Ausgabe 
28.8.1877
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Professor Dr. Oncken wurde zum Rektor der Landesuniversität für die Zeit von Michaelis 1877 bis 1878 ernannt.

Dem Geh. Oberconsistorialrath Melior wurde der Charakter als Geheimerath verliehen.

Am 25. Aug. wurde den Bürgermeistern Reitz zu Södel und Philippi zu Wohnbach das allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste, sowie dem Landgerichts actuar Nau in Friedberg das Ritterkreuz II. Classe des Philippsordens verliehen.

Es wurden versetzt: die Landgerichtsactuare Weiß von Grünberg nach Gießen, Kopp von Homberg nach Reinheim, Göbel von Hirschhorn nach Homberg; ferner wurden ernannt die

Actuariatsaspiranten Becker aus Wörrstadt zum

Aktuar in Grünberg und Neidhardt aus Linden⸗ fels zum Actuar in Hirschhorn.

Berlin. Ueber die Aenderungen, welche nach dem Entwurf des Unterrichts Gesetzes in dem Lehrplan der Gymnasien eintreten sollen, erfährt dieElberf. Ztg. aus zuverlässiger Quelle: Der Unterricht im Griechischen soll in Zukunft erst in Tertia, anstatt schon in Quarta beginnen; die Lehr⸗ stunden für Mathematik und Natur-Wissenschaften sollen um ¼ ihrer jetzigen Anzahl vermehrt wer⸗ den. Für das Abiturienten Examen soll der Religions- Aufsatz in Wegfall kommen, dagegen die mündliche Prüfung in der Religion bestehen bleiben. Außerdem soll eine mündliche Prüfung im Französischen eingeführt werden.

Bekanntlich ist von dem General-Postmeister die Ansicht der Handelskammern über die Frage der postamtlichen Aufnahme von Wechselprotesten unter Erleichterung der Formen und der Kosten des Protest⸗Verfahrens aus Anlaß einer an den Reichstag gerichtet gewesenen bezüglichen Petition eingefordert worden. Wie man hört, haben von den 48 Handels Kammern, von denen bis jetzt Aeußerungen vorliegen, 43 die Bedürfniß- und Zweckmäßigkeits⸗Frage entschieden bejaht, fünf sie verneint. Eine von diesen fünfen erblickt darin sogar eineGefahr und sucht dies in einer 23 enggedtuckte Seiten langen Denkschrift nachzuweisen.

DerReichs ⸗Anzeiger meldet: Die kaiser⸗ liche Regierung erhielt von den Cabinetten aller mit der Pforte in Beziehung stehenden Großmächte die Mittheilung, daß ihre Vertreter in Constan⸗ tinopel beauftragt sind, sich den Vorstellungen wegen der grausamen Behandlung der gefangenen und verwundeten Russen unter Berufung auf die Genfer Convention anzuschließen. Zu dem gleichen Schritte sind auch nach den bis jetzt vorliegenden Nach- richten die Vertreter Belgiens, Hollands und Schwedens ermächtigt worden.

25. Aug. Der amerikanische Gesandte in Paris, Washburne, ist mit dem hiesigen amerika⸗ nischen Gesandten, Bancroft Davis, heute mit dem Minister v. Bülow von dem kronprinzlichen Paare empfangen, durch eine im hohen Grade schmeichel⸗ hafte Aufnahme ausgezeichnet und zum Frühstück, an welchem auch der Kaiser und die Kaiserin Theil nahmen, eingeladen worden. kehrt morgen nach Paris zurück und überreicht

alsdann dem Marschall Mae Mahon sein Abbe⸗

rufungsschreiben. Er wird mit einem Dampfer des norddeutschen Lloyd nach Amerika abreisen.

Ausland.

Frankreich. Paris. Nach einer Mel⸗ dung derAgence Havas wird Marschall Mac Mahon in Folge der Einladung verschiedener General- und Municipalräthe im Süden und Westen Frankreichs, sobald er am 4. September den bei Montbrison stattfindenden Manövern bei⸗ gewohnt hat, die Departements Indre et Loire, Vienne, Charente, Dordogne und Gironde besuchen.

24. Aug. DerAgence Havas zufolge nehmen die Sitzungen der Generalräthe nach den Zwischenfällen des ersten Sitzungstages nunmehr einen ruhigen Verlauf. 45 von diesen Versamm⸗ lungen seien bereits geschlossen, und nur 13, die eine radikale Majorität haben, dehnten ihre Sitz⸗ ungen bis zu verschiedenen End-Terminen noch weiter aus.

