Ausgabe 
5.1.1878
 
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Appell an das Volk, im Falle die Situation für das britische Interesse kritischer werden sollte. Beaconssield hat eine Deputation, welche zu Gunsten der Türken sich aussprechen wollte, nicht empfangen..

3. Jan. Der gestrige Cabinetsrath kam dahin überein, die Antwort Rußlands auf Eng lande Vermittlungs-Anerbieten nicht als den Schluß der englischen Action zu betrachten, und beschloß, vor Uebermittlung der Antwort an die Pforte in Petersburg anzufragen, welche Waffenstillstands⸗ Bedingungen die russischen Commandeure zu for⸗ dern instruirt worden seien. Heute findet wieder- um Minister-Conseil statt.

Italien. Rom, 31. Dec. 1877. Im heutigen Consistorium überreichte der Papst den Cardinälen Regnier, Manning, Brossays, Saint Marc, Maretti und Pellegrini den Cardinalshut und ernannte mehrere Bischöfe.

1. Jan. Bei dem Neujahrs Empfang äußerte der König u. A.: es sei nothwendig, Partei⸗ Spaltungen in der Kammer zu vermeiden; eine compacte Majorität sei nothwendig, um unter allen Eventualitäten die Interessen des Landes zu wahren.

Türkei. Constantinopel. Der Sultan ernannte den Deputirten Hassan Fehmi Effendi zum Präsidenten der Deputirten⸗Kammer, Achmed Vefik Pascha zum Senator.

2. Jan. Ein Telegramm des Comman- danten von Scharkioi(Pirot) bestätigt, daß in Folge des Kampfes am letzten Freitag die tärkischen Truppen gegen 20 Bataillone Serben und 5000 Bulgaren von Scharkioi nach Sofia sich zurück gezogen haben. Zufolge Telegramms des Gou- verneurs von Kossowo bemächtigten sich die Serben der Orte Karschumlje, Oscomb und Les-Kowatz Die Garnison von Karschumlje zog sich nach einem Kampfe gegen überlegene Streitkräfte zurück.

Die bosnische Insurrection erhebt wieder lebbafter ihr Haupt. Insurgenten griffen die

türkischen Befestigungen bei Askowitza und Blatno

an. Die Redifs dritter Classe sind einberufen.

Der zum Muschir des vierten Corps er- nannte Hakki Pascha meldet aus Erzerum vom 31. Dec., er habe Cavalerie und Artillerie abge sandt, um in Soghuktschesne angekommene rnssische Cavalerie zu vertreiben. Letztere sei hierauf zu⸗ rückgegangen.

Serbien. Belgrad, 1. Jan. Nach Zu⸗ rücklassung einer Garnison in Pirot traten die Serben von da den Marsch gegen das Defilée von Zaribrod, den Schlüssel zur Ebene von Sofia, an. Der serbische Verlust in dea Ge fechten bei Pirot betrug 700 Mann.

Rußland. Petersburg. DieAgence russe sagt: Die Depesche derAgence Havas, welche behauptet, der Pforte seien die Bedingungen mitgetheilt worden, unter denen Rußland in Frie- dens⸗ Verhandlungen eintreten wolle und welche diese Bedingungen specialisirt, ist apokryph.

Officiell aus Bogot: Nach einem acht- tägigen anstreugenden Kampfe gegen Kälte, Schnee, Stürme und unwegsames Berg⸗Terain hat General Gurko den Balkan überschritten und ist in die Ebene am 31. December 1877 heruntergestiegen. Nach einem hartnäckigen Kampfe bei Taschkosen besetzte Gurko diese befestigte Posttion, ausge-

nommen eine Redoute beim Wachtposten. In der Nacht verließen die Türken sämmtliche Posttionen. Am 1. Jan. früh begannen die Russen, indem sie Arab Konak, Schendornik und Dolnikomazzi besetzten, die Verfolgung des Feindes. General Gurko rückte dann gegen Sosia vor. Am 1. Jan. mußte sich das Etropoler-Detachement mit dem Tschelopeza⸗Detachement unter General Brock ver⸗ einigen, um nach Möglichkeit die Türken von Petritschewo abzuschneiden.

