Ausgabe 
20.9.1877
 
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aus Dresden.

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Deutsches Reich.

Rüdesheim, 16. Sept. Die Feier der Grundsteinlegung des National-Denkmals auf dem Niederwald fand heute bei ziemlich günstigem Wetter statt. Die Betheiligung der Bevölkerung an der Feier war enorm. Der Kaiser und die Kaiserin trafen etwa um 12 Uhr auf dem Bahnhof in Aßmannsbausen, wo die Spitzen der Behörden versammelt waren, ein und fuhren hierauf, von den anwesenden Fürstlichkeiten begleitet, auf den

Niederwald. Bei der Ankunft auf dem Festplatz wurden die Majestäten von dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses, Ober Präsidenten Grafen zu Eulenburg und den Mitgliedern des Ausschusses begrüßt und nahmen in einem eigens hiezu errichteten Pavillon Platz. Die Musik in tonirte alsdann die Nationalhymne, von welcher ein Vers von der ganzen Versammlung mitgesungen wurde. Der Vorsigende des Ausschusses legte hierauf die Urkunde, welche in den Grundste in versenkt wurde, den Majestäten zur Vollziehung vor. Nachdem dies geschehen, unterzeichneten die anwesenden Fürstlichkeiten und deren Gefolge, so wie die Ehren⸗Gäste ebenfalls die Urkunde. Nun mehr erfolgte die Vorstellung der Mitglieder des großen Denkmal-Comites und der ausführenden Künstler, der Professoren Schilling und Weißbach Der Vorsitzende des Ausschusses hielt die Festrede. In dem Momente, als der Kaiser nach Beendigung derselben die Hammer schläge vollzog, wurden Kanonenschüsse abgefeuert, die Glocken aller umliegenden Ortschaften begannen zu läuten und unter Musikbegleitung wurde die Wacht am Rhein gesungen. Nach Schluß der Feier fuhren die Majestäten nach Rüdesheim und nahmen daselbst in derRheinhalle das Frühstück, worauf deren Abreise nach Carlsruhe erfolgte. In den Grundstein wurden gelegt: 1) Die auf Pergament ausgearbeitete Stiftungsurkunde, 2) alle Münzen, welche in Mark- Währung geprägt werden, 3) ein Metermaß, 4) die größeren deutschen Zeitungen in riner Nummer, 5) Brochüren, Zeichnungen ze. über das Denkmal, 6) die vom Comite erlassenen Aufrufe, 7) Beitragslisten von Deutschen in Eng land, welche sich Dies ausdrücklich ausbedungen haben, 8) je eine Flasche 1870er Rüdesheimer und Aßmannshäuser Wein.

Berlin, 18. Sept. DieN. Allg. Ztg. meldet: Nach einer Privat-Depesche aus Salzburg won gestern Abend sind für den Fürsten Bismarck und den Grafen Andrassy zum heutigen Tage Wohnungen imHotel de l'Europe bestellt worden.

Ausland.

Türkei. Constantinepel, 15. Septbr. Folgende Depeschen Mehemet Ali's liefen ein: Assaf Pascha, der am Donnerstag mit 12 Ba- taillonen aus Kislowa vormarschirt war und Sinankibi besetzt hafte, wurde am Freitag vom 12. russischen Corps, welches 32 Bataillone In- santerie, 2 Cavalerie- Regimenter und 64 Geschütze Hark war, angegriffen. Nachdem von Kislowa her 3 Bataillone zur Uaterstützung gesendet waren, wurden die Russen mit großen Verlusten zurück zeschlagen und bis Banikalom verfolgt. Bei Diuma und in der Umgebung von Osman Bazar anden für die Türken günstige Gefechte statt. Wiener, noch nicht weiter bestätigte Nach- sichten sprechen von einer großen Bewegung in

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Korjenie

Petersburg. Die Regierung habe die ernstesten Maßnahmen getroffen. Auf dem Kriegs- Theater sei die Situation den Türken überaus günstig; Plewna sei gefichert. Die Russen beabsichtigten ein Beobachtungs⸗Corps aufzustellen und die Be lagerungen aufzugeben.

Die bisher in Bosnien gegen die Auf ständischen verwendeten türkischen Truppen unter Jsgamet Pascha sind nach Serajewo und Sjenitza beordert. Der serbische Agent Christies hat Con- stantinopel noch nicht verlassen.

17. Septbr. Nach dreitägigen Kämpfen wurde der Schipka- Paß von den Russen voll kommen verlassen und von den Türken besetzt. Sulei man Pascha hatte bereits in der verflossenen Nacht die stärkste Position der Russen im Schipkapasse, den Berg Fort Nikolai erstürmt. Der Rückzug der Russen war dadurch unvermeidlich geworden.

