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des Präsidenten der Republik, seine Politik zu ändern, hat die Kammer der Deputirten die Pflicht, das Budget zu verweigern. Kein Budget, so lange nicht die Majorität der Kammer ein Mini sterium haben wird, zu dem sie Vertrauen haben kann. Die Bildung der Budget⸗Commisston aus lauter Republikanern mit vollständigem Ausschluß der Minorität gilt übrigens als erste Manifestation der republikanischen Majorität und ist nach hiesigem parlamentarischen Brauche unerhört.
— 21. Nov. Zum Vorsitzenden der Budget- Commission ist Gambetta gewählt worden.
Belgien. Brüssel, 21. November. Die Kammer nahm die Adresse in Beantwortung der Thronrede mit 54 gegen 34 Stimmen an und lehnte den Antrag Frere's ab, in die Adresse einen Passus aufzunehmen, wodurch die Regierung aufgefordert werden soll, das Treiben Derjenigen zu bekämpfen, welche die Verfassung der Mißacht⸗ ung der Bürger preisgeben.
Großbritannien. London. Der„Stan- dard“ verlangt, Rußland möge nicht nur diplomatisch, sondern auch durch nicht zu mißdeutende Hand- lungen gewarnt werden, daß es nicht über einen gewissen Punkt gehen dürfe, ohne mit England als erklärtem und entschlossenem Gegner rechten zu müssen.
Türkei. Constantinopel, 21. Nov. Wie von hier berichtet wird, geht die hiesige Garnison auf den Kriegsschauplatz und übernimmt die Bürger⸗ garde die Bewachung der Stadt. Telegramme aus Rasgrad berichten von unbedeutenden Recog- noscirungs⸗ Gefechten an verschiedenen Punkten. Mehemet Ali trifft Vorbeitungen, um Osman Pascha zu entsetzen.
Erze rum, 19. November. Türkische Posten wechselten gestern Gewehrschüsse mit dem Feinde bei Mondurke. Die türkischen Batterien beschossen die russischen Befestigungen südlich von Erzerum. In der Ebene patrouilliren kleine russische Ca⸗ valerie⸗Detachements nach verschiedenen Richtungen.
Montenegro Cettinje, 20. Nov. Vor- gestern zogen die Türken mit starker Macht von Skutari zum Entsatze Antivari's, wurden aber bei Mrkowice von 6 montenegrinischen Bataillonen geschlagen. Auf ihrem Rückzuge zerstörten die Türken die Bojana Brücke. Die Montenegriner nahmen heute das Spizza beherrschende Fort Nehab, nachdem sich Spizza am 16. Nov. ohne Wider- stand ergeben hatte. Fürst Nikita befindet sich in Antivari dessen Citadelle dem Bombardement der Montenegriner widersteht.
Serbien. Belgrad, 21. Vor den aus dem Paschalik Widdin in den Bezirk Pirot ein— gefallenen Tscherkessen fliehen Türken und Christen massenhast. In Folge der Annäherung der Tscher- kessen an die serbische Grenze forderte die serbische Regierung die Einwohner der Districte Negotin, Zaicar, Kujagevae und Alexinatz auf, sich zur Räumung ihrer Wohnstätten bereit zu halten.
Rumänien. Bukarest, 21. November. Einem Telegramm des„Romanul“ zufolge ist Rahova heute Vormittag 9 Uhr nach dreitägigem Kampfe von den Rumänen genommen worden. Die Türken entflohen, von den Rumänen ver— folgt, gegen Lom⸗Palanka und Widdin. Gleich- zeitig überschritt die Division Lupu die Donau bei Rahova. Unter den Truppen herrscht lebhafter Enthusias mus.
Griechenland. Athen, 20. Nov. Depu- tirtenkammer. Petmezas beantragte die Vorlegung der Berichte der Consuln über die von den türki— schen Soldaten in den griechischen Provinzen der Türkei begangenen Verbrechen und die von der Pforte in Folge dessen verfügten Anordnungen. Der Minister des Aeußern Trikupis lehnte dies ab und erklärte, er werde seine Pflicht thun, die Dokumente aber nicht jetzt, sondern zu geeigneter Zeit vorlegen.
Ruß land. Petersburg, 20. November. Gestern hielt der Großfürst Michael seinen feier— lichen Einzug in Kars und nahm die Huldigungen der Einwohner entgegen. Es ist nunmehr festge⸗ steut, daß die Garnison über 29,000 Mann stark war und die Russen nur mit 18,000 Mann attakirten. Die Stadt ist mit türkischen Kranken und Verwundeten überfüllt. Es herrscht Mangel an Aerzten. Die Kälte ist intensiv.
Moskau. Der„Mosk. Ztg.“ zufolge hat sich die Hauptmacht der Russen gegen Erzerum gewandt und haben dieselben in Kars nur eine Besatzung zurückgelassen.
