Ausgabe 
20.6.1878
 
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Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Beiwächter Georg Petri III. von Groß Karben ist auf den Polizeischutz verpflichtet worden. g Valentin Riehl von Ober-Erlenbach wurde als Feldschütze und Wiesenwärter für diese Gemarkung ernannt und verpflichtet.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 15. Juni. Aus der heutigen Sitzung der ersten Kammer heben wir noch her- vor, daß das Haus zu den Gesetzentwürfen über die bürgerlichen Wirkungen des Austritts aus einer Kirche oder Religions-Gemeinschaft und den Austritt aus den israelitischen Religionsgemeinden die von der zweiten Kammer beschlossene Ein- fügung der entsprechenden Theile des letzteren Gesetzes in ersteres nicht genehmigte, vielmehr die beiden Gesttze mit einigen Modificationen in der getrennten Fassung der Regierungs-Vorlage an nahm. 17. Juni. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer kam zunäckst der Gesetzent- wurf, die Ausübung des Erziehungs-Rechts in Bezug auf die Religion der Kinder betr., zur Berathung und schließlich auch mit der knappen Majorität von 13 gegen 12 Stimmen zur An- nahme. Hervorzuheben ist jedoch, daß eine Haupt- bestimmung des Entwurfs(Art. 6), wonach die in diesem Gesetze getroffenen Bestimmungen durch Vertrag wirksam nicht sollen geändert werben können ꝛc., mit der umgekehrten Stimmenzahl nach dem Ausschuß⸗ Antrag abgelehnt wurde. Sodann wurde der Antrag des Abg. Heinzerling auf Vereinigung der nach Einführung der neuen Reichs⸗Justizgesetze noch als praktisch sich erweisenden reglementären Verfügungen zu einer systematisch ge ordneten Sammlung, entgegen dem einstimmigen An trag der zweiten Kammer, abgelehnt. Dem Antrag der Abgg. Hirschhorn und Genossen wegen Ab änderung des Art. 10 der Verfassungs Urkunde wurde, wie in der zweiten Kammer, beigestimmt. In gleicher Weise lautet der Beschluß übereinstimmend zu dem Antrag der Abgg. Dumont und Oechsner, die Erbauung von Kasernen und Befreiung von Einquartierungs⸗Lasten betr., und nach längerer Debatte zu der Vorstellung des Vereins für Unter stützung israelitischer Seminaristen, die Ausbildung israelitischer Seminaristen betr., welche Vorstellung durch die entsprechende Zusage der Regierung als erledigt erklärt wurde. Bei der Berathung über die Vorstellung der Verwaltungs-Commission der Schrautenbach'schen Stiftung, wegen der Verleih ung der Stipendien wurde beschlossen: den Be schlüssen der zweiten Kammer zu 1 und 2 des Aus schußberichtes nicht beizutreten, dem Amende ment Scriba's nicht beizutreten, im Uebrigen aber dem Beschluß der zweiten Kammer ad. 3 beizutreten, wenn hinter den Worten:der früheren Burg Friedberg mit Annexen noch die Worte: und der Grafschaft Schlitz eingeschaltet werden. Ein auf Einschaltung der Worteund der Stadt Friedberg gerichteter Antrag wurde abgelehnt. Die Vorstellung des Maper Hirsch ꝛc. Namens des Vereins für Unterstützung is raelitischer Semi- naristen wurde der Regierung zur Berücksichtigung empfohlen.

Berlin, 18. Juni. Die Aerzte des Kaisers veröffentlichen heute im Wesentlichen solgende Mittheilung: Sie hielten sich für verpflichtet, ven mancherlei umgehenden unrichtigen Auffassungen entgegenzutreten. Durch Gottes Hülfe ist der Verlauf der Verletzungen und des gesammten Krankheits⸗Zustandes des Kaisers bisher ein fast über Erwarten gänstiger gewesen. Hieraus wird nun in hoffaungsvoller Freude vielfach gefolgert, daß die Genesung in nächster Nähe bevorstehe. Unter den obwaltenden Umständen ist die Er füllung dieses gewiß in Aller Herzen lebenden Wunsches jedoch voraussichtlich leider nicht zu erwarten. Der Kaiser hat außer zeitweiligen Schmerz Empfindungen nicht nur unter der durch die Gebrauchs⸗Unfähigkeit beider Arme be dingten Unbehülflichkeit viel zu leiden, sondern das Ziel der gänzlichen Wiederherstellung kann auch nur nach längerer Zeit erreicht werden, und auf dem Wege dazu können manche Schwierig keiten liegen, welche, unter Gottes Beistand hoffent- lich wie die bisherigen glücklich, aber nicht ohne Beschwerden für den hohen Patienten zu überwinden sein werden.