17. Sept. Nach den neuesten Nachrichten halten die Russen Plewna noch ringsum besetzt.

Montenegro. Cettin je, 16. Septbr. In der verflossenen Nacht umzingelten einige Tausend Montenegriner Bilek, Gubowir und und forderten diese Ortschaften zur Uebergabe binnen 24 Stunden auf. Die befestigte Kaserne zu Bilek wurde heute Morgen noch von den Türken gehalten, nachdem Stadt und Festung

nach kurzem Bombardement sich den Montenegrinern

ergeben hatten. Soliman Pascha, der Comman dant von Trebinje, mußte, weil selbst bedroht, die erbetene Hülfe verweigern.

Rumänien. Bukarest. Hier sind 340 türkische Juden im elendesten Zustand angekommen, welche, nachdem sie unerhörte Mißhandlungen er litten hatten, von den Bulgaren aus Kasanlyk vertrieben worden sind. Zwölf reiche Juden wacen vorher ermordet, Frauen und Mädchen mißhandelt worden. Die Kosaken schützten die übrigen jüdischen Einwohner vor Ermordung. Von Schipka bis Tirnowa wurde ihnen auf An- ordnung des russischen Befehlshabers sicheres Geleit gegeben; von den bulgarischen Wagenführern wur den sie jedoch abermals beraubt. Diese That sachen werden von dem englischen und dem öster reichischen General-Consul constatirt. Griechenland. Athen, 15. September. Admiral Kanaris ist heute Nacht einem Schlag- anfall erlegen. Wie verlautet, wird der König und die Königin der Leichenfeier beiwohnen. Die Minister⸗Krisis ist eine schwierige. Das Ministerium bleibt wahrscheinlich provisorisch bis zum Zusammentritt der Kammer, deren schleunige Einberufung bevorsteht, in Aetlvität.

Rußland. Petersburg. Officiell aus Poradim: Am 13. d. stellten die Türken an die Mitte des Abhanges des Nikolaibergs nach dem Dorfe Schipka hin 3 achtzigpfündige Mörser auf und bombardirten die ganze Nacht den Nikolai berg. Unser Verlust betrug am 13. d. 38 Mann. Ein Artillerie- Stabscapitän blieb todt. Am 14. d. belief sich unser Verlust auf 117 Mann.

15. Sept. Die Beschießung Plewna's dauerte gestern den ganzen Tag. Die Türken erwiederten das Feuer beinahe gar nicht. Nachrichten vom 14. September zufolge passirten seit dem 7. d, die verschiedenen Verband-Plätze vor Plewna 239 verwundete Offiziere, 9482 Soldaten; todt sind gegen 3000; es ist noch nicht möglich, die Zahl derselben genau an

zugeben. Der Gesammt-Verlust beträgt gegen 3000 Offiziere und 12,500 Soldaten. Die Ru- mänen verloren bis 14. Morgens gegen 60 Offiziere und 3000 Soldaten todt und verwundet. Die Stimmung unserer und der rumänischen Truppen ist trotzdem ausgezeichnet. Die jungen rumänischen Truppen kämpfen vortrefflich.

18. September. Eine Meldung Mukhtar Pascha's, daß Ardahan von den Russen geräumt sei, ist unwahr. Ardahan ist von 12 Bataillonen

Infanterie und 6 Escadronen Cavalerie unter dem Fürsten Existaco besetzt. Aus Stadt und Land. Rumpen heim. Auch unsere Polizei bat einem

längst gefühlten Bedürfniß und allgemeinen Wunsch der hiesigen Bevölkerung abgeholfen, indem sie die Backwaaren der hiesigen Bäcker visitiren und zu leicht befundenes Brod confisciten ließ. Hoffentlich wird sie Dies, wie auch in anderen Orten geschiehl, öfters wiederholen und sich dadurch die Anerkennung des consumirenden Publicums sichern.

Allerlei.

Köln, 16. Sepl. Der Bahnhof der Bergisch-Märkischen Bahn in Deutz ist nach mebrstündigem Feuer zum größten Theil niedergebrannt.

Furth i. W., 15. Sept. Die beiden jungen Menschen, welche den Mord an der Wirthin auf dem Hohenbogen verübt haben, wurden in Cham verhaftet und sollen ihre scheußliche That bereits eingestanden haben. Sie sind Realschüler aus Dresden.

Berlin. Der viesigen Criminalbehörde ist es ge lungen, eine Falschmünzerbande am Sonnabend dingfest zu machen. Dieselbe halte ihre Werkstatt in einem Hause der Palissadenstraße aufgeschlagen und beschäftigte sich mit der Anfertigung von 1⸗Thalerstücken. 2- Mark und 50 Pfennig⸗ stücken. Die Formen, verschiedene Kasserolen zum Schmelzen, Schmelztiegel ꝛc. sind in dem Besitz der Behörde, wie die Correspondenz der Verbrecher, worunter auch einRecept zur Anfertigung und Mischung der Metalle für die Falsch⸗Münzerei sich befindet. Die eigentlichen Verfertiger, resp. Falschmünzer sind, wie dieStatis. Ztg. mittheilt, in der Person eines Handelsmannes Sch. und eines Kellners R. hinter Schloß und Riegel, während die Ver breiter der Münzen wohl auch bald Quartier auf dem Molkenmart nehmen werden.

