Ausgabe 
26.4.1877
 
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der Behörden. Der Kaiser fuhr durch die festlich beflaggte Stadt nach dem Schlosse. Trotz des flarken Schneefalls batte sich eine große Menschen⸗ menge zur Bewillkommnung eingefunden. Der Kaiser stattete alsbald den hier wohnenden Fürst⸗ lichkeiten Besuche ab, und wohnte Abends der Theater⸗Vorstellung bei. Am 23. April nahm der Kaiser die Vorträge des Civil Cabinets und der Vertreter des auswärtigen Amtes v. Bülow ent- gegen, Abends besuchte er das Concert im Theater, worauf Serenade und Beleuchtung des Schloß platzes stattfand.

Wie man bört, wird kein Offizier der deutschen Armee die Erlaubniß erhalten, im russischen oder türkischen Hauptquartier den Feldzug mitzu⸗ machen. 0

Nach einer halbofficiösen Angabe schicken die Großmächte nochmals Deputirte nach Con- stantinopel, deutscherseits gehe Prinz Reuß dahin.

Ausland.

Großbritannien. London, 23. April. Nach dem bekannt gewordenen Resultate der Be sprechungen Layard's mit den türkischen Ministern und fremden Geschäftsträgern, namentlich Nelidoff, hält man eine friedliche Lösung der obwaltenden Wirren für unmöglich. Die englische Mittel- meer Flotte wird durch das Canal ⸗Geschwader verstärkt werden.

Türkei. Constantinopel, 23. April. Der russische Geschäftsträger v. Nelidoff ist nebst dem gesammten Personal der Botschaft und des Consulats abgereist.

Rumänien. Bukarest. Die Pforte hat mit Berufung auf den Vertrag vom Jahre 1858

und anläßlich der rumänischen Truppenconcentrirung

Rumänien aufgefordert, sich mit ihr in's Einver nehmen zu setzen zur Vertheidigung des durch eine Invasion der Russen bedrohten rumänischen Gebietes.

Die rumänische Presse spricht sich lebhaft gegen die von Bourke im englischen Parlament gegebene Erklärung aus, daß Rumänien einen Theil des türkischen Reichs bilde.

24. April. Eine kleine Abtheilung russischer Truppen ist gestern dahier angelangt. Weitere kleine Abtheilungen russischer Sapeurs überschritten heute die Grenze, andere Truppen ⸗Abtheilungen

folgen. Die Regierung erklärt, der Gewalt nachzugeben. 24. April. Die rumänische Eisenbahn

traf mit der russischen Militär- Verwaltung Ver- abredungen wegen täglichen Truppen⸗Transportes von 5000 Mann.

Die rumänische Regierung protestirte formell auf das Schreiben des Großvezirs, betreffend die gemeinsamen Maßregeln zur Vertheidigung des Landes.

Montenegro. Cettinje. Die Monte⸗- negriner haben ihre Bewegungen begonnen. Die dritte Abtheilung unter Pero Jokasco ist in Ban jani eingetroffen. Die Türken machen Vor⸗ bereitungen zum Eindringen in den Duga- Paß. Suleiman Pascha wertet dem Anscheine nach noch auf Zuzug von Truppen aus Bosnien, um die Feindseligkeiten zu beginnen.

Rußland. Petersburg, 22. April. Das russische Rundschreiben wird an die betreffenden Orte am 23. April übergeben, einen Tag vor dem Erscheinen des kaiserlichen Manifestes und der Kriegserklärung.

24. April. Das erlassene Manifest des Kaisers gipfelt in der Erklärung, daß nach der Verwerfung des Protokolls und in Folge der hartnäckigen Weigerung der Pforte, auf die be rechtigten Forderungen Europa's einzugehen, der Augenblick des selbstständigen Handelns für Ruß⸗ land eingetreten sei In der Circular⸗Depesche des Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff heißt es: Nunmehr werde durch Waffengewalt Das an- gestrebt, was Europa vergebens auf friedlichem Wege zu erreichen gesucht habe; Rußland glaube dabei dem Interesse Europas zu entsprechen.

