bedauere das Ereigniß, aber er habe bei den Versuchen, den Frieden herbeizuführen, stets die Ueberzeugung gehabt, daß er sich dabei auf die Lösung eines unlösbaren Problems eingelassen habe.
— Die beurlaubten englischen Offiziere haben Befehl erhalten, zu ihren Regimentern zurückzu kehren; die bei Malta stationirte britische Flotten. Abtheilung wird binnen Kurzem nach den orienta⸗ lischen Gewässern absegeln.
Spanien. Madrid, 25. April. In der heute vom König zur Eröffnung der Cortes gehaltenen Thronrede wird darauf hingewiesen, daß die Beziehungen zu sämmtlichen Mächten freundschaftlicher, als je zuvor, seien, nachdem ge— ringfügige Meinungs⸗Verschiedenheiten mit den vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland und England bezüglich der Sulu- Inseln beigelegt wären. Der König habe die Hoffnung, daß dem— nächst auch die Pacification Cuba's erziehlt werde. Das Gesetz über die Fueros sei in den baskischen Provinzen mit Mäßigung zur Ausführung gebracht worden. Die gegenwärtige politische Lage gestatte es nicht, die Stärke des Heeres und der Flotte zu vermindern.
Türkei. Constantinopel. Die Pforte richtete an die Mächte eine lange Circulardepesche als Antwort auf das russische Manifest und die Circulardepesche des Fürsten Gortschakoff, sie sucht darin nachzuweisen, daß die Türkei Rußland in keiner Weise zum Kriege provocirt habe; ste er— innert an die Anstrengungen, die sie gemacht, das Loos der Christen zu verbessern und den Mächten Genugthuung zu geben, und fügt hinzu, daß sie den russischen Antrag nicht verstehen könne und daher den Pariser Vertrag anrufe und an die Mediation der Garantie-Mächte appellire.
Das von der Pforte unter Berufung
auf den Artikel 8 des Pariser Vertrags an die
Mächte gestellte Ansuchen behufs Mediation ist erfolglos geblieben. Dasselbe wurde überall als verspätet negativ beschieden.
— 26. April. Der Sultan richtete folgendes Telegramm an den Armee⸗Commandanten: Nach- dem Rußland den Krieg erklärt habe, sei er ge— zwungen, zu den Waffen die Zuflucht zu nehmen. Der Sultan werde, die geheiligte Fahne des Kalifats erhebend, sich zur Armee begeben, bereit, sein Leben für die Ehre und Unabhängigkeit des Landes zu opfern. Suleiman rückt nach Nilsic
vor. 3000 Russen sollen bei Batum die Grenze überschritten haben. Ein Angriff auf Kars scheint beabsichtigt.
Rumänien. Bukarest. Die rumänischen Heerstraßen sind in Folge anhaltender Regengüsse für die Russen nur schwer praktikabel,
25. April. Gestern besetzten 15,000 Russen die strategisch wichtige Bahnbrücke von Barbosch. Während der verflossenen Nacht pas— sirten massenhaft russische Infanterie den Pruth. Gestern sind bereits 50,000 Mann russischer Truppen auf rumänischen Boden eingerückt. Ein starkes russisches Armee Corps rückt gegen die Dobrudscha vor.— Die Türken haben bis gestern Abend unbeweglich an der Donau gestanden. Die rumänischen Truppen haben sich von der Donau in's Innere des Landes zurückgezogen, in zwei Corps getheilt, wovon eines bei Bukarest und das andere bei Crajova concentrirt wird. Die rumänische und taͤrkische Bevölkerung der Donau- Ufer flüchtet massenhaft in's Innere Ru- mäniens. Die Aufregung ist hier auf's Höchste
gestiegen.
— Ein Dekret des Fürsten eröffnet dem Kriegsminister einen außerordentlichen Credit von 1,888,000 Fre. zur Deckung der durch die Mobil— machung erwachsenden Kosten.
— 26. April. Die Russen sind bisher auf den Punkten Skuljane, Ungheni, Leoma, Faltschi, Mahul, Bolgrad und Takarbunar in Rumänien eingedrungen. Das russische Hauptquartier wird in einigen Tagen nach Jassy verlegt. Die Ru— mänen haben Kalafat und Giurgewo vor den anrückenden Türken geräumt. Letztere befestigen Kalafat auf's Stärkste. Die Rumänen weichen aller Orten den neu eingesetzten russischen Behör- den, indem sie ihre Mitwirkung verweigern unter
dem Vorwand mangelnder Instructionen. Wie verlautet, wären die türkischen Truppen angewiesen, einige Punkte der rumänischen Grenze zu besetzen.
Rußland. Petersburg. Die Kriegs- Erklärung von Seite Rußlands an die Pforte ist nunmehr am 24. April in förmlichster Weise erfolgt.
— Der Zar bat 200 Millionen Rubel aus seinem Privatvermögen zu Kriegszwecken gewidmet.
— Der„Regierungs-Bote“ veröffentlicht einen kaiserlichen Befehl, wodurch das Gouvernement Bessarabien, die Litoral Distriete, die Gouver- nements Cherson und Taurien und die Halbinsel Krim in Kriegszustand erklärt werden. Der Großfürst Nikolai erließ ein Manifest, worin er den Rumänen eine freundlicke Aufnahme der russischen Armee empfiehlt. 50,000 Mann mar- schiren von Tatarbunar auf Galatz, 5 Divistonen und 40 Geschütze rücken von Kabey gegen die Donau-Linie bei Ismail vor. Rumänien hat gegen den Einmarsch formell protestirt.
— 25. April. Das kaiserliche Manifest ist gestern in Kischeneff in Gegenwart des Kaisers vor der Front der Truppen verlesen worden. Danach erfolgte die Ceremonie der Segnung des Oberst⸗Commandirenden vor dem Insfeldrücken der Armee durch den Bischof. Heute ist das Manifest in allen Kirchen des Reiches verlesen und überall enthusiastisch begrüßt worden. Der Kaiser kehrt am 26. d. hierher zurück. Bei der russischen Kaukasus-Armee wurde gestern das Kriegs⸗Manifest verlesen; dieselbe rückt auf der Gesammt- Front Azarzych Erivan vor. Die Russen haben die Grenze der astatischen Türkei bei Alexandropol überschritten. ö
Moskau, 25. April. Der Magistrat bat nach Veröffentlichung des Kriegs-Massifestes 1000 Betten für Verwundete und eine Million Rubel zu deren Pflege gestiftet. Gleichzeitig setzte der- selbe eine Commission zur Entwerfung einer Adresse an den Kaiser nieder. Nachmittags fand in der Kathedrale des Kreml und in allen Kirchen feier— licher Gottesdienst statt. Alle Kirchen waren von Andächtigen überfüllt.
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Aus Stadt und Land.
* Friedberg. Der sozialistische„Vorwärts“ will, wie in seiner Nummer vom 18. April d. J. zu lesen, dem deutschen Volke den Kern des Wissens auch in einer guren Schale reichen. Die Corxrespondenzen, die er bringt, sollen gleichfalls in einer Sprache geschrieben sein, die sich vortheilhaft von dem gewöhnlichen Zeilungsdeutsch unserer liberalen Literaten unterscheidet. Der„Vorwärts“ würde sich, wie er sagt, an dem deut⸗ schen Volke versündigen, wenn er seine Artikel und Notizen in dem saloppen(d. i. schmutzigen) leichten Style der modernen Zeitungsmacher schriebe. So heißt es in dem Artikel Nr. 45„Wie soll der Vor— wärts schreiben?“ Diese Theorie ist recht schön, aber stimmt auch die Praxis hiermit überein? Der Leser urtheile selbst hierüber, nachdem er sich von dem ersten Schauder, den ihm der nachstehende Hetz-Aclkel in Ne. 45 des„Vorwärts“ einflößen dürfte, erholt haben wird.„Nürnberg.