Ausgabe 
12.10.1878
 
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ungen. Der Vertagungs-⸗Antrag wurde abgelehnt. Sonnemann, dem wiederum das Wort ver: stattet ward, beklagte nochmals, daß man ihm eine Beziehung zur französischen Regierung zur Last lege. Das Haus entschied sich für Schluß der Debatte. 10. Oel. Hasselmann er klärte, daß die Social Demokraten den aufge- nöthigten Kampf durchführen würden; er mache die Regierungen und die Reichstags Majorität für etwaige künftige Gewaltthätigkeiten mit Blutvergießen verantworlich. Redner verbreitete sich dann ausführlich über die Bestreb: ungen der Socialdemoktatie und rechtfertigte die Pariser Commune, wobei er ebenso wie bei seiner vorhergehenden Entwicklung der socialistischen wirth⸗ schaftlichen Theorien die Aeußerungen des Fürsten Bismarck in seinem Sinne verwerthete. Am Schlasse seines zweistündigen Vortrags sprach Hasselmann von der Eventualität einer offenen Erhebung der unterdrückten Arbeiter bevölkerung und wurde dafür unter dem lebhaften Beifall des Hauses zur Ordnung gerufen. Derselbe verließ die Tribüne darauf mit den Worten: Fürst Bismarck möge an den 18. März 1848 denken. Löwe bceleuchtete die Lage der Arbeiter sonst und jetzt, das Wesen der Productiv- Association und was Schulze Delitzsch dafür gethan. Die Vorlage sei gegen die gewerbs mäßigen Agitatoren gerichtet, die den Classenhaß schürten. Man befinde sich in einem Nolhstande und dürfe der Regierung kein Mittel versagen. Die Arbeiter selbst ständen unter einem Terroris- mus, der gebrochen werden müsse. Man möge das Gesetz nur so gestalten, daß das Genossen- schastswesen geschont werde. Winterer bekämpfte das Gesetz als Ausnabmegesetz und bezweifelte dessen Wirksamkeit. v. Bennigsen erklärte sich für die Vorlage nach den Beschlüssen der Com- mission.(Während dieser Rede trat Fürst Bis marck ein.) Redner betonte die gründlichere Aus arbeitung der jetzigen Vorlage und wies darauf hin, wie durch die Vorlage nur eine genau ge kennzeichnete Agitation getroffen werde, Treiben er erläuterte. Gerade auf die Arbeiter wird durch die Agitatoren am schädlichsten gewirkt, indem ihnen nur Hoffnungslosigkeit gepredigt, die Lust zum Arbeiten und Weiterstreben benommen werde. Man müsse den Gesundungsproceß vor nehmen, ehe es zu spät sei, die Bewegung ein-

dämmen und zu diesem Zwecke die Vorlage nach

den Commissionsbeschlüssen annehmen. Der Reichs- kanzler habe gestern das sei jetzt doppelt werth⸗ voll die volle Gleichberechtigung der liberalen und conservativen Parteien anerkannt. Der Aus- spruch des Reichskanzlers sei werthvoll mit Rück sicht auf die letzten und auf die künstigen Wahl' kämpfe. v. Bennigson schloß mit einem Appell an den Patriotismus der Parteien, die sich die Hand reichen müßten überall, wo es sich um das wahre Wohl des Vaterlandes handele.(Beifall) Hierauf wurde die Debatte geschlossen.§. 1 wurde nach dem Commisstonsbeschluß mit dem Amende ment Ackermann(Einfügung der Worte: insbeson- dere die Eintracht der Bevölkerungsclassen gefähr- dender Weise) angenommen. Dagegen stimmten die Fortschritts Partei, das Centrum und die Socialdemokraten, dafüt geschlossen die national⸗ lüberale und beide conservativen Fractionen, außer dem die Gruppe Löwe, von der Fortschrittspartei Hilf, Müller(Gotha) und Baumgarten und die elsässischen Autonomisten Rack und North.

Berlin, 9. Oct. Die Gerüchte von Minister⸗ Krisen gewinnen an Bestand; doch discutiren gut unterrichtete Kreise weniger den Rücktritt Dr. Falk's, der daselbst nach wie vor für unbeglaubigt gilt, als den des Reichskanzleramts Präsidenten Hofmann, welcher theils auf die beabsichtigte Umwandlung verschiedener Ministerien, theils und hauptsächlich auf die bisherige Unmöglichkeit, einen Vorsitzenden für das Reichsschatzamt zu finden, zurückgesührt wird. Auch von des Justizministers Rücktritt hört man augenblicklich viel sprechen, als dessen Nachfolger Gneist augenblicklich die meisten Chancen haben soll. Eine Entscheidung in allen diesen Fragen steht erst nach der Rückkunft des Kaisers in Aussicht.

