Ausgabe 
28.9.1878
 
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Druckes müden Grenzstämme durch freundliche Behandlung abwendig zu machen.

26. Sept. Die meisten Journale befür⸗ worten ein energisches Vorgehen gegen Afghanistan und erachten eine bloße militärische Demonstration für unzulänglich. DieTimes empfiehlt, einige wichtige Punkte Afghanistan's vor Eintritt des Winters zu besetzen.

Italien. Rom, 22. Sept. Eine heute im Mausoleum des Augustus von 300 Arbeitern besuchte Arbeiter-Versammlung, welche die Mittel zur Hebung ihrer entsetzlichen Lage berathen sollte, mußte sich vertagen, da es sehr heftig zu regnen

begann. Das Elend der hiesigen Arbeiter ist jetzt sehr groß. 25. Sept.Diritto meldet, daß nach

im Ministerium eingelaufenen Nachrichten abermals einer der Mörder des Consuls Perrod festgenom⸗ men worden sei. Der Leichnam Perrods wurde noch nicht aufgefunden.

25. Sept. Der Papst erließ ein Schreiben an den Staats⸗Sekretär Cardinal Nina, welches das Programm für das Verhalten des hl. Stuhles enthält. Das Schreiben erinnert zunächst an das Ableben des Cardinals Franchi. Der Papst sagt sodann weiter: Alsbald nach seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl habe er seine Encyelika an alle Bischöfe gerichtet, in welcher er die gegen- wärtig in der Gesellschaft herrschende Verwirrung beklagte und das Wohlverhalten der Kirche her- vorhob, die auch heute noch alle Kraft besitze, um den moralischen Uebeln der Gesellschaft ent- gegenzuwirken. Von diesen Gefühlen geleitet, habe sich der Papst an die Oberhäupter der Nationen gewandt und sie eingeladen, ihre mächtige Unter⸗ flützung der Kirche nicht zu versagen. Er habe

vollständig geräumt waren, gestern durch türkische T. Gewerbe- Ausstellung des Kreises Friedberg.

Truppen besetzt. Mazhar Pascha in Skutari lebnte VI.

die ihm angesonnene Misston, mit Montenegro In unserem Referat fortfahrend, haben wir über die Grenzregulirung zu verhandeln, ab, nament- gleich rechts vom Eingang noch einer sorgfaͤltig lich unter Hinweis auf die andauernde Machtbe- gearbeiteten doppelten Ringelwalze mit Transpors⸗ thätigung der Prizrender albanesischen Liga. vorrichtung aus der Werkstatt von K. Häuser hien

26. Sept. Gerüchtweise verlautet, wegen zu gedenken.

des Widerstrebens des Sultans gegen den eng- Betreten wir ferner abermals die geschlossem lischen Reformplan für Klein-Asien sei zwischen Halle, so fällt uns rechts eine Collection de Layard und dem Sultan ein Zerwürfniß einge- ebenso eleganten, wie praktisch bewährten amert treten. Die russische Armee concenttirt sich kanischen Handgeräthe als: Gabeln, Schippen, nach ihrem Abmarsch von Tharday und Rodosto Hacken ꝛc., von D. Grödel Söhne hierselbst aus,

