Ausgabe 
16.2.1878
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Kreisassessor Fehr, v. Hert⸗ ling in Büdingen wurde auf Nachsuchen von seiner Dienststelle entlassen, um in den Dienst des Füesten Löwenstein-Wertheim zu treten. Der Hofgerichts- rath Frhr. v. Lepel wur me zum richterlichen Mit glied des Reichs- Eisenbahnamts ernannt. Der Gerichtsaccessist Bergsttäßer wurde zum Garnisons⸗ Auditeur in Cüstrin ernannt.

Berlin, 14. Febr. Der Reichstag berieth beute über den Antrag Bürger's betreffend die Beseitigung der Beschwerden, welche wegen Benach- theiligung des freien Gewerbebetriebes durch die gewerbliche Arbeit der Gefangenen erhoben worden sind. Nachdem der Antragsteller den Antrag begründet hatte, erklärte der Präsident des Reichs · kanzleramts: die Abschoffung der Gefängnißarbeit sei untbunlich; die Aufgabe könne nur Die sein, die dadurch entstehende Concurrenz möglichst zu beschränken. Eine darauf gerichtete Untersuchung sei durchaus angezeigt und auch für Preußen bereits angeordnetz er würde wünschen, daß die selbe auf das Reich ausgedehnt werde. Fritzsche befürwortete die Abschaffung der Gefängnißarbeit, die auf die Sträflinge entsittlichend wirke, und stellte einen dahin gehenden entsprechenden Antrag im Sinne seiner Partei. Dieser Antrag wurde nach längerer Debatte abgelehat, dagegen der Antrag Bürger's angenommen. Darauf genehmigte das Haus den Antrag von Blos, betreffend die Einstellung des bei dem hiesigen Stadtgerich: an- hängigen Strafverfahrens gegen Mest während der Dauer der Sesston. Zwei Rechnungsvorlagen wurden an die Rechnungscommission gewiesen und sodann die beiden Gesetzentwürfe in erster und zweiter Lesung genehmigt, betreffend die Einlösung und Präclusion der vom norddeutschen Bunde aus gegebenen Darlehens Cassenscheine und betreffend das dem Reiche gehörige in der Voß- Straße zu Berlin belegene Grundstück.

14. Febr. Familie heute Abend hier eingetroffen.

Berlin.

mehr für einen verantwortlichen Vice-Kanzler und gegen verantwortliche Ressorts-Cbefs wären, ist in dieser Allgemeinheit incorrect, da die größeren Bundesstaaten vielmehr für die Fixirung derjenigen Ressorts sind, bei welchen eventuell eine verant- wortliche Stellvertretung eintreten könnte.

Mün che 13. Febr. Ju der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde der Etat für Reichs⸗Zwecke im Betrage von 19 Mill. M. ohne Debatte genehmigt und in den Reserve-Etat für etwaige Erhöhung der Matrikular- Beiträge die Summe von 250,000 M. eingestellt. Auf eine Anfrage von Schels, ob im Falle der Ab lehnung der Tabaks-Steuer das Tabaks Monopol eingeführt werden wurde, erfolgte keine Antwort von Setten des Ministeriums. Freitag äußerte, er befürworte keine anderen Einnahme-Quellen, als die Matrikular- Beiträge, weil letztere allein das Föderativ- Princip im Reiche zum Ausdruck brächten.

u,

Ausland.

Oer sterreich⸗lUngarn. Wien, 13. Febr. Es verlautet, der Kaiser habe ein Handschreihen an den Zaren gerichtet. Die Situation wird allseitig als höchst ernst dargestell.. Andrassy hatte gestern eine lange Audienz beim Kaiser. Erzherzog Albrecht wurde telegraphisch nach Wien berufen. Beides wird mit den ernstesten Ent schlüssen in Zusammenhang gebracht. Die un garischen Blätter drängen stürmisch nach einer entscheidenden Action. DerPester Lloyd bringt einen Leit- Artikel mit officiösem Zeichen, worin erklärt wird, Constantinopel sei unantastbar. Oester reich werde eine dauernde Besetzung Bulgariens und die räumliche Ausdehnung desselben niemals zugeben. DieN. Fr. Pr. glaubt, Deutschland würde nicht neutral bleiben, daher wäre Oester reichs jetzige Action purer Wahnsinn. Die euro pälsche Flotten⸗Sendung nach Constantinopel wird als gescheitert betrachtet. Da Deutschland sich nicht angeschlossen, seien die anderen Mächte zu-

rückgetreten. Der Commandant des österreichischen Levante-Geschwaders, Contre-Admiral Barry, ist mit dem Flaggen Schiff, der Panzer- Fregatte Habsburg, heute Nachmittag von Pola nach dem Orient abgegangen. Von weiteren Schiffs- Ausrüstungen ist nichts bekannt.

