Ausgabe 
18.7.1878
 
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Hafen von Antivari ist Kriegsschiffen aller Nationen verschlossen, die Seepolizei darüber hat Oesterreich; Montenegro acceptirt das dalmatinische Seerecht. Montenegro soll sich mit Oesterreich über den Bau einer Straße und einer Eisenbahn durch sein Gebiet verständigen.

30 wahrt das Grundeigenthum der Moha⸗ medaner in Montenegro.

31 und 32 sind unwesentlich.

33. Montenegro übernimmt einen Theil der türkischen Staateschuld.

34 bestimmt die Unabhängigkeit Serbiens,

35 die Freiheit der Culte in Serbien,

36 die Grenze Serbiens.

37 bestimmt, daß die bisherigen Handels- beziehungen fortdauern sollen.

38. In Eisenbahnsachen tritt Serbien, soweit es sein Gebiet betrifft, gegenüber Oesterreich in die Rechte und Pflichten der Pforte.

39 wahrt das Grundeigenthum der Moha- medaner in Serbien.

41. Vierzehn Tage nach der Ratification des Friedens sollen die serbischen Truppen türkisches und die türkischen serbisches Gebiet räumen.

42. Auch Serbien soll einen Theil der türkischen Schuld übernehmen; den Betrag sollen die Mächte bestimmen.

43 bestimmt die Unabhängigkeit Rumäniens.

44 bestimmt die Freiheit aller Culte in Rumänien.

45. Rumänien tritt Bessarabien an Rußland ab; die östliche Grenze bildet der Thalweg des Pruth, die südliche der Thalweg der Kilia und des Staristambul.

46. Das Donau-Delta, die Schlangen ⸗Jnsel und die Dobrudscha fallen an Rumänien.

47 ist unwesentlich.

48 bestimmt, daß Rumänien keine Transitzölle erheben darf.

49 gewährt Rumänien ausdrücklich das Recht, Verträge zu schließen.

50 betrifft den Rechtsschutz reisender Rumänen in der Türkei.

51. Rumänien übernimmt im Communications- wesen auf seinem Gebiete die Rechte und Pflichten der Pforte.

52 setzt die Freiheit der Donau fest. Unter- halb des Eisernen Thores dürfen keine Kriegsschiffe gehalten werden, ausgenommen die leichten Schiffe für die Fluͤßpolizei und den Zolldienst.

53 bestätigt und erweitert die Rechte der euro päischen Donau Commission; dieselbe übt ihre Functionen ganz unabhängig von den Behörden des betreffenden Landes.

54 besagt, daß die Mächte ein Jahr vor Erlöschen der Donau Convention behufs deren Verlängerung zusammentreten sollen.

55. Die europäische Commission arbeitet die Reglements für die Schifffahrt aus.

56. Sie verständigt sich mit der Ortsbehörde wegen Unterhaltung des Leuchtthurmes auf der Schlangen⸗Insel.

57. Oesterreich übernimmt die Regulirungs- Arbeiten am Eisernen Thore; es darf zur Deckung der Kosten eine provisorische Taxe erheben.

58. Die Hohe Pforte irist an Rußland Kars, Ardahan und Batum ab. Darauf folgt die genaue Abgrenzung der Umgebung, von der nament- lich die mohamedanischen Theile der Pforte bleiben.

59 lautet ganz kurz: Se. Majestät der Kaiser von Rußland erklärt, daß es seine Absicht ist: d'ériger Batoum en port- franc, essentiellement commercial.

60 bestimmt die Rückgabe des Thales von Alaschgerd und der Festung Bajazid, welche der Friede von San Stefano Rußland zusprach, an die Pforte und die Abtretung von Khotur an Persien.

61. Die Pforte verpflichtet sich zur Einführ⸗ ung von Reformen in Armenien, zur Beschützung der Armenier gegen die Tscherkessen und Kurden.

62 ist ein längerer Artikel, welcher die Freiheit und Gleichheit aller Culte in der Türkei und die Zugänglichkeit aller Aemter und politischen Rechte für alle Bekenutnisse bestimmt, Frankreichs Rechte hinsichtlich der Heiligen Orte reservirt und die

Mönche von Athos in ihren Rechten bestätigt. Sie sollen alle gleich behandelt werden.

63(sehr wichtig) bestimmt das Fortbestehen der Verträge von 1856 und 1871 in allen Punkten, welche der gegenwärtige Vertrag nicht aufhebt.

