Ausgabe 
20.12.1877
 
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schließlich October 1877 beträgt 73,217,000 fl., um 206,000 fl. mehr, als während der gleichen Periode des Vorjahres, an indirecten Steuern 137,070,000 fl., um 2,120,000 fl. mehr, als in der gleichen Periode des Vorjahres.

Pest, 17. Dec. Die gestrige türkenfreund⸗ liche Kundgebung artete in einen argen Tumult aus. Vor dem Ministerpalais wurde eine Katzen⸗ musik dargebracht, Fenster und Gaslampen wurden zertrümmert. Später kam es zwischen dem Pöbel und der Polizei zu Thätlichkeiten. Mehrere Exce denten wurden verhaftet. Andrassy wurdeMetter⸗ nich genannt. Tausendstimmig erschollen Pereat⸗ Rufe auf Tisza und Andrassy. Wiederholt wurde Krieg gegen Rußland verlangt.

17. Dec. Das Unterhaus nahm den Antrag seines Präsidenten Ghyezy an, wonach der Justiz⸗Minister aufgefordert wird, wegen der gestrigen Demonstrationen eine Untersuchung ein⸗ zuleiten. Darauf wurden die Gesetz⸗ Entwürfe, betreffend die Indemnität und die Verlängerung des Meistbegünstigungs⸗ Vertrags mit England, genehmigt. Uermenpi brachte die Interpellation ein, ob der Minister-Präsident aus Anlaß der türkischen Circular Note auf baldige Herstellung des Friedens, und zwar im Großen und Ganzen auf Grund des territorialen Status quo ante bellum hinwirken wolle.

Frankreich. Versailes, 17. Dec. In der Sitzung des Senats wurde bezüglich der Ge⸗ setzentwürfe über die Bewilligung der vier directen Steuern und der zwei Monatsraten des Budgets die Dringlichkeit beschlossen. Pouyer-Quertier er- klärte, daß die Finanz Commission alsbald zu⸗ sammentreten werde.

Dänemark. Kopenhagen. Eine Nach- richt derPall Mall⸗Gazette, wonach zwischen dem russischen Gesandten Mohrenheim und der dänischen Regierung Verhandlungen stattfänden, um den Prinzen Waldemar oder Prinzen Johann von Glücksburg als Gouverneur von Bulgarien vor- zuschlagen, ist, nach von bester Ouelle eingeholter Erkundigung, pure Erfindung.

Italien. Rom, 18. Dec. Bezüglich des neuen Cabinets ist noch nichts entschieden. Depretis hatte gestern und heute Besprechungen' mit Cris pi

und anderen einflußreichen»Deputirten der Linken.

Türkei. Constantinopel, Es circulirt hier das Gerücht, daß England ohne Einvernehmen der Pforte aus freien Stücken Rußland über die Friedens⸗ Bedingungen sondirt habe und der Pforte die Mittheilung machen würde, daß Rußland jetzt, aber nur in dem Falle directer Verhandlungen, Frieden zugestehen könne. In dem Falle einer Mediation würden die Be⸗ dingungen ungleich härtere sein. Layard machte der Pforte ferner die Mittheilung, der Sclaven⸗ transport gehe jetzt, nach dem Abschlusse des Vertrages gegen den Sclavenhandel mit Aegypten, über Tripolis, und beantragte, die Pforte möge den Gouverneur von Tripolis anweisen, jedes Sclavenschiff mit Beschlag belegen zu lassen.

Hier ist allgemein die Ansicht verbreitet, das Mediations⸗Gesuch der Pforte werde keinen Erfolg haben. Der britische Botschafter Layard hat erklärt, daß England auch fernerhin seine Neutralität bewahren werde.

17. Dec. Nedjib Pascha übernimmt das Commando der Armee von Sofia. Die Bot- schaster der Großmächte halten häufig Unterredungen unter sich und mit den türkischen Ministern, doch ist noch kein Einvernehmen über die Grundlagen der Mediation erzielt.

Serbien. Belgrad, 17. Dec. Der serbische Heerführer Horvatovic hat Adlie einge- nommen. Fürst Milan ist heute in Alexinatz an⸗ gekommen und hat das Commando der Offensiv- Armee übernommen. Oberst Benitziy bombardirt Mramor.

