übrigen Paragraphen der Gewerbe Ordnungs- Novelle genehmigt. Minister Hoffmann sprach sich entschieden gegen die obligatorische Einführung von Fabrik- Inspectoren aus, wie bei der zweiten Lesung zu§ 139 beschlossen worden. Das Haus blieb aber dei seinem Beschlusse der zwerten Lesung. Auf Befragen erklärte Minister Hoffmann, die Regierung wünsche dringend, daß der Reichstag seine Sitzungen Dienstag oder Mittwoch noch nicht beendige.
— Der„Reichs Anzeiger“ veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler vom 14. Mai; derselbe lautet: Die That eines auf Irrwege gerathenen Menschen, welcher nach meinem von Gottes gnädiger Fügung so lange beschützten Leben trachtete, hat zu ungemein zahlreichen Kund- gebungen der Treue und Anbängigkeit an mich Veranlassung gegeben, die mich tief gerührt und innig erfreut haben. Nicht allein aus ganz Deutschland, sondern auch vielfach aus dem Aus- land, von Bebörden, Corporationen, Vereinen und Privat- Personen aller Lebenskreise und Lebens-Alter ist mir bestätligt worden, daß das Herz des Volkes bei seinem Kaiser und König ist und Gutes und Trauriges mit ihm empfindet. Dasselbe Gefühl habe ich insbesondere auch hier in jedem Auge gelesen, in welches ich nach diesem Vorfall gesehen, und ich bin in der That tief und warm von der würdigen und erhebenden Art berührt, in welcher die Bevölkerung Berlins mir ihr Mitgefühl ge— zeigt hat. Ich wünsche, daß Jeder, der mir seine Theilnahme bethätigte, auch wissen möge, daß er da⸗ mit meinem Herzen wohlgethan, und beauftrage Sie zu diesem Zwecke, Vorstebendes bekannt zu machen.
— Sehr wabrscheinlich bringt der Bundes- rath auf Antrag Preußens noch in dieser Reichs tag Session einen Gesetzentwurf bezüglich der socialistischen Presse und des Vereinswesens ein. Der Gesetzentwurf zählt acht Paragraphen und ist zu— nächst für eine Dauer von drei Jahren bestimmt. Derselbe ermächtigt den Bundesrath, Vereine und Druckschriften, welche den social⸗ demokxatischen Bestrebungen dienen, zu verbieten resp. zu unter drücken. Eine derartige Maßregel bedarf indessen der Zustimmung des Reichstags. Letztere ist wenn der Reichstag versammelt ist, sofort, andern— falls bei seinem nächsten Zusammentritt einzuholen. Verbote social-demokratischer Druckschriften und Vereine können durch die Ortspolizei erfolgen. Dieselben erlöschen aber, wenn der Bundesrath dieselben nicht innerhalb 4 Wochen bestätigt. Die Beschlagnahme social demokratischer Druckschriften kann polizeilich geschehen, ohne daß eine richterliche Bestätigung erforderlich ist. Für Zuwiderhand— lungen gegen die Bestimmungen des Gesetzes sind Strafen nicht unter Z Monaten Gefängniß angedroht.
— 18. Mai. Cultus⸗Minister Falk hat wegen der Ernennung Hegel's zum Commissär der Branden: burger Synode seine Entlassung eingereicht. Es heit, das Gesuch werde angenommen werden. Gerüchtweise verlautet, Hobrecht und Friedenthal hätten gleichfalls um ihre Entlassung nachgesucht.— Die deutschen Botschafter haben den Regierungen, bei welchen sie beglaubigt sind, Eröffnungen wegen des Attentats gemacht und aus diesem Anlasse bei denselben angefragt, ob sie geneigt seien, energisch und vereint gegen den Socialiemus vorzugehen; die Cabinette von Wien und Petersburg haben dem Vernehmen nach zugestimmt.
— 19. Mai. Die Meldung mehrerer Blätter, daß der Finanzminister Hobrecht in Folge der neuesten Beschlüsse des Ministerrathes seine Ent— lassung eingereicht habe, ist bestem Vernehmen nach unbegründet. Ein solches Entlassungsgesuch ist weder an zuständiger Stelle eingetroffen, noch überhaupt beabsichtigt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Pest, 16. Mai. Das Unterhaus nahm die Vorlage über Bedeckung des 60 Millionen Credits mit allen gegen die Stimmen der äußzersten Linken an. Uermenyi hatte seinen Beschlußantrag zurückgezogen. Im Laufe der Debatte erklärte Tisza nochmals, die Monarchie be⸗ trachte die Angelegenheit der Christen auf der Balkan-Halbinsel als eine europäische und sei nach
wie vor gesonnen, dleselbe im Einvernehmen mit Europa zu regeln.