Berlin, 14. Juni. DieMagdb. Z. meldet: Die Voruntersuchungsakten wider Hödel wegen des Mordattentats auf den Kaisee sind, wie wir aus ganz authentischer Quelle mittbeilen können, geschlossen und am Mittwoch dem Ober- staatsanwalt beim Kammergericht v. Luck behufs Stellung seiner Anträge bei dem Anklagesenat des Staatsgerichtshofs auf Versetzung des Hödel in den Anklagestand wegen Hochverraths in Gemäß heit des§ 80 des Strafgesetzbuchs übersandt worden. Der Anklagesenat des Staatsgerichts- hofs unter dem Vorsitze des Kammergerichtsraths Steinhausen wird erst Anfang nächster Woche zusammentreten, um in der Hödel'schen Sache Beschluß zu fassen. Da der Ausfall desselben nicht zweifelhaft sein kann, so dürfte der Audienz termin vor dem Urtheilssenat noch vor Beginn der Gerichtsferien anberaumt werden.

Eine in Petersburg stattgehabte Ver- sammlung dort ansässiger Angehörigen des deutschen Reiches beschloß, an die deutschen Colonien aller Erdtheile einen Aufruf zu richten, dieselben möchten als Liebesbeweis für den deutschen Kaiser einen großen Fonds sammeln behufs Ersetzung der Ver lustes desGroßen Kurfürsten oder zu einem ähnlichen durch den Kaiser zu bestimmenden Zwecke.

16. Juni. Der griechische Minister De- lyannis machte Besuche bei allen Congreß-Bevoll mächtigten, die Seitens derselben im Laufe des heutigen Tages erwiedert wurden. Bezüglich der Frage der Retrocession Bessarabiens hat keine Macht daran ein Interesse ersten Ranges. Die Besprechungen der einzelnen Bevollmächtigten dauern fort; man hofft durch dieselben zu wesentlicher Förderung der Verhandlungen in den eigentlichen Sitzungen zu gelangen.

17. Juni. Heute wird der Congreß die Plenar Debatte beireffs Bulgariens vornehmen. Bezüglich der Freigebung der türkischen Kriegsge fangenen und des Rückzugs der russischen Truppen aus Rumelien ist zu bemerken, daß dies die beiden einzigen Obligos sind, welche Rußland gegenüber der Türkei zu erfüllen hat, während türkischerseits 28 Verpflichtungen übernommen sind, die ihrer Erfüllung harren. Rußland scheint die sofortige Erfüllung seiner beiden Obligos davon abhängig zu machen, daß die Festungen Varna und Schumla sofort geräumt werden.

17. Juni. Eine von Social-Demokraten einberufene Versammlung sollte geßern um 10½ Uhr unter den Zelten Nr. 4 statthaben. DieBerliner Freie Presse machte in ihrer heute erschienenen Nummer diese Versammlung alsVersammlung socialistischenr Wähler Berlins bekannt. That⸗ sächlich war jedoch die Versammlung bei dem Wirth des Locals alsVereins-Versammlung angemeldet worden und die Polizei war genöthigt, die Volks Versammlung, welche an Stelle der Vereins-⸗Versammlung abgehalten werden sollte, zu verbieten. Der Haufe zog dann zu dem neben⸗ anliegenden LocalZelt Nr. 3 hinüber. Aber hier erklärte der Inhaber der Restauration,daß er nicht gewillt sei, jetzt Bier zu verschänken. Die Polizei benahm sich den Massen gegenüber ebenso energisch als taktvoll.

DiePost hört von einer Verordnung des Cultus⸗Ministers, wonach mit Rücksicht auf die Reichstags-Wahlen die Sommer- Ferien der Schulen am 29. Juni beginnen und 28. Juli endigen sollen.