sich daher auch an den deutschen Kaiser gewendet. Dieser einzig in dem Wunsche unternommene Schritt, Deutschland wieder den religiösen Frieden zu geben, fand günstige Aufnahme seitens des Kaisers und hatte das erfreuliche Ergebniß, daß freundschaftliche Unterhandlungen eingeleitet wur- den, bei welchen es unsere Absicht war, einen wahren, soliden und dauerhaften Frieden zu er- langen. Die Wichtigkeit dieses Zieles wird die- jenigen, welche die Geschicke des Reiches in ihren Händen halten, dahin führen, uns die Freundes- hand zu reichen, um dasselbe zu erlangen. Die Kirche würde ohne Zweifel glücklich sein, den Frieden in Deutschland wieder hergestellt zu sehen, aber auch das Reich würde glücklich sein, daß es in den Söhnen der katholischen Kirche wie ehedem seine treuesten und hochherzigsten Unterthanen finden würde. Unsere Aufmerksamkeit ist auch auf den Orient gerichtet, wo sich Ereignisse vorbereiten, die für die Kirche vielleicht von höherem Interesse sein können, und der hl. Stuhl wird alle An- strengungen machen, um die Interessen der Kirche zu fördern. Es ist demnach unser Zweck, die wohlthätige Action der Kirche und des Papst⸗ thums auf die gesammte gegenwärtige Gesellschaft zu erstrecken. Ueberdies werde Nina seine ernste Aufmerksamkeit der schwierigen Lage zuwenden müssen, welche dem Papste in Italien und Rom in Folge der Beraubung seiner weltlichen Macht geschaffen wurde. Der Papst erinnert an die Klagen seines Vorgängers wegen Aufhebung der religibösen Corpocationen, wegen der Rekrutirung der Kleriker, Errichtung häretischer Schulen in Rom und wegen des glaubenslosen Unterrichts. Der Papst beklagt sich sodann über das Exequatur der Regierung für die bischöflichen Ernennungen, über ihre Weigerung, einige Bischöfe anzuerkennen, wie über die langen Formalitäten, die zu ihrer Anerkennung nothwendig seien. Der Papst spricht das königliche Patronats⸗ Recht Denjenigen ab, welche gegen die Kirche sind, und schließt mit der Erklärung, daß er unter diesen beklagenswerthen Umständen die Pflichten seines apostolischen Amtes nicht verkenne.

Türkei. Constantinopel, 24. Sept. General Totleben, der russische Botschafter Labanoff und der Gesandte am griechischen Hofe Saburow begeben sich heute nach Livadia, von wo sie in etwa acht Tagen zurückkehren werden. San Stefano

und Umgebung wurden, nachdem sie von den Russen

vollständig um Adrianopel. Türkische Brigaden rücken von Boulair aus sucecsive in die von den Russen verlassenen Stellungen.

Die Pforte erhielt eine wiederholte Mahnung Montenegro's wegen der Grenz-Regulirung. Auf der Pforte will man auch Kenntniß von Ver- handlungen zwischen Serbien und Montenegro und auch von solchen zwischen Griechenland und Montenegro haben, betreffend eine eventuelle ge meinschaftliche militärische Action.

Rumänien. Bukarest. Zwei sitalienische Offiziere, der Oberst vom Generalstabe, Rossi, und Hauptmann Fanfani, sind in einer militärischen Mission hier eingetroffen.

Die rumänische Regierung erhält die be⸗ friedigendsten Nachrichten über die Stimmung der Bevölkerung der Dobrudscha hinsichtlich der eventuellen Besitzergreifung seitens Rumäniens. Von Widerstand der bulgarischen und moha medanischen Bewohner ist keine Rede mehr; die auf diese berechneten Aufreizungsversuche blieben wirkungslos.

Rußland. Petersburg, 23. Sept. Die Räumung Varna's durch die Türken gebt nur mit größter Langsamkeit vor sich. Von 150 zurück zuziehenden Geschützen werden täglich nur zwei ein geschifft. Die Russen halten die Forts und einen Stadttheil besetzt, die Türken die übrigen Theile der Stadt, deren Verwaltung sie auch noch führen.

Amerika. Neworleans, 25. Sept. Gestern starben 58 Personen. In Memphis nimmt das gelbe Fieber wieder zu; am Montag und Dienstag verstarben daselbst 120 Personen.

Allerlei.

