Allerdings habe Marschall Mae Mahon Recht gehabt, zwischen den Majoritäten des Senats und der Kammer zu wäblen. Man sage ferner, die Minister seien keine Republikaner. Die Ver⸗ fassung von 1875 lege aber auch den Ministern keine derartige Verpflichtung auf und greife über- haupt der Zukunft nicht vor. Unter den 365 De- putirten, welche die Tagesordnung gegen das Ministerium beschlossen haben, befanden sich 35 In⸗ transigenten, Coalition gegen Coalition. Ich ziehe die unsrige vor. Was den Vorwurf klerikaler Umtriebe betreffe, so sei das Ministerium der Kirche zugethan, ohne jedoch irgend welchen Grundsatz öffentlichen Rechts verleugnen und ohne sich in religiöse Umtriebe oder Krieg verwickeln zu wollen. Diese Manöver waren beim Auslande erfolglos und würden es auch im Lande sein. Das Land werde nichts ändern bei der Wahl zwischen Marschall Mae Mahon und dem Dictator von Bordeaux. Nachdem noch Berenger ge— sprochen, wird die weitere Debatte bis auf morgen vertagt.
— 21. Juni. Das Abgeordnetenhaus be— schloß im weiteren Versolg seiner heutigen Sitzung trotz der dringenden Vorstellungen des Finanz- ministers Caillaux, welchem Gambetta antwortete, die Regierung brauche nur sogleich die allge⸗ meinen Wahlen auszuschreiben, damit die nächste Kammer noch rechtzeitig für die Session der Ge— neralräthe die directen Steuern bewilligen könne, mit 354 gegen 160 Stimmen, für jetzt in keine Debatte über diese dierecten Steuern einzutreten. Dagegen wurden die für das Kriegsministerium zum Liquidations⸗Conto erforderten Nachtrags⸗ Credite einstimmig bewilligt.
— 22. Juni. Der Senat hat den Antrag auf Auflösung der Deputirten-Kammer mit 150 gegen 130 Stimmen angenommen.
Belgien. Brüssel, 21. Juni. Der Con- greß der Gesellschaft zur Erforschung des Innern Afrikas ist gestern unter dem Vorsitze des Königs zusammengetreten. Zweck der Versammlung ist, über die Zusammensetzung der ersten Station in Afrika zu beschließen, welche zur Unterstützung der Forschungs⸗Reisenden errichtet werden soll. Es wurden verschiedene Vorfragen discutirt und findet die Fortsetzung der Berathung heute statt. Die Mittel zur Ausrüstung der ersten Expedition sind vorhanden.
Italien Rom. Der Papst bat, wie der „Italienische Courier“ mittheilt, den Baron Felix v. Los in den römischen Grafenstand erhoben und dem Erzbischof von Köln und dem Bischof von Paderborn ein Asyl in Rom eingeräumt.
— 22. Juni. Im heutigen Consistorium er⸗ nannte der Papst Apostini zum Patriarchen von Venedig, ferner drei Bischöse für Italien und drei für Spanien. Zu Cardinälen wurden er— nannt: Mihalovie(Agram), Kutschker(Wien) und Parocch!(Bologna).
— Die klerikalen Journale veröffentlichen eine Allocution des Papstes an die Cardinäle anläßlich des Consistoriums. Der Papst constatirt die große Zahl der Pilger, welche aus allen Ländern ge⸗ kommen sei, um kostbare Geschenke zu überbringen. Er dankt Gott für die Anhänglichkeit der Gläubigen, welche ihn für Beleidigungen entschädigt hätten.
Türkei. Constantinopel, 22. Juni. Heute Morgen wollten russische Boote auf der Moka ⸗Insel landen, eines derselben wurde jedoch von einer ägyptischen Batterie in den Grund ge⸗ schossen und die anderen zum Rückzug gezwungen.
— 22 Juni. Die Pforte übergab heute den Vertretern der fremden Mächte eine Note, worin sie erklärt, daß die Schifffahrt auf dem Suez⸗ Canal für neutrale Schiffe frei sei. Die Pforte werde aber Maßnahmen gegen feindliche Schiffe treffen.