Es verlautet hier bestimmt, daß Rußland die wichtigsten Friedens Punkte positiv für unab- änderlich und undiseutirbar erkläre. Oesterreich steht mit England im intimsten Ideen-Austausch.

Frankreich. Paris. Der Minister des Innern hat das von der vorigen Regierung gegen einige auswärtige Blätter erlassene Verbot der Zulassung in Frankreich aufgehoben.

Dänemark. Kopenhagen, 13. Febr Die offictöseBerlingske Tidende erklärt die Mittheilung des Kopenhagener Correspondenten derPall Mall Gazette, wonach Dänemark die Absicht habe, die Nordschleswig-Frage anzuregen, für vollkommen erdichtet und unwahr.

Großbritannien. London, 12. Febr. Im Oberhause antwortete Derby auf eine Anfrage Granville's: Er hoffe dem Hause am Donnerstag mittheilen zu können, daß die Flotte unweit oder vor Constantinopel sich befinde. Alle Mächte hätten in die Conferenz eingewilligt; die einzige Schwierigkeit, die indeß, wie er glaube, nicht er- heblich sei, bestände noch hinsichtlich des Ortes der Conferenz. Ueber die Bewegungen der russischen Truppen wisse er nur Das, was Gortschakoff's Circular constatice. Frankreich und Italien hätten die Entsendung ihrer Flotten suspendirt, vermuth lich, weil sie den Ferman nicht erhalten hätten. 13. Febr. Im Arsenal von Sheerneß fangen heute alle Arbeiter über die gewöhnliche Arbeitszeit hinaus zu arbeiten an. Massenhaste Arbeitskräfte sind engagirt, um die Vollendung vier neuer Kanonenboote zu beschleunigen. Eine

Fürst Bismarck ist mit seiner fist heute aus den Docks nach Sheerneß gebracht

1

Die von mehreren Blättern ver-[Garnison im Point-Fort in der Themse völlig breitete Nachricht, daß bezüglich des Reichskanzlers-auszurüsten. Vertretungs⸗Gesetzes die größeren Bundes⸗Staaten fals 3000 Arsenal-Arbeiter über die Arbeitszeit

für die türkische Marine gebaute Panzer⸗Corvette

worden. Vorbereitungen werden getroffen, die

Auch in Portsmouth arbeiten mehr

hinaus an dee Vollendung der Kriegs Schiffe. Eine Menge neuer Kräfte ist engagirt worden. DieMorning Post hört, die conser- vativen Mitglieder des Parlaments wollten Lord Derby ihr Vertrauen entziehen, im Falle er sich nicht unbedingt der Politik Lord Beaconsfield's anschließen sollte. 13. Febr. Die englische Flotte hat die Dardanellen passict und ist heute in das Marmara; Meer eingefahren. 14. Febr. Im Unterhause erklärte Schatz

fanzler Northeote auf Befragen Hartington's: Die Pforte habe die Erlaubniß zur Einfahrt in die Dardanellen verweigert, darauf habe die Regierung die Flotte zum Einlaufen beordert. Der Gou- verneur der Dardanellen habe protestirt, allein er (Northrote) glaube, es sei kein materieller Wider stand geleistet worden. Vermuthlich befinde sich jetzt ü die Flotte in der Nähe von Constantinopel. Das britische Cabinet habe gegen die Ansicht Rußlands, wonach letzteres durch die Bewegung der britischen Flotte zur Besetzung Constantinopels berechtigt werde, protestirt mit der Erklärung, daß die Flotten- Bewegung zum Schutz der britischen Unterthanen unternommen sei und nicht zur Be setzung Constantinopels russischerseits berechtige. 14. Febr.

unbegründet. ment für das Transportwesen unterhandle mit mehreren großen Lieferanten wegen nöthigenfalls unverzüglicher Lieferung bedeutender Quantitäten Mundvorrath für die Armee. Alle Kriegs-Schiffe in Malta seien beor bert, schleunigst zur Orient-

Flotte zu stoßen. DieDevastation segele heute ab,.