Aus Stadt und Land.
Bruchenbrücken, 23. Nov. Vergangene Nacht brach hier Feuer aus, welches einen Stall nebst Scheuer in Asche legte. Ein Glück bei allem Unglück war noch, daß rusche Hülfe zur Hand war, sonst hälte namenloses Unglück bei dem heftigen Sturme entstehen könne.
Darmstadt. Die St gatsschuldenulgungscasse ver— wahrt nicht allein einen bedeutenden Betrag noch uner— bhobener Depositengelder, dieselbe hat auch von drei Ver— loosungen des im vorigen Jahre getilgten Rothschild'schen Anlehens(von 6½ Million Gulden) noch drei ebenfalls unbezogen gebliebene Preise von 169,990, 190,000 und 215,000, zusammen 574.990 fl. in Verwaorung. Das sind schöne Sümmchen, um derentwillen es sich für Besitzer olch hessischer Loose schon der Mühe lohnt, Papiete und Ziehungs⸗Liste zu revidiren.
Darmstadl. Auch bier wurden bereits von Studiren— den der polytechnischen Hochschule sebr günstig ausgefallene Versuche über die praktische Anwendbarkeit des Telephons angestellt.
Allerlei.
Frankfurt, 22. Nov. Gestern fanden im hiesigen Postgebäude ebenfalls Versuche mit dem Telephon stalt, die vortreffliche Resultate ergaben. Aufgestellt waren in zwei entfernt von einander gelegenen Zimmern zwei Telephone, verbunden durch einen Draht, der in Mainz zusammengeschaltet war, so daß von einem Zimmer der Post zum anderen die Entfernung über 80 Kilometer be— trug. Die Sätze, welche nur mit einfach deullicher Stimme gesprochen, nicht geschrieen wurden, waren klar und präcis auf beiden Apparaten zu hören. Es machte den Ein— druck, als wenn ein Bauchredner spräche, oder als ob der Ton dem Boden entsteige. Gesungene Liederverse konnten noch deuilicher verstanden werden. Bebufs Ausführung der Versuche war ein schwacher Inductionsstrom benutzt, der völlig zu den mitgetheilten Erfolgen ausreichte. Auch hier setzt man große Hoffnungen auf die neue, gewiß nech vielfach zu vervollkommende Erfindung.
Wiesbaden. Der„Reibn. Kur.“ erzählt folgendes Attentat im amerikanischen Geschmack:„Eine Dame, welche verflossene Woche von hier nach Frankfurt a. M. fuhr, traf in dem Coupé 2. Clesse mit zwei anderen Damen zusammen; nachdem ein Gespräch angeknüpft war, wurde sie von einer der Damen, welche einen Strauß in der Hand trug, gebeten, einmal daran zu riechen, was sie auch that. Die Dame wurde in Folge dessen schläfrig und verftel endlich in einen tiefen Schlaf, so daß sie bei der Ankunft geweckt werden mußte. Als sie nach Hause kam, gewahrte sie, daß ihre goldene Uhr nebst Kette ver— schwunden war.“
Stutigart. Hier hat der Socialdemocraten-Führer Holzwarsh der wegen Beleidigung der Richter zu einer Gefängnißstrafe von 3 Monaten verurtheilt, gegen eine Caution von 2000 Mark, die von seinen Parteigenossen aufgebracht wurden, aber freigelassen war, das Weite gesucht und die Parteigenossen sebr verblüfft zurückgelassen. Seht, ihr So ial⸗Democcaten, so führen euch eure Führer — an der Nase herum!
Braunschweig. Erkrankangen an Trichinose, soweit sie auf den Genuß von braunschweigischer Wurst zurück. geführt werden, teten(mit Einschluß der neuesten Nach richten) bis jetzt in folgenden Orten auf: Leipzig, Höxter, Emden, Holzminden, Oldendorf, Fürstenberg und— nach dem heulen„Tbl.“ in einem leichten Falle auch hier in Braunschweig.—
London, 20. Nov. In dem seit längerer Zeit gegen mehrere Deteclives schwebenden Strasprocesse wurde heute das Urtheil gefällt; dasselbe verhängt über Meikejohn, Drucovich, Palmer und Frogga: Zuchthausstrase von zwei Jahren; Clarke wurde freigesprochen.