Rumänien. Bukarest, 17. Dec. Der Kaiser von Rußland ist heute Mittag hier ein- getroffen und enthusiastisch empfangen worden.

Griechenland! Athen, 17. Dec. Um die auf Kreta drohende Gefahr zu beschwören, hat sich die Pforte entschlossen, Kreta die gleiche autonome Stellung zu gewähren, welche Samos

16. Dec.

besigt. In Athen fand gestern abermals eine Volks- Demonstration zu Gunsten des Krieges statt.

Rußland. Petersburg. Man meldet aus Verbiza vom 15. d.; Heute setzten sich 40,000 Russen gegen Orkhanie in Marsch.

16. Dec. General Radetzki ist nach dem Schipka⸗Passe abgereist. Der Vormarsch der Russen über den Balkan wird erst nach Ersatz sämmtlicher Verluste beginnen; die Serben und Rumänen werden an dieser Vorwärts Bewegung nicht Theil nehmen. Die Russen sprechen über die serbische Action ungerne,

Amtlich aus Bogot, 16. Dec. Gestern besetzten die Russen Positionen vor Elena und Slataritza und schoben Truppen nach Bebrowa vor. Gestern und heute ertönte bei Schipka Ge⸗ wehr⸗ und Artillerie- Feuer; dasselbe dauerte heute ungeachtet starken Nebels von 3 bis Uhr Nachmittags. Drei Granaten explodirten in einer türkischen Batterie, welche darauf schwieg.

17. Dec. Loris⸗Melikoff hat die amtliche Meldung von der Unterdrückung des Aufstandes in Daghestan gemacht.

18. Dec. Laut Meldung aus Tiflis haben zwei russische Divistonen eine combinirte Bewegung aus geführt, um die Verbindung mit Trapezunt abzuschneiden und Erzerum von Norden anzugreifen. Es scheint dies gelungen zu sein, denn nach einer weiteren Meldung sei bei dem Corps des Generals Heimann ein Parlamentär Mukhtar Pascha's ein⸗ getroffen.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Montag den 7. Januar k. J., Vormittags 9 Uhr, werden die Sitzungen des Schwurgerichts vom J. Quartal unter dem Vorsitze des Hofgerichtsraths Pfann⸗ müller ihren Anfang nehmen und sind die Haupt-Ge⸗ schworenen in folgender Ordnung ausgeloost worden: 1) Heinrich Blum III., Burgermeister in Eichelsachsen; 2) Heinrich Walter, Landwirth in Maar; 3) Moses Rosen⸗ ihal, Fruchthändler in Gießen; 4) Wilhelm Wießler, Malerialwaarenhändler in Butzbach; 5) Theodor Seiler,! Müller in Schlitz; 6) Georg Iamin, Bierbrauer in Fried- berg; 7) Eduard Ottens, Fabrikant in Gießen; 8) Karl Jughardt J., Fabrikant daselbst; 9) Johannes Lerch II., Kaufmann in Schlitz; 10) Otto Hill, Pachter in Fauer⸗ bach b. Fr.; 11) Ludwig Vogt, Ellewaarenhändier in Butzbach; 12) Johannes Mickel II., Landwirth in Ober⸗ Mockstadt; 13) Meier Sichel, Fruchthändler in Büdingen; 14) Dr. Emil Dittmar, Hofgerichts-Advokat in Gießen; 15) Peier Stoll II., Landwirth in Bad- Nauheim; 16) Conrad Rupp, Pachter in Dortelweil;z 17) Louis Homberger, Fabrikant in Gießen; 18) Friedrich Kraft, Hoigerichts-Advokat daselbst; 19) Ernst August Häberle, Kaufmann in Friedberg; 20) Gustav Friedrich Patz, Fabrikant in Gießen; 21) Carl Bindernagel II., Buch⸗ händler in Friedberg; 22) Theophil Baist, Hofgerichts⸗ Advokat in Gießen; 23) Heinrich Kromm IX., Snick⸗ waarenfabrikant in Scholten; 24) Heinrich Karl Finger, Lederbändler in Lauterbach; 25) Kaufmann Rosenthal, Fruchthändler in Butzbach; 26) Wolf Lichtenberg, Frucht⸗ händler daselbst; 27) Elias Meier, Fruchthändler in Fried- berg; 28) Friedrich Renker II., Fabrikant in Lauterbach; 29) Louis Scheid, Fabrikant in Gießen; 30) Jacob Engel, Kaufmann in Friedberg.