Montenegro. Cettinje, 23. Juni. Die Montenegriner, der erdrückenden Macht der Türken weichend, gaben die Dugapässe auf und bezogen Stellungen unter Ostrog. Fünf Pascha's mit 40 Bataillonen, 20 Kanonen und 5000 Pferden, welche Proviant mitführten, griffen am 18. Juni die Montenegriner an. Nach sechstägigem unaus⸗ gesetzten Kampfe und dem Verlust von 7000 Mann
seitens der Montenegriner, sowie einer großen Menge von Waffen ging Suleiman Pascha heute auf das linke Ufer der Zeta hinüber, um sich mit Ali Saib Pascha bei Spuz zu vereinigen. Die beiden Corps marschiren nunmehr vereinigt gegen Cettinje.
Rumänien. Bukarest. Der Senat ver- handelt über eine neue Convention mit Rußland, betreffend die Cooperation det rumänischen Armee jenseits der Donau. Der Rücktritt Rosetti's vom Präsidium der Kammer erfolgte wegen eines Zer⸗ würfnisses mit dem Minister⸗Präsidenten Bratiano, welcher ebenfalls kaum lange mehr an der Spitze der Geschäfte bleiben wird.
— 22. Juni. Der Zar und der Großfürst Nikolaus sind zu 48 stündigem Aufenthalt nach Braila abgereist, um die neu eingetroffenen zwei Armee Corps Revue passiren zu lassen. Der Großfürst Alexis wird morgen in Braila erwartet. Das Hauptquartier wird sodann Plojesti verlassen und wird wahrscheinlich nach Alexandria verlegt.
— 22. Juni. Bei Ghezit haben mehrere
Recognoscirungen stattgefunden. Gestern über— schritten 200 Russen in Barken die Donau bei Galatz. Bemerkenswerth war, daß das jenseitige Ufer von den Türken nicht besetzt war. Gegen 6000 Russen haben in der letzten Nacht von Galatz aus die Donau übersetzt; Kosacken, Pferde und Karren wurden auf Flößen, die mit Schutz- vorrichtungen versehen waren, die Infanterie auf Barken übergeführt. Nach der Landung am türkischen Ufer schlugen die Truppen nicht die Richtung längs der Donau ein, sondern zogen sich hinter den Bergen bei Matschin ins Innere des Landes, indem sie sich nach einem hartnäckigen Kampfe mit Baschi⸗Bozuks der Matschin be— herrschenden Höhen bemächtigten. Der Kampf währte vom frühesten Morgen bis Mittag. Die Einnahme von Matschin steht bevor. — 22. Juni. Der Zar wird heute Nacht in Braila erwartet.— Das neunte russische Armee Corps, welches den rechten Flügel der Russen bildet, marschirt läags des linken Aluta-Ufers gegen die Donau.
— Die Nachricht von gegenseitigen Truppen
auf aufmerksam zu machen und find sicher, daß unsere so thätige Polizei ihr Augenmerk barauf richtet.
—r— Bad⸗Nauheim. Die diesjährigen vorzüg⸗ lichen Leiffungen der Nauheimer Kurkapelle haben sich bis jetzt die allgemeine Anerkennung erworben und. ist der zahlreiche Besuch der Kurbausterrasse während der muft ka⸗ lischen Vorträge hierfür Zeuge. Auch in wirtbschaftlicher Beziehung ist Alles aufgeboten, um die Besuchenden in jeder Hinsicht zufrieden zu stellen.
Darmstadt. Die 32. Jabresversammlung deutscher Philologen und Schulmänner wird vom 26. bis 29. Sep⸗ tember d. J. in Wiesbaden staffinden. Vom bessischen Schulministerium ist, unter ausdrücklicher Anempfehlung des Besuchs, angeordnet worden, daß den Lehrern der Gymnasten und Realschulen der erforderliche Urlaub für die fraglichen Tage zu ertbeilen sei, im Falle diese Tage nicht ohnehin in die Ferien fallen.