24. April. Der Kaiser hat bei der Be sichtigung der Truppen des neunten Armee⸗Corps an die Offiziere folgende Worte gerichtet:Falls

ö

Ihr mit dem Feinde zusammenstoßet, so zeigt Euch brav und haltet den Ruf Eurer Regimenter auf recht. Ich hoffe, die jungen noch nicht im Feuer gewesenen Truppen werden den alten nicht nach⸗ stehen und bemüht sein, sich diesen gleichzustellen. Der Kaiser wurde enthusiastisch begrüßt.

Kischeneff, 24. April. Heute Morgen 9 Ubr besichtigte der Kaiser einzelne Truppen⸗ theile des achten Armee-Corps und hielt eine Ansprache an die Truppen, worin er sagte: Es thut mir leid, Euch in den Kampf schicken zu müssen; ich habe so lange als möglich gewartet. Ist aber einmal die Ehre Rußlands angegriffen, dann, dessen bin ich gewiß, werden Alle bis auf den letzten Mann verstehen, dieselbe zu wahren und zu vertheidigen.

Aus Stadt und Land.

Darmsta dt, 24 April. Das mit der höheren Mädchen⸗ schule verbundene Lebrerinnen Seminar wurde gestern mit 35 Schülerinnen eröffnet; da noch weitere Anmeldungen vorliegen, so wird wohl die Zahl von 40 erreicht werden, über welche vorerst nicht binausgegangen werden kann.

Darmstadt. Der Griesheimer Artillerie-Schießplatz soll um 2500 Morgen, für deren Ankauf über 1,700,000 Mark vo gesehen sind, vergrößert werden.

Allerlei.

Frankfurt. Vor einigen Tagen stürzte von drei 5

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des Verkehrs keine weitere Abschwächung der Coutse slatt⸗ vielmehr vermochten sich bieselben gegen Schluß vermulh⸗ lich auf hiesige und Berliner Deckungskäuse, wieder etwas zu bessern. Diese Erscheinung einer gewissen Festigkeit bei ermäßigten Coursen ist schon gestern hervorgetreten und dürfte theilweise auf den geringen Umfang ber gegenwärtig schwebenden Engagements theilweise aber auch auf den Umstand zurückzuführen sein, daß man auf die vor dem ständlich zu erwartenden Ausbruch des Kriegs stalifinden⸗ den Exeignisse schon hinlänglich gefaßt war. Das Geschäft war im Allgemeinen ohne erbebliche Regsamkeit. Credit⸗ actien bewegten sich zwischen 104½/ ½ und 104¼, Staatsbahnactien zwischen 166¼½// und 165%, Lombarden nahe 55½. Von ausländischen Fonds gaben österr. Goldrente 180%, Silbeirente und Papierrente je 91%, Ungar. Schatzvons I. Em.%, II. Em. 2¾0% nach. Von Anlehensloosen sind 1860 1%, 1864er M. 2 matter. Oesterr. Prioritäten sind größ ensheils niedriger. Auch österr. Babnen verkehrten zu matteren Coursen. Galizier verloren fl. Bankfctien zeigten sich eben⸗ falls in der Mehrzahl abdgeschwächt. Oesterr. National⸗ bank schlossen 4 fl., Meininger und Darmßädter je 1% niedriger. Wechsel beurer, nur Wien(90 Pf.) billiger.

Gesundheitspflege in Speise& Trank.

