Ausgabe 
19.7.1877
 
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der Dobrudscha vor. Suleiman Pascha hat sich in Antivari nach Constantinopel eingeschifft.

Montenegro. Cettinje, 14. Juli. Mehemed Ali Pascha ist mit seinem Truppencorps von der Ostgrenze Montenegro's gegen Simnitza abgerückt. Der Fürst von Montenegro hat die Concentrirung mehrerer Bataillone bei Niksic an⸗ geordnet, dessen Belagerung beabsichtigt ist.

15. Juli. 3000 Aufständische unter der Führung von Despotovic haben gestern die jenseits Sign gelegenen Ortschaften Celebie, Kovacic, Strupnic, sowie Radonic verbrannt und Vieh weggenommen.

Serbien. Belgrad, 15. Juli. Bei den gestern stattgefundenen Landtags- Wahlen wurden die Oppositionellen wiedergewählt.

Griechenland. Athen, 16. Juli. Ein Decret des Königs ordnet die Schließung der Kammer an.

Rußland. Petersburg, 15. Juli. Das Hauptquartier des Kaisers von Rußland wird morgen nach Czarwica, südöstlich von Sistowa, verlegt. Bei Simnitza ist eine zweite Brