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der Bezüge der Professoren technischer Anstalten und der Gerichts⸗Beamten, die Wahl⸗Reform und das Sicherheits⸗Gesetz. Die Kammer genehmigte das Präventiv-Budget für 1878 für das Justiz⸗ Ministerium.— Der Papst verschob heute die Audienzen wegen Unwohlseins.
— 23. Nov. Der Cardinal-Staatssecretär Simeoni theilte den Cardinälen in Berücksichtigung des Zustandes des Papstes mit, er wünsche mit ihnen über mehrere die allgemeinen Interessen des päpstlichen Stubles betreffende Acte zu berathen. Wahrscheinlich wird ein dirigirender Rath unter dem Vorsitz Simeoni's eingesetzt werden.
Türkei. Constantinopel, 22. Nov. Zu⸗ folge der Meldung, daß Kars gefallen, hat im Seraskierat unter dem Vorsitz des Sultans ein Kriegsrath stattgefunden, wobei die Entrollung der Khalifen⸗Fahne erörtert wurde. Der Sultan bat dies jedoch abgelehnt. Er erklärte, erst wenn Erzerum und Adrianopel in Feindeshand, wolle er jenes äußerste Mittel in Betracht ziehen. Die Pforte negociirt in London ein Anlehen von fünf Millionen Pfund. Dessen Erfolg ist gesichert.
— 22. Nov. Baker Pascha und Nedjib Pascha sind dem Generalstab Mehemed Ali's bei- gegeben. Chefket Pascha ist in Philippopel erkrankt und hat gebeten, hierher zurückkehren zu dürfen.
— 23. Nov. Von hier kommen fortwährend düstere Nachrichten. Die Volks-Stimmung ist furchtbar erregt. Plakate drohen neuestens dem Sultan mit Entthronung, Verhaftungen werden täglich vorgenommen.
— Die Notabeln von Serajewo haben dem Großvezir erklärt, die mohamedanische Bevölkerung Bosniens sei zu allen Opfern bereit, um das Land gegen eine eventuelle serbische Invasion zu vertheidigen.
— 24. Nov. Auf Vorstellung des Bot- schafters Layard, daß 60 griechische Schiffe zum Nachtheile des Handels anderer Länder mit be— sonderen Erlaubniß- Scheinen in das Schwarze Meer eingelaufen seien, hat die türkische Regierung drei griechische Schiffe mit Getreide am Eingang des Bosporus anhalten und durch das Prisengericht verurtheilen lassen. Neuerdings zeigte Layard der Pforte an, daß fünf grieschische Schiffe in
Nikolajeff mit Verladen von Getreide beschäftigt
seien, und knüpfte daran die Drohung, England werde die Anerkennung der Blokade verweigern, wenn diese Schiffe nicht entweder im Blokade— Rayon oder beim Passiren des Bosporus mit Beschlag belegt würden. Die Pforte hat ver- sprochen, dem Verlangen des Botschafters nachzu— geben. Essad Bey, der türkische Botschafter, in Wien, telegraphicrte an die Pforte, er habe An— drassy wegen einer Mediation sondirt. dessen habe darauf hingewiesen, daß die Mediation inopportun sei und im gegenwärtigen Augenblicke nicht angenommen werden würde. Seine Anfrage wegen Serbiens habe Andrassy dahin beantwortet, daß, falls Serbien in den Krieg eintrete, Oester— eich erwägen werde, worin seine eigensten Inte- ressen berührt werden.
— 24. Nov. Ein kaiserliches Jrade ordnet die Einberufung von 150,000 Mann Bürgergarde in Constantinopel und den Provinzen zur Auf- rechterhaltung der Ordnung an, im Falle der eventuellen Abwesenheit der regulären Truppen. Auch die Christen sollen in die Bürgergarde ein gereiht werden.— Eine Abtheilung von Insur— genten in dem Bezirke Jenevarosch wurde geschlagen.
Erzerum, 23. Nov. Mukbtar Pascha ist trotz der vor Erzerum eingetroffenen russischen Verstärkungen und der Aufforderung des russischen Ober⸗Commandeuts, die Stadt zu übergeben, zum Widerstande entschlossen.
Montenegro Cettinje, 22. Nov. Plamenatz griff mit 600 Mann 3000 verschanzte Türken bei Anamalite in der Nacht vom 18. auf den 10. Nov. an und erstürmte zwei türkische Schanzen, wurde jedoch schließlich mit Verlust von 100 Todten und Verwundeten zurückgeschlagen.
— 23. Nov. Der an der Nordspitze des Stes von Secutari gelegene Ort Lesendria und das benachbarte Insel⸗Fort Germomar werde von den Montenegrinern bombardirt. Seit der Be⸗
Dieser in
setzung Spizzas hat keine Vorwärtsbewegung der Montenegriner in der gleichen Richtung stattgefunden.
— 24. Nov. Die Montenegriner haben Muricie besetzt. Die Türken verließen die Schanzen bei Anamaliti und zogen sich nach Skadar zurück, wo sie von den katholischen Albanesen mit Flinten schüssen empfangen wurden, in Folge dessen es dort zum Kampfe kam. Die Montenegriner sind im Anmarsche auf Skadar.— Aus Cattaro wird gemeldet, daß das türkische Fort Chanj kapitulirt habe und den Montenegrinern kampflos in die Hände gefallen sei. Die Montenegriner bereiten einen Angriff auf die türkischen Forts Haje und Nehaj vor.
Rumänien. Bukarxest. Die rumänische Armee verläßt Bulgarien nach der Entscheidung vor Plewna.
— Bei dem Feld⸗Diner in Bogot am 22. d. brachte Großfürst Nikolaus einen Toast aus auf die Ehre der rumänischen Armee. Die rumänischen Divisionen unter Klanizeanu und Lupu sollen zu einem Corps vereinigt werden, das gegen Widdin zu operiren bestimmt ist. Der bisherige General- Secretär im rumänischen Kriegs- Ministerium, Oberst Falcojano, ist zum Chef des Generalstabes der rumänischen Armee bestimmt.
Griechenland. Athen, 23. Nov. Laut einem Consular-Bericht hat der grichische Minister⸗ Rath dem Kriegs-Minister einen Credit von 4½ Millionen Drachmen zur Beschleunigung der Kriegs⸗Vorbereitungen bewilligt. In Athen seien 36,000 Gewehre und 10 Millionen Patronen eingetroffen; weitere 25,000 Gewehre und 10 Millionen Patronen seien bestellt worden.
Rußland. Petersburg. Amtlich aus Bogot, 22. Nov. Ueberläufer sagen aus, daß in Rustschuk 30,000 Mann, bei Rasgrad 20,000 Mann stehen. Suleiman Pascha selbst stehe mit dem Rest bei Eski⸗Djuma, ein Theil bei Osman- Bazar. Alle Russen wurden durch Peabodpkugeln verwundet, während dies früher durch Snider- Kugeln geschah.— Am 19. Nov. gaben sämmt⸗ liche russische Batterien aus Anlaß der Einnahme von Kars eine Salve auf Rustschuk ab. Die Türken beantworteten das Feuer bis Mittags. In Rustschuk wurden die Batterien bei den Casernen demontirt und eine nach Pyrgos marschirende Lolonne durch wohlgezielte Schüsse zerstreut. Am 20 Nov. beschossen die Türken erfolglos unsere Posten auf der Nomagan-Insel und in der Nähe von Solenika.
— Amtlich vom Schipka Paß, 22. Nov. Gestern Abend bei dunklem Regenwetter machten die Türken einen Angriff auf die Batterie 3 am Nikolai Berg, wurden aber vom Irkutsk'schen⸗ Regiment zurückgeschlagen. Später eröffneten die- selben ein lebhaftes Gewehr und Geschützfeuer; ersteres verstummte um 9½, letzteres um 11 Uhr Abends.
— Die„W. Abend ⸗Post“ meldet von hier: Falls Rußland auf Eroberungen verzichtete, würde es den Ersatz der Kriegskosten fordern, welcher Leistung die Pforte indeß unfähig wäre. Vielleicht fände aber die Türkei eine befreundete reiche Groß- macht, welche ihr gegen ein passendes Pfand die Entschädigungs⸗Summe vorschösse. Rußland lehne die Rückerwerbung von Rumänisch-Bessarabien ab.
— 24. Nov. Bis jetzt basiren die Gerüchte von Capitulations- Verhandlungen mit Osman Pascha lediglich auf dem Erscheinen eines Par⸗— lamentäre Osman's im russischen Ha aptquartier.
— Officiell aus Kars: Die Garnison von Kars hat aus 32 Bataillonen Infanterie, 2400 Mann Artillerie und einer Brigade regulärer Ca— valerie bestanden. Außer den in den Spitälern gefundenen Verwundeten und Kranken haben wir 17,000 Mann, darunter 5 Pascha's und 800 Officire gefangen genommen. Auf unserer Seite operirten gegen Kars 39 Bataillone Infanterie. Unser Verlust beträgt 1 General, 30 Stabs- und Oberofficiere, 469 Soldaten todt; 43 Stabs- und Oberofficiere und 1790 Soldaten verwundet und contusionirt.
— Die„Voss Ztg.“ bringt ein Privattelegramm aus dem Hauptquartier zu Bogot, wonach wegen der bevorstehenden Capitulation Plewna's die so⸗
fortige Lieferung von 70,000 Soldaten ⸗Broden verlangt wird.
Amerika. aus Texas zufolge hat die Regierung don Mexiko den Grenztruppen anbefohlen, jede Invasion von Unionstruppen zurückzyweisen.
New⸗Nork. Einer Nachricht
Aus Stadt und Land.
Mainz. Einen seltsamen Besuch erhielt dieser Tage ein im ersten Stocke eines Hauses der Augustinerstraße wohnende Familie, welche eben bei dem Kaffee saß, als zu dem halbgeöffneten Fenster ein Bauernbube hereinflog, gerade auf den mit Kaffeekanne und Tassen bepflanzten Tisch. Der Bube nahm, weil ja Kinder ihren besonderen Genius haben, keinen Schaden; der sonderbare Besuch klärte sich aber dahin auf, daß der Bube auf einer hoch⸗ geladenen Strohsuhre saß und durch einen starken Ruck des nahe an den Häusern fahrenden Wagens in das Zimmer geschleudert wurde.
Allerlei.
Frankfurt, 24. Nov. Ein gestern stattgehabtes Billard⸗Tournier im„Cass Schierholz“ nahm einen sehr gelungenen Verlauf. Die Einrichtung war die, daß zuerst an vier Billards je ein Paac eine Parthie auf 100 Points unternimmt, alsdann die vier Sieger in der ersten Parthie paarweise an zwei weiteren Billards eine Parthie von 100 Carambolagen spielen, worauf die beiden Sieger des zweiten Ganges die Haupfparthie in gleicher Weise vollen⸗ den. Der Sieger erledigte seine drei Parthien(300 Caram⸗ bolagen) in 2 Stunden 32 Minuten, halte also in der Minute 2 Carambolagen gemacht. Den größten Erfolg einer einz lnen Parihie erzielte im ersten Gange ein(im zweiten Gang jedoch unterlegener) auswärtiger Spieler mit 100 Carambolagen in 25 Miskiten.
Fechenheim. Zur Berichtigung der Notiz, den Mord in einem hiesigen Tanzlocale betreffend, wird mit⸗ getheilt, daß kein Streit, weder auf einem Tanzboden, noch an einem anderen Orte, stattfand. Der Ermordete, ein braver junger Mann Namens Friedrich Engelhardt aus Eckenheim, war im Gasthaus zur Stadt Offenbach auf dem Balle und ging mut seinen deiden Collegen einen kleinen Spaziergang im Freien machend, die Straße nach der Mainkur. Als dieselben einige Häuser weit gegangen, kam der Mörder, ein Fechenheimer Namens Wilhelm Edel und stach dem besagten Engelhardt, ohne ein Wort zu sprechen, mit einem kleinen Taschenmesser in den Hals, was den sosortigen Tod herbeiführte. Da der Mörder nicht auf dem Balle war und an demselben Tage keine Zusammenkunft mit Engelhardt hatte, so ist anzunehmen, daß er eine geplante Rache ausgeübt, denn vor 14 Tagen verfolgte er den Ermordeten unter Drohungen bis an die Offenbacher Brücke. Der Mörder war gleich geständig und wurde noch in derselben Nacht verhaftet und nach Bergen abgeführt. Die ganze Einwohnerschaft von Fechen⸗ beim it ob der großen Rohheit sehr aufgebracht.
Zeitz. Eine arge, nur zu gerechtfertige Aufregung berischt seit wenigen Tagen in allen Schichten der hiesigen Bevöskerung. Einer unserrr Fleischer hat ein schwer⸗ k ankes Rind gekauft und dessen Fleisch geschäftsmäßig an die Kundschaft verkauft. Soviel sich übersehen läßt, mögen egen hundert Personen in Folge des Genusses des Schind⸗ angerstoffes krank darniederkiegen. Das Thier ist in aller Slülle eingebracht und von dem betreffenden Fleischer zu einem Preise erworben worden, der kaum mehr beträgt, wie die üblichen Preise, welche Abdecker für gefallene Slücke zahlen. Ein zweiter der hiesigen Fleischer gibt in der hiesigen Zeitung die Erklärung ab, daß er von dem fraglichen Rind zwar eine Quantität Fleisch zugeschickt erhalten, solches aber nicht weiter verbraucht, sondern so⸗ ort an den einbringenden Fleischermeister zurückgeschickt babe. Der vorliegende Fall, welcher natürlich Gegenstand slrenger Untersuchung geworden ist, fordert auf's Neue dazu heraus, die Lebensmittel Polizei mil drakonischer Strenge auszuüben.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 24. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1 10—15, Eier per Stück 8 Pf.
Gießen, 24. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfund M. 1 15—20, Eier per Stück 7— 8 Pf., Tauben das Paar 50 Pf., Hühner per Stück 70 Pf., Hahnen per Stück 55 Pf, Enten M. 180, Gänse per Pfd. 50 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M; 6 60
Frankfurt, 24 Nov. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 42, Nr. 2 M. 38, Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30. Nr. 5 M. 24. Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 25., do. II.(Berliner Marke) M. 21. Waizen eff. htesiger ab Bahnvof hier M. 23.— 24., ab unserer Umgegend M. 22 23., do, fremder je nach Qual. M. 23.— 25. Korn je nach Qual. M. 17— 18 Gerste M. 18— 24. Hafer M. 13— 17. Kohlsamen M. 36.— 37 Erbsen M. 21.— 24. Wicken M. 17. Linsen M. 21.— 30. Rüböl, detall M. 83 Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 24. Nov. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualltät per Cent. M. 2.20—3.30, Stroh per Cent. M 2.2.50. Butter im Großen kostete 1. Qual. M. 1 10, 2. Qual. M. 1., im Detatl 1. Qual. M. 1.2030, 2. Qual. M. 1 10—15 Eier per 100 M 5 50—7 60. Weißkraut per 100 M. 13.—14 Kartoffeln M. 5 506.50 Hasen M. 3. per Stück. Erbsen per 100 Kilogramm, geschälte M. 28.—33. ganze M. 24.—28. Bohnen M. 25— 28. Linsen M. 30.—36. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd.
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