(Zum Nothstand.) Unser Nürnberger Parteiorgan bringt eine scharfe Notiz über den Nothstand in der stolzen Stadt Nürnberg, der wir Folgendes ent nehmen: Wissen die Vornehmen, wie Hundefleisch schmeckl? Haben dieselben schon einmal welches gegessen?— Nein, das haben sie nicht; das haben sie ja auch gar nicht nöthig, sie kommen nicht in die Lage, Hundefleisch kosten zu müssen, wie dies z. B. Nürnberger Arbeiter thun müssen.„Das Vordertheil vom Hund wird ins Wasser getragen, das Hintertheil gebraten und gegessen, das Fell verkauft und das Fett als„Delikatesse“ aufs Brod ge- strichen!“ So erzählte uns dieser Tage wortwörtlich eine Frau, deren Mann seit einem Jahte arbeitslos ist und seit mehreren Monaten auch noch dazu krank oarnieder— liegt. Ha, Euch„ekelt“ wohl vor solcher„Brut“, Ihr Herren? Nun, tröstet Euch doch selbst, es existirt ja kein Nothstand in Nürnberg, und das Recht auf Arbeit ist blos eine„sozialdemokratische Phrase!“ Als in dem belagerten Paris die Noth aufs Höchste gestiegen war, wurden auch Hunde geschlachtet, auch Ratten, wie man erzählte. Also schon wieder ein Trost! Die Nürnberger Hungerleider sind noch nicht auf der untersten Stuse angekommen, sie essen noch Hunde, wenn sie einmal bei den Ratten an— gekommen sein werden, dann wollen wir untersuchen, ob sie auch noch ein Bett haben, das noch unversetzt ist—— vielleicht kinn dann dem Einen oder Andern ein„Almosen“ verabreicht werden. Aber wozu auch Fleisch? Kartoffeln und Kaffee halten auch eine Zeit lang den wandelnden Leichnam zusammen. Ja, Kaffee! Wissen die Hesren, wovon die Nürnberger Nothleidenden Kaff se kochen? Aus Träbern, gebetiellen Trävern, welche ursprünglich für die Schweine bestimmt sind, für Schweine, deren Fleisch von den„Saulen“ der Gesellschaft verzehrt werden. Diese Träber werden getrocknet, gedörrt und gemahlen und dann
wird„Kaffee“ davon gekocht. Eine„delikate“ Mahlzeit ist auch„geronnenes Ochsenblut“, das ein mitleidiger Metzger herschenkt, mit gesottenen Kartoffeln, aber ohne Salz, denn um Salz zu kaufen, dazu braucht man Geld, und das Geld befindet sich nicht in den Händen derer,
welche es erarbeitet, wahrhaft verdient haben, sondern in
den hermetisch verschlossenen Feuerfesten Derjenigen, welche sich voll Grauen abwenden von dem übelriechenden, von Frost geschüttelten, vom Hunger gepeinigten Volk, welches ,„kein Recht auf Arbeit“, dafür aber das Recht auf den Hunger, die„Freiheir“zum Verhungern hat.“
Darmstadt. Ein hiesiger Geschäftsmann läßt der⸗ malen im biesigen Gesängniß durch eiwa 30 Strafge⸗ sangene Charpie zupfen, die nach Rußland bestimmt ist.
Darmstadt, 25. April. Der Irvingianer Woringer hält hier Vorträge im„Darmstädter Hof“. Derselbe sprach gestern über„die heilige Taufe“. Dabei kam es zu argen Scandal ⸗Scenen, indem sogar Feruerwerks-Körper abge⸗ brannt wurden. Der Vortragende, welcher sich anfänglich durch keinerlei Zwischenbemerkungen unterbrechen ließ, forderte schließlich, als der Scandal immer ärger wurde, die zahlreichen„Ungläubigen“ auf, das Local zu verlassen, und requirirte die Schutzmannschaft.
Allerlei.
Petersburg. Der h. Synod hat nach 20 jähriger ununterbrochener Arbeit die erste russische Bibel-Ueber⸗ setzung zu Stande gebracht. Dieselbe ist von der Kirche und dem Zaren bestäligt worden. Die von der enlglischen Bibel⸗Gesellschaft veranstaltete russische Uebersetzung der h. Schrift ist in Rußland verboten.