Die Zeitungen berichteten vor einiger Zeit über die außerordentlich günstigen Kurresultate, welche der in Hamburg lebende Sanitätsrath und praktische Arzt Dr. v. Düring in der bis jetzt allgemein für unheilbar gehaltenen Zuckerkrankheit(Diabetes mellitus) erzielt habe. Durch ein ganz einfaches, allerdings der bis dahin üblichen Behandlungs-

Knaben im Alter von 5, 7 und 9 Jabren, die auf einem vor dem Boothause des Ruder-Clubs liegenden Floß spielten, der jüngste in's Wasser. Die beiden älteren ver suchten den Versunkenen zu retten, stürzten aber dabei selbst in den Fluß und brachten sich nur mit Mühe außer Gefahr. Jener war inzwischen durch mehrmaliges Unter- sinken bewußtlos geworden und kam nicht mehr empor; doch war er unter der Wasser⸗Oberfläche in ziemlicher Nähe des Ufers noch sichtbar, was einen in der Nähe befindlichen 14jäbrigen Knaben veranlaßte, ebenfalls die Rettung zu versuchen. Sie gelang ihm auch, denn er brachte das anscheinend ertrunkene Kind aus dem Waff r hervor. Er und ein anderer Knabe von gleichem Alter brachten das Kind auch wieder zum Bewußtsein.

Wien. Der Manulkorbzwang für Hunde ist durch die Regierung kürzlich wieder aufgehoben worden. Man hat die Erfahrung gemacht, daß durch den Maulkocbzwang die Krankheiten der Tbiere zunebmen.

London, 18. April. Der 16. und 17. April werden in den Jahrbüchern der Wettererscheinungen schwarz an- gestrichen werden. Ta und Nacht hindurch raste ein Süd⸗Ostwind und von allen Seiten her laufen abermals Nachrichten ein von gestrandeten Schiffen, ertrunkenen! Menschen und Thieren, überschwemmten Wegen und Eisen⸗ bahnen, weggerissenen Brücken und umgeschleuderten Häusern. Als Beweis des aufgeregten Standes der Themse melden die Zeitungen, daß inmitten der Hauptstadt, zwischen der Waterloo- und Charing-croß-Brücke, zwei durch Sturm verschlagene Delphine im Wasser gesehen wurden. Die Postdampfer erlitten bei der Kanalreise erheblichen Ausschub. Mehrere kleinere Schiffe strandeten,

Handel und Verkehr.

Friedberg, 24. April. Walzen M. 27.75. Korn M. 22.50. Gerste M. 20.50. Hafer M. 16-20. Kar⸗ toffeln M. 6.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund.

Frankfurt, 23. April. Der beutige Viebmarkt war gut befahren. Angetrieben waren: 450 Ochsen, 230 Kühe und Rinder, 220 Kälber und 160 Hämmel⸗ Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6668., 2. Qual. M. 6063. Kübe und Rinder 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 53 bis 55. Kälber 1. Qual. M. 63., 2. Qual. M. 50.. Hämmel 1. Qual. M. 51 54., 2. Qual. M. 49 50. Schweine das Pfund 60 Pf. ö

Frankfurt, 23. April. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 43., Nr. 2 M. 39., Nr. 3 M. 35., Nr. 4 M. 31, Nr. 5 M. 25. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 27., do. II.(Werliner Marke) M. 22., Weizen ab Bahnhof hier M. 28 50., ab unserer Umgegend M. 28., fremder je nach Qual. M. 22 28. Korn M. 19 21.50. Gerste M. 19 22. Hafer M. 15 18.50. Erbsen M. 2124., Wicken M. 17.50 Linsen M. 2130. Rüböl M. 74.. Die Preise versiehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zoll⸗ gewicht= 100 Kilo.

Moin,, 23. April. Mai 25.65. 17.35.

Producten-Markt. Korn per Mai 18 30. Rüböl per Mai 35.30.