Nachrichten aus Bogot zufolge leiden die lürkischen Gefangenen sehr durch die Kälte, da sie nur dürftig gekleidet sind. Die russischen Grena⸗ diere theilen mit ihnen Holz und Nahrungsmittel und lassen sie in ihren Hütten schlafen. Die russischen Offiziere speisen mit den türkischen und nehmen die Kranken in ihren Zelten auf.

1. Jan. Die Russen haben bereits mehrere

Umgebung von Sofia besetzt. ganz eingeschlossen. Das Wetter in den Bergen ist sehr ungünstig. Der Eisgang auf der Donau dauert fort und es steht zu erwarten, daß das Eis bald feststehen bleibt.

Amerika. New⸗ Jork. Die Abnahme der Schuld betrug im Dec. 1877 72,000 Doll. Im Staatsschatze befinden sich 139,518,000 Doll. an Gold und 5,499,000 Doll. an Papiergeld.

Aus Stadt und Land.

Büdingen. Dieser Tage feierte Kirchenraih Meyer dahier sein 50 jähriges Amtsjubiläum. Obgleich auf aus drücklichen Wunsch des Jubilars von einer öffentlichen Feier Abstand genommen war, trafen doch von allen Seiten Glückwünsche und Geschenke ein, welche Zeugniß ablegten, welch' allseitige Liebe und Verehrung der würdige Herr bei seinen zahlreichen Schülern und Freunden genießt. Von dem Großberzog wurde dem Jubilar das Ritterkreuz 1. Cl. des Philippsordens verliehen.

Gießen, 3. Januar. Ein gräßliches Unglück er eigneie sich gestern in einem Kalksteinbruche auf der Bieber. Seit einigen Tagen schon ward der Sturz einer größeren Felsmasse erwartet. Gestern Nachminag nun wurden nochmals 5 Minen gebohrt und abgebrannt, ohne daß das Gestein zusammenstürzte. Nach dem erfolgten Sprengen wurde ein Wagen in den Bruch geschoben und in diesem Moment löste sich der ca. 70 Fuß boch hängende Fels los und richtete Tod und Verderden an. Ein Fuhrmann wurde sofort zerquetscht, während ein anderer Arbeiter bis zur Mitte des Leibes von einem Felsen fesigebannt war. Drei Stunden mußie der Aermste bei vellem Be wußtsein jammern, bis der Felsen gelüftet und der unglück liche halb zerschmeiterte Mann bervorgezogen werden konnte. Den Besitzer des Bruches, welcher neben dem Wagen stand, traf ein Felsstück so gewaltig, daß er gegen das Wagenrad geschleudert und derart verletzt wurde, daß er nach einer halben Stunde eine Leiche war. Ein dritter Arbeiter war wie durch ein Wunder gerettet worden. Eine gewaltige Felsmasse stürzte auch über ihn, aber zum Glück bildete sie eine Hohlung, unter welche derselbe zu liegen kam.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 2. Jan. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war sclech! befahren. Heu kostete je nach Qual. per Cent. M. 33 60., Stroh per Cent. M 2 202.50. Butter im Großen 1. Qual. M. 1 1520 2. Qual. M. 1. im Detail 1. Qual. M. 1.40 2. Qual. M. 1.2030. Eier per 100 M. 6 508 50. Kartoffeln per 100 Kilogr. M. 6. Erbsen, geschälte(per 100 Kilogr.) M. 28. 30, ganze M. 22.25. Bohnen M. 30. 32. Linsen M. 30. 34 Fleischpretse: Ochsenfleisch per Pfd. 70 75 Pf. Kuh⸗ und Rindfleisch 54 63 Pf., Kalbfleisch 65 70 Pf., Hammelfleisch 54 63 Pf., Schweinefleisch 75 80 Pf.