Rescht(Persien). Hier ist die Pest ausgebrochen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 25. April. Der heulige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Hen kostete je nach Qualität per Ceniner M. 4.60 6.50, Stroh per Centner M. 4 50—5., Butter 1. Qual. um Großhandel das Pfund M. 1.25 30, 2. Qual. M. 1.20— 25, im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.45 50, 2. Qual. M. 1.40—., Eier das Hundert gewöhnliche M. 4.—4.50., italienische M. 5.506. Kartoffeln per 100 Kilogr. Mk. 6.50—8, Erbsen geschälte, (per 100 Kllogr.) Mk. 38—40., ganze Erbsen M. 2428, Bohnen M. 22— 26, Linsen M. 38— 40. Ochsenfleisch per Pfund 70 Pf., Kuh- und Ninofleisch 50-60 Pf., Schweinefleisch 75 Pf., Kalbfleisch 55 65 Pf., Hammelfleisch 46-63 Pf.
Main 24. April. Producten-Markt. Waizen per Mai M. 27.—. Korn per Mai M. 19 25. Hafer per Mai M. 17.70. Rüböl per Mai M. 35.50.
D. Frankfurt a. M., 26. April. Die feste Grund⸗ tendenz der letzten Tage, welche sich trotz der schlimmen politischen Einflüsse, behaupiete, verstärkte sich heule zu einer nicht unerheblichen Steigerung, in Folge dessen der Verkehr eine recht freundliche Physiognomie gewann. In erster Linie waren es die besseren Notirungen der deulschen Körsenplätze, die dies günstige Resultat bewirkten und jerner zeigte sich ein Artikel der„Nordd. Allg.-Zig.“, der Hoffnungen auf die Lokalisirung des Krieges erweckte, der Entwicklung einer festen Stimmung förderlich. Außerdem machte aber auch die Nähe des Ullimo ihren Einfluß geltend, da sowohl hier als in Berlin immer noch ein starkes Deckungspedürfniß vorhanden erscheint, das in Ver⸗ bindung mit höheren Londoner und Pariser Notirungen ebenfalls zur Befestigung der Tendenz betrug. Die heute vorliegenden pollischen Nachrichten, welche einen Zusammen⸗ stoß der feindlichen Heere in kürzester Frist erwarien lassen, wurden durch die vorerwähnten Momente fast gänzlich paralysirt. Die internationalen Spekulat'onspapiere setzten ca. 1½ fl. über ihren gestrigen Niveau ein und blieben nach vorübergehender Abschwächung bis gegen Schluß in steigender Richtung. Creditaclien besserten sich gegen gestern Miltag ca. 2 fl., Staatsbahnactien profitirten noch mehr von der allgemein festeren Haltung und wurden außerdem speciell durch die letzie Mehreinnahme der Bahn von 137.000 fl. günstig beeinflußt; sie hoben fich ca. 3 ½ fl. über ihren gestrigen Schlußcours. Bei Schluß trat indeß auf schwächeres Berlin und Paris ein wenn auch nur unbedeutender Rückgang der Course der erwäbnien Werthe ein. Credilac ien bewegten sich zwischen 106¾ö—106— 3/3— ¼ und 106 ⅛, Siaatsbabnactien zwischen 166— 167½¼—166/ 167‘ und 167, Lombarden nahe 55. Von ausländischen Fonds schließen österr. Goldrente, welche zwischen 54½ und d 6 umgingen, 1 pCt. höher. Silberrente gewannen/ pCt., Papierrente 1½ pCt., ungar. Schatzbous je ½ pCl. Von Anlehensloosen blieben 1860 r 2½ pCt. besser. Oesterr. Bahnen wurden meist zu anziehenden Coursen gehandelt. Elisabeih stiegen I fl., Gal zier 2½ fl. Oesterr. Prioritäten preisbaltend oder höher. Von deulschen Bahnen hoben sich Hess. Ludwigs⸗ bahn ca. ½ pCt. Banken zogen größtentheils im Course an. Reichsbank schlossen ¼ pCt., österr. Nationalbank 7 fl. besser. Wechsel theurer, Wien M. 2½, Amsterdam unverändert. 5
Geld ⸗Cours. Frankfurt am 26. April 1877.
20 ⸗Frankenstücke Mk. 16 26—30
Englische Sovereign„ 20 35—40 Pussische Inde riases M e Holländische fl. 10⸗-Stücke„ 16 65 G. Ducaten;;; Ducaten al maren,„ Dollars in Gold„ 4 17—20
in