München, 18. Sept. Die heute eröffnete 50. Jahres⸗ versammlung der deutschen Naturforscher wurde ducch Ge heimrath v. Peitenkofer eröffnel, welcher die Auwesenden im Namen des Königs begrüßte, welchem darauf ein dreimaliges Hoch ausgebracht wurde. Darauf solgte eine bewillkomm⸗ nende Ansprache im Namen der bayerischen Regierung durch Minister v. Lutz, ferner Begrüßungen seitens der städtischen Beböcden, der Universität und des Polysechnikums. Dem⸗ nächst folgten die angekündigten Vorträge. Bisber find be reits über 2500 Theilnehmer an der Versammlung verzeichnet.

Handel und Verkehr. Friedberg, 19. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 11.20. Eier per Stück 7 Pf. Gießen, 18. Sept. Wochenmarkt. Butter per Pfund M. 1.10- 15. Eier per Stück 6 Pf. Tauben das Paar

55 Pf. Hüyner per Stück 70 Pf. Hahnen per Stück 60 Pf. Enten per Stück M. 1.50. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 5..

Frankfurt, 18. September. Der heutige Viehmarkt war gering befahren. Angetrieben waren: 440 Ochsen, 130 Kühe und Rinder, 160 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich per Ceniner Fleuchgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 7882., 2. Qual. M. 68 72. Kübe und Rinder 1. Qual. M. 6063., 2. Qual. M. 51-54. Kälber 1. Qual. M. 7580., 2. Qual. M. 55-60. Hämmel 1. Qual. M. 5658., 2. Qual. M. 4852.

Geld Cours.

Frankfurt am 18. September 1877 20 ⸗Frankenstücke 0 Mk. 16 25 29 Englische Sovereigns 80 20 35-40 Russische Impertales a Holländische fl. 10-Stücke.. e ee e Ducaten. 5 2 9 6267 Duc aten al mareo 8 1 9 6267 Dollars in Gold. 4 16-19

Bekanntmachung.

Die unbekannten Gläubiger des Georg Emmel III. non Wohnbach haben sich dem gütlichen Arrangement, swischen ihm und seinen gerichtsbekannten Creditoren äbgeschlossen, sogewiß binnen 4 Wochen von heute an enzuschließen, als sonst dasselbe bestätigt und vollzogen erden würde.

Hungen am 24. August 1877.

Großherzogliches Landgericht Hungen.

Cellarius, Pilger,

Landrichter. Landgerichts-Assessor.

9 9 Aepfel-Versteigerung. Samstag den 22. September, Nachmittags 1 Uhr, sollen de der hiesigen Gemeinde gehörigen Aepfel an Ort und Eetelle öffentlich meistbietend versteigert werden. Fauerbach b. Fr. den 18. September 1877. Großherzogliche Bürgermeistere! Fauerbach b. Fr. Delfrich.

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Bie kahn n im gi un

Die bekannten Gläubiger des Philipp Emmel V. von Wohnbach haben sich mit demselben zur Abwendung des förmlichen Concursprozesses verglichen.

An dessen unbekannte Gläubiger ergeht die Auffor derung, binnen 4 Wochen von heute an diesem Vergleiche beizutreten, als sonst derselbe bestatigt und in Vollzug gesetzt werden würde.

Hungen am 24. August 1877.

Großherzogliches Landgericht Hungen. Cellartus, Pilger, Landrichter. Landgerichts-⸗Assessor. Aepfel-Versteigerung. 2909 Montag den 24. l. M., Mittags 12 Uhr, sollen die der Gemeinde zustehenden Aepfel, eirea 60 Malter, baumweise versteigert werden. Trals-Münzenberg den 17. September 1877.

Großherzogliche eee Trais-⸗Münzenberg.

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2679

Bekanntmachung.

Montag den 24. September 1877, Morgens 10 Uhr, sollen die Gemeinde- Aepfel zu Erbstadt malterweise, * 200 Pfund, auf dem Rathhause zu Erbstadt meist bietend gegen baare Zahlung verkauft werden.

Erbstadt am 17. September 1877.

Koͤniglicher Bürgermelster

2910 Seer, Güter Versteigerung. 2887 Freitag den 21. d. Mts., Vormittags 10 Uhr

anfangend, sollen in hiesigem Nathhause die sämmtlichen Guüterstücke des Balthasar Sang II. dahier, eirea 20 Morgen, einer freiwilligen Versteigerung ausgeseßt werden. Fauerbach b. Fr. den 12. September 1877. Großherzogliches Ortsgericht Fauerbach b. Fr

Sell freich.