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München, 9. Oct. Der Erzbischof von Bamberg reiste heute in Begleitung mehrerer Kleriker nach Rom.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 9. Oc. DasFremdenblatt theilt mit, daß das öster⸗ reichische Cabinet vor der Eröffaung des Parla- ments ernannt wird. Von gut unterrichteter Seite wird versichert, daß kein parlamentarisches, sondern ein Beamten Ministerium zu erwarten sei. Sämmtliche ungarische Blätter führen die türkische Protestnote auf nussische Intriguen zurück und weisen die türkischen Anklagen auf das Schärsste ab; mehrere von ihnen vertheidigen sogar wieder Andrassy.

Generalmajor Reinländer erreichte am 7. d. nach mehrstündigem leichtem Gefechte Peci und Pecki-Gora. Am 8. wurde die Entwaffnung von Peci und Umgebung vorgenommen. Rein- länder marschitt am 9. d. nach Podzwiza, am 10 nach Vernograc und hofft auch in diesen Gegenden auf baldigste Herstellung der Ruhe.

Es heißt, daß Vorverhandlungen dem Abschluß nahe seien über einen dem österreichischen Staate seitens der Banque de Paris und der österreichsschen Boden Credit-Gesellschaft zu ge währenden Vorschuß von 30 Mill. Gulden gegen 6 ½ò pCt. Zinsen.

Brod. Von der Drinagrenze wird unterm 10. d. gemeldet: Trotz der Verstärkungen, welche die Insurgenten im Sandschak Novibazar durch Arnauten-Schaaren von Ipek, Prischtina und Kalkandelen erhalten haben, ist doch in Folge der Fortschtitte der österreichischen Truppen eine solche Panik in dem genannten Sandschak eingerissen, daß die Städte Plevlje, Prjepolje und Sienitza vollständig zur Unterwerfung bereit sind. Es geht die Kunde von fortwährendem Eintreffen regulärer türkischer Truppen und großer Kriegsmaterial- sendungen in Mitrovitza, sowie von Verstärkung der türkischen Besatzung in Bjelopolje.

Triest, 10. Oct. Seitens des Fekdzeug⸗ meisters Herzogs von Württemberg wurde den Handelskammern von Triest und Spalato Mit⸗ theilung von der Eröff zung einer gesicherten Ver- bindung zwischen Dalmatien und Trapnik gemacht, mit der Aufforderung, Handelsverbindungen in den für die bosnischen Garnisonen nothwendigen Artlteln anzuknüpfen.

Frankreich. Paris.Standard meldete, Frankreich habe beschlossen, eine sehr starke Flotle in das Mittelländische Meer zu senden. Die Flotte soll außer kleineren Schiffen aus zehn Panzerschiffen mit 130 Kanonen und 6000 Mann bestehen. DieAgence Havas bezeichnet jedoch diese Meldung als unbegründet, und bemerkt, es seien keinerlei außerordentliche Vorbereitungen für die Mittelmeerflotte getroffen; nur die gegen- wärtig in den algerischen Gewässern befindliche Flotte bereite ihre Rückkehr vor, da die Uebung beendet sei.

Holland. Amsterdam, 9 Oet. Nach demMiddelburger Courant ist Prinz Alexander, der zweite Sohn des Königs, nach der Schweiz abgereist und begibt sich in freiwillige Verbannung nach Stuttgart wegen der Wiederverheirathung des Königs, welche im Februar stattfinden soll.

8 Großbritannien. London, 9. Oct. Die letzte türkische Note ist dem britischen Cabinet bereits vorgestern mitgetheilt worden. Letzteres hiervon schon früher unterrichtet, ließ der Pforte eindringlich von einem so unsinnigen Schritte abrathen. Es ist positiv, daß das britische Cabinet das in der türkischen Cireularnote enthaltene An- sinnen entschiedenst zurückweisen wird.