Mainz, 21. Juni. Gestern Nachmittag kurz vor 5 Uhr wurde dem Nangirmeister Mai aus Bretzenheim in der Nähe des biesigen Zollamtsgebäudes der eine Fuß abgefahren, der andere stark verletzt. Demselben wurden beute im Hospital, wohin er verbracht wurde, beide Beine amputirt.
Allerlei.
Lahr. Der Urheber des großen Schulbausbrandes ist nun, wie der„Bad. Lözta.“ mitgetheilt wird, ermittelt und zwar in der Person eines 9½jährigen Knaben, welcher durch eine offen gebliebene Thüre auf den Speicherraum des Gebäudes gegangen war, dort mit Zündbölzern einige Späne in Brand setzte seiner Meinung nach das ent⸗ standene Feuer auch wieder austrat, unzweifelhaft aber dadurch die schreckliche Katastrophe berbeiführte. Der jugendliche Uebelthäter hat gestern und beute vor dem Amtsverweser Lang, seinem Klassenlehrer und seinem Großvater ein umfassendes Geständniß abgelegt.
Deutz, 21. Juni. Ein großer Tbeil der hier dem Cöln⸗Mindener Babnbofe und dem Postamte gegenüber gelegenen, zu den Kürassier⸗Kasernen gebörigen Pferde⸗ Stallungen ist in vergangener Nacht ein Raub der Flam⸗ men geworden. Eine furchtbare Feuersäule stieg um 10 Ubr gestern Abend gen Himmel und leuchtete bis Kalk. Es war ein schauderhafter Anblick wie alle die Hunderte von Pferden in dem Hofraum der Kaserne, in den Straßen von Deutz und sogar außerhalb der Stadt, theilweise stark verbrannt verzweiflungsvoll umherliefen. Unalücklicherweise war zur selben Zeit ein Theil der nach Köln führenden Schiffbrücke abgefahren. Mehrere Pferde übersprangen die Barrieren und fanden in den Wellen ihren Tod. Sechs Stück waren beute bereits geländet, etwa 16 sollen noch vermißt werden. Ueber die Entstebung des Feuers ver⸗ lautet noch Nichts. Die Kölner Feuerwehr erschien erst gegen 11 Uhr auf der Brandstätte, weil es gleichzeitig auch in Köln brannte.
Neustadt a. d. H., 20. Juni. Heute Nachmittag fiel in der Nähe ein Wolkenbruch, der einen ungeheuren
Bewegungen an der cussisch⸗österreichischen Grenze find unbegründet. Die„Agence russe“ versichert ferner wiederholt, daß Serbien striete Neutralität bewahren werde. ö
Rußland. Petersburg, 19. Juni. Vom asiatischen Kriegs schauplatz geht folgendes Tele— gramm ein: Am 16. Juni lieferten 12,000 Türken bei Sevdikan 20,000 Russen eine Schlacht, welche von früh Morgens bis 2 Uhr Nachmittags währte. Die Türken wurden geschlagen, verloren 600 Mann und mußten sich auf Delibaba zurückziehen. Ferik Mehemed Pascha, der Commandant der Türken, wurde getödtet. Der englische Militär- Attaché, General Kambell, kam stark ins Gedränge; er und seine Suite wurden von Kosaken verfolgt. — Mukhtar Pascha befindet sich in Koeprikoi.
— 23. Juni. Nachrichten vom asiatischen Kriegsschauplatze melden, daß Mukbtar Pascha von zwei russischen Armeecorps angegriffen wurde. Das Resultat der Schlacht ist noch unbekannt.
Amerika. Washington, 21. Juni. Im Territorium Idaho haben sich die Indianer erhoben und die Truppen zurückgetrieben. Von Letzteren wurden ein Capitän und 27 Mann ge- tödtet. Der Gouverneur telegraphirte hierher um Verstärkung, da ein allgemeiner Krieg Seitens der Indianer bevorstehe.
