.

Allg. Ztg. bringt spätestens am 23. November.

DerReichs Anz. publicirt eine kaiser⸗

Universitäts- Gerichts- liche Verordnung, betreffend die Einberufung der

Erstere werden am 11. November eröffnet und schließen Die erste Sitzungs-

ane Reihe von Mittheilungen aus den lezten Periode der Kreistage beginnt am 9. September,

dagen des Aufenthalts des Kaisers in Teplitz. Denselben zufolge vermochte der Kaiser bei dem Übschieds⸗ Diner am 23. August, welches zum sstenmale wieder in Gesellschaft eingenommen wurde und wobei der Kaiser sehr heiterer Laune war, beide Hände ganz gut zu gebrauchen. An ie Mannschaften des preußisch⸗sächsischen Militär⸗ Furhauses, welche der Kaiser am Abreise-Tag sich sorstellen ließ, richtete der Kaiser, nachdem er an den Einzelnen Fragen gestellt, eine Ansprache: Ich wünsche, daß es Euch bald gut bekommt. Nir ist es sehr gut bekommen. Ich war zwar ioch nicht ganz fertig; mein Arm ist noch etwas seif. Ich teise heute wieder ab. Es ist ein Hweres Mißgeschick, was mich betroffen. Wenn noch vor dem Feinde geschehen wäre! Aber on einem Unterthan im eigenen Lande getroffen n werden, das ist doch recht hart. Wie aus polizeilicher Quelle verlautet, türd Nobiling demnächst in ein Irrenhaus über- ffihrt werden. Sein jetziges Benehmen läßt die anfängliche Vermuthung, daß er eine Verletzung des Gehirns erfahren habe, wieder an Wahr sceinlichkeit gewinnen. Er gibt auf die gestellten ragen keine Antwort und verhält sich überhaupt iner Umgebung gegenüber vollkommen apathisch.

Seine Ueberführung in's Irrenhaus soll vorläufig

um Zwecke einer Beobachtung darüber stattfinden,

% er Blödsinn simulire. Wissenschaftliche Ver ster findet diese Ansicht allerdings nicht.

e DerReichs ⸗Anzeiger bringt eine Dar- lung des Harburger Tumult, woraus hervor- üheben ist, daß, als die Feuerwehr, die Polizei und das Militär mit blanker Waffe und gefälltem kajonnet gegen die Menge vorrückten, die beiden htexen aus einer Querstraße mit Steinwürfen pfangen wurden, worauf das angegriffene Militär inächst hoch und dann scharf Feuer gab. Einige glieder der Feuerwehr, einige Polizeibeamte d ein Gendarm wurden durch Steinwürfe con-

aonirt Von den Tumultuanten wurde ein

beiter getödtet und zwei Arbeiter sind am fol- aden Tage an ihren Verletzungen gestorben.

I Personen wurden mehr oder weniger schwer

bwundet. Viele Verhaftungen haben stattgefun

2* und ist die Untersuchung im Gange.

die zweite am 2. December: jede Periode dauert höchstens 5 Tage.

27. Aug. In der heutigen zweistündigen Plenarsitzung nahm der Bundesrath das Socialisten. Gesetz nach den Anträgen des Justiz-Ausschusses bis auf einige unwesentliche Punkte an.

München. Mit Genehmigung des Königs findet im nächsten Jahre eine internationale Kunst ausstellung in München statt, welche sich jedes vierte Jahr wiederholen soll. Der König hat dae Protectorat derselben übernommen.

Ausland.

Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 25. Aug. Laut einem Telegramm des FM. Szapary aus Doboj vom 24. Aug, haben die Insurgenten am 23. d. neuerdings die Stellung der 20. Truppen- Division am rechten Bosna Ufer angegriffen. Der Kampf dauerte neun Stunden. Die In- surgenten griffen zuerst den linken Flügel an und scheinen beabsichtigt zu haben, die Brücken über die Bosna zu erreichen, wurden aber durch zwei Compagnien mit dem Bajonet zurückgeworfen und zogen sich sogleich bis nördlich Grabska zurück. Hierauf entwickelte sich ein Angriff gegen einen Theil des Centrums. Die Insurgenten wurden schließlich überall abgewiesen. DerLloyd meldet, die Insurgenten hätten sich aus der Umgegend Doboj's auf das rechte Sprazzo⸗ Ufer zurückgezogen; die Ausläufer des Gebirges bei Gratschanitza seien von einer starken Macht besetzt gehalten. Die Haupt macht der bei Serajewo geschlagenen Insurgenten, 13,000 Mann stark, steht unter Jomael Beg am Havoro-Gebirg, unweit der serbischen Grenze.

