1878.
Donnerstag den 1. August.
N 90.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.
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Amtlicher Theil.
Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatt ist zu publiciren: Beilage Nr. 19. Bekanntmachung, die Abänderung der Staluten der Bank für Handel und Industrie betreffend. 2.—10. Nichts.
Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Reichsgesetzblatt des Deutschen Reiches publicirt worden:
Nr. 26. Erlaß, betreffend Abänderungen ꝛc. der Instruction zur Ausführung des Gesetzes über die Nalutalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, S. 229.
und be Großherzogliches Mini stattfindenden Fohlen und Pfer
Friedberg den 30. Juli 1878.
demarktes eine Verloo veranstalten und die Loose im Großherzogthum abzusetzen.
Bekanntmachung.
sterium des Innern hat dem Stadtvorstand zu Friedberg gestattet, bei Anlaß des im October laufenden Jahres daselbst sung von Fohlen und landwirthschaftlichen Gegenständen mittelst 12,000 Loosen à 1½ Mark zu
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.
Deutsches Reich
Darmstadt, 28. Juli. Der Großherzog ist beute aus England hier wieder eingetroffen.
Berlin, 29. Juli. Der Kaiser ist heute Mittag 12½ Uhr mit der Großherzogin und der Prinzessin Victoria von Baden von Station Großbeeren nach Teplitz abgereist. In Boden— bach wurde während eines halbstündigen Aufenthalts das Diner genommen. Der Kronprinz kam Mit- tags nach der Abreise des Kaisers per Extrazug nach Berlin, fuhr direct nach dem Lehrter Bahn— hef und reiste mit dem Courierzug nach Hannover zur Besichtigung der dortigen Ausstellung. Von Hannover wird der Kronprinz in der nächsten Nacht die Reise nach Homburg antreten. Der
Kaiser empfing gestern auf Babelsberg sämmtliche
in Berlin anwesende Mitglieder des Staats—
ministeriums und richtete eine längere Ansprache an ditselben; ebenso empfing der Kaiser auch den
Präsidenten des evangelischen Ober ⸗Kirchenraths.
Teplitz prangt in reichem Flaggenschmuck, wobei die preußischen Landes- und die deutschen Reichs Farben vorwiegend sind, und ist mit Kränzen und Guirlanden herrlich decorirt. Der Statthalter won Böhmen war heute früh nach Bodenbach ge— reist, um den Kaiser zu empfangen. Die deutschen eee Kurgäste haben beschlossen, dem Kaiser eine Adresse zu überreichen; dieselbe soll die Freude über die 1 gisherigen Fortschritte in der Genesung ausdrücken und den Wunsch, daß die Heilkraft der Teplitzer Bäder dem Kaiser völlige Genesung bringen und der dort waltende ticse Frieden, sowie das Be— wußtsein der den Kaiser auch dort umgebenden Treue den dem landes väterlichen Herzen zugefügten Schmerz lindern möge. Am 3. August soll Fest⸗ lichkeit mit Gottesdienst am Friedrich-Wilhelm— Monument, Festessen, Illumination und Höhen- veleuchtung stattfinden. Der deutsche Kaiser ist Abends 7¾ Uhr, von enthustastischen Kundgeb⸗ ungen empfangen, in Teplitz eingetroffen. Nach einer Ankunft im Herrenhause erschien derselbe uuf dem Balkon und wurde von dem Publikum mit unaufhörlichen jubelnden Zurufen begrüßt, wofür der Kalser wiederholt dankte.
— Mit Ausnahme des Sultans und des Zaren haben bereits sämmtliche Souveräne, deren Gevollmächtigte den Berliner Vertrag vereinbarten, benso der Präsident der sranzösischen Republik Dire Genehmigung erthellt und die entsprechenden Katifcations-Urkunden ausgefertigt. Jede der be— seffenden contrahirenden Partesen hat sieben
. Schithen zu Günftadl.
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in Dorheln.
[Ratifications- Documente auszustellen, von denen je eines an die übrigen abzugeben ist. Man glaubt, der Austausch werde in der Weise ge— schehen, daß die hiesigen Vertreter der betreffenden Großmächte von dem auswärtigen Amt eingeladen werden, sich zur Aushändigung, resp. Entgegen- nahme der Urkunden zu gegebener Zeit einzufinden. In den Anlagen, welche den Ratifications- In- strumenten beigegeben sind, werden die bei Durch— sicht der Verträge etwa aufgefundenen Fehler ver— merkt. Oesterreich beginnt zu sondiren, ob die Mächte geneigt wären, für Bosnien eine autonome Regierung unter Erzherzog Johann Salvator zu— zugestehen. England soll sich für dieses Project ausgesprochen haben.