Gießen, 15. Dec. Gestern verstarb hier der vor malige Kanzler der Universilät, Geheime Justizrash Pro⸗ sissor Dr. Birnbaum. Geboren 19. September 1792 hat et das hohe Alter von 85 Jahren erreicht. Birnbaum war nicht nur seiner Zeit einer der bedeutendsten Jutisten und ein vielseitig gebildeter Gelehrter, sondern gleich aus gezeichnet durch seine administrative Tüchtigkeit wie durch seinen würdigen Charakler.

Mainz. DerMainzer Anz. schreibt: Der Typhus ist unter den in der Weisenauer Kaserue liegenden Mann- schafsten des 118. Regiments ausgebrochen. Man hatte am 16. bereits 34 schwer Erkrankte und 18 leichtere Fälle zu verzeichnen. Man hat die Soldaten aus- und nach Hechtsheim einquarnert. Die Urfsachen dieses Uebels sind rälhselhaft; das Wasser der Kaserne hat sich als rein er⸗ wiesen, die Latrinen liegen außerhalb. Da man außerdem versichert, daß die Mannschaften niemals durch langes Stehen in den durchnäßten Höfen sich zu erkälten brauchen, vorzügliches Schuhzeug besitzen und in gut ventilirten wie geheizten Zimmern ihre feuchten Kleider nocknen können, so zerbricht man sich den Kopf über die Ul sachen dieser in den Kasernen so häufig wiederkehrenden Krankheit.

Mainz. DerMainzer Anzeiger erzählt: Seit einiger Zeit logirte in einem hiesigen Hötel eine Dame, welche vorgab, aus Metz zu sein, so und so zu heißen, so und so viel Vermögen zu besitzen u. s. w. Auch ist die Dame hübsch und so fand sich denn auch bald ein Bräutigam aus dem benachbarien B. Der Bräutigam ist zwar über die Sommersaison des Lebens hinaus; aber gerade deßhalb um so zärtlicher, was er durch den Ankauf kostbarer Kleider, Ringe und dergleichen bewies. Vor einigen Tagen nun war die Verlobung, die Braut strahlte in dem vom Bräutigam gekauften Schmucke und 0 0 Anzahl Freunde war zu der Feier eingeladen; es ging

munter her und der Bräutigam schwelgte in Betrachtung

der Braut. Die Verlobungsseier war vorüber und am anderen Tage wollte sich der besorgte Bräutigam nach dem Befinden der Braut erkundigen. Allein sie war abgereist unbekannt wohin? Statt der Braut empfing der ver⸗ blüffte Bräutigam ein duftendes Brieschen, welches die verhängnißvollen Worte enthielt:Johanne ging und kehrt nicht mehr wieder! Leider hat die Braut auch alle Ge⸗ schenke des Bräutigams im Werthe von beiläufig 1000 Mark mitgenommen. Offenbar 5sie eine Schwindlerim, denn der von ihr angegebene Name existirt nach eingezogener Eikundigung gar nicht in Metz.

Mainz, 14. Dec. DasMainzer Tagbl. schreibt: Am Bahnhof der Ludwigsbahn stürzte heule Vormittag ein junger Mann von hefligen Krämpfen befallen plötzlich zu Boden. Ein mitleidiger Gepäcklräger nahm sich des Verunglückten an und brachle ihn wieder zu sich. Der Mann, der halb verhungert war, wurde alsdann zur weileren Pflege dem Hospital übe: wiesen.

Allerlei.

Stettin. Ein trauriges, höchst erschülterndes Er⸗ eigniß hat sich dieser Tage hier zugetragen. Die gjährige Tochter des hiesigen Kaufmanns Elkan erktankie an der Diphtheriiis. Der Arzt verordnete Injectionen in den Hals und, besorgt um das Leben seiner kleinen Patientin, will er diese selbst vornehmen. In dem Augenblicke als er mit den Einspritzungen fertig ist, öffnet sich die Stuben⸗ thür; bleich, zeruört und athemlos stürzt der Apotheker herein, die Worte ausstoßend:Nicht einspritzen! Gift! Aber leider war seine Ankunft einige Minuten zu spät erfolgt. Das Gift hatte eine so schnelle und schreckliche Wirkung gethan, daß alle menschliche Hülfe vergebens war. Das arme unschuldige Wesen röchelte noch einigemal, dann gab es seinen Geist auf.

