schaft„Weser“ für die deutsche Kriegsflotte gebaute Panzer Kanonen ⸗ Boot, das eine Maschine von 700 Pferdekraft und eine Thurm Kanone von 320 Millimeter Rohrweite erhalten wird, vom Stapel gelassen und auf den Namen Skorpion getauft worden. Die vier anderen Boote heißen Wespe, Viper, Biene und Mücke.
Kissingen, 25. Mai. Heute ist Fürst Bismarck mit Gemahlin, Tochter und Sohn Herbert hier angekommen und in der oberen Saline abgestiegen.
Metz. Die„N. A. Z.“ bringt einen von Augenzeugen herrührenden Bericht wonach zwei deutsche Ossiziere von hier in Civilkleidung am am zweiten Pfingsttage in Nancy von der Be⸗ völkerung schwer mißhandelt worden sind.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 23. Mai. Das Petersburger Cabinet stimmte den Anschau⸗ ungen der österreichischen Regierung zu, daß die Behinderung der Dampf Schifffahrt auf der Donau nur so lange dauere, als die militärischen Operationen dies unbedingt erforderlich machen. Die Zustimmung der Pforte steht noch aus, weil Graf Zichy die diesbezügliche Note erst jetzt über⸗ geben konnte; doch ist kein Zweifel, daß auch die Pforte den Anschauungen des Wiener Cabinets beipflichten wird.
— Bei den Verhandlungen zwischen Rußland und Oesterreich in Betreff der gegenstitigen In⸗ teresse⸗Gebiete wurde schließlich die Morawa- Linie als Grenze der Kriegs⸗Operationen angenommen. Rußland gestand in einem Uebereinkommen über die Gebiets⸗Aenderungen beim Friedensschluß freie Donau- Schifffahrt und Neutralisirung der Donau⸗ Mündungen zu.
Pest, 26. Mai. Der Bank- Ausschuß des Reichstages hat gestern die Bank- Vorlage der Regierung als Bafis der Special-Debatte ange- nommen. Die Deputation zur Berathung über die Quoten wird am 29. c. in Wien die erste meritorische Sitzung abhalten.
— Der Zoll-Ausschuß hat nach einer mehr⸗ tägigen General-Debatte die Regierungs Vorlage bezüglich des gemeinsamen Zollgebiets mit Oester⸗ reich als Grundlage für die Special-Debatte an- genommen.
Frankreich. Paris. Dem„Temps“ zu⸗
folge hätte der Präsident der Republik einen Brief
des Königs von Italien erhalten, der ein durchaus vertrauensvolles, sympathisches Gepräge trage.
Belgien. Seraing, 24. Mai. Eine vor Kurzem erfolgte theilweise Arbeits-Einstellung der Kohlengruben- Arbeiter hat die Hersendung stärkerer Militär Abtheilungen veranlaßt. durch die Ruhestörer gesperrten Straßen wurden von der Reiterei frei gemacht, wobei mehrere Personen verwundet wurden; auch wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Im Ganzen feiern 7000 Arbeiter. Die Ruhe ist noch nicht wieder ganz hergestellt.
Holland. Haag. Nachrichten aus Atschin zufolge ist die Provinz Langsar nebst den Küsten⸗ districten Atschin's unterworfen. Die Radscha's haben die Bedingungen der niederländischen Re- gierung angenommen. Die Blokade ist aufgehoben.
Spanien. Madrid, 25. Mai. Nach einer Bekanntmachung des Ministers des Innern sind einige auf Halbsold gesetzte Offiziere, welche angeklagt find, eine Verschwörung gegen die öffent- liche Ordnung angezettelt zu haben, verhaftet. Die Ruhe ist nicht weiter gestört worden. Einige Unteroffiziere, denen Anerbietungen gemacht waren, um an dem Complot theilzunehmen, haben davon Anzeige gemacht.
Italien. Rom, 26. Mai. In der Kammer der Deputirten erklärte der Minister Präsident Depretis, die Beziehungen Italiens seien zu allen Mächten freundschaftliche. Italien habe keinerlei Verpflichtungen gegen irgendeine Macht und ver⸗ folge keine Politik der Abenteuer. Die Kammer nahm darauf eine Tagesordnung an, welche ein Vertrauensvotum in sich schließt.
Türkei. Constantinopel. Die Kammer verlangt die Versetzung des vormaligen Großvezirs
Die
Mahmud Pascha in Anklagestand.— Der Com- mandant von Ardahan wird vor ein Kriegs Gericht gestellt.
