Ausgabe 
20.11.1877
 
Einzelbild herunterladen

16. Nov. Mehemed Ali verfügt bereit's über 60 vollzäblige Bataillone mit 100 Geschützen.

16. Nov. Von der Versammlung der 40 Delegirten der Constantinopeler Wähler, welche im Ganzen zehn Deputirte zum Parlament zu wählen hat, wurden heute 6 Deputirte gewählt, vier Mohamedaner und zwei Christen.

16. Nov. Der Sultan überreichte heute der Bürgergarde Fahnen und hob in seiner An-

sprache hervor, die Ehre der Nation erfordere

die Vertheidigung des Vaterlandes, seiner Rechte und Würde durch Ausübung des allgemeinen Kriegs⸗Dienstes. Er sei glücklich zur Vermehrung der Streitkräfte durch die Schaffung der Bürger- garde beizutragen. Gott möge die Fahnen ein Zeichen der Unabhängikeit und Wahrung der Rechte der Türkei sein lassen.

Die Psorte läßt durch ihre Wiener Bot- schaft erklären, daß die russische Meldung, die Pforte habe die Vermittlung Deutschlands ange- sucht, im Interesse der russischen Anleihe ausge streut worden sei.

Erzerum. Nachrichten von hier zufolge haben die Russen am 14. bei Tagesanbruch die Befestigungen von Topdagh angegriffen und das Fort Azizie erstürmt, wurden dann aber gezwungen, letzteres wieder zu verlassen. Der Kampf dauerte bis Uhr Nachmittags. Es war starker Schneefall eingetreten.

17. Nov. Nachrichten aus Erzerum von Donnerstag Abend zufolge hatten die Russen Ver stärkungen erhalten und trafen Vorkehrungen, die Stadt von der Nordseite anzugreifen. Das Wetter war besser geworden.

Montenegro Cettinje, 17. November. Die Montenegriner beschossen gestern anhaltend Antivari; ein anderes montenegrinisches Corps zieht gegen die Hauptstadt Skutari. Auf dem Marsche gegen Antivari wurden die Montenegriner von mohamedanischen und katholischen Albanesen angegriffen und machten viele Gefangene. Man meldet gerüchtweise aus Cattaro, daß die Mon- tenegriner in der verflossenen Nacht Antivari er stürmt hätten und weiter gegen Duleigno vorrückten.

Serbien. Belgrad, 13. November. Die Meldung von der Vereinigung der serbischen Truppen mit dem russischen Vortrab ist erfunden. Die Serben haben die Grenze noch nicht überschritten.

Rumänien. Bukarest. Durch fürstliches Decret sind die Kammern auf den 27. November einberufen.

Griechenland. Athen, 17. November. Montenegro gab Griechenland die Absicht zu er kennen, in Nord⸗Albanien einzudringen; gleichzeitig wurde zur Mitwirkung aufgefordert.

17. Nov. DiePol. Corr. signalisirt die Wahrscheinlichkeit einer Minister-Krise in Athen. Zunächst stehe in der Kammer eine Interpellation bevor, ob es verfassungsmäßig sei, daß das Mini- sterium ohne Präsident sei. Die Folge davon dürfte die Demission des jetzigen Cabinets und die Bildung eines neuen Ministeriums aus einer einzigen Partei sein.

Rußland. Petersburg. Amtlich aus Bogot, 15. Nov.: Heute Nacht zwischen 12 und 5 Uhr griffen die Türken in der Stärke von 10 bis 11 Tabors dreimal die befestigte Position des Generals Skobeleff an, wurden aber jedesmal durch anhaltende Salven zurückgewiesen.

Wie diePresse erfährt, sind weitere Mobilisirungs Vorkehrungen angeordnet.

Der biesige Corr. derWr. Abendpost kennzeichnet die Stimmung in Rußland bedeutsamer Weise also: Verebrung für den Kaiser, aber Haß gegen die leichtsinnige Aufstachelung zum Kriege.

16. Nov. DieWiener Abendpost er- wähnt, die Russen hätten Osman Pascha zur Capitulation aufgefordert; Osman habe jedoch dieselbe abgelehnt. Bei einem Gefecht vor Plewna am 15. d. wurde General Stkobeleff leicht ver wundet. Derselbe behält jedoch sein Commando.

Tiflis.Der Aufstand im Daghestan hat solche Dimensionen angenommen, daß Großfürst Michael sich genöthigt gesehen hat, dem Fürsten

Melikoff beträchtliche Truppen ⸗Verstärkungen zu⸗

kommen zu lassen. Fast täglich kommt es zu mehr oder weniger hartnäckigen Kämpfen mit den Insurgenten, deren Gesammtzahl auf nicht weniger als 18,000 Mann gestiegen sein soll. Letztere sind mit guten Waffen versehen und legen große Tapfer⸗ keit an den Tag, wovon Kämpfe vom 17. und 28. October ein beredtes Zeugniß gaben.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Der in Friedberg im Februar d. J. in's Leben gerufeneliberale Wahlbverein für den zweiten Oberhess. Reichstagswahlkreis gedenkt in einigen Wochen seine erste General-Versammlung abzuhalten. Neben der Wahl eines definitiven Vorstandes, der endgültigen Fest setzung der Statuten, wird die Versammlung die Frage der Organisation des Vereins innerhalb der zum zweiten Oberhessischen Reichstagswablkreis gehörenden Orte ganz besonders beschäftigen. Nach§ 1 der vorläufigen Satzungen bal der Verein den Zweck,auf die Wähler des Kteises hinsichtlich der Richs⸗ und Landes-Angelegenheiten durch Wort und Schrift aufklärend und belehrend in frei heitlichem Sinne zu wirken und alle reichs und staats⸗ feindlichen Bestrebungen zu bekämpfen. Seine bisherige Wukshamkeit beschränkte sich auf die Abhaltung von Ver semmlungen in Ober Rosbach, Bad⸗Nauherm, Reichelsheim und auf die Herausgabe eines Flugblattes, welches im Mal in einer Auflage von 10,000 Exemplrren im ganzen Wahlkreise verbreitet wurde und das gegenüber den Parteien der Ultramontanen, Social-Demokralen und Conservativen auf die Frage,was will der liberale Wahl verein, die Ziele der Liberalen kucz auseinandersetzte und zu einer fortgesetzen planmäßigen Partelwirksamkeit die Unlerstützung der Gesinnungsgenossen im ganzen Wahlkreise energisch verlangte.Gut Ding will Weile haben ist ein Sprichwort, welches unserer oberbessischen Bevölkerung ganz besonders zur Richtschnur dient. Kein Wunder daher, wenn es der liberale Wahlverein in dem halben Jihre seines Bestehens noch nicht weit gebracht hat, da auch heut noch(wie es in seinem Flugblaite heißt) der größte Hemmschuh bei Erfüllung seiner Aufgabe die Gleichgültigkeit der Parteigenossen im eigenen Lagerist, der Widerwille, der Sache zu Liebe ein Opfer an Geld und sei es auch noch so klein zu bringen. Die liberale Partei hat wahrlich keinen Grund auf ihren Lorberen auszuruhen; im Gegenlheil, viele triftige, zwingende Gründe sprechen dafür, daß es bohe Zeit ist wenn sie ihre Mitglieder überall im Reiche, so auch in unserem Wahlkretse durch eine geschlossene feste Organisation stets wach erhält. Daß dies in der Gestalt von Wahl vereinen zur Zeit am Besten geschieht, unterliegt keinem Zweisel, wenn man die große Zahl solcher Vereine, welche sich seit den letzten Reichstagswahlen in Deutschland ge bildet haben, in's Auge faßt. Die liberalen Parteigenossen an den einzelnen Orten des Wahlkreises müssen sich mehr wie bisher rühren. Heute gilt kes für Alle, wetche der liberalen Idee aufrichtig und ernstlich zugethan sind, durch geeignete Mittel die große Zahl der Wäbler auf Grundlage einer planmäßigen und andauernden sreisinnigen Tyäligkeit politisch anzuregen, zu bilden. Möze die General-Versammlung des liberalen Wahlvereins aus dem ganzen zweiten Obehess. Reichstagowablkreise(Friedberg Büdingen) zahlreich besucht werden; eine Bekanntmachung über den Tag ꝛc. an dem sie stalifindet, wird in diesem Blatte noch erfolgen. Der Reichstags Abgeordnete des Kreises, Dr. B. Schröder in Worms, hat sein Erscheinen für diesen Tag zugesagt.

Butzbach. Nächsten Samstag, den 24. November, findet im Joutz'schen Saale dahier die Generalversammlung der hessischen Wehversicherungs Anstalt statt. Dieselbe beginnt Vormittags 11 Uhr und stehen auf der Tages ordnung: 1) Bericht über die Erfolge der Anstalt, die Rechnungs-Ergebnisse des abgelaufenen und die muth maßlichen des laufenden Ver waltungsjahres. 2) Vorlage und Einsichtgabme der abgebörten Rechnung. 3) Wahl der Ausschußmitglieder für Oberhessen(der seitherige Aus schuß ist wieder wählbar). 4) Wil eines Direklions milgliedes. 5) Anfrag der Direktion auf Abänderung der Statuten§8. 10 und 18.

Darmsta di. Der Thierschutzverein hat es nunmehr unternommen, gegen den mitnden Hundefuhrwerken be lriebenen Unfug anzukämpfen, wozu ihm nur Erfolg ge wünscht werden kann.

Allerlei.

Frankfurt. Unser zoologischer Garten wurde in den jüngsten Tagen von herben Verlusten heimgesucht, in dem unter den Fleischfressern eine große Sterblichkeit ein; traf. Leider ist der Verlust der Tigerin, der beiden Pumas, des einen schwarzen Panthers und beider Rüssel⸗Bären zu Heklagen. So schwer auch der Garten dadurch berroffen wurde, so ergriff die Verwastung doch sosort die nöthigen Maßnahmen, um die Lücken wieder auszufüllen.

Köln. Die Commassion zur Untersuchung der Lebens mittel entwickelt eine große Rührigkeit. Der Antrag, es möge nur naphthafreies Brenn Petroleum ins deulssch Reich eingelassen werden, wurde vor der Absendung an das Reichs-Gesundheits-Amt der Handels Kammer vor gelegt, welche ihn befürworlete. Ein zweiter Antrag be zweckt die Ul berwachung der Fabrikasson des käͤnstlichen Mineral⸗Wassers und ein dritter siellt den Essig-Verkauf unter Controle.

Leipzig. In der Nacht vom 9. zum 10. Nov. starb Prosessor Dr. Friedrich Cl. Brockhaus, Prediger an der Johannis⸗Kirche, ällester Soon des verstorbenen Orientalisten Hermann Brockhaus. Wie wir aus derLeipz. Zig. er⸗

sehen, gehörte er zu denjenigen Personen, welche in Folge des Genusses trichinenhaltigen Schweinefleisches, das vom Leipziger Hausfrauen ⸗Vereine bezogen worden, in voriger Woche schwer erkrankt waren.

Wien, 17. November. Cassationshof hat heute die in dem Processe gegen den

1

Der oberste Gerichts- und

Engländer de Tourville wegen des Mordes seiner Gattin

eingewendete Nichtigkeits-Beschwerde verworfen.

Zur Statistik des Armenwesens im Kreise Friedberg.

Im Kreise Friedderg werden jährlich aus kirch⸗ lichen Mitteln 2415 M. 80 Pf. in 37 evange⸗ lischen und 587 M. 31 Pf. in 9 katholischen Gemeinden für die Armen verwendet. In den

Orten Butzbach, Dortelweil, Friedberg, Münzen.

