1 tettinnen 1913
le,
A aalcurg * 1 antes Dean,
dee ee eee eee be,.
1877. N71.
Oberhessischer Anzeiger.
2 1. 5 E int j Kreisblatt für den Kreis Friedberg. e Seenpag.
Donnerstag den 21. Juni.
Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.
Amtlicher Theil. Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deutschen Reiches publicirt worden:
Nr. 26. Gesetz, betreffend die Verwendung eines Tbeils des Reingewinns aus dem Werke„Der deutsch-französische Krieg 1870/71.“ Seite 523.— Verordnung, betreffend die gebührenfreie Beförderung von Telegrammen. Seite 524.— Bekanntmachung, beireffend die Einziehung der Einhunderimarknoten der Bayetischen Hypotheken⸗ und Wechselbank. Seite 527.
Betreffend: Die Wahlen der Gemeinderäthe in den Landgemeinden. Friedberg am 19. Juni 1877. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß noch wenige von Ihnen die Verzeichnisse der Stimmberechtigten und der Höchstbesteuerten den Großherzoglichen Steuerkommissariaten zur Amtshandlung mitgetheilt haben. Nach unserem Ausschreiben vom 10. April dieses Jahres, Amtsblatt Nr. 9, hat dies vor Beginn des Monats Juli zu geschehen. Wir geben Ihnen darum auf, sofort die Mittheilung eintreten zu lassen und wie geschehen anzuzeigen. Versäumnisse müßten wir rügen. Dr, Ara d en.
Betreffend: Das Aussetzen des Nachmittagsunterrichts bei großer Hitze. Friedberg den 19. Juni 1877.
Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an sämmtliche Schulvorstände des Kreises.
Großherzogliches Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, bat nunmehr auch durch Amtsblatt Nr. 4 vom 6. Juni dieses Jahres, zu Nr. 9411, im Interesse der Gesundheit der Schüler sich zur Erzielung eines gleichmäßigen Verfahrens zu der Anordnung veranlaßt gesehen, daß an allen Tagen, an welchen das Reaumur'sche Thermometer Vormittags um 10 Uhr im Schatten mehr als 200 zeigt, der Nach- mittagsunterricht ausfallen soll. Indem wir Ihnen hiervon Mittheilung machen, fügen wir noch im Auftrage Großherzoglichen Ministeriums an, daß für solche Schulen für welche Oberlehrer ernannt sind, der Oberlehrer, für die übrigen der Vorsitzende des Schulvorstandes die erforder- liche Anordnung zu treffen hat und empfehlen Ihnen die Ausführung der weiteren Maßregeln im Sinne unsers Ausschreibens vom 12. dieses Monats im Oberhess. Anzeiger Nr. 69 von diesem Jahr. Dr. Brad e n
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien und die Kirchenvorstände.
Nach einer Mittheilung des Verlags von Jonghaus erscheint in einigen Wochen:„Alphabetisches Verzeichniß der Wohnplätze im Großherzog thum Hessen mit Angabe der Zahlen der Einwohner und der bewohnten Häuser, sowie der Gemarkungen, Gemeinden und Bürgermeistereien, Kreis- und Kreisgesundheitsämter, Pfarrämter, Decanate, Stadt-, Land- oder Friedensgerichte, Steuercommissariate, Distriets- Einnehmereien, Rentämter, (Ober- Einnehmereien), Orts-⸗Einnehmereien, Haupt- Steuer- Amts- Bezirke, Oberförstereien und Forstämter, sowie Distributions⸗Postanstalten, zu welchen jeder einzelne Wohnplatz gehört. Nebst einer Uebersicht der Eintheilung des Landes in Bezirke für die verschiedenen Zweige der öffentlichen Ver—
2
waltung, die kirchlichen und gerichtlichen Verhältnisse. Herausgegeben von der Großherzoglichen Centralstelle für die Landesstatistik“ in 3. vollständig
dem Schloßportal
umgearbeiteter Auflage zu dem Preise von 3,60 M. Wir finden bei der Anschaffung nichts zu erinnern, empfehlen Ihnen dieselbe vielmehr und sehen binnen 8 Tagen Ihren Berichten entgegen,
wie viel Exemplare Sie wünschen. Friedberg den 18. Juni 1877.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Ber a d en.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 18. Juni. Heute Morgen um 9 Uhr fand von dem prachtvollsten Wetter be— günstigt das feierliche Leichenbegängniß des ver⸗ storbenen Großherzogs statt. Schon lange vor der festgesetzten Stunde erfüllte eine immer mehr anschwellende, mit den Bahnzügen sich stets ver mehrende Menschen-Menge die Umgebung des Residenzschlosses und alle Straßen, Zeugniß ab- legend für die Theilnahme des ganzen Landes. Zu der Feier selbst war, während sich die Theil nehmer am Leichenzuge versammelten, als Trauer- parade die gesammte hiesige Garnison ausgerückt. Fahnen und Standarten hatten Trauerflor ange— legt. Um 8½ Uhr fand in den Assembleezimmern des Residenzschlosses Empfang statt. Nachdem so⸗ dann diejenigen Personen, welchen programmmäßig der Einsegnung beizuwohnen gestattet war, durch den Ceremonienmeister in den weißen Saal ein- geführt worden waren, erschienen die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften unter Vortritt des Dienstes, worauf die Einsegnung der Allerhöchsten Leiche durch den Hosprediger Bender erfolgte. Der evangelische Kirchengesangverein wirkte bei der Einsegnung mit, nach deren Beendigung der Sarg unter Vortritt des Oberst⸗Ceremonienmeisters durch Generale und Stabsoffiziere auf den Leichen- wagen verbracht wurde. Sobald der Wagen aus auf die Brücke aufgefahren
war, ließ der Commandeur der Parade präsentiren
1 11 1
und die Musikcorps fielen ein. 0 sich der Zug in Bewegung, das Militär voran.