Mainz, 2. Jan. Producten-Markt. Waizen per März M. 21.85. Korn per März M. 15 60. Hafer per März M. 15.. RNüböl per Mai M 3770.

von den Türken befestigte Ortschaften in der nächsten Sofia selbst ist fast

Ein besolgenswerther Rath.

Unter den Krankheiten, welche am häufigsten in der Statistik der Sterbefälle wiederkehren, verdient die Lungen⸗ schwindsucht als diejenige bezeichnet zu werden, welche die Trauer am häufigsten in die Familien einkehren läßt und auf deren Rechnung die größte Anzahl aller Sterbefälle u setzen ist. Bis jetzt hat die Wissenschaft noch kein sicheres Heilmittel entdeckt, sondern sich vielmehr darauf be schränkt, die Leiden der Schwindsüchtigen zu erleichtern und durch sorgfältige Behandlung ihre Existenz um einige Jahre zu verlängern. Jedermann weiß, daß man den Brustleidenden den Winteraufenthalt in einem milden Klima und so viel als möglich in der Nähe von Tannen⸗ waldungen empfiehlt, deren Ausdünstung eine so günstlige Wirkung auf die Lunge ausübt. Unglücklicherweise können viele Kranke ihren Aufenthalt nicht verändern und sie sind es, an die sich dieser Artikel in erster Linie richtet.

Zuerst in Brüssel angestellte und seither an fast allen Orten wiederholte Versuche haben nachgewiesen, daß der Theer, ein harzhaltiges Produkt der Tanne, auf Brust⸗ und Lungenkranke den günstigsten Einfluß ausübt.

Hierdurch allein schon verdient dies Produkt in hohem Grade die Beachtung aller Kranken. Indeß ist noch weiter hervorzuheben, daß gerade bei Beginn der Krankheit dles Heilmittel in Anwendung gebracht werden sollte. Die geringste Erkältung kann eine Erkrankung der Lunge nach sich ziehen und es sollte daher zur größeren Sicherheit nicht versäumt werden, sich der Theerkur von dem Momente an zu unterwerfen, wo man zu husten anfängt. Es ist diese Vorsichtsmaßregel um so empfehlenswerther, als viele Brustleidende uͤber ihren Krankheitszustand völlig im Unklaren sind und sich noch von einer starken Erkält ung oder einem leichten Lungenkatarrh befallen glauben, wenn bereits die Auszehrung eingetreten ist.

Die praktischste Art der Anwendung des Theers ist diejenige in Form von Kapseln. Herr Guyot, Apotheker in Paris, stellt kleine konische Kapseln in Pillengröße dar, welche unter einer leichten Hülle von Gallerte eine Dosis des besten und reinsten norwegischen Theers enthalten und von denen zwei oder drei bei jeder Mahlzeit genom men, in Erkältungsfällen, bei Lungenkrankheiten, Asthma und Schwindsuchtsleiden eine fast augenblickliche Erleichter ung herbeiführen. Da jeder Flacon 60 Kapseln enthält, so kommt die ganze Kur nicht theurer als 10 bis 20 Pf. täglich zu stehen und macht dieselbe die Anwendung jeder Mediein in Form von Tisanen, Pastillen oder Syrupen überflüssig.

Herr Guyot übernimmt eine Garantie nur für die jenigen Flacons, welche auf der Etiquette seine Unter schrift in dreifarbigem Drucke tragen.

