— Englands erneuerte Anstrengungen, um den
Frieden zu vermitteln, scheiterten an Deutschland und Oesterreich. Die Kaisermächte sind bestrebt, Rußland vor unbequemen Vermittlungen zu schützen, welche nicht direct von kriegführender Seite ausgehen.
— Gutem Vernehmen nach ist Wehrenpfennig zum Decernenten des technischen Unterrichtswesens im Handels ⸗Ministerium ernannt worden.
— Die„Etoile belge“ erwähnt diplomatischen Kreisen umlaufenden etwas sehr abenteuerlich klingenden Gerüchts, wonach der Reichslanzler einen längeren Urlaub des Fürsten Hohenlohe in Aussicht gestellt habe, wenn sich Mac Mahon nicht dem Nationalwillen unterwerfe.
Frankfurt, 19. Oct. Der Kaiser traf gestern Abend hier ein. Eine ungeheure Menschen⸗ menge durchflutete die Stadt, die ihr schönstes Festkleid angelegt hat. Ein Fackelzug, der sehr glänzend ausfiel, setzte sich sofort nach der Ankunft des Kaisers in Bewegung. Während 1 und ½ Stunden defilirte der Zug vor der Post, dem Absteigequartier des Kaisers. Der begeisterte Zuruf der Menge bekundete dem Kaiser, wie sich Frankfurt mit den neuen Ver— hältnissen auszusöhnen gewußt hat.
Linz. Der hiesige katholische Volks Verein „Concordia“ hat beschlossen, auf den 21. d. M. eine große Versammlung der Katholiken des Kreises Neuwied und der zunächst anstoßenden Bezirke nach Linz zusammenzuberufen. In derselben soll eine Petition um Aufhebung der Mai- Gesetze be. rathen und festgestellt, sodann die Schul Frage erörtert werden.
eines in
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Ein Artikel des„Pester Lloyd“ macht bedeutendes Aufsehen. Derselbe sagt, die Frage des einheitlichen Zoll Gebiets sei von dem Zustandekommen des deutsch⸗ österreichischen Handels Vertrags abhängig. Ungarn verwerfe den autonomen Zoll ⸗Tarif.
Frankreich. Paris, 16. October. Der „Temps“ theilt die Wahl⸗Ergebnisse folgender- maßen ein: Gewählt 516; davon Republikaner 317, Bonapaxtisten 99, Monarchisten 45, Legiti⸗ misten 44, Orleanisten 11.
— 16. Oct. Der Minister des Innern hat sämmtliche Präfecten nach Paris berufen, um ihnen Verhaltungsbefehle hinsichtlich der General raths⸗Wahlen zu geben. Die„Etoile“ erfährt aus guter Pariser Quelle, das Ministerium Fourtou⸗ Broglie habe gestern in einer Minister Sitzung beschlossen, im Amte zu bleiben und unverändert vor der neuen Kammer zu erscheinen.
— Die„Agence Havas“ erfährt, der Minister des Innern habe sich Namens der Regierung gegenüber den nach Paris berufenen Präfecten in solgendem Sinne ausgesprochen: Die Zeitungs- Nachricht, das Ministerium habe seine Demisston angeboten, sei unbegründet. Die Minister dachten nicht einen Augenblick daran, ihre Entlassung zu nehmen; ebenso wenig dächte der Präsident daran, sich von ihnen zu trennen. Der Wahl ⸗ Kampf, welcher am 14. d. begonnen und den Conservativen einen Gewinn von fünfzig Kammer ⸗Sitzen einge⸗ tragen habe, werde am 28. bei den Stichwahlen und am 4. Nov. bei den Departements⸗Wahlen genau unter denselben Bedingungen fortgesetzt werden, wie er begonnen worden sei.
Türkei. Constantinopel, 16. October. Bei Kadiktöi haben einige kleine Scharmützel statt- gefunden. Eine bis Djenna, unweit Makschidje, ausgevehnte Recognoscirung ergab, daß dort keine Russen standen. Das Wetter ist schön, die Wege sind wieder passirbar.
— 16. Oct. Es geht das Gerücht, Mehemed Ali solle nach Mostar reisen und versuchen, mit Montenegro über einen Frieden zu verhandeln. Mißlingt dieser Versuch, so übernimmt er das Commando über die Truppen in der Herzegowina. Gegen Serbien ist Achmed Ejub zum Comman- danten ausersehen.
