Ausgabe 
14.3.1878
 
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Ausland.

Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 11. März. Nach einem ausführlichen Berichte über die gestern stattgehabte Sitzung der vereinigten Sub- Com- missionen der ungarischen Delegation erklätte An- drassy, daß die Occupation und Annection Bos niens und der Herzegowina niemals Zweck und Absicht der Regierung gewesen sei und auch nicht sein werde, so lange nicht von dort her unsere eigene Sicherbeit unmittelbar bedroht sei.

12. März. Der Budget- Ausschuß der reichsräthlichen Delegation nahm die Indemnität pro zweites Quartal 1878, sowie eine Anzahl vom Kriegeministerium verlangter Posten a conto des außerordentlichen Heeres-Bedürfnisses pro 1878 an. Die vereinigten Subcommissionen der ungarischen Delegationen nabmen einstimmig den Antrag Falk, betreffend die Bewilligung des 60 Millonen Credits, an.

Lord Derby hat um Bekanntgabe zweier Friedenspunkte in Petersburg ersucht, Gortschakoff refusirte, indem er erklärte, weder England noch Rußland vermöge zu entscheiden, was europäische Fragen seien. Dafür sei lediglich der Congreß maßgebend. Das britische Cabinet ist nun ver stimmt, und das Zustandekommen des Congresses ungünstig betinflußt. Oesterreich, welches eine Verzögerung befürchtet, drängt England zur Ge. duld, bis der Congreß beisammen.

Pola, 11. März. Die Arbeiten für die Aus; rüstung der Kriegs Flotte werden energisch betrieben.

Belgien. Brüssel, 11. März. Der Appellhof hat den von der deutschen Regierung angeklagten ehemaligen Buchhändler Erlecke zu 18 Monaten Gefänguiß verurtheilt. Erlecke mel- dete den Recurs an den Cassationshof an.

Italien. Rom, 11. März. Der Cardinal⸗ Staats Secretär Franchi erklärte dem Caplan des Königs, daß der Papst seine Thronbesteigung in Rom nicht officiell notificiren könne, da ein solcher Schritt gegen die Kirchen⸗Gebräuche verstoße. Auf eine bezügliche Anfrage des päpstlichen Nuntius in Paris antwortete die französische Regiecung: die Abberufung des Botschafters Baude stehe in keinem Zusammenhange mit den Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan, die nach wie vor herzlich blieben; Baude sollte durch einen dem Vatikan genehmen Diplomaten ersetzt werden.

Türkei. Constantinopel, 10. März. Reuf Pascha und General Ignatieff sind nach Petersburg abgereist. Hobart Pascha begibt sich am Dienstag nach Kreta. Der Besuch des Groß fürsten Nikolaus bei dem Sultan ist bis auf Weiteres verschoben.

Einem Telegramm derTimes aus San Stefano zufolge ist dem vom Sultan ratificirten Friedens Vertrage als letzte Clausel hinzugefügt, daß beide Contrahenten bezüglich des Vertrages sich als solidarisch verbunden betrachten. Das Telegramm meldet ferner, Reuf Pascha würde in Petersburg eine Ermäßigung der Kriegs Ent schädigung um 300(2) Millionen Rubel nachsuchen.

11. März. Mehemed Ali Pascha ist für die Dauer der Abwesenheit Reuf Pascha's inter- imistisch zum Kriegs⸗Minister ernannt.

11. März. DiePol. Corr. meldet von hier: In Folge der Aufregungen der letzten Wochen sei der Sultan unwohl, doch werde ver sichert, das Unwohlsein sei nicht ernsten Charakters.

11. März. Ein Telegramm des Gou- verneurs von Janina meldet die vollständige Nie- derlage der griechischen Freiwilligen in Epirus; die Ruhe wäre dort vollständig hergestellt.

Die Pforte trifft Anstalten, ihre Garni sonen in Bosnien zu vermehren. Bei Bihatsch ist ein Lager für 40,000 Mann projectirt. Liefer- ungs verträge für die Verproviantirung der Truppen sind bereits geschlossen. In Bosnien und der Herzegowina dauert die Agitation für die Occu pation durch österreichische Truppen fort.