64. Die Ratisicatson soll in etwa 3 Wochen stattfinden. Folgen das Datum(13. Juli) und die Unterschriften.

14. Juli. DasMontkagsblatt meldet: Beaconssield bot Waddington die Annexion von Tunis an Frankreich an. Waddington lehnte ab; er wolle mit reinen Händen nach Paris zurück⸗ kehren. Der Congreß setzte drei Local-Comites ein behufs Ueberwachung der Ausführung des Friedens: in Tirnowa, Adrianopel und Erzerum.

16. Juli. Das Befinden des Kaisers ist, abgesehen von leichten durch das ungünstige Wetter herbeigeführten, zur Zeit jedoch schon wieder be seitigen rheumatischen Beschwerden, unverändert gut. Die Zunabme der Körperkräfte erfolgt in- dessen sebr langsaam. Der Kaiser hat dem Fürsten Bismarck sein von Winterhalter gemaltes Portrait in lebensgroßer ganzer Figur geschenkt; dasselbe wurde gestern Abend dem Beschenkten überbracht.

16. Juli. Andrassy und Hapmerle sind am Samstag Abend nach Wien abgereist. Beacons- field reiste Sonntag früh ab, Salisbury Sonntag Nachmittag, Schuwaloff Abends nach Petersburg, Waddingtons Abreise ist auf heute Abend festge⸗ setzt. Die Türken befinden sich noch hier.

16. Juli. Fürst Bismarck hatte vorgestern eine Unterredung mit dem Kronprinzen, gestern eine lange Unterredung mit dem Kaiser. Seine Abreise nach Kissingen hat sich bis heute Abend verzögert. Die gestrige Sitzung des Bundes- raths hat das Socialistengesetz ganz durchberathen.

Nach Auffassung hiesiger politischer Kreise erhalten sämmtliche Mächte mit dem Schluß des Congresses, was die Wahrung ihrer speciellen In- teressen anbelangt, volle Freiheit der Action. Daher bedeutet der Congreßschluß auch das Ende früherer Allianzen undVerhältnisse, sowie der aus diesen mit Bezug auf die Ordnung der orientalischen Zustände erwachsenen Verpflichtungen. Der neuen Constellation wird viele Aehnlichkeit mit jener vor dem Krimkriege beigemessen, so daß die Westmächte und Oesterreich-Ungarn in der ge meinsamen Tendenz, die Türkei in ihrem jetzigen Bestande in Europa und Asien zu erhalten, das weitere Vordringen Rußlands zu verhüten und den russischen Einfluß zurückzud immen, wieder zu⸗ sammenstehen.

München, 15. Juli. In dem heute zu Rom abgehaltenen Consistorium wurden der neue Erzbischof für München und für Speyer präconisirt.

16. Juli. In der Abgeordnetenkammer wurde eine königliche Botschaft verlesen, welche die Wahl des Ausschusses für die Vorberathung der Einführungsgesetze zu den Reichs- Justizgesetzen anordnet. Der Gesetzentwurf, betreffend die Ver- wendung des an Bayern gezahlten Theiles der Ersparnisse der deutschen Oceupationstruppen für den Militär-Wittwen⸗ und Waisen⸗Fonds wurde einstimmig angenommen; ebenso der Haupt⸗Militär⸗ Etat Bayerns für 1878/79.

Ausland. Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 15. Juli. Andrassy ist hier eingetroffen. Der Schah von Persien ist abgereist. Die Pforte hat die türkischen Behörden angewiesen, der Bevölkerung bekannt zu geben,

daß die österreichische Armee mit den freundschaft

lichsten Absichten einrücken werde und die Bezieh- ungen zwischen der Pforte und Oesterreich die freundschaftlichsten blieben. Indem der Gouverneur von Banjaluka dies der Bevölkerung mittheilte, befahl er gleichzeitig allen Distriet-Kaimakams, die österreichischen Truppen durchaus freundschaft- lich zu empfangen. Die Bevölkerung hat sich be- ruhigt. Auch die bosnischen Insurgenten sind trotz gegentheiliger Einflüsse geneigt, sich den Congreß⸗Beschlüssen und dem österreichischen Ocen · pations⸗Commando zu unterwerfen.

Belgien Brüssel. DerMoniteur ver⸗ öffentlicht einen Erlaß des Königs, wodurch Senat

und Deputirtenkammer zu einer außerordentlich en Session auf den 23. Juli einberufen werden.

Großbritannien. London, 14. Juli. Admiral Hay hat am 12. Juli, wie bereits ge⸗ meldet, Besitz von Cypern ergriffen.