— 24. Mai. Eine Deputation der Softas begab sich in die Deputirtenkammer und verlangte die Entlassung der Minister.— Es hatten sich nämlich zweitausend Softas heute vor dem Gebäude der Deputirtenkammer zusammengerottet. Nachdem der Präsident der Kammer den Delegirten Einlaß gewährt hatte, um ihr Begehren darzulegen, er⸗ schienen fünf Softas aus Ardahan in der Kammer, welche die durch den Verlust Ardahan's hervor- gerufene Erregung schilderten und die Ergreifung von Maßregeln zur Verhütung weiterer Nieder lagen forderten. Nachdem darauf der Prästdent erklärt hatte, die Deputirten hätten in diesem Be- treff bereits ihre Schuldigkeit gethan, zogen sich die Sostas zurück. In der Kammer hoben aber mehrere Deputirte die Schwierigkeit der Situation hervor und erklärten es für unbedingt nothwendig, einige durch Fähigkeiten bekannte Männer zu Ministern zu ernennen. Die Debatte wurde schließ— lich so stürmisch, daß der Präsident sich genöthigt sah, die Sitzung aufzuheben. Die Softas be— gaben sich darauf in das Palais des Sultans. Der Präsident der Kammer begab sich zum Groß vezir, und dieser ebenfalls zum Sultan. Wie versichert wird, bliebe das Ministerium im Amte. Der Sultan hat jedoch in Folge der drohenden Demonstration der Softas seine Wohnung auf der asiatischen Seite des Bosporus genommen. Viele Christen verließen die Stadt. In Folge der Kundgebung der Softas ist über Constantinepel und dessen Weichbild der Belagerungs-Zustand verhängt worden. Der diesbezügliche Erlaß ver- bietet das Waffentragen, ordnet Haussuchungen behufs Habhaftwerdung der Waffen an, ermächtigt die Behörden, verdächtige Individuen ohne Urtheil zu verbannen und untersagt alle Zusammenrottungen.
— 24. Mai. Einer Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Erzerum zufolge hätten die Russen ihren linken Flügel weiter südwärts ausgedehnt und hätten sich Kosaken bereits bei Wan gezeigt. Feizi Pascha bezog ein Lager bei Abagha, von dem die Russen nur einige Stunden entfernt stehen. Es finden unausgesetzt Scharmützel statt. Die Perser haben ein Lager bei Selmas an der türkischen Grenze aufgeschlagen und darin 10,000 Mann Infanterie und 2000 Mann Cavalerie aufgestellt, um erforderlichen Falls ihre Neutralität behaupten zu können.
— 24. Mai. Amtliche Meldung. Ardahan, das Seitens der Russen bombardirt wurde, ist von den Türken Angesichte der 10 Bataillone betragenden Uebermacht der Russen geräumt wor- den. Die Garnison Ardahan's zog in der Stärke von 10 Bataillonen ab. Ihr Verlust an Todten betrug 150 Mann; ebensoviel Verwundete wurden zurückgelassen.
— 25. Mai. Dem„W. T.“ zufolge wären die stattgehabten Demonstrationen durch die Kammer selbst veranlaßt worden, weil ihr vor Kurzem aus- gedrückter Wansch bezüglich einetz Ministerwechsels und der Verhängung der Anklage über Mehemed Damat Pascha und den Kriegs Minister Redif Pascha, sowie hinsichtlich der Zurückberufung von Midhat Pascha unberücksichtigt geblieben sei. Der Beschluß wegen Veranstaltung der Demonstration sei in einer Moschee gefaßt. Man befürchte, die Softas würden trotz des Belagerungszustandes den Sultan und die Regierung zu stürzen suchen.
— 26. Mai. Die fremden Botschafter hielten gestern eine gemeinsame Conferenz über die po- litische Lage ab. Mit Rücksicht auf die Capitu⸗ lationen ist ein Einspruch gegen den Belagerungs- Zustand wahrscheinlich. In Folge der wachsenden Bewegung wurde die Berufung von Kriegsschiffen angeregt. Mehrere Minister haben ihre Entlassung gegeben.
Serbien. Belgrad. Der Zar hat be— schlossen, den Fürsten Milan in Plojeschti zu em ⸗ pfangen.
Rumänien. Bukarest, 26. Mai. Die Russen haben in der vergangenen Nacht 3 Uhr vermittelst Torpedo ⸗Schaluppen den größten türkischen Monitor in die Luft gesprengt.
Bakau, 26. Mal. In der Nähe von Bakau ist ein rufsischer Militär⸗Train verunglückt, wobei acht Mann todt blieben und 13 Mann und 6 Pferde verwundet wurden.
Griechenland. Athen. Griechenland hat in Steyr 30,000 Gras- Gewehre, lieferbar bis August, bestellt.
Nufiland. Petersburg, 25. Mai. Ueber die Verbreitung des Aufstandes der Abchasen wird gemeldet, daß die Küste von Suchum bis Rubansk in den Händen der Insurgenten sei. Die Russen nahen von Rostow und Stawropol aus heran. Der„Daily ⸗Telegr.“ meldet, daß am 23. eine große Schlacht bei Batum begonnen habe, wobei der Großfürst Michael den Oberbefehl über die Russen führe. Gerüchtweise verlautet, daß Batum eingenommen worden sei.