Stuttgart, 30. Juli. Der„Schwäbische Merkur“ berichtet: In Feuerbach nahe bei Stutt— gart wurde gestern der socialdemokratische Agitator Dulk verhaftet. Ebenso erfolgte in Stuttgart die Verhaftung des gesammten Personals der Ge— nossenschafts Druckerei, zwanzig an der Zahl. Es handele sich dabei um die Urheberschaft des socialdemokratischen Wahlaufrufes.
Heidelberg. Die Conferenz deutscher Finanz- Minister beginnt nach der„Badischen Landes- Zeitung“ am nächsten Montag. Die Sitzungen werden im großh. Palais hier stattfinden. Auf der Conferenz dürfte es sich nicht sowohl um die Frage der Tabaks Besteuerung handeln, als um vorläufige Verständigung über die Erhöhung be— stehender oder Steuern, bezw. Abgaben von Bier, Branntwein, Kaffee, Petroleum, da sich mehr und mehr her— ausstellt, daß die Einführung des Tabaks monopols, selbst wenn die Zustimmung des neuen Reichs- tags erzielt werden könnte, in einer Reihe von Jahren den Einwohnern des Reichs nur in sehr geringem Maße zu Gute kommen würde.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. Juli. Gestern Morgen 6 Uhr begann die Uebersetzung unserer Truppen auf das rechte Ufer der Save. Kaum waren die ersten Jägerabtheilungen widerstandslos gelandet, so begann um 6 ½ Uhr der Brückenschlag und um 9½½ Ubr waren beide Ufer durch die fertige Kriegsbrücke verbunden. Sofort trat das Gros der ersten Gebirgs-Brigade der sechsten Infanterie⸗ Diviston den Marsch über die Brücke an. N Um 11 Uhr befand sich die ganze Avantgarde Brigade
sammt der Gebirgsbatterie, dem Train und einer
die Einführung neuer indirecter
Husaren- Schwadron auf bosnischem Ufer. Die kaiserliche Flagge wurde aufgehißt, die Volkshymne intonirt, Hochs und Eljens donnerten aus den Reihen der Truppen. Die Begeisterung und die Zivio⸗ Rufe der nach vielen Tausenden zählenden Volksmenge an unserem Ufer gaben diesem Mo⸗ mente ein feierliches Gepräge. Ein Offizier des Generalstabes verhandelte mit der türkischen Be⸗ hörde von Bosnisch-Bred wegen Fortführung der amtlichen Geschäfte. Nach längerer Berathung erklärten mehrere Beamte und Offiziere sich bereit, ihre Amtsthätigkeit fortzusetzen. Das Gros des 13. Armeekorps, sowie die Korpsreserve trafen im Laufe des gestrigen Nachmittags in Brod ein, bezogen daselbst Bivouaks und sollten heute Mor— gen übersetzen und sodann den Marsch nach Derbent fortsetzen. Die 7. Infanterie-Division machte gestern den Uebergang bei Alt-Gradiska. Der Kaimakan in Berbir erklärte, er sei ohne In— structionen und beabsichtige keinen Widerstand. Unsere Truppen besetzten sodann widerstandslos die türkische Veste Berbir, worauf unter den Klängen der Volkshymne in Gegenwart des Erzherzogs Johann Salvator die kaiserliche Fahne aufgehißt und mit begeisterten Hochs begrüßt wurde. Die türkische Besatzung räumte sofort und widerstandslos Berbir. Erzherog Johann Salvator war der erste, der das bosnische Territorium betrat. Der Erz- herzog telegraphirte über diese feierliche Scene so— fort an den Kaiser. Das amtliche Blatt ver— öffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 25. d., wodurch gestattet wird, daß zum Zwecke der Occupation Bosniens und der Herzegowina aus- nahmsweise für die Dauer des unabweislichen Bedürfnisses die berittenen Schützen der dalma— tinischen Landwehr außerhalb des österreichischen Gebietes verwendet und dem Befehlshaber der Occupations-Truppen unterstellt werden können. Frankreich. Paris, Die Situation in Anzin hat sich heute entschieden gebessert. In Saint⸗ Chamont hat heute die Mehrzahl derjenigen Arbeiter, welche die Arbeit eingestellt hatten, dieselbe wieder aufgenommen. Amtlicher Nachricht aus Valenciennes zufolge ist die Arbeitseinstellung zu Anzin, mit Ausnahme von zwei Bergwerken, vollständig de⸗ endigt; die im dortigen Bezirk seit Beginn des Strikes stationirten Truppen werden zurückgezogen. Großbritannien. London. Marquis Lorne ist zum General-Gouverneur von Canada an Stelle des Carl Duferin ernannt.—„Times“
erfährt, die Pforte habe die englischen Reformpläne
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