Italien. Rom, 12. Febr. Die Leiche des Papstes wurde gestern Abend in einen pro

visorischen Sarkophag im Vatican gelegt, aus dem

die Gebeine seines Vorgängers schon seit längerer Zeit weggeschafft worden waren; die Eingeweide wurden bereits in einer Urne der vatitanischen Gruft beigesetzt. In der Peterskirche werden die Leichen Feierlichkeiten bis Freitag fortgesetzt, die Hauptsache dagegen, die Extquien, die früber in der Peterskirche gefeiert wurden, sollen jetzt in der Sixtinischen Capelle abgehalten werden. Der Ministerrath hat angesichts der Entkleit ung der Funeralien von jedem officiellen Charakter bereits beschlossen, sich des Anerbietens zur Betheiligung der Behörden zu enthalten. Pius IX. hinterließ sein Vermögen zu gleichen Theilen seinen Neffen.

13. Februar. Von der Congregation der Cardinäle wurden die zur Dienstleistung bestimmten Personen bezeichnet, welche mit den Cardinälen im Conclave eingeschlossen sein sollen. Die Dectoren Antonini und Ceccarelli sind zu Aerzten des Con- claves gewählt worden. Die öffentliche Ausstellung der Leiche des Papstes ist heute um 3 Uhr beendigt. Der Ministerrath hat sich in seiner Majorität für die Hinausschiebung der Parlaments Eröffnung bis nach dem Conclave aus gesprochen. Gegen- wärtig sind fünfzig Cardinäle anwesend. Im Schooße des heiligen Collegiums haben sich drei Parteien gebildet: Die Unversöhnlichen, die Ver söhnlichen und die Partei des Status quo. Erstere, mit Manning an der Spitze, zählt etwa zwölf Stimmen, die zweite hat den Cardinal Moretti, die dritte und zahlreichste Partei den Cardinal Canossa als Candidaten aufgestellt.

Türkei. Constantinopel, 11. Febr. (Indirect.) In der Kammer erklärte Vefik Pascha, er werde ihr innerhalb vier Tagen die Feiedens Bediogungen mittheilen. Thessalien sei von den griechischen Truppen geräumt worden. Im Falle die britische Flotte in die Dardanellen einlaufe, werde die Regierung dagegen protestiren und die ganze Verantwortung des Schrittes England zuschieben.

Siebenhundert Aufständische haben sich im Dorf Macrinitza bei Volo verschanzt; 4500 Mann türkische Truppen einschließlich 2000 Aegypter bereiten sich zum Angriff auf dieselben vor

14. Febr. Der Sultan hatte die Königin Victoria gebeten, auf die Sendung der Flotte nach Constantinopel zu verzichten, worauf die Königin erwiedert hat: die Einfahrt der Flotte in die Gewässer von Constantinopel habe einen friedlichen Zweck. Gestern eirculirte das Gerücht, der Sultan treffe Vorbereitungen, die Residenz zu verlassen. Ein Tbeil der britischen Flotte ist vor den Prinzen Inseln vor Anker gegangen; 2 Panzerschiffe blieben vor Gall' poli.

Rumänien. Bukarest. Zwei russische Lager werden ig Rumänien gebildet: bei Plojesti in der Stärke von einstweilen 30,000, und bei

Roman in der Moldau von 10,000 Mann.

Griechenland. Athen, 12. Februar. Depeschen von der thessalischen Grenze melden, daß Tscherkͤssen und Baschibozuks Domoko plünderten und in den umliegenden Ortschaften unter der christlichen Bevölkerung ein Blutbad anrichteten. Die Regierung hat den Mächten officielle Mit- theilung hiervon gemacht und energische Beschwerde erhoben anläßlich des gefahrbringenden Zustandes der griechischen Provinzen der Türkei, welcher die nochmalige Intervention der griechischen Truppen nothwendig zu machen scheine. Nachrichten aus Kreta zufolge wurden von Baschibozuks viele Grausamkeiten gegen Einwohner von Rethymno begangen. Viele Albanesen sind zu den griech

DerStandard erklärt die ischen Truppen übergegangen, bei denen sie Auf- Gerüchte von dem Rückttitte Derby's und von nahme finden. General Soutzy hat seine Demission der bevorstehenden Auflösung des Parlaments für zurückgezogen.

Dasselbe Blatt meldet, das Departe-

Anläßlich der von türkischen Banden bei Karditza(Thessalien) und Rethymno(Kreta) verübten grausamen Acte, berentwegen Griechen- land bei den Mächten Beschwerde erhob, wurde von der Regierung beschlossen, die Armee auf die Stärke von 50,000 Mann und die Marine auf 10,000 Mann zu bringen.

Rußland. Petersburg. 12. Febr. Der Agence Russe zufolge findet die Circular-Depesche Gortschaͤkoff's die volle Billigung der Presse und des Publikums. Dasselbe Organ erklärt die

erg, so

Alein 34