Sodann setzte
*
Es folgten darauf der Kammerfourier, die Hof- officianten, die Leibdienerschaft des verewigten Großherzogs, der Bürgermeister und die Stadt- verordneten der Haupt- und Residenzstadt, Vorstände und Deputationen der Städte und Landgemeinden, die Beamten der Hofstäbe, der Cabinets- und Hofämter des verewigten Großherzogs, die Kammer— herrn, Kammerjunker und Hosjunker, die Geistlich— keit, der Oberst-Ceremonienmeister, die General— und Flügel- Adjutanten, der Oberst-Stallmeister. Hierauf kam der mit acht Pferden bespannte Leichenwagen, der im reichsten Schmuck von Blumen, Palmen und Kränzen prangte; an beiden Seiten die zum Tragen der Leiche commandirten Generale. Von der Garde- Unterofsiziers-Compagnie wurde zu beiden Seiten des Leichenwagens und der nachfolgenden Allerhöchsten Herrschaften ein ambulantes Spalier gebildet. Hinter dem Leichen⸗ wagen schritt S. K. H. der Großherzog mit dem Erbgroßherzog Ernst Ludwig an der Hand und die anderen Glieder der Großherzoglichen Familie. Es kamen sodann an fürstlichen Personen: der Kronprinz des Deutschen Reichs, der Erzherzog Ludwig Victor von Oesterreich, der Großfürst Paul von Rußland, der Großherzog und der Erbgroßherzog von Baden, der Prinz Luitpold von Bayern, der Prinz Georg von Sachsen, der Erbgroßherzog von Mecklenburg, der Landgraf von Hessen, der Prinz Christian von Schleswig- Holstein. Danach folgten die Mitglieder der mediatisirten Häuser, des diplomatischen Corps und die außerordentlichen Abgesandten. Hiernach
ordnete sich der Zug in nachstehender Reihenfolge: Zuerst der Minister des Großh. Hauses, alsdann das Gefolge der Höchsten Herrschaften, die Mit⸗ glieder der beiden Kammern der Stände, die Generalität, die Ministerialpräsidenten, die wirk— lichen Geheimräthe, der Stadteommandant, die Deputationen fremder Regimenter und die fremden Offiziere, die Offiziere à la suite, sowie die nicht im Dienst befindlichen und pensionirten Offiziere, die Reichs-Beamten, die Civil Beamten und den Beschluß machten der Kriegerverein, die Schützen- gesellschaft und die Turngesellschaft mit umflorten Fahnen. Der Trauerzug nahm unter dem Ge- läute aller Glocken und indem die Musikeorps Choräle bließen und die Tambours Trauermärsche schlugen, den Weg nach der Rosenhöhe. Als das militärische Conduct die Ringstraße passirt hatte, begaben sich die Truppen in die ihnen zur Erweisung der letzten Ehrenbezeugungen auf den Wegen um die Rosenhöhe angewiesenen Stellungen. Nachdem dann an dem inneren Thor der Rosen- höhe, zunächst des Mausoleums, der Sarg vom Wagen abgenommen und unter Vortritt des Oberst- Ceremonienmeisters, des Ministers des Großher— zoglichen Hauses und der Hofgeistlichen in das Mausoleum getragen worden war, wurde die Allerhöchste Leiche an ihren Ort gestellt und unter den Ehrenbezeugungen des Militär-Conductes von dem Hofprediger Bender zur Ruhe eingesegnet. — Die„Darmst. Zeitung“ schreibt: Ein hiesiges Blatt bringt in einem Artikel„aus Mainz“ eine Beschwerde darüber, daß die Anordnung