18 Juni. Dem Frankf. Journal tele⸗ graphirt man von hier: In Betreff der gestrigen Sitzung ist nichts Zuverlässiges bekannt. Angeb⸗ lich wurde die Zulassung der Kleinstaaten und Griechenlands abgewiesen. Ein englischfran zösisches Einverständniß soll hergestellt sein. Die bul⸗ garische Frage war Haupt-Discusstons⸗Punkt, blieb aber ohne Entscheidung. Die Räumung der Fest⸗ ungen und des Landes nach dem definitiven Frieden wurde verlangt, aber bisher russischer Seits nicht bewilligt. Deutschland bewahrt seinen vermittelnden

Standpunkt, deßhalb wird eine friedliche Einigung

erwartet. Im Congreß legte heute Schuwaloff den Vertrag von St. Stefano dar. Die bul⸗ garische Frage wurde discutirt und die Theilung des Nord Balkan vom Süd Balkan prineipiell angenommen. Der Ausschluß von der Meeres- küste steht fest. Deutschland beantragte den Rück⸗ zug der Russen nach Adrianopel und der englischen Flotte aus dem Marmara-Meer, unterstützt durch Frankreich und Italien. Griechenlands Zulassung wird von sämmtlichen Mächten, mit Ausnahme Englands und Frankreichs, bestritten. Disraeli vermeidet auffällig jede Beziehung zu Gortschakoff. In der morgigen Sitzung wird die Debatte über die bulgarische Frage fortgesetzt. Ferner vernimmt man, daß Andrassy das Aufhören der Occupation Bulgariens mit dem Moment des Friedensschlusses wünscht. Dem gegenüber bezeichnet dieNordd, Allg. Ztg. die Zeitungsnachrichten als erfunden, es zugleich für rathsam erklärend, allen Mittheil⸗ ungen über den Gang der Congreß⸗ Verhandlungen vollständiges Mißtrauen entgegen zu setzen. Bei dem an die Versammlung gerichteten Gebot strengster Diskretion hieße es die Loyalität der Congreß⸗ Mitglieder, wie der mit dem Congreß in Ver- bindung stehenden Beamten in Frage stellen, wenn man annehmen wollte, daß diesem Ehrengebote entgegen so genaue Mittheilungen in die Oeffent⸗ lichkeit dringen könnten, als einzelne Blätter zur Befriedigung ungeduldiger Neugier ihren Lesern bringen zu müssen glaubten.

Nordhausen, 12. Juni. Die Braut des verhafteten Inspektors Nobiling aus Schoch witz, Meta Schmidt, welche am 4. Juni zu Eisleben verschwand, ist aufgefunden worden. Am ersten Pfingsttage wurde die Vermißte in einem Stollen bei Sittigenbach(in der Nähe Eislebens) entdeckt. Ein Beamter ging mit seinen Kindern im Walde spazieren; letztere fanden ein Halstuch und einen Schuh und hörten aus der Tiefe Wimmern. Die Un- glückliche war auf ein im Stollen angebrachtes Kreuz gefallen und so fünf Tage ohne jegliche Nahrung geblieben, dabei hat sie bedeutende Verletzungen erlitten. Man spricht von gravirenden Anzeichen, die auf ein Verbrechen nicht Selbstmord deuten. Ob die Unglückliche etwa Mitwisserin des ihrem Bräutigam zur Last gelegten Verbrechens ist, bleibt festzustellen.

Ausland.

Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 17. Juni. Im Abgeordneten-Hause erklärte der Minister⸗ Präsident Fürst Auersperg in Beantwortung einer Interpellation betreffs Ermordung dalmatinischer Türken: Die Regierung that bereits die energischsten Schritte zur Erlangung voller Genugthuung, Das Haus nahm darauf in dritter Lesung das Einführungs-Gesetz zu den Ausgleichs-Gesetzen an womit letztere im Abgeordneten-Hause vollstäntlg erledigt sind.

Belgien. Brüssel, 18. Juni. Nach der Etoile belge setzt sich das Ministerium aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Frére⸗Orban, Bara, van Humbeck, Graux, Sainctelette, Del. haugne und General Renard. Die Portefeuilles sind an dieselben noch zu vertheilen.

Großbritannien. London. DerStand⸗ ard erfährt, England beabsichtige, Portugal in Betreff der Abtretung der Delagoa- Bai zu sondiren, weil die Cap⸗-Regierung den Besitz des Platzes für sehr wichtig erachtet.

Der Strike der Baumwoll Arbeiter in 1 Lancashire ist fast beendet; die Arbeiter haben in 90

den meisten Fabriken die Arbeit wieder aufge: nommen bei elner Lohn⸗Reduction von 10 Procent. Italien. Rom, 18. Juni. Bei den gestrigen Wahlen wurden zehn Liberale und zwei Klecikale zu Municipalräthen, drei Liberale zu Provinzialräthen gewählt. 8 Türkei. Constantinopel. DasReuter'sche Büreau meldet von hier(via Spra)!: Sollte der Congreß beschließen, für Epirus, Thessalien Bosnien und die Herzegowina Autonomie zu

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