Washburne

25. Aug. Der Director derAssistance publique hat 150,000 Francs angewiesen, um dieselben unter die hülfsbedürftigen Familien der zu den großen Manövern einberufenen Pariser Reservisten zu vertheilen. Es geschieht dies auf Beschluß des Ministeriums und mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen.

Türkei. Constantinopel, 24. August. Seit drei Tagen wüthet ein mörderischer Kampf zwischen den Türken und den Aufständischen bei Cenipotok; letztere werden von Golub und Babic geführt.

24. August. In einem Telegramm des Commandanten von Larissa wird gemeldet, daß ein Haufe von 200 griechischen Briganten unweit dieses Ortes vernichtet worden sei.

24. Aug. Zwischen Kisilar und Djuma bat gestern unter dem Oberbefehl von Salih Pascha ein für die Türken siegreiches Treffen stattgefunden, in welchem 20,000 Türken engagirt waren. Die polnische Legion erlitt dabei starke Verluste, während im Uebrigen der türkische Ver- lust nur mäßig war. Der Kampf wüthete nament⸗ lich bei Kistlar. Die Türken lagern auf den er oberten Höhen. Hassan Pascha ist recognoseirend bis auf einen Kilometer Entfernung von Nikopolis vorgedrungen und hat daselbst zwei russische Ca- valerie-Regimenter zersprengt. Suleiman Pascha's Vorhut besetzte ohne Kampf Bedrowa.

24. Aug. In Adrianopel wurden gestern 11 Bulgaren, darunter 5 Notable von Kaztowa, durch den Strang hingerichtet.

Ein Telegramm aus Pera vom 24. Aug. weist darauf hin, daß die Lage der Russen durch die letzten Bewegungen der Türken eine sehr schwierige geworden sei, indem Osman Pascha von Philippopel und Sofia her Verstärkungen erhalten habe und Vorbereitungen treffe, um wie der die Offensive zu ergreifen, ferner das Centrum unter Mehemed Ali eine Strecke über Eski-Djuma hinaus vorgerückt sei, ein Theil des Corps von Suleiman Pascha(wie bereits gemeldet) Bedrowa besetzt habe, und endlich der rechte Flügel Mehemet Ali's den linken Flügel der Russen bei Papskeni umgangen habe.

Die bosnischen Begs erboten sich, gemein

sam mit der muselmänischen Bevölkerung große Abtheilungen gegen Serbien ins Feld zu stellen, falls letzteres den Krieg erkläre. Gegen Mon- tenegro sind 7 Tabors in Marsch gesetzt. Die Pforte beorderte die nächsten verfüg⸗ baren Irregulären nach Kreta, wo ein Aufstand ausgebrochen ist. Sami Pascha hat kaum 10,000 Mann in den Garnisonen zur Verfügung. Die mohamedanische Bevölkerung ist durch Aushebungen sehr vermindert.

25. Aug. Einem Telegramm aus Ragusa zufolge griffen die herzegowiner Insurgenten am Mittwoch das an der österreichischen Grenze gelegene türkische Fort Drono an, zogen sich aber nach mehrstündigem Kampfe wieder zurück. Montenegro. Cettinje, 24. August. Die Montenegriner haben ihr Lager bei Korvike

abgebrochen und sind den von Mostar kommenden türkischen Irregulären entgegengezogen. Die bei Metkovich gestandenen türkischen Truppen marschirten gegen Gacko.

Serbien. Belgrad, 24. August. Seit mehreren Tagen finden wichtige Berathungen beim Fürsten statt, an welchen der Minister des Aus- wärtigen Ristie, der Kriegsminister Gruie und mehrere anwesende russische Notabilitäten theil⸗ nehmen. Inzwischen sind bereits vertrauliche Weisungen an die Kreischefs wegen Mobilmach⸗ ung der Milizen ergangen.

25. Aug. Die Vorbereitungen zur Mobili⸗ sirung zweier Armee Corps werden beschleunigt. Bis zum 6. September wird das erste Armeecorps an der Mündung des Timok bis Gramada, das zweite bei Jankova⸗Klissura concentrirt sein. 320,000 Ducaten russische Subsidien sind hier eingetroffen. Die im Frühjahre entlassenen fremden Offiziere wurden wieder in die Armee aufgenommen. Der Herzog von Leuchtenberg ist nach einem Aufenthalt von sechs Tagen in Belgrad wieder in das russische Hauptquartier zurückgekehrt.