berg und Nieder Erlenbach bestehen besondere Armensonds, aus welchen jährlich die Armen auf Grund einer zehnjährigen Durchschnittsberechnung mit 27,908 M. 91 Pf. unterstützt werden. Ferner bestehen im Kreise drei Stiftungen, die von Schrautenbach'sche in Friedberg, der Clausefonds in Hoch⸗Weisel und die Mergentheim'sche in Vilbel, an welchen verschiedene Gemeinden Antheil haben und die zusammen jährlich 7320 M. 86 Pf. für Arme ausgeben. Außerdem bestehen in 6 Ge meinden des Kreises 18 Unterstützungsvereine, welche verschiedene Zwecke im Auge haben und jährlich 4188 M. 57 Pf. verwenden. Sämmt⸗ liche 71 Gemeinden des Kreises verausgaben jähr lich eirca 38,203 M. 12. Pf. für Armen⸗Unter⸗ stützungen. Die Gesammtsumme aller für wohl thätige Zwecke verwendeten Gelder beläuft sich demnach auf circa 80,624 M. 57 Pf. Rechnen wir die Verwendungen der Mathildenstiftung für verwahrloste Kinder noch hinzu, so kann man behaupten, daß bei einer Bevölkerung von 58,585 Seelen im Kreise Friedberg durchschnittlich 100,000 M. jährlich für Arme und Notbleidende ausgegeben werden, was pr. Kopf der Bevölkerung berechnet etwa 1 M. 70 Pf. betragen würde. Diese Unterstützungssumme ist im Vergleich mit dem, was in anderen Theilen Deutschlands für Arme geschieht, keine besonders hohe. In den fruchtbarsten Distrikten Schleswig-Holsteins z. B. kommt pr. Kopf der Bevölkerung oft 412 Thlr. Unterstützung. In der Rheinprovinz ist der 12. in den Städten daselbst der 6., im Großherzog thum Hessen der 23., in Friedberg erst der 38. Mensch ein Armer. Ein Blick auf die Statistik des Armenwesens gibt überhaupt die überraschende Wahrnehmung, daß die social am höchsten stehen den Landestheile die größte Zahl der Armen auf zuweisen haben. Die natürliche Ursache dieser Er- scheinung ist einerseits die mit der Wohlhabenheit fortschreitende Humanität, derzufolge die Armuth mehr aufgesucht und besser versorgt wird, andern⸗ theils aber auch die mit der, die Wohlhabenheit er zeugende Industrie und Fabrikthätigkeit unzertrenn⸗ lich verbundene Vermehrung des Proletariats. Wenn darum in der Wetterau auf einen Kopf nur 1 M. 70 Pf. Unterstützung sich berechnen läßt, so ist das eine Ausgabe, die weit eher zu gering, als zu hoch gegriffen zu sein scheint und darauf hinweist, daß auf dem Lande weit mehr für die Armen geschehen könnte, als seither ge schehen ist.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 17 Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund 90 Pf bis 1 M. Eier per Stück 8 Pf.

Gießen, 17. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfund 1 M. Eier per Stück 7 8 Pf. Tauben das Paar 50 Pf. Hühner per Stück 80 Pf. Hahnen per Stück 70 Pf. Enten M. 170 Gänse per Pfd. 4050 Pf. Kartoffeln 100 Kilo 6 M. 80 Pf

Frankfurt, 17. Nov. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Cent. M. 2.50 3.40, Stroh per Cent. M. 2.10 2.30. Butter im Großen kostete 1. Qual. 95 Pf. bis M. 1., 2. Qual. 8690 Pf., im Detail 1. Qual.. 1.2030, 2. Qual. M. 1.10. Eier per 100 italien. M. 7.60, gewoͤhnl. M. 5.50. Kar offeln per 100 Küogr. M. 5.50.6. Weiß⸗ kraut das Hundert M. 1215. Erbsen, geschälte(per 100 Kilogramm) M. 2830. ganze Erbsen M. 2124., Bohnen M. 2528. Linsen M. 3036. Fleischprelse: Ochsenfleisch per Pfund 70 Pf., Rindfleisch 5560 Pf.,

Kuhfleisch 50 54 Pf., Kalbfleisch 60 65 Pf., Hammel⸗

fleisch 5563 Pf., Schweinefleisch 7580 Pf. Frankfurt, 17 Nov. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

M. 42., Nr. 2 M. 38, Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30.

Nr. 5 M. 24. Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 25.,

do. II.(Berliner Marke) M. 21. Waizen ab Bahnhof hier

Ph

Der

Ou

Oro