Waizen per Hafer per Mai

D. Frankfurt a. M., 24. April. Die Ermatlung der Tendenz machte im gestrigen Abendverkehr in Folge flauerer Pariser Notirungen weitere Fortschritte und heute zeigten die Course der Hauptspekulationspapiere und anderer Werthe spekulativen Charakter's gleich bei Eröffnung ein niedrigeres Niveau. Es war für diese rückgängige Bewegung hauptsächlich die matte Haltung der Berliner und Wiener Börse maßgebend, denn trotz der einlaufenden politischen Nachrichten, unter denen das Kriegsmanifest des russischen Kaisers, sowie ein Auszug aus der Circulardepesche Gort⸗ schakoff's(nach welcher Rußland glaubt, dem Inkeresse Europa's zu enltsprechen, wenn es mit Waffengewalt gegen die Türkei vorgehe), zu erwähnen ist, fand im Verlaufe

weise zuwiderlaufendes Kurverfahren sei in 95 von ihm behandelten Krankheitsfällen der genann⸗ ten Art 47malvollkommene Heilung herbeige⸗ führt worden. Den obigen Mittheilungen war gleichzeitig die Bemerkung angefügt, v. Düring lehne es mit Entschiedenheit ab, als Specialist für Diabetes angesehen zu werden, und suche bei Ge⸗ sunden sowohl, als bei Kranken ohne Ausnahme durch vernünftige Regelung der Lebensweise refor⸗ mirend einzuwirken. Wer den Spruch des Hippo⸗ cratesMedicus naturae minister, non magister in seiner vollen Bedeutung als Maßstab an die ärztliche Kunstübung legt, wird an erster Stelle nicht fragen, wie und durch Anwendung welcher

Mittel der Hamburger Arzt zu solchen Kurresul⸗

taten gelange, sondern wie er über Gesundsein und Kranksein überhaupt denke. Die unlängst in zweiter Auflage erschienene Schrift:Wesen, Ursache und Heilung des Diabetes mellitus gibt über Letzteres genügenden Aufschluß. Wir beschränken uns hier in dieser Hinsicht auf einige Andeutungen. Von dem Grundsatze ausgehend, daß der Mensch nicht von Dem lebt, was er genießt, sondern von Dem, was er verdaut, gibt v. Düring Gesunden wie Kranken die Lehre:Genieße nur so viel, als Du wirklich verdauen kannst. Die weitere Verfolgung dieses Satzes in der ärztlichen Praxis führt ihn zu der Ansicht, daß bei der Entstehung der meisten landläufigen Krankheiten habituelle Genußsucht(Luxusconsumtion) im Spiele sei und jede Kur mit Einschränkung der Einfuhr, Förder ung der Ausfuhr(nicht etwa Abführen, sondern Lungen und Hautventilation) anzuheben habe. Demgemäß reicht v. Düring seinen Kranken eine qualitativ ausgezeichnete, aber streng einfache Kost, die Repräsentanten jeder Nährstoffklasse in sich schließt. Die gleichzeitig hiermit verbundene An⸗ spornung der Hautthätigkeit und der permanente Verkehr mit reiner Luft bewirken meist schon nach kurzer Frist ein Zurückgehen des Zuckers im Harne (Zuckermengen von 7 Procent gingen binnen einer Woche auf 0 zurück), während Verdauungsstör⸗ ungen regelmäßig wieder den Zuckergehalt ver mehren. Dr. v. Düring gehört überhaupt zu jenen Aerzten, die als Freunde der deduetiven Forschung auch in den von nichtossizieller, oft sogar von fanatischer und ungebildeter Hand eul⸗ tivirten Kurmethoden(Kaltwasserkur, Heilgym⸗ nastik ꝛc.) einen gesunden Kern erkennen und sich berufen fühlen, diese Systeme derWilden Mediein zu Methoden zu veredeln, nach dem Grundsatz,

daß man das Gute nehmen soll, wo es sich eben

findet. Wie wenig Verständniß indeß der größere Theil des Publikums für Heilmethoden hat, die auf die Anwendung von Mediein verzichten, erhellt daraus, daß man die Forderungen v. Düring's vielfach alsExcentricitäten bezeichnet, ihm selbst wohl gar den TitelHungerdoktor beigelegt hat. Eine klare Darlegung der Grundsätze v. Düring's