D. Frankfurt a. M., 22. November. Wir haben heute über eine sebr günstig disponirte Börse zu berichten. Man eröffnete auf höhere Berliner und Wiener Course in fester Tendenz, die im Laufe des gegen gestern ziemlich belebten Verkehrs successive an Intensitäl gewann. Na⸗ mentlich war es Berlin, welches gegen Schluß den Anstoß
zu einer formidablen Hausse, die sich unter fast slürmischer Nachfrage vollzog, gab. Wie es scheint, ist man in Berlin gewillt, an der nach oben gehenden Richtung sestzuhalten und sich dusch die an die englische Regierung gerichtete Mahnungen des„Standard“, sowie durch die Meldungen aus Frankreich, die für eine Lösung des inneren Conflikts nicht tröstlich lauten, nicht irre machen zu lassen. Außer⸗ dem mögen auch Deckungskäufe der dortigen Contremine wegen des herannahenden Ultimo dazu beige tragen haben, die Course in die Höhe zu treiben. Creditactien bewegten sich zwischen 174/— 175½— 174%—177½ und 177, Staalsbahnactien zwischen 217½—218/ö—218—221¾ und 221. Lombarden notirten 67. Oesterr. Bahnen waren recht belebt und meist besser. In Galiziern fand ein hervorragendes Geschäft zu steigendem Course statt. Dieselben variirten zwischen 207/— 208½— 208 und 209. Die Nachricht, daß die Gesellschaft der Bahn ein zweites Geleise legen lassen wolle, wurde dementirt. Elb⸗ bal und Donau Drau gefragt. Prioriläten preishaltend. Von ausländischen Fonds Oesterr. Renten still, aber fest. Ungarische Schatzbons anziehend. Russen höher. Neue Russen à 76% in gutem Begehr. Amerika elwas schwächer. Banknoten theilweise besser. Von Wechseln Wien theurer und Amsserdam schwächer. Privatdisconto 35 pCt.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 21. Nov. Der heutige Heu⸗ und Stroh⸗ Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Cent. M 2.50—3 40, Stroh per Cent. M 2.10— 2.30. Butter im Großen kostete 1. Qual. M. 1 10, 2. Qual. M. 1., im Detail 1 Qual. M. 1 30, 2. Qual. M. 1 15 20. Eier per 100 M. 6—7 60. Weißkraut per 100 M. 10.—15. Erbsen per 100 Kilogramm, geschälte M. 26.—28. ganze M. 21.—24. Bohnen M. 28.— 30. Linsen M. 30.—36. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfund 75 Pf. Rindfleisch 6063 Pf., Kuhfleisch 5560 Pf., Kalbfleisch 65 Pf., Hammelfleisch 55 63 Pf., Schweinefleisch 75—80 Pf.
Mainz, 21. Nov. Producten- Markt. Weizen per Nov. M. 22.70, per März M. 22.5. Korn per Nov. M. 15 35, per März M. 15 40 Hafer per Nov. M. 15.40, per März M. 15.50. Rüböl per Mal M. 38.15.
Geld Cours. Frankfurt am 22. November 1877.
20⸗Frankenstücke Mk. 16 23 27 Englische Sovereigns 5.„ 20 31—46 Russische Imperlale s 1 68 73 Holländische fl. 10⸗-Stücke, i e n Duücg ten 4 5 5 9 57 62 Ducaten al mareo„ 9 60 65 Dollars in Gold. i 4 17-20
Auszug aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg. Getraut: Friedrich Wilhelm August Albrecht Schneider aus Trondelburg und Marie Herzberger aus Gettenau. Heinrich Horn, Kellner zu Frankfurt a. M. und Eva Margarethe Mulch aus Friedberg. Geboren: Dem Musikmeister a. D. Johann Heinrich Schellhaas eine Tochter. Dem Schlosser in der Centralwerkstätte der Hessiichen Ludwigs-Eisenbahn August Kreß in Darmstadt eine Tochter. Dem Rentier Wilhelm Schudt ein Sohn. Dem Handelsmann Johannes Lenz ein Sohn. Dem Schriftsetzer Andreas Heinrich Paulsen ein Sohn. Gestorben: Anna Margarethe Rausch, geb. Brückmann, Ehefrau des Schuhmachers Johann Heinrich Rausch IV., 56 Jahre alt. Wilhelmine Elisabetha Herburg, geb. Maier, Wittwe des Rentn. Karl Herburg, 84 Jahre alt.
Für Beck's Wittwe in Staden sind bei der Exped. des Anz. ferner eingegangen von: Ferd. Damm 2 M., Prof. Dr. Diegel 1 M. 50 Pf.
Herr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln
hat uns den Debit des
allein ächten Cölnischen Wassers
übertragen und empfehlen wir dasselbe
17. Nov.
20. Nov.
9. Nov.
9. Nov. 13. Nov. 15. Nov.
12. Nov.
per Glas zu M. 150, „ ½ Dutzend 0 „ Dutzend 9%
Die Exped. d. Anz. und Manschetten ze.
Herrenkragen u. ere
Holz ⸗Versteigerung. 3594 Dienstag den 27. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, werden im Rodheimer Gemeindewald, Distrikt Vorder⸗
wald: 2500 Ginsternwellen öffentlich meistbietend versteigert. Rodheim v. d. H. am 22. November 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim v. d. H. ate h
Marinirte Häringe 3550 bei ilh. Bernbeck.
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