— Ein Telegramm von der Kaukasus⸗Armee, d. d. 24. Mai, bestätigt die Landung von sieben bemannten türkischen Schiffen bei Cap Ardeler; die dort ausgeschifften Mannschasten seien zumeist ehemalige Auswanderer aus dem Kaukasus. Das⸗ selbe Telegramm berichtet über ein erfolgreiches Treffen eines tussischen Detachements mit den Türken bei Suchum Kale.
— Die„Agence Russe“ bezeichnet die Zeit⸗ ungs-Meld ungen, daß Rußland die Karpathenpässe zu besetzen beabsichtige, als völlig unbegründet; diese Gerüchte zielten nur darauf ab, die ausge⸗ zeichneten Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland zu trüben.
Aegypten. Kairo, 24. Mai. Prinz Hassan hat sich mit seinem Stabe nach Alexandrien begeben, von wo aus das für die Unterstützung der Türken bestimmte ägyplische Contingent auf brechen soll.
Aus Stadt und Land.
—u. Nieder ⸗Florstadt. Am 30. April d. J. ver⸗ schied hier nach kurzem Krankenlager, im fast vollendeten 79. Lebensjahre, der evangelische Pfarrer Kirchenraih Görtz. In ihm verlor seine Familie das theure, innigst geliebie Haupt, seine Gemeinde einen treuen, musterhaften Seelenhirten, die evangelische Kirche unsetes Landes einen ibrer würdigsten Diener!— Er war geboren 1798 den 27. Mai zu Hannover, wo damals sein Vater Pfarrer war. Seinen ersten Unterricht erbielt er von seinem Valer, besuchte dann von 1813 bis 1816 das Gymnasium zu Gießen und widmete sich hierauf drei Jahte lang dem Studium der Theologie auf den Universiläzen Gießen und Jena.— Nachdem er im Sommer 1819 das Faculläts⸗ und das Staatsexamen in sehr ehrenvoller Weise bestanden halte, und mehrere Jabre als Erzieher thälig gewesen war, wurde er im Jahr 1824 zum Pfarrer in Steinfurth bei Friedberg ernannt. Nach einer zehnjährigen segensreichen Wirksamkeit in dieser Gemeinde wurde er auf die evange⸗ lische Pfarrstelle zu Schwanheim im Krrise Bensheim be ⸗ fördert, wo er 12 Jahre lang das Amt eines evangelischen Geisilichen mit aller Treue, Sorgfalt und Gewissenhaflig⸗ keit verwaltete, und in den letzten Jahren zugleich als Miiglied der Bezirksschulcommission eine segensreiche Wirk⸗ samkeit entfaltete. Im Jabte 1847 wurde er dann auf die evangelische Pfarestelle zu Nieder Florstadt präsentirt, welche Stelle er fast 30 Jahre lang bekleidete. Seine
lich gesegnele, und sein Andenken wird in derselben gewiß steis im Segen bleiben! Während 21 Jahren verwaltete der Dahingeschiedene zugleich das Amt eines Decang des evangelischen Decanats Friedberg und erwarb sich durch sein würdevolles Auftreten, durch seine Humanität und seine ausgezeichnete Gewissenhastigkeit und Tüchligkeit in hohem Grade die Liebe und Verehrung aller Derjenigen, welche mit ihm in nähere Berührung kamen!— Seine vorzüglichen Leistungen und seine Verdiensie fanden auch bei den ihm vorgesetzten Behörden und dei dem Groß⸗ herzoge die verdiente Anerkennung durch Verleihung des Philipps ⸗Ordens und des Titels„Kirchenrath“ In welcher bohen Achtung der Dahingeschiedene fland, zeigte sich auch bei seiner Bestattung am 3. d. M. Aus der Nähe und aus der Ferne halten sich Viele ein⸗ gefunden, welche dem verehrten, theueren Freunde das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte gaben und ihm aus tiefbewegter Seele nachriesen: Er rube in Frieden! Gießen. Im Wintersemester 1876—77 war die Zahl der Siudirenden auf der hiesigen Universität zusammen 315, darunter 227 Hessen und 88 Ausländer. Die Studienfächer anlangend fiudirten evangel. Theologie 22, Jurisprudenz 84, Mediein 52, Tbierarzneiwissenschaft 8, Cameralwissenschaften 3, Forstwissenschaft 9, Mathemalik 21, Philologie 46, Philosophie und Naturwissenschaft 25, Pharmacie 25, Chemie 20. Bei der Mediein waren außerdem 19 nicht immalriculirte Hörer.— Unter 81 neu Immalrseculirten waren mit Gymnasial⸗Maiuriiä 47, mit Real Maturität 15, ohne Maturiict 19. Offenbach, 26. Mai. Gesiern wurde unterhalb der Stadt eine männkiche Leiche geländet. Kopf und Gesich!
derselben waren ganz zerschlagen, so daß ein Verbrechen vermuthet wird.
Wirksamkeit in dieset Gemeinde war eine von Gol reich⸗
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