EinTelegramm derNordd. Allg. Ztg. aus Wien erklärt Gerüchte, welche aus Anlaß der österreichisch türkischen Conventionsfrage von einem ernsten Zwiespalt in den Regierungskreisen und der angeblich erschütterten Stellung des Grafen Andrassy wissen wollen, für vollständig unbegründet. Graf Andrassy ist in dem am 24. August stattgesundenen Ministerrath mit der Nothwendig keit durchgedrungen, eine Convention mit der Pforte zu unterzeichnen, nach welcher die Sou veränctät des Sultans in Bosnien anerkant, gegen- über dem Anspruch der Pforte auf eine Zeitbegrenz

ung der Occupation aber nur die Bezeichnung der Occupation alsprovisorisch zugestanden wird.

Ueber die Einnahme von Serajewo bringt der Telegraph noch folgende Einzelheiten: Um

12 Uhr Mittags stieg die Brigade Villecz unter

dem Schutze der Geschütze von den Höhen in die Stadt herab. Die Regimenter Mollinary und Franz Karl langten zuerst an. Es entspann sich ein furchtbarer Straßenkampf. Eine Compagnie Mollinary, obgleich mit Schüssen empfangen, drang in die Gärten; die Sachsen⸗Meininger aus allen Häusern angeschossen, drangen in der theilweise in Brand stehenden Zerbajakstraße tapfer vor. Pardon wurde nicht gegeben. Jeder mit den Waffen Ergriffene wurde sofort niedergeschossen. Selbst Weiber betheiligten sich an dem Kampfe. Aus vielen Gebäuden, welche bereits weiße Fahnen ausgesteckt hatten, wurde noch geschossen, und zwar auf den Sanitäts⸗Train. Um 1 Uhr wurde den Geschützen der Befehl zur Einstellung des Feuers ertheilt. Zu dieser Zeit bot die Hauptstraße einen entsetzlichen Anblick. Noch immer fielen einzelne Schüsse. Gegen 40 Häuser standen in Flammen. Die Genie Truppen suchten durch Niederreißen der Nachbargebäude die Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Auf Schritt und Tritt sah man Leichen, zumeist Türken. An der Miljacka⸗Brücke lagen zwei von Sprengstücken getroffene Türkinnen. In der dortigen Moschee eine dritte Frau, noch mit der Pistole in der Hand. Die Teppiche der Moschee waren mit Blut befleckt. In einem Hause fanden wir eine Mutter mit drei Kindern schwer verwundet. In dem Hofe eines anderen lagen sieben von den Unsern übereinander todt, vor der Thüre die Leiche eines Offiziers-Aspiranten, nicht weit davon der erschossene Besitzer des Hauses, ein Türke. Diese Gruppe bot einen entsetzlichen Anblick. Unsere Verluste sind noch nicht genau constatirt. Bisher wurden gegen 300 Todte und Verwundete eingebracht. Hadschi Loja, dessen Haus von den Türken angezündet wurde, ist ge⸗ flohen. Der Bazar ist seit vier Wochen gesperrt. Das Tragen von europäischer Kleidung war von Hadschi Loja verboten.

Einer Meldung derPresse aus Serajewo zufolge ist für Serajewo ein Gemeindestatut ent- worfen und eine Gemeinde Vertretung aus sechs Orthodoxen, fünf Muselmanen, vier Juden und drei Katholiken gebildet worden. Der Muha- medaner Mustapha Bey wurde zum Bürgermeister ernannt. Diese Wahl machte den besten Eindruck. Die Preise der Lebensmittel sollen wegen der