Frankreich. Versailles. In der Kammer legte Minister Teisserene de Bort einen Gesetzentwurf vor, bett. die Wiederherstellung der Tuilerien.
Holland. Haag, 17. Mal. Die zweite Kammer genehmigte mit 64 gegen 15 Stimmen die Aufnahme einer Aprocentige Anleihe von 43 Millionen Gulden zur Deckung des Desicits und Vollendung öffentlicher Arbeiten.
Großbritannien. London, 16. Mai. Die„Times“ meldet: Es ist Grund vorhanden, zu glauben, daß die von England vorgeschlagene Lösung in Petersburg als eine solche befunden worden sei, welche die Möglichkeit einer freund- schaftlichen Uebereinkunft keineswegs ausschließe; momentan wehe der Wind entschieden zu Gunsten des Friedens.
— 16. Mai. Die Transportschiffe„Goa“ und„Athol“ sind mit Truppen, die für Malta bestimmt sind, in Suez heute eingetroffen. Nach- dem hier Vorräthe und Wasser eingenommen sind, werden dieselben ihre Fahrt durch den Suez— Canal sortsetzen.
— 18. Mai. Totleben's Bedrohung Kon- stantinopels, sowie die neuesten militärischen Maß nahmen Rußlands beunruhigen das britische Cabinet, welches ein Doppelspiel Rußlands besorgt. Eine Beschleunigung des Transport indischer Truppen ist angeordnet. Allseitig versichert man, die Pforte werde in der Räumungsfrage nicht nachgeben.
— 18. Mai. Gestern war die Nachricht ver- breitet, Lord John Russel sei am Nachmittag gestorben. Die Nachricht bestätigte sich jedoch nicht.
— Die„Times“ meldet aus Pera vom 16.: Obgleich die Vorschiebung der russischen Linien um 4 Kilometer näher an Constantinopel als jeder politischen Bedeutung entbehrend bezeichnet wird, trägt diese Bewegung doch zur Erhöhung der hier berrschenden Unruhe bei. Fernere Nachrichten melden den Vormarsch von 15,000 Russen von Kallikratic bis Kutschuk Tschekmedje und Vorwärts Bewegungen, welche sämmtlich auf die Anhäufung russischer Truppen in größerer Nähe von Con- stantinopel hindeuten. Es gebt das Gerücht, die Russen beabsichtigten die Herstellung eines Canals vom See Tschekmedje bis zum Meer-, um Schiffen den Zugang zu ermöglichen. Ferner verlautet gerüchtweise, der russische Botschafter habe der Pforte ein Ultimatum überreicht; aber, obwohl große Anstrengungen gemacht würden, um die Pforte zu bestimmen, daß sie auf den Rückzug der britischen Flotte aus dem Marmorameer dringe, so sei doch noch kein entscheidender Schritt geschehen.
Italien. Rom, 18. Mai. Der M nister der öffentlichen Arbeiten brachte in der Kammer einen Gesetzentwurf wegen des Betriebs der ober italienischen Babnen vom 1. Juli 1878 bis zum 31. December 1879 auf Staatsrechnung, sowie einen Entwurf, betreffend die Bahnbauten zur Completirung des Bahnnetzes, ein. Die Vorlagen werden für dringlich erklärt
Türkei. Constantinopel, 16. Mai. Der russische Botschaster Labanoff begab sich, nachdem er dem Minister des Auswärtigen den üblichen Besuch gemacht, unverzüglich nach San Stefano, woselbst er mit Totleben lange conferirte. Der bisherige Geschäftsträger Nelidoff tritt morgen eine Urlaubs Reise an. Die Russen haben ein Zeltlager, etwa eine Meile über San Stefano hinaus, in der Richtung nach Constantinopel, aufgeschlagen.— Die Nachricht, daß die Russen sich von Livana bei Batum zurückgezogen hätten, findet keine Bestätigung; ebensowenig ist es be- gründet, daß es bei Besetzung des gedachten Ortes durch die Russen zu einem Zusammenstoße mit der Bevölkerung gekommen sei. Gegen Tschek⸗ medje sind frische russische Streitkräfte vorge⸗ schoben.— Ein Theil der indischen Truppen wird unmittelbar von Port Said nach der Besika— Bai dirigirt. Bei Ismid ist ein neuer Munitions- Transport angelangt. Die englisch: Flotte wird demnächst ihren Ankerplatz im Innern des Golfes von Ismid wegen des bei Sommerhitze ungesun—
den Klimas verlassen, um in der Bai von Tuzla Anker zu werfen.„Standard“ erfährt, die Pforte
wolle keine weitere Verstärkung der britischen Flotte im Marmara⸗ Meer dulden, aber einen Wechsel der Schiffe im Golf von Ismid gestatten.— Nach Meldung des„Reuter'schen Bureaus“ aus Constantinopel schoben die Russen am Mittwoch ihre Linie bis Kawasköi vor.