— 16. Oct. Im Schipka-Passe findet eine sehr lebhafte Kanonade statt. Die Russen be— sestigten die Straße nach Gabrowa.— Aarisi Pascha, welcher gestern vom Sultan empfangen wurde, reist am 24. d. M. nach Paris ab.
— 17. Oct. Suleiman Pascha hat bei einer auf der Straße nach Bjela unternommenen Recognoscir⸗ ung die Russen bei Tresnik stark verschanzt angetroffen.
— 17. October. Reuf Pascha meldet: Ein Meter hoher Schnee verhindert im Schipka⸗Passe alle Operationen. Die Vorkehrungen für den Winterfeldzug werden getroffen.— Aus Novi⸗ Bazar wird gemeldet: Die Chefs der Insurgenten, Reflav und Kharf, wurden in einem Gefechte ge⸗ tödtet.— In Silistria sind zahlreiche Fälle von Fieberkrankheiten vorgekommen.
Serbien. Belgrad, 17. October. Der serbischen Regierung ist bis jetzt keine Note der Pforte wegen der Rüstungen Serbiens zugekommen. Dagegen nahm der Großvezir Anlaß sich münd⸗ lich gegenüber dem serbischen Agenten in Constan- tinopel, Christie, tadelnd wegen der Rüstungen zu äußern. Christic meldete dies der Regierung und suchte um Instruetionen für den Fall nach, als Edhem oder Server Pascha neuerlich auf die Angelegenheit zurückkommen würden. Christie wurde hierauf beauftragt, die Rüstungen mit den beun— ruhigenden Ansammlungen regulärer und irregulärer türkischer Truppen an der Grenze und den von den Türken daselbst angelegten Befestigungen zu motiviren. Ferner wurde Christie angewiesen, seinen Posten nur dann und zwar ganz unauffällig zu verlassen, wenn ihm die Pforte seine Pässe zuschicken sollte.
Montenegro. Cettinje, 16. October Fürst Nikita ist mit seinem Stabe gestern aus Orjaluka zu einem kurzen Aufenthalt dahier ein- getroffen. Das montenegrinische Haupt-Quartier wurde zum Süd Corps verlegt. Die Türken sammeln Truppen bei Gazko und Mostar, um die westliche Herzegowina zu decken.
Rumänien. Bukarest. Die Türken zogen die Geschütze aus der Redoute Osman vor Plewna zurück, gegen welche die Approchen der Rumänen gerichtet sind. Man nimmt deßhalb wohl mit Recht an, daß die Redoute unterminirt ist.
Rußland. Petersburg, 17. October. Nach Berichten aus Turnu⸗Magurelli hat das Bombardement gegen Plewna auf der ganzen Linie begonnen. Von der in Plewna eingeschlossen Armee treffen fortgesetzt größere Abtheilungen von türkischen Deserteurs ein. Die Verbindung Osman Pascha's mit Sofia ist unterbrochen. Suleiman Pascha hat, Rasgrad nicht verlassen. Er concentrirt alle seine Truppen bei Kadikiöi.
Moskau. Gerüchtweise verlautet, Aksakoff sei hier wegen antidynastischer Umtriebe verhaftet
worden. Die russische Regierung erachte ein Ein- schreiten gegen die panslavistische Agitation im Rücken der Armee für unaufschiebbar. Den Muth
dazu habe sie durch den Sieg in Asten gefunden.
— Aus Karajal wird vom 16. d. M. ge⸗ meldet: Der allgemeine Verlauf der Operationen am 14. und 15. war der folgende: Die Colonne des Generals Lazareff, die mit der Umgehung des feindlichen Flügels beauftragt war, besetzte am 14. die Höhen von Orlokan und vertrieb und warf die türkischen Truppen von dort gegen Kars und Wisinkiöi zurück. Da durch diese Bewegung ein Theil der feindlichen Armee schon umgangen war, so wurde auf den 15. Oktober ein allgemeiner Angriff gegen Mukhtar Pascha's Posttion bestimmt. Seinen Schlüssel vor der Front bildete der befestigte Berg Awlias. Mittags griff General Heimann den Awliasberg an und bemächtigte sich desselben. Durch Besetzung dieses Punktes wurde Mukhtars Armee zerschnitten. Derjenige Theil derselben, der sich nach Kars wendete, wurde in der Flanke von General Lazareff's Truppen angegriffen, von General Heimann's Truppen verfolgt und war gegen 5 Uhr Nachmittags gänzlich geschlagen und zerstreut. Der Feind verlor eine Masse von Todten, mehrere Tausend Gefangene und vier Geschütze. Gleichzeitig wurden die auf der rechten Flanke gebliebenen drei türkischen Divistonen von ihren Aladscha⸗Positionen, die vollständig umzingelt waren, zurückgeworfen, erlitten große Verluste und wurden gegen 8 Uhr Abends gezwungen, sich zu ergeben. Unter den vielen Gefangenen be— finden sich steben Paschas. Es wurden 32 Ge⸗ schütze und eine Masse Kriegsmaterial erbeutet.