16. Juli. Im Unterhause fand die Bill, betreffend den secundären Unterricht in Icland, all⸗ seitige Billigung und wurde einstimmig angenommen.

Italien. Rom, 15. Juli. In dem heu⸗ tigen Consistorium verlas der Papst eine geheime Allocution über die jetzigen Verhältnisse des päpst⸗ lichen Stuhles gegenüber den einzelnen Mächten, andeutete auch sein Verhalten und befragte die Cardinäle wegen Billigung desselben. Die Kurie entsendet demnächst mehrere Priester nach Bosnien und der Herzegowina zur Errichtung von Pfarren und Dibcesen.

Türkei. Constantinopel. Die Unter⸗ handlungen mit Griechenland wegen der Regulit⸗ ung seiner Grenzen haben, Wiener Nachrichten zufolge, Seitens der Pforte schoͤn begonnen und schlägt dieselbe vor, daß die Grenze beim Cap Zagora in Thessalien beginnen und nördlich von Sataldscha bis Margariti in Epirus und von hier bis zum Meere laufen soll. Auch verlang die Pforte eine Geldentschädigung für einige vos ihr in Prevesa errichtete Befestigungsbauten.

15. Juli. Gestern fand unter dem Vor⸗ sitze des Sultans ein großer Conseil statt, welcher sich mit der Frage wegen Epirus und Thessalien beschäftigte und gewisse Maßnahmen in Betreff Griechenlands beschloß. Der Conseil beschäftigte sich ferner mit den Details der englischen Con⸗ vention. Die Contession zum Baue einer Eisen⸗ bahn Mersina-Diarbekir-Erzerum wurde einer eng⸗ lischen Gesellschaft verliehen. In Betreff verschie⸗ dener anderer öffentlichen Bauten sind Unterhand lungen im Zuge. Der englische Botschafter Layard hat fast täglich Unterredungen mit dem Sultan, um alle auf die Finanzen und öffentlichen Ar beiten bezüglichen Projecte festzustellen.

Serbien. Kragujewatz, 14. Juli. Die Adresse der Skupschtina ist durch eine Deputation von 30 Deputirten dem Fürsten überreicht worden.

15. Juli. Die Skupschtina votirte dem Ministerium Indemnität für die während des Kriegs zustandes erlassenen Gesetze und beschloß, daß einige Kriegsgesetze nach Proclamirung des Friedens nur zwei Monate in Geltung bleiben, in den eroberten Gebieten aber bis zu verfassungsmäßiger Aenderung Kraft behalten sollen. Minister Ristie wird am Freitag erwartet.

Rußland. Petersburg. Dem Krakauer Czas zufolge suchen die Nihilisten in Kiew unter Todesandrohung von den reichen Kaufleuten und Land Eigenthümern Geld zu erpressen. Eine wohlhabende russische Dame, Namens Tamara, die kein derartiges Geschenk gab, wurde vergiftet, Außerdem entkommen sie aus den Gefängnissen so häufig, daß man ein Einvernehmen Seitens der Wärter und Gendarmen mit ihnen für bestimmk annehmen muß.

Griechenland. Athen. Dem englischen Consul Sandwith ist es gelungen, einen Waffen stillstand zwischen Kretensern und Türken zu vermitteln. In Thessalien haben die Türken die Ernte von 33 Ortschaften, sowie das Dorf Soffades verbrannt und die Stadt Doraskos besetzt.

Amerika. New⸗Nork. Die befürchteten Unruhen in Canada sind nicht eingetreten. De Jahrestag der Schlacht am Boyne, 12. Jul gab den irischen Orangisten den stets willkol menen Anlaß zu aufregenden Demonstrationenz glͤcklicherweise sind dieselben diesmal aber ohne das sonst obligate Blutvergießen abgelaufen,

Aus Stadt und Land.

Hungen. Vor etwa drei Wochen hat sich Rechne Zimmer von Nonnenroth entfernt und ist dessen Ausenk⸗ halt noch nicht ermittelt worden. Bei Vornahme seiner Kassereviston soll das Gericht noch einen Baarvorrath von ca. 600 Mark gesunden haben, auch ist festgestellt, daß er kurz vor seinem Weggehen noch eine Gemeindeschuld von 1800 Mark abgetragen hat. Vermuthlich hal das Drängen eines Wechselgläubigers den Mann zu dem schweren Schtilt veranlaßt, seine Familie zu verlassen.

Sinn Gababt⸗ Oboen