Depots in Friedberg in der HofapothekeZum Eugel und bei Dr. Uloth. 54

Friedberg. Die bisherigen Leistungen des Thie⸗ mer'schenMechanischen Welttheaters aus Dresden, welches im Saale zu zu den ehemaligen Drei Schwertern dahier aufgestellt ist, rechtfertigen den ihm vorausgegangenen guten Ruf vollständig. Jedermann wird sich eine Stunde trefflich amüsiren und verdient die landschaftliche Darstellung ebenso wie das kunstreich in Seene gesetzte Leben und Treiben unzähliger Figuren aus dem täglichen Geschäfts- und Verkehrsleben, alle Aner⸗ kennung, so daß der Besuch desmechanischen Welt theaters wohl empfohlen werden kann. Wie wir in Er⸗ fahrung bringen, ist dieses Theater ein Besitzthum des verstorbenen Königs von Sachsen gewesen, und im Schenkungswege an die Familie Thiemer übergegangen. Ein Irrthum ist es, wenn hier die Meinung verbreitet ist, als ob die Vorstellungen sich eigentlich nur für Kinder eignen. Für Erwachsene berechnet, sind die Produetionen derart, daß auch Jeder, der seinen Kindern eine frohe Stunde bereiten will, dieselben ruhig mitnehmen kann, in der Ueberzeugung, daß sie sich bei all' den bunten Bilder nicht nur ergötzen, sondern auch belehren werden. 74

Geld Cours. Frankfurt am 3. Januar 1878.

20⸗Fankenst eres 16 18 Englische Sovereigns 20 33 8 Russische Imperiales 1 16 65 70 Holländische fl. 10- Stücke. 16 65 G. Ducaten. o 5 9 50 55 Ducaten al mareo 5 9 55 60 Dollars in Mold 4 16 19

Holz- Versteigerung.

37 Montag den 7. Januar d. J. kommen in den Waldungen des Großherzoglichen Hauses, Distrikt Burg⸗ wald, Schlag V, XIX XXI, XXIII und XXIV: 6441 Eichen⸗Birken⸗Wellen, 137 Gebund Pfriemen, 5 Kubikmeter Haidestreu zur Versteigerung. Zusammenkunft Morgens halb 10 Uhr im Distrikt Burgwald, Schlag V. Ober⸗Rosbach den 1. Januar 1878. Großherzogliche Oberförsterei Ober⸗Rosbach. 8 Strack.

Spielkarten.

74 Durch neue Einrichtung in meinem Geschäft von 105 ab feine und dauerhafte Splelkarten und zwar in diversen Sorten. Louis Weis.

Auszug aus dem

Urtheil

in Untersuchungssachen gegen Jacob Roth 1. von Holzhausen wegen Beleidigung ꝛc. ꝛc.

wird zu Recht erkannt, daß der Beschuldigte, Jacob Roth I. von Holzbausen, Leinweber, 63 Jahre alt, wegen Beleidigung des Conrad Müller von da in eine Geldbuße von 15 Mark(fünf⸗ zehn Mark) und in die Kosten dieser Untersuchung zu verurtheilen sei. Gleichzeitig wird dem Ankläger die Berechtigung zuerkannt, die Verurtheilung innerhalb 14 Tagen, von deren Rechtskraft an, im Oberhessischen Anzeiger auf Kosten 8 Beschuldigten bekannt zu geben.

R. W.

Vilbel am 10. Dezember 1877. Großherzogliches Landgericht Vilbel. anger.

55 Gestrickte Kinderkleider, dae Ker

33 schuhe und Gamaschen billigst bel K. Friedrich.

. N Versteigerung. 75 Montag den 7. Januar l. J., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhaus das Fahren des Straßen⸗ kehrichts pro 1878 nochmals an den Wenigstfordernden versteigert werden. Friedberg den 3. Januar 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Fo ue a r. Braunkohlen-Verkauf. 69 Für die gegen Bürgschaft auf Credit von dem Großherzoglichen Braunkohlenbergwerk Ludwigshoffnung bei Melbach von jetzt bis Ende März d. J. bezogenen Braunkohlen wird Frist zur Zahlung bis Ende Junt d. J. gegeben. Die Preise der Kohlen sind: für 100 gewöhn⸗ liche Klötze M. 3.20 und für 1 Kubikmeter Holzkohlen = 5 Centner 3 Mark. 5 Bad Nauheim am 2. Januar 1878. Großherzogliches. Bergamt Bad⸗ Nauheim. age r.

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