Griechenland. Athen, 11. März. Die Aufständischen in Macedonien haben Plotamona und Rhapsan eingenommen, die Verbindung zwischen Macedonien uod Thessäalien unterbrochen und die Annexion an Griechenland erklärt. Die Auf: ständischen in Epirus dagegen verlangen Hülfe.

Die russische Regierung ließ durch ihren lange Zeit vor ber Oeffentlichkeit als Frau Crispi gegolten.

Gesandten, Staats rath Saburow, der griechischen Regierung mittbetlen, daß sie den Antrag Griechen- lands, auf dem Congreß vertreten zu sein, annebme.

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. Nach einem in der Damstädter Zeitung enthaltenen Bericht über eine am 14. Februar abgehaltene Sitzung des Lokalgewerbveteins zu Darmstadt kam in derselben eine dieGuyol'schen Theerkapseln? belreffende Frage kurz zur Erwähnung, wobei bemerkt wurde, daß der ungeeignete Gebrauch des Theers unter Umständen schädlich wirken könne. Da diese Mittheilung von manchen der Leser überseben sein dürfte, erscheint es uns im öffentlichen Interesse sür geboten, hier nochmals zu be⸗ nätigen, daß dieTheerkapseln, deren in vielen Fällen ider durch Apotheker vermittelter Vertrieb durch eine unerhöct zudringliche Reklame unterstützt wird, keines⸗ wegs zu den unschädlichen Medikamenten gezählt werden können, deren Wabl und Benutzung den Kranken allein überlassen werden darf, und daß gerade bei den Krankyeits formen, für deren Heilung sie als unfehlbar wirkendes Mittel angepriesen werden, nur der Arzt im Stande ist, über die Rächlichkeit und die Art ihrer Anwendung zu urtbeilen. Wir glauben daber das Publikum warnen zu müssen, ohne ärztliche Empfehlung dieTyeerkapseln zu gebrauchen, deren unrichtige Anwendung der Gesundheit Nachtbeil bringen kann.

Darmstadt, 11. März. Kriegsrath Wiegand traf am Samflag Abend unter polizeilicher Escorte von Hamburg dahier ein. Die nunmehr über neun Monale überstandenen körperlichen und psychischen Qualen sollen dei dem bekanntlich ohnehin schon bejabrten Manne sehr meiklich sein. Wiegand wurde zu Wagen in das hiesige Arresthaus abgeliefert. Da derselbe in allen Theilen der ihm zur Last gelegten, bereits im Jahre 1867 verübten Veruntreuung geständig ist, so dürfte die Anklagesache bereits vor den bevorstehenden Aptil-Assisen ihren Ab- schluß finden.

Mainz. Eine Gartenfelder Wirthsfrau maskirte sich

Des Ferneren ist fesigestellt, daß die bürgerlichen Stanbes⸗ beamten, die Anfangs dieses Jahres den neuen Ehebund des Ministers mit der verwittweten Gräfin Filomena Barbagallo besiegelten, in allen Dingen dem Buchstaben des Gesetzes genügt haben. Dem Buchstaben, ob aber auch dem Geiste, ist eine andere Frage. Diese letztere fäll! abet jedenfalls mit größerem Gewichte auf den General- Brocurator, der den Diepens von der öffentlichen Ver⸗ kündigung ertheilt baite, und am allerschwersten auf den dermoralischen Bigamie verklagten Minister selbst.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 13. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1. Eier per Stück 5 Pf., 2 Stück 9 Pf.

Friedberg 13. März Waizen M 22 255, Korn M. 17, Gerste M 17 5018., Hafer M 1417. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund.