Cassel. Vom Kronprinz wird folgender charakteristi⸗ sche Vorfall, der sich am ersten Manöderlage bei Wabern ereignet haben soll, von derKasseler Tagespost erzähl!: Auf den Kaiser wartend, dessen Einiteffen jeden Augen blick bevorstand, harttie der Kronprinz inmitten einer An zahl von Generalen auf der Hauptstraße des Ortes und rauchte ungenirt aus der historischen kurzen Pfeife. Nalür⸗ lich hatte sich bald eine Menge ländlicher Zuschauer ein⸗ gestellt, umunsern Fritz zu sehen, die aber in respectvoller Entfernung blieb. Nur Einer konnte es nicht über sich gewinnen, die Neugierde zu zügeln und trat so nahe an den Kronprinzen heran, daß dieser auf ihn aufmecksam wurde. Lächelnd schritt der Kronprinz auf den Mann zu und frug:Woher seid Ihr denn?Aus der Schwalm! war die Antwort des in dem bekannten Buttermannkostüm erschienenen Dorfbewohners.Nun, was meint Ihr, fuhr der Kronprinz fort,sollte mir Eure Mütze nicht auch steben? Und ehe noch der verblüffte Bauer sich auf eine Anlwort besinnen konnte, hatte ihm der Kronprinz die Mütze vom Kopfe genommen, den eigenen Helm aufge stülpt und unter dem Jubel der Zuschauer sich selbst die Mütze des Schwälmers aufgesetzt.Wie steht mir das? rug der Kronprinz jetzt. Die Verlegenheit und das sreu⸗ dige Staunen des Bauern läßt sich denken. Nach einer Weile erfolgte dann unter dem Hurrah der Umstehenden der Wiederaustausch der Kopfbedeckung.(Lautet zwar sehr schön, bleibt jedoch zu bedenken, daß der Kronprinz seine Pfeife geraucht habe als der Kaiser jeden Augen⸗ blick eintreffen konnte.)(Ich, meines Theils, bezweifle, daß Helm und Mütze wirklich auf den betreffenden Köpfen gesessen haben, denn gewöhnlich pflegen die Mützen der Schwälmer Bauern mit etwas Feit getränkt zu sein. Der Setzerlehrling.)

f Fulda, 23. Sept. In dem benachbarten Kirchdorf Eichenzell ereignete sich gestern Abend ein grauenhafter Vorfall. Der Müllerbursche K. Medler vom Peiersberge schoß nämlich ohne jegliche Veranlassung mittelst zweier Revolverschüsse den dortigen Einwohner Kilian Maul an der Seite seiner Ehefrau mitten durch das Herz. Mehreren docligen Bauernburschen gelang es, den Mörder alsbald dingfest zu machen und ihn in das hiesige Kreisgerichts Gefängniß abzuliesern.

Berlin, 23. Sept. Gestern wurde in dem Reichs- kanzlerpalais die Verlobung der Gräfin Marie 9. Bismarck, der einzigen Tochter des Fürsten Bismaick, mit dem Grafen Kuno v. Rantzau vollzogen. Graf Rantz zu, Legations⸗ Sekretär bei der königlichen Gesandischaft zu München und Peemierlieutenant der Reserve des 3. Garde-Ulanen- Regiments, ist am 10. März 1843 geboten.