Randell mit 17 Stimmen Mehrheit wiedergewählt.
— Die Botschaft des Präsidenten Hayes sagt: 1 Der Congreß wurde vertagt, bevor er das Kriegs.
budget votirte; es sei deshalb eine außerordentliche Session nothwendig. Der Congreß werde dem⸗ nächst ersucht, einen Credit für die gegenwärtige Maximalstärke der Truppen von 25,000 Mann zu bewilligen. Die Vorlegung des Marine-Etats und anderer Creditbewilligungs Vorlagen würde erfolgen. Die Botschaft empfiehlt die Theilnahme an der Pariser Ausstellung und die Entsendung eines Commissars zu dem Stockholmer internatio⸗ nalen Congreß, das Gefängnißwesen betreffend. Die Berathung weiterer Fragen öffentlichen In teresses bleibt der ordentlichen Session des Con- gresses vorbehalten.
Rio de Janeiro, 17. Oet. Der Kaiser hat gestern die Session der Kammern mit einer Thronrede geschlossen; in derselben wird mit Dank der freundlichen Aufnahme, welche er bei seinem Besuch in Europa gefunden, Erwähnung gethan.
Aus Stadt und Land.
T. Friedberg, 18. Oct. Der am Montag und Diens⸗ tag k. Woche hier staftfindende Fohlen- und Pferdemarkt verspricht nach den bis jetzt eingelaufenen Anmeldungen eine wesentlich zahlreichere und auch der Qualität der Pferde und den Verkäufern nach vielseitigere Beschickung, wie im
Gebrauchspferd, vom schweren Lastthier bis zum eleganten Kutsch⸗ und Reitpferd dürften alle hauplsächlichen Ab⸗ stufungen in den bewährtesten Racen und durch verschiedene Verkäufer angeboten werden. Es ist daher anzunehmen, daß der diesjährige Friedberger Pferdemarkt den mannig⸗ sachsten Bedürfnissen und Ansprüchen genügen wird. Auch kann es bei der zu erwartenden Concurrenz weder dem Fäufer noch dem Verkäufer schwer fallen, zu annehmbaren Preisen abzuschließen. Bei der am Dienstag erfolgenden Verloofung sind die Gewinn-Aussichten außerordentlich günstige. Die Gewinne bestehen in 26 der besten unler den feilgehaltenen Fohlen und zahlreichen nützlichen und wertbvollen Gegenständen. Da serner am ersten Markltage
eine Versammlung des Darmstädter Pferdezuchtvereins,
am zweiten Malkttage ein Faselmarkt stattfindet, so it auch anderweitige Gelegenheit zu Belehrung gegeben. Für die Pflege des Leibes ist durch die bewährten Hotels und Nestaurationen der Sladt sowie für sonstige Genüsse durch Concerte, Bälle, Thbeatervorstellungen ꝛc. bestens gesorgt. Daher denken wir, daß unser Pferdemarkt nicht blos für den, welcher ihn vorzugsweise Geschäfte halber besucht, zur Zufriedenheit ausfallen, sondern sich zu einem wahrhaften Feste für Vornebm und Gering, Jung und Alt, Mas⸗ culinum und Femininum gestalten wird, hoffen demnach auf zahlreichen Besuch von nah und fern.
Friedberg. Nachdem am 1. ds. Mts. in Ober⸗ Rosbach eine Postagentur in's Leben getreten ist, wird vom 1. k. Mts. ab dem reisenden Publikum daselbst noch die weitere Annehmlichkeit geboten, daß an dem Hause des Gistwirths Meier eine Aufnahme-, bezw. Absteigestelle für Postreisende eröffnet wird. Die dort einsteigenden Reisen⸗ den müssen jedoch vorher bei der Postagentur einen Fahr⸗ schein gelöst und daselbst das Reisegepäck eingeliefert haben.
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