Rumänien. Bukarest, 25. Aug. Die Meldungen vom Abschluß eines rumänisch⸗russischen Cooperations- Vertrags sind unbegründet. Die Russen verlangen bedingungslose Cooperation oder Rückzug der Rumänen auf das linke Donauufer. Bratiano und Cogolniceanu haben ihre Ent⸗ lassung eingereicht. Nach neueren Mittheilungen sind die Gerüchte über Differenzen Rumäniens mit dem russischen Hauptquartier als übelwollende Erfindungen zu bezeichnen. Die rumänische Armee wird nach Maßgabe der ihr zugewiesenen Auf⸗ gabe sich an den Kriegsoperationen betheiligen.

25. Aug. Geschützt von einer am rechten Ufer der Donau aufgestellten Abtheilung von 2 Compagnien nebst 4 Geschützen versuchten am 23. Aug. früh sieben mit Truppen besetzte türkische Barken eine bei Widdin gelegene Insel zu besetzen. Eine rumänische Infanterie-Compagnie bei Kalafat verhinderte indeß durch Beschießung der Barken die Festsetzung der Türken. Die türkischen Batterien bombardirten den ganzen Tag Kalafat, richteten jedoch keinerlei Schaden an. Die Türken bereiten einen neuen Uebergangs⸗Versuch vor. Die russischen Batterien bei Slobosia und Pyrgos haben in der letzten Nacht Rustschuk von Mitternacht bis drei Uhr Morgens bombardirt; die Türken erwiederten das Feuer. Die Bevölkerung von Giurgewo wurde aufgefordert, die Stadt zu verlassen.

Griechenland. Athen, 23. Aug. Aus Kreta wird über eine aufständische Bewegung be richtet. Die türkischen Familien flüchteten in die befestigten Orte, die Christen flohen in die Berge. Es fanden bereits zwei Zusammenstöße in Bary⸗ petron im Bezirk von Canea und in Bachalichau in der Provinz Retimo statt. 30 Türken und 17 Christen wurden getödtet.

Die Diplomatie ist bestrebt, Griechenland von der Action abzuhalten. Die Aufregung ist groß. Vorläufig ist ein kriegerischer Schritt des Königreichs unwahrscheinlich. Griechenland sendet den Kretensern Waffen und Munition.

Nußland. Petersburg. Eine Bukarester Correspondenz derTimes bezeichnet die amtlichen Angaben der Pforte vom 15. über angeblich von den Russen zu Kasanlik begangene Greuelthaten ganz entschieden als unbegründet. Es seien aller dings einige Türken, notorische Uebelthäter, nach Verurtheilung durch eine türkisch⸗bulgarische Com mission hingerichtet worden; dagegen seien die Mittheilungen über die Mißhandlung des Kaima kams der Stadt und die Wegführung von Türken⸗ mädchen nach Eski⸗Sagra vollkommen unwahr.

23. Aug. Am 22. d. M. schritten die Türken mit bedeutenden Streitkräften zum Angriff gegen Ajastar vor und drängten zwei russische Bataillone zurück. Der Commandeur der 15. Di vision befahl, daß die verlorene Position wieder eingenommen werden solle. Das Sosiar-Regiment führte dies mit einem Verlust von 23 Mann aus. Scharmützel dauerten die ganze Nacht fort. Am 23. d. griff der Feind wiederum Auscha bei Ajuslar an, wurde aber dreimal durch das Newski'sche, das Sosiar'sche und das Bolchow'sche Regiment glänzend zurückgeschlagen, worauf er sich zurückzog. Es wird ein neuer Angriff er- wartet. Heute früh 8 Uhr griffen die Türken wiederum den Schipka-Paß an und wurden aber mals zurückgeschlagen; der Kampf dauert noch fort. Heute Nacht trafen indeß unsere Verstärkungen, nachdem dieselben theils 40 und theils 50 Werst in einem Tag zurückgelegt hatten, ein. Unsere Verluste sind verhältnißmäßig nicht groß, aber leider mußten viele Offiziere aus den Reihen treten. Die Verluste der Türken sind hingegen sehr bedeutend. Die auf deu Schipka--Passe be⸗ findlichen Truppen stehen unter den Generälen Daroschinsky und Stcolietoff. 7

24. Aug. Officiell. Gestern früh griffen die Türken mit starken Streitkräften den Schipka⸗ Paß sehr heftig von drei Seiten an. Unsere Truppen schlugen alle Angriffe zurück. Als erste Verstärkungen erschienen mit Kosaken-Pferden be- ritten gemachte Schützen. Abends um 6 Uhr traf eine ganze Schützenbrigade mit 6 Kanonen ein, welche sofort an dem Kampfe Theil nahm. Abends um 9 Uhr erstürmten die Schützen die Höhe vor

1 1

eine kin