Aus Stadt und Land.“
Friedberg. Die Kirschbäumchen an der neuen Brücke an der Nauheimer Chausse werden eben wieder auf eine scandalöse Weise verwüstet. Die Kirschen sind noch nicht einmal reif, sie fangen erst an, sich zu färben und schon sind ganze Aeste der Bäumchen geknickt und herabgerissen. In der frühen Morgenstunde, nach Tische und Abends treibt sich eine zuchllose Rotte von Buben und Mädchen dort herum, die mit Steinen werfen, die Bäumchen erkleitern und die Aeste abreißen. Auch die jugendlichen Sauerwasserträger helfen getreulich die Bäumchen zer⸗ stören. Ermahnungen und Drohungen seitens der Passanten werden durch beispiellose Unarten erwiedert. Hier kann nur eine fortgesetzte Wachsamkeit durch die Polizei und die, Gendarmerie belsen. Wit wolllen nicht versäumen, hier⸗
Schaden hier und in der Umgegend anrichtete.
New⸗Pork, 21. Juni. Die Stadt St. Johns in Neu⸗Braunschweig(Canaba) wurde von einer großen Feuersbrunst beimgesucht, welche gestern begann und bis beute früb 3 Uhr dauerte. Auf einer Fläche von 200 Hectaren, das Haupt Handels Quartier umfassend, wurden alle öffentlichen und Privat⸗Häuser eingeäschert. Der Schaden wird auf 10 bis 15 Millionen Dollars ange⸗ geben. Zehntausend Menschen sind obdachlos.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 23. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.20—30. Eier 1 Stück 6 Pf., 2 Stück 13 Pf. Gießen, 23. Juni. Wochenmarkt. Bulter per Pfund M 1.25. Eier per Stück 6 Pf. Käse per Stück 4 9 Pf. Tauben das Paar 65 Pf. Hübner ver Stück 90 Pf. Habnen per Stück 80 Pf. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 8 50.
Frankfurt, 22. Juni. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 43., Nr. 2 M. 39., Nr. 3 M. 35., Nr. 4 M. 31, Nr. 5 M. 25. Roggenmebl /,(Berliner Marke) M. 28, do. J!(Berliner Marke) M. 23., Weizen ab Bahnhof bier M. 26.50., ab unserer Umgegend M. 26 26.25. fremder je nach Qual. M. 22— 26. Korn M. 17 2050., Gerste M. 19—21., Hafer M. 1317. Erdien M. 2124. Wicken M. 17.50. Linsen M. 21-30. Rüböl M. 72.—. Die Preise derneben sich sämmtlich per 200 Pfund Zoll⸗ Gewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 23. Juni. Der beutige Heu- und Strob⸗ Markt war gut vefabren. Heu kostete je nach Qualität per Centner M. 35. Strob per Centner M. 3—4. Neues Heu M. 2 503. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qual. M. 1.10, 2. Qual. 95 Pf. bis M. 1—.; im Kleinbandel 1. Qual. M. 1.20—30., 2. Qual. M. 1.10 bis 1.15. Eier, das Hundert gewöbuliche M. 4.50., italienisce M. 5 60. Kartoffeln M. 8—9.
Moin 23. Juni. Uroducten⸗Markt. Wales ver Juli 23 60., per Nov. 22.10. Korn per Juli 16 30. per Nov. 1595. dau, der Juli 15 20. Rüvol per Juli—.—., per Oct. 34.75.
Marburg, 23. Juni. Wochenmarkt. Butter kosteie per Pfund M. 1151.30 Eier 2 Stück 10 Pf. Käse per. Stück 10—13 Pf. Tauben das Paar 70—75 Pf. Kopfsalat 5—6 Köpse 10 Pf. Kirschen per Pfd. 50 Pf.
Lehrlingsgesuch.
eintreten, ebenso in meiner Buchdruckerei.
Carl Bindernagel.
1813 anfange
dahier Volke Wieser meistor Orund können eingese Di
O0 2000 sollen
öffentl.
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1986


