Ausgabe 
8.10.1878
 
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DasJournal des Debats meldet: Ein Telegramm Midhat Pascha's aus Kanea stellt in Abrede, daß er der britischen Regierung den Ge-

danken eineß Ahfretung Kreta's an Griechenland eingegeben Habe! 5. Oct. Nachrichten zufolge, welche dem

Kriegsministerim zugegangen siad, soll der türkische Bevollmächtigte, welcher von der Pforte den Befehl hatte, Podgorizza den Montenegrinern zu über⸗ geben, mit seiner aus 136 Mann, Offizieren und Soldaten bestehenden Escorte von den Albanesen nievdergemacht worden sein.

Rumänien. Bukarest, 5. Oct. Kammer- sizung. Der Minister des Auswärtigen Cogal · niceanu ersuchte die Kammer, über den Vorgang zur Durchführung des Berliner Vertrags schlüssig zu werden und zu diesem Zwecke eine Commission einzusetzen.

Griechenland. Athen, 5. Oct. Die National-Versammlung von Kreta, die Zugeständ- nisse Mukhtar Pascha's für werthlos erachtend, wies ihre Vertreter in Constantinopel an, die Verhandlungen mit der Pforte abzubrechen und übersandte den Consuln der Mächte in Kanea einen Prolest, worin sie die Fortsetzung der Verhand⸗ lungen mit Mukhtar Pascha ablehnt.

Rußland. Petersburg. DerReichs- Anzeiger meldet: Nach amtlicher Mittheilung ist russischerseits die Desarmirung der russischen Häfen am Schwarzen Meer und die Aufhebung der unter- seeischen Minen angeordnet worden.

Afrika. Marokko. Vor wenigen Wochen haben wir gemeldet, daß der Sultan von Marokko, Sidi Muley Hassan, von einigen Großen seines Reiches vergiftet wurde. Er kam jedoch mit dem Leben davon. Wie nun aus Tanger berichtet wird, wurden die Schuldigen sogleich entdeckt und auch eingezogen. Vier derselben wurden schon am dritten Tage nach ihrer Einkerkerung öffentlich auf dem Marktplatze der Stadt Marokko ent hauptet, und man steckte dann ihre Köpfe auf die vier Thore der Stadt auf. Die anderen Schuldigen befinden sich dagegen noch in Haft, da der Sultan, der noch immer an dem ihm gereichten Gifte krank daniederliegt, sich deren Verurtheilung bis nach seiner vollständigen Genesung vorbehalten hat.

Amerika. New.⸗Nork, 4. Oct. Einer Depesche aus Jamaica zufolge ist unter den Negern von Santa Cruz ein Aufstand ausgebrochen; von den Aufständischen werden viele grausame Hand- lungen verübt.

4. Oct. Nach einer weiteren Depesche aus Jamaica verbrannten die Aufständischen in Santa Cruz mehrere Pflanzungen und ermordeten die Besitzer. Der Gouverneur von St. Thomas ist eingetroffen; derselbe hat jedoch nur fünfzig Soldaten zu seiner Disposition. Auf der Pflanzung Anashobe fand ein Zusammenstoß statt, bei welcher die Neger geschlagen wurden und etwa 200 Todte verloren. Englische und französische Schiffe werden erwartet. Die Regierung erhielt ferner die amt⸗ liche Anzeige von einem Ausstande in Sainte Croix. Die Aufrührer zerstörten Frederikstäd mit dem amerikanischen Vice Consulat. Zwei ameri- kanische Kriegsschiffe sind nach St. Croix beordert. Auch englische und französische Kreuzer werden da⸗ selbst erwartet.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 7. Oct. Soeben kurz vor 1 Uhr signalisirte der Thürmer Feuer in Nauheim. Vom Burgwall aus gesehen erscheint das Feuer in der Richtung und Nähe der Apotheke. Anscheinend brennen 2 Dächer, eine riesige Flamme schlägt empor. 4 Uhr Nachmittags: es brannte dei den Oeconomen Bernhardt und Pfeffer in Nauheim. Das Feuer zerstörte 2 gefüllte Scheuern und einen Shall. Soviel wir hörten, war eine der Nauheimer Feuerspritzen entzwei und war es deßbalb ein großes Glück, daß die Friedberger Spritze so rasch an Ort und Stelle war.