10. Oct. Bei der Eröffnung des con⸗ servativen Vereins in Blackpool hob Kriegsminister Stanley hervor, England wünsche weder Aggression noch Eroberungen und habe nichts dagegen, wenn der Nachbar den Schlüssel zu seiner eigenen Thür selbst behalte, müsse aber überlegen, was zu thun sei, wenn der Nachbar seinen Schlüssel einem Andern zu übergeben gedenke.

9. Oct. DerStandard meldet aus Allahabad: In Folge des Erscheinens und der

drohenden Haltung einer starken afganistansschen Truppenabtheilung unweit Jamruds, wurde die Besatzung desselben um sieben Fußregimenter und

drei Batterien verstärkt. Der Commandant General Roß traf bereits Vorbereitungen, um den unteren Theil des Passes zu forelren und Ali⸗Musjld an. zugreifen, als er Ordre erhielt, weitere Biß stärkungen abzuwarten, damit man nicht dez mindesten Mißerfolg riskire.

Spanien. Madrid, 10. Oct. Marokkaner haben bei Tetuan, einen Beamten des spanischen Consulats und internationalen Delegirten der europäischen Consulate für die Errichtung eines Lazareths in Tetuan ermordet. Die spanische Regierung verlangt von Marokko Genugthuung,

Türkei. Constantinopel. In der Com; mission für Ostrumelien wurde seitens der russischen Delegirten in Folge des Verlangens Englande, daß die Pforte unverzüglich einen Gouverneur für Ostrumelien ernenne, die Competenzfrage ge⸗ stellt. Die anderen Delegirten suchten Instruc⸗ tionen nach.

10. Oct. Die Pforte will, nachdem sie die Convention mit Oesterreich zurückgewiesen hal, nur Verhandlungen pflegen, deren Grundlage die Anerkennung ihres ungeschmälerten Souveränetäts⸗ rechtes in Bosnien ist. Sie kehrt gewissermaßen zu dem Standpunkte zurück, von dem aus sie vor den Congreßbeschlüssen mit Oesterreich verhandelte,

Der Engländer Sinclair, der bis jetzt die Insurgenten im Rhodopegebirge befehligte, ist von diesen verjagt worden und in Constantinopel ein. getroffen. Die Pforte erhielt Nachricht, daß der Führer des Aufstandes in Kozan, Achmet Pascha, sich unterworfen habe.

10. Oct. Der russische Botschafter Labanoff ersuchte gestern in einer Audienz den Sultan um Ergreifung ausreichender Maßregeln zum Schutze der christlichen Bewohner gegen Ausschreitungen und Gewaltthätigkeiten der Mohamedaner in allen von den Russen geräumten Gebietstheilen.

Montenegro. Cettinje, 8. Oct. Aus Antivari wird von einer Militär Revolte in Scutari berichtet, der zwanzig Offiziere zum

Opfer fielen. Die Soldaten fraternisiren mit de albanesischen Liga.

Rumänien. Bukarest, 9. Oct. Die Commission des Senats hat die Motion ange nommen, wonach die Regierung ermächtigt wird, sich dem Berliner Vertrage zu fügen, von der Dobrudscha Besitz zu ergreifen und dieselbe bis zur Einberufung einer constituirenden Versammlung im Verordnungs wege zu administriren. Von Seiten der Regierung ward die Erklärung abgegeben, daß sie die Motion acceptire. Man glaubt, die Deputirtenkammer werde eine identische Motion annehmen.

Amerika. New Rork, 9. Oct. Bei den Staatswahlen in Ohio haben die Republikaner mit einer Mehrheit von 10,000 Stimmen gestegt, Bei den Wahlen zum Congresse werden die Repub⸗ likaner vorauesichtlich aber zwei oder drei Mit. glieder verlieren. In Jowa sind die Wahlen ebenfalls republikanisch ausgefallen. Indiana und West Virginien wählten demokratisch. Das Stim: menverhältniß ist ungefähr demjenigen von 1876 gleich. Die Greenbacks⸗ Partei scheint übecall in erheblicher Minorität gewesen zu sein. Von 40 bisher gewählten Congreßzmitgliedern sind 20 bis 27 Republikaner, die übrigen Demokraten,

Kalender pro 1879.

Jamilienkalender M. 50 Pf Deutscher Reichsbote 40, Lahrer Hinkende Bote 40, Daheimkalender Spinnstube Einsiedlerkalender 40,

Leske's Schreib- und Ge schäftskalender 20 Landkalender 20, 8 durchschossen 25,

bei Carl Bindernagel⸗

Vorräthig

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