Eingesandt. Der hiesige Musikverein hal wohl zum ersten Male

seit seinem Bestehen die traurige Erfahrung machen

müssen, von einem großen Theile des Publikums, welches bisher in den von ihm veranstalteten Concerten erschien, im Stiche gelassen zu werden. Das erste Concert, welches der Musikverein in diesem Winter am 9. December im Trapp'schen Saale veranstaltete, war schlecht be⸗ sucht; die unliebsame Folge dieser ungenügenden Be⸗ theiligung ist ein Deficit, welches der Verein zu tragen hat. Die Absicht, mit seinen Concerten Geld zu machen,

ist, wie zum Ueverfluß hier gesagt sein mag, bei dem

Musikverein vollständig ausgeschlossen; er ist zufrieden, wenn die Ausgaben durch die Einnahmen gedeckt werden. Er ist der einzige Verein in Friedverg, der, Dank der unermüdlichen, unverdrossenen Thätigkeit und Hingebung seines wackern Dirigenten Schmidt und Dank der Freu⸗ digkeit seiner Mitglieder im Erfüllen ihrer Aufgaben, es möglich macht, den Einwohnern unserer Stadt gegen ein Billiges gediegene, größtentheils klassische Vocal⸗ und Instrumental-Musik zu Gehör zu bringen. Ein solcher Verein gereicht unserer Stadt zur Ehre; zur Ehre der Bürgerschaft gereicht es, wenn sie das ideale Streben dieses Vereins durch lebhafte Betheiligung bei den von ihm aus gehenden Concerten unterstützi. Daß dies bei seinem Con⸗ cerie am 9. December nicht geschehen, ist sehr zu beklagen; hoffentlich liefert der Besuch seines zweiten Concerts, welches für nächsten Februar in Aussicht genommen ist, den Be⸗ weis, daß in unserm Publikum noch Sinn und Begeister⸗ ung für die un vergänglichen Musik⸗Schöpfungen unserer großen Tondichter herrschen. Wie sehr es dem Musikverein Ernst ist, alle Kreise der Gesellschaft für ächte Kunst⸗ genüsse aus dem Reiche der Töne zu interessiren und heranzuziehen, wird, wie wir hören, gegen Ende des Winilers dadurch einen thassächlichen Ausdruck erhalten, daß die Veranstaltung eines dritten Concerts, zu welchem das Eintrütsgeld sehr niedrig gestellt werden soll, in Aussicht genommen ist.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 19. Dec. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.1020, Eier per Stück 8 Pf.

Friedberg, 18. Dee. Waizen M. 22.., Korn M. 17 50, Gerste M. 18.50, Hafer M. 14.18. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Gießen, 18. Dec. Wochenmarkt Butter per Pfd. M. 0 901.15, Eier per Stück 78 Pf., Tauben das Paar 65 Pf., Hühner per Stück 90 Pf., Hahnen per Stück 75 Pf., Gänse per Pfd. 52 60 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 7.

Frankfurt, 17. Dee. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren etwas über 300 Ochsen, 130 Kühe und Rinder, 190 Kälber und 500 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 70.72., 2. Qual. M. 66. 68 Kühe 1. Qual. M. 60. 62, 2. Oual. M. 54-56 Kälber 1. Qua. M. 60.63., 2 Qual. M. 52. 54. Hämmel 1. Qual. M. 54. 56, 2. Qual. M. 46 48.

Frankfurt, 17 Dec. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37, Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 24. do. II.(Berliner Marke) M. 20. Waizen, ab Bahnhof hier M. 23, ab unserer Umgegend M. 22. 22 50, do. fremder je nach Qual. M. 23. 24. Korn je nach Qual. M. 16.5018 Gerste M. 18 21. Hafer M. 18.17. Erbsen M. 20.23. Wicken M. 17. Linsen M. 20.. 26. Rüböl, detail, M. 82 Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo.

Mainz, 17. Dee. Produeten-Markt. Waizen per März M. 21.45. Korn per März M. 15.30. Hafer per März M. 15.. Rüböl per Mai M. 37.60.

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