W. Friedberg. Donnerstag den 3. Oct. tagte dahier der Landesgewerbevetein. Die Mitglieder der Gr. Central⸗ flelle nebst einer Anzahl Ausschußmitglieder trafen mit dem 9 Uhr⸗Zug dahier ein, wurden von dem Vorstand der hiesigen Lokalseklion empfangen und in das Lokal der Ge werbe ⸗Ausstellung geleitet. Nach einer sehr eingehenden, 2 Stunden dauernden Besichtigung der dort aufgestell ten Gegenstände begab man sich in das Hotel Trapp, wo um 11 Uhr die General-Versammlung des Landesgewerbvere ins durch den Präsidenten, Ministerialrath Fink, eröffnet wurde. Derselbe erstattete zunächst Bericht über den Stand ge⸗

Landes. Wit entnehmen daraus, daß die Zahl der Lokal⸗ gewerbvereine sich auf 30 und die der Miiglieder sich auf 2832 beläuft. Die Zahl der Handwerkerschulen beträgt gegenwärtig 44; von den erweiterten Handwerkerschulen werden rühmend erwähnt: Worms, Offenbach, Gießen und Erbach. Hierauf ertheilte der Vorsitende dem Vor⸗ standsmitgliede der hiesigen Lokalsektion, E. Ruthe, das Wort. Letzlerer zeigte in einem sehr ausfübrlichen Vor⸗ trage die gewerbliche Entwickelung unserer Stadt. Wit ersehen daraus, daß die ersten Urkunden darüber aus dem 13. Jahrhundert stammen und in früherer Zeit dabier namentlich die Wollenweberei von großer Bedeutung war; daß der Ackerbau kaum nennenswertb, erkennt man daran, daß die Stadigemarkung kaum über das Weichbild der⸗ selden hinausreichte. Die Zünfte zeigen sich schon im 14. Jahrbundert von Bedeutung und Macht und dauern bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts. Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges ging die Stadt bedeulend zurück. Sie war 11 Jahre in den Händen der Spanier, dann kamen die Schweden, dann die Hessen und wieder! die Schweden. Kaum glaublich ist es, wie die Stadt in dieser Drangsal 380,000 Thlr. für Kriegszwecke aufbringen konnte. Im Jabre 1806 hatte die Stadt 2000 Einwohner und über 100 000 fl. Schulden. Daß sie von diesem Zeit⸗ punkle an nicht zurückgegangen ist, ersieht man leicht aus dem jetzigen Stand. Indem der Redner uns noch die hiesigen bedeutendsten Firmen, oft in humoristischer Weise, vorsührt, erkennen wir, daß so ziemlich alle Geschäftszweige vertreten sind. Daß auch die Leistungen bei manchen keine geringen sind, zeigt ihr weit über die Grenzen des deut schen Vaterlandes gehender Ruf, sowse die diesjäbrige Ge- werbe⸗Ausstellung, welche auch der Präsident nicht vergaß, in recht anerkennender und lobender Weise zu erwähnen. Hierauf ergriff Sekretär Dittmar aus Mainz das Wort und machte die Versammlung mit dem Stand der heuligen Gewerbe ⸗Gesetzgebung bekannt, namentlich hebt er die Vorzüge derselden hervor und zeigt, was weiter zu er⸗ streben sei. Den dritten Punkt der Tagesordnung bildete die Frage, wie die Heizer der Dampfkessel am praktischssen heranzubilden seien; die Sache wird einer Commission übertragen. Hierauf schreitet die Versammlung zur Wahl des Ausschusses; die Mitglieder desselben werden wieder gewählt, neu hinzu treten Buchhändler Scriba von hier und Geh. Oberbauralh Pfannmüller von Darmstadt. Um

die Gr. Centralstelle u. s. w. Besichtigung der Zeichen-Ausstellung im Schullehrerseminar. Leider konnte diese der vorgerückten Tageszeit wegen nicht mehr so eingehend stattsinden, als viele Anwesende beab sichtigten. Hoffen wir, daß die vielfachen Anregungen, welche uns wurden, nicht verloren gehen, sondern für Friedberg gute Früchte tragen..