Gießen, 12 März. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.05 Eier per St 45 Pf. Tauben das Paar M. 1.10, Hühner per Stück M. 1 50, Hahnen per Stück M. 1.70, Kartoffeln 100 Kilo M 7.80, Ochsenfleisch 70 Pf. per Pfd., Kuhfleisch 50 60 Pf., Nindfleisch 50 56 Pf, Schweinefleisch 62 64 Pf., Kalbfleisch 55 60 Pf., Hammelfleisch 64 Pf

Frankfurt, 11. März. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren Angetrieben waren ca. 340 Ochsen, 210 Kühe und Rinder, 200 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 67 69. 2 Qual. M. 60. 62. Kühe und Rinder 1. Qaul. M. 56.58., 2. Qual. M. 52.54. Kälber 1. Qual. M. 66- 68., 2. Qual. M. 5860. Hämmel 1. Qual. M. 61.63, 2. Qual. M. 5254

Frankfurt, 11. März. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37, Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 0, Nr. 5 M. 23 Roggenmehl ½(Berliner Marke) M. 24. do. II.(Berliner Marke) M. 20. Walzen ab Bahnhof hier M. 23., ab unserer Umgegend M. 22.2575, do. fremder je nach Qual. M. 23. 24. Roggen je nach Qualität M. 16. 17.50. Gerste M. 19 23 Hafer M. 13. 16.25. Erbsen M. 19. 23. Wicken M. 17. Linsen M. 19. 23. Rüböl, detail. M. 76 Die Preise

am vorigen Montag Abend als Bajazzo und ging auf den Ball. Götilich muß dieselbe sich wobl amüsirt baben, denn sie kehrte erst Dienstag Morgen nach ihrer Behausung zurück. Doch wer beschreibt ibr Erstaunen, als sie die Wohnung nahezu leert sand. Während der Abwesenbeil der Frau war der Mann, kurz enischlossen, ausgerück! und mit ihm der größte Theil des Mobiltars verschwun den. Die Trennung von Tisch und Bett hatte sich auf diese Art höͤchst einfach vollzogen, die Frau aber mag einst⸗ weilen bei Denjenigen Trost suchen, mit welchen sie sich über Fastnacht vergnügt hat.

Worms, 7. März. Von bier wird berichtet: Wie vor einigen Jihten auf den 1. April sich ein großer Theil der hiestgen Einwohnerschaft an den Rhein utzen ließ, um direkt aus dem Nil zu Wasser ankommendeNupferde zu seben, so ging ses gestern Nachmilag wieder mehreren Hunder ken von Einwohnern auf einEingesandt in der altenWormser Zeitung hin, nach welchem mit dem Courierzuge 1 Ur 58 Min. die gegenwärtig in Deutsch. laud weilende jap zinesische Gesandischaft niit zahlreicher Dienerschaft zur Besichtigung des Luther-Denkmals hier einites'en sollie. Wie gesagt strömmmn viele Hunderte an den Jahnhof, um im ächter Aschermittwochslaune die be⸗ zopften Söhne des himmlischen Reiches zu beaugenscheinigen. ö Ein hiesiger Hölelier hatte sogar einige Zimmer für die erwarteten Gäste beizen lassen, während sein Omnibus mit dem fein ausstaffirten Poctiet an der Aussteigeballe ange- fahren war, um die erwarteten Gäste in Empfang zu nebmen. Der Zug fuhr ein, mit auf der Brust gekreuzten Armen, behandschubt, stand der Portier da, große Erwart ung, Spannung auf allen Gesiciern das des Redak- leuts der altenWormser Zeuung nicht ausgenommen die Coups's wurden geöffner, doch von Japanesen keine Spur, nur einige Bauersfrauen entstiegen einem Coupé 1. Klasse, weil sie wo anders keinen Platz in dem überfüllten Zuge gefunden. Die nun hierauf folgenden Scenen lassen sich kaum beschreiben, und wir müssen das Ausmalen derselben der Pyhantiesic eines jeden einzelnen Lesers überlassen. In wenigen Minuten halle die große Menschenmasse eingesehen, daß sie à la Nüpferd von einem oder einigen Witzbolden einmal wieder gründlich geutzt worden war.

Allerlei.