17. Mai. Die Russen haben in der Umgebung von San Stefano, zwei Kilometer von der türkischen Linie entfernt, 40 Kanonen schwersten Kalibers aufgefahren. Das russische Hauptquartier allein bleibt in San Stefano; die Truppen lagern sämmtlich in dessen Umgebung. Ebenso haben die Russen eine kleine Vorwärts- Bewegung in der Richtung nach den Anhöhen hiater Bujukdere gemacht. Die Türken ergriffen die nothwendigen Vorsichts Maßregeln, um sich vot einer Ueberrumpelung sicher zu stellen. In der Frage wegen Räumung der Festungen Schumla, Varna und Batum zeigen die Türken keine Nach- giebigkeit. Im Gegentheil gehen seit einigen Tagen fortwährend Lebensmittel- und Munitions-Trans- porte nach Varna ab. Die Pforte erhielt weiter einen Bericht, daß die Russen sich Gumuldschina bei Gallipoli näherten. Der Commandant erbat Verhaltungsweisungen Die russische Botschaft erklärt alle russischen Bewegungen durch sanitäre Zwecke.
— 17. Mai. Totleben dringt energisch auf Räumung der Festungen in Bulgarien und setzte, wie gerüchtweise verlautet, einen kürzesten Termin für die definitive Räumung, drohte auch mit Zwangs- Maßregeln. Gestern fand diesbezüglich ein Ministerrath unter dem Vorsitz des Sultans statt, welcher jedoch keinen definitiven Beschluß faßte.
Rumänien. Bukarest. Von hier meldet man von der anhaltenden Bewegung russischer Truppen gegen die Donau. Fürst Karl habe das Truppenlager bei Krajowa inspieirt und sei sodann nach Turnseverin abgereist.
Griechenland. Athen, 18. Mai. General Sutzo, sowie die beurlaubten griechischen Offiziere sind wieder einberufen und an die Grenze beordert worden. Die türkischen Truppen in Thessalien haben sich in Volo und Salonichi eingeschifft, um theils nach Bosnien, theils nach Kreta zu gehen.
Rußland. Petersburg, 17. Mai. Im Ganzen spricht sich in den Journalen heute Friedens; Hoffnung aus. Auch solche Journale, die bisher agitatorisch kriegerisch auftraten, äußern sich mäßiger. Die„Agence Russe“ weist auf die ungeheueren Machtmittel hin, über welche England und Rußland verfügen, sowie darauf, daß beide sich lange Jahre bekämpfen könnten, ehe für den einen oder den anderen der Zeitpunkt eintrete um Gnade zu bitten, und gelangt zu dem Schlusse, daß die Vortheile für den Einzelnen wie die Gesammt— Vortheile für Erhaltung des Friedens und der Ordnung viel größer seien, wenn deid große europäische Factoren ihre immensen Machtmitlel anwendeten, nicht um sich zu schaden, sondern um sich auf allen drei Continenten im Interesse der Civilisation und Humanität beizustehen.
— 18. Mai. Die Bewegungen der russischen Truppen in der Umgebung von Konstantinopel dauern fort, dieselben haben sich aber heute den türkischen Linien nicht weiter genähert. Die russische Besatzung in Adrianopel wird aus Gesundheits⸗ Rücksichten reducirt und die Truppen in die Umgebung der Stadt vertheilt. Nach Berichten aus Galatz unterhandelt dort der russische General wegen des Transports der mit der Bender-Galatz' Eisenbahn anlangenden russischen Truppen nach Giurgewo. Die russische Garnison in Galatz ist ungefähr 8000 Mann stark. Aus Jassy wied gleichfalls gemeldet, daß auf Grund des Ueberein- kommens zwischen dem russischen Commando und der dortigen Eisenbahn die Verwaltung täglich neun Züge mit russischen Truppen in der Richtung gegen die Donau befördert. Mehrere mit Munition beladene, für San Stefano bestimmte Schiffe er⸗ hielten Contre-Ordre und gehen nach Giurgewo. Ein neuer Sanitäts-Train hat Jassy passirt.
Amerika. New Nork. Einer Meldung der„Times“ aus Philadelphia zufolge kaufte Rußland die Dampfer„State of California“ und„City of Sidney“ an und steht wegen An⸗ kaufs von zwei weiteren Schiffen in Unterhandlung.
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