gestellt, in's Auge. Ferner erwähnen wir nei und solid gearheitete Gartenmöbel von J. W. Faatz hier, einen Riesen-Cactus von Maurer Hanstein in Bruchenbrücken, eine Anzahl Blumenstöcke von Bahnwärter Georg, natürliche Blumen-Bouquets von Hofgärtner Lott hier und Lehrer Maul in Bruchenbrücken, die sehr geschmackvoll, größten⸗ theils aus verschiedenen Gräsern hergestellten un⸗ verwelklichen Bouquets von Gärtner Schortmann dahier, sehr eigenthümlich gewachsener Spargel von Buchdrucker Ganß in Vilbel, sowie Riesen⸗ hanf und Pferdezahnmais von Lehrer Loos in Södel, Von Gemüsen, sowie sonstigen Garten- und Feldproducten sind ausgestellt: Artischoken, ver schiedene Arten Kürbisse, Gurken, Weiß., Spitz⸗ und Blaukraut, Wirsing, Oberkohlraben, Erdkohl⸗ raben, Riesenrüben, Dickwurz, verschiedene, weniger bekannte Kartoffelsorten ꝛc. zum Theil von unge heuren Dimensionen und zwar durch: Oekonom Schudt von der Görbelheimer Mühle, Pachter Koch und Bürgermeister Best in Assenheim, Hof⸗ gärtner Lott hier, Ph. Schmid in Assenhesm, Bür ger⸗ meister Berges von Peiterweil, Oekonom Salzmann hier, Oekonom Feuerbach in Ockstadt, Frau Theo⸗ bald, J. Faatz, Messerschmied Schäfer von hier und Frau Ph. Schmid aus Assenheim. Müller Brückmann von der Dögelmühle hat verschiedene Müllerei⸗Erzeugnisse in geschmackvollem, mit einem Aehrenstrauß decotirten Behälter ausgestellt, Fourier in Friedberg Honig und Wachs, Dr. Tobisch selbstgezogene asiatische Sojabohnen, welche sich durch besonderen Reichthum an Fett- und Eiweiß: stoffen auszeichnen. Recht beachtenswerth sind auch 4 Tafeln mit den Modellen der Veredlungsarten, angefertigt von den Seminaristen Bell, Eckert, Fischer und Burk, unter Leitung des Seminar- lehrers Wahl. Und endlich müssen wir noch er wähnen, daß Lehrer Werner von hier, neben dem Nützlichen und Schönen auch den Scherz nicht vergessen hat, indem er eine Uhr ausstellte, bei [welcher das Zifferblatt aus einem Stück Kürbis⸗ schale, die Zeiget aus Bohnenhülsen, die Pendel stange aus Stroh, die Linse aus einer Nuß, die Gewichte aus Rüben bestehen.

Bezahlt Eure Nechnungen.

Unter dieser Ueberschrift bringen dieHess. Volsbl. solgenden sehr beherzigenswerthen Artikel:Wiederum naht für den Handwerker, den Ladeuinhaber(Detaillisten) und andere kleine Geschäftsleute eine recht schlimme Zeil. Am 1. October soll die Miethe bezahlt werden. So manchem ordentlichen und soliden Manne mangelt es nicht an Aus ständen, aber was nützen ihm dieselben? Mögen sie auch noch so sicher sein, so verlangt doch der Hauseigenthümet die Miethe in Baarem, und woher soll der Miether unter so bewandten Umständen baares Geld nehmen? Soll er mahnen? Dadurch verdirbt er sich vielleicht einige sonst recht gute Kundschaft; selbst die berechtigtste Mahnung wild iom leicht übel genommen. Ihm bleibt nichts übrig, als sich Geld zu hohen Zinsen, ja vielleicht zu Wucherzinsen anzuschaffen und mit bitterem Herzen denkt er dere; die aus purer Bequemlichkeit es versäumten, die Nota zu be⸗ zahlen, obgleich sie recht aut dazu im Stande wären. Ju dieser Beziehung machen sich erfahrungsgemäß eine Menge gut situirter Leute der schlimmsten Unterlassungsfünden schuldig. Da werden die Rechnungen einstweilen zurück⸗ gelegt, bis ein ganzes Paquet vorhanden ist, damit dann Alles auf einmal berichligt werde. Darauf, daß der mil geringem Kapilale arbeitende Handwerker durch längeren Credit, den er nolhgedrungen geben muß, in die schli mmste Verlegenheit gerathen kann, nimmt die besitzende Klasse viel zu wenig Rücksicht. Vornehme Damen tragen stolz die kostbarsten Toilelten, aber erst nach Jahr und Tag werden Kleidungssücke und Zubehör bezahlt; angesehene Kaufleute lassen die Contobücher bei Krämer, Metzger und Bäcker vollschreiben, vis Beiräge darin verzeichnet sind, welche dem Käufer geringfügig erscheinen mögen, die der Verkäufer aber schmerzlich enibebrt. Dafür muß Letzleret dann nicht sellen wiederum seinen Lieferanten schuldig

bleiben, muß Waaren, die er billig gegen baar haben könnte, zu viel böheren Preisen auf Credu nehmen, muß

wilb es zpieber be salbenen

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Fra Molkt! nach O den h Weiß⸗ M. 1

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