Fulda. Es war der Verdacht aufgetaucht und wie man jetzt. mil Sicherheit vernimmt, m ehien sich die In dicien zur Annahme, daß die vielbesprochene, im Eisen bahncoupé hier tost gefundene Cäcilie Pretzmann eines gewalisamen Todes verstorben sei. Man vermißt eigen sroßen Tveil det Baarschast und der Raise-Effecten derselben; jerner soll das verbängnißvolle Tuch, welches ihr um den Hals geschlungen war, mu der übrigen geschmackoollen Toilette der Verstorbenen nicht im Einklang stehen.

verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.

Geld Cours. Frankfurt am 12. März. 1878.

20 ⸗Frankenstucte 8. M. 16 2024 Englische Sovereigns kf Russische Imperiales 16 67 Holländische fl. 10⸗Stüde 18 65

Dian 2 9 50-55 Dualen el mars?* 9 5560 Dollars in Gold 4 17 20

Aus zug aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg.

Geboren:

2. März. Dem Großherzoglichen Gendarm Friedrich Wilhelm Steinbach 1 Sohn. A Dem Großherzoglichen Landgerichts⸗Assessor Adolf Follenius 1 Sohn. Gestorben: 27. Febr. Karl Wilhelm Heinrich Glaser, Sohn der

Johannes Stein Frau, Louise, geb. Glaser, 2 Jahre 3 Monate alt.

Heinrich Karl Waas, Söhnchen des Lohn lutschers Johann Heinrich Waas IV., 2 Jahre 2 Monate alt.

28. Febr.

4. März. Ein todtgeborenes Söhnchen des Großher⸗ zoglichen Landger.-Assessors Adolf Follenius.

4. März. Karl Georg Müller, Söhnchen des Fabrik⸗ aufsehers Joseph Müller, 25 Tage alt.

5. März. Sophie Rodemer, 39 Jahre alt.

7. März. Emmerich Windecker, 68 Jahre 7 Monate alt.

10. März. Margarethe Elisabethe Baumann, Töchterchen

des Dachdeckers Philipp Heinrich Baumann, 1 Jahr 7 Monate alt.

Für Diejenigen, deren Beruf anhaltendes Sprechen erfordert, wie Advokaten, Redner, Lehrer, Prediger ist kaum etwas störender, als ein Schnupfen, andauernde Heiserkeit, oder die Nachwehen irgend eines Halsleidens. Man bringt dagegen wohl alle möglichen Medieamente in Form von Pasten Syrupen, Tisanen ete. zur An⸗ wendung, welche indeß, wie Jedermann weiß, in den meisten Fällen das Uebel keineswegs hindern, seinen langsamen und naturgemäßen Verlauf zu nehmen. Nur der Theer vermag eine schnelle, um nicht zu sagen augen blickliche Erleichterung zu verschaffen, und dies Resultat tritt schon bei Gebrauch von 4 bis 6 Guyot'scher Theerkapseln per Mahlzeit ein.

Da der Flacon 60 Kapseln enthält, so stellt sich die ganze Kur auf nicht höher, als einige Pfennige per Tag, und es ist eine Thatsache, daß von 10 Personen, welche

Triest, 9. März. Auf td em loßy'⸗DampferSphinx, einen Versuch mit diesem Heilmittel gemacht haben,

von Kavala kommend, mit 2500 Tschertessen an Bord, orach ein Brand aus und in der Dampfer hierauf am Cap Elia genrandel. deten wurden gerettet. 5

Rom. Minister Crispi wurde schon vor einigen

9 daran für immer festhalten. Die Guyot'schen Theerkapseln haben in Folge ihres

500 Personen kimen um, die N Erfolges vielfache Nachahmungen hervorgerufen

und übernimmt Herr Guyot eine Garantie nur für die jenigen Flacons, welche seine Unterschrift in dreifarbigem 493

Wochen von verschiedenen Journalen der Bigamie bezichtigt. Drucke tragen.

U ber den Scandal schreibt man derKöln. Zig. von bier: Soweit die Sache jetzt aufgeklärt ist, uehl es sest, daß Crispi im Jahre 1854 am 27. Dezember auf der Jusel Malia seine Ebe mii dem Fräulein Rosalia Montmasson in aller Form kirchtich hat einsegnen loͤssen und zwar als katholischen sakramentalen Akt. Die besagte Dame hat

Socken, Strümpfe und

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