k. Bad- Nauheim. In der Nacht vom 3. auf den 4. October wurden in den hiesigen Anlagen ftevelhafler Weise fast sjämmiliche Warnungstafseln und Wegweiser berausgerissen und zerstört. Aehnliche Rohheiten haben sich in letzter Zeit vielfach wiederholt und geben zum Nachtheil unseres Kurortis sprechendes Zeugniß für die Verwilderung der Jugend. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn seitens der Eltern namentlich aber der Handwerks- meister ꝛc., eine strengere Aussicht über ihre Untergebenen geführt würde. Der vorliegende Frevel kann nur von erwachsenen jungen Leuten ausgefübrt sein und dürfte wohl

hälten, mit wie hohen Strasen das Gesetz solche Helden, thaten bedroht.

Gießen. Der Schwurgerichtshof der Provinz Ober⸗ bessen verurtheilte am 3. Oct. den G. Gunderloch von Rendel wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit in eine Gesängnißstrafe von 4 Monat, sowie den K. Kromm von Schotien wegen Diebstahls in eine Gefängnißstrafe von 5 Monat. Am 4. Oct. den Heinrich Balser IV. von Burk⸗ hardsselden wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg in eine Zuchthausstrase von 4 Jahren und 7 Monat; so dann den A. Plitsch von Grüningen wegen Notbzucht in eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. Sodann werden fol⸗ gende Anklagesachen verhandelt werden: Am 7. Ocl., Vorm. 9 Uhr gegen L. Schäser von Bleidenrod wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, Verth. Aov. Dr. Reatz. Nachm. 3 Uhr gegen W. Gilbert von Einarts⸗ hausen wegen Uikundenfälschung und Betrugs, Verth. Adv. Weidig. Am 8. Oct., Vorm. 8 Uhr gegen Fr. A. Haack von Hobenstädt wegen Diebstahls, Verth. Adv. Kraft. Vorm. 10 Uhr gegen M. Vierheller von Stein⸗ berg wegen Diebstahls, Verth. Adv. Kraft. Am 9. Oct., Vorm. 8 Uhr gegen J. Appels Eheleute von Rudings bhain wegen Meineids, Verth. Adv. Dr. Guffleisch. Am 10. Oct., Vorm. 8 Uhr gegen C. und L. Mattern von Heuchelheim wegen Erpressunasversuch und Körperverletzung, Verth. Adv. Dr. Ditmar. Nachm. 3 Uhr gegen K. Stohr von Gießen wegen Diebstahls, Verth. Adv. Lauer. Am 11. Oci., Vorm. 8 Uhr gegen Lina Wehn von Hirzen⸗ bain wegen Kindsmoros, Verth. A v. Dr. Muhl. Nachm. 3 Uor gegen A. Bönsel von Angersbach wegen Urkunden⸗ fälschung, Verih. Adv. Weidig. Am 12. Oct., Vorm. 8 Uhr gegen J. Frick III. Ehefrau von Bieben wegen Dieb⸗ stayls, Verih. Adv. Baist.

Allerlei.

Kassel. Dieser Tage wurde beim Umzuge einer Familie aus der Wörihstraße in einer Kiste die bereits slark in Verwesung übergegangene Leiche eines etwa 10 Jahre alten Knaben, Sohn des in demselben Hause wohnenden Bahnhosschreiners M., vorgesunden. Den fraglichen Knaben,

nannten Vereins und den der Handwerkerschulen des

der seit etwa 6 Wochen vermißt wurde, soll dem Ver 1

5

Tauben 60 Pf.

2 Uyr fand ein gemeinsames Miliagessen im Hotel Trapp Pfd 70 75 Pf. stalt, wobei Toaste ausgebracht wurden auf den Kaiser, den Großherzog, als den Protektor der Gewerbe unseres Landes, Den Schluß machte die

unterblieben sein, wenn die Betheiligten daran gedacht

nebmen nach Furcht vor Strafe bewogen sieck aufzusuchen, in welchem et auf eine so jammetvolle Weise seinen Tod finden follte. Berlin. Das große literarische Unternehmen ger Publikation der politischen Correspondenz Fe Großen, welches die Akademie der Wissenschaflen selt Jahren vorbereiten läßt, in nunmehr soweit geförder m Lwissenschaftlichen Kreisen das Erscheinen der beiden Bände des auf dreißig Bände veranschlagten mentalen Quellenwerkes bis zum Jahresschluß enigegengesehen wird. Friedrichs bis zum Schlusse des Jabres 1743.

Handel und Verkehr. Friedberg, 7. Oet. Wochenmarkt. Butter kostz per Pfd. 9095 Pf., Eier per Stück 7 Pf., 2 St. 13 Pf. Gießen, 5. Oct. Wochenmarkt Mutter per fh, 90 Pf. bis M. 1., Gier per Stück 67 Pf., Taubeg das Paar 60 Pf., Hühner per Stück 90 Pf., 0 per Stück 65 Pf., Enten per Stück M. 1.60, Kart 100 Kilo M. 5.50, Ochsenfleisch 7072 Pf. per Pfd. Kuh- und Rindfleisch 5262 Pf., Schweinefleisch 6668 ff Kalbfleisch 5660 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf.. Frankfurt. Die Homburger Eisenbahn wird mit dem 1. Januar 1879 an den preußischen Staat übergehen, Frankfurt, 5. Oet. Der heutige Vietualienmai war sehr reich befahren; 60 Wagen mit Kraut waren auß dem Ried zur St i toffeln. Der Centner Weißkraut zum Einschneiden kostete M. 1.802., Kohlkraut das Stück 10 Pf., Rothkraßzt 1012 Pf., Blumenkohl 15 20 Pf. Kartoffeln sin nicht nach Wunsch in einigen Gegenden gerathen, inden solche bei Lagerung leicht faulen, 100 Kilo wurden ms 6 M. bezahlt. Geflügel in Fülle und zählte nach Tau⸗ senden, junge Hahnen wurden von 90 Pf. bis M 120 bezahlt, Hühner und alte Hahnen zum Stofen M. 1.30 50, Butter vas Pfund im Großen 1. Qual 90 Pf. bis M. 1., 2. Qual. 80 85 Pf., im Detal 1. Qual. M. 1 20, 2. Qual. M. 1.0510. Eiet daß 100 M. 6 8. Heu war nicht bedeutend zugefahres

und kostete per Centner je nach Qualität M. 2 8%

Stroh M. 1.50. 2. Erbsen geschälte(per 100 Kilogr, M. 24. 28., ganze Erbsen, M. 22. 24. Linsen M. 20. 23. Bohnen M. 26 28 Ochsenfleisch pez

Kuh⸗ und Rindfleisch 54 60 Pf Kalbfleisch 60 70 Pf., Hammelfleisch 60 68 Pf, Schweinefleisch 70-75 Pf.

Marburg, 28. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 85 Pf. bis M. I., Eier 1 Stück 6 Pf., junge Tauben das Paar 6070 Pf. junge Hahnen per Stück 5080 Pf, Hühner per Stück 90 Pf. 1.20 M. Frische Kartoffeln 2 Liter 15 Pf, desgl. per Korb M. 1.50 80, Weiß⸗ und Rothkraut per Kopf 615 Pf., Gurken 23 Stück 10 Pf. Wirsing und Kohlraben 1 Stück 5 10 Uf. Kohlraben 23 Stück 10 Pf., Hasen 1 Stück 23 M.

Feldhühner 1 Stück 90 Pf. bis M. 1. Sellerie per Knolle 5 Pf. Geld Cours.

Frankfurt am 5. Oetober 1878. 20-Frankenstücke. M. 16 18-22 Englische Sovereigns 20 3540 Russische Imperiales 5 16 65-70 Holländische fl. 10⸗Stücke. 16 65 G. Ducaten 5 9 6065 Ducaten al mareo 7 9 6570 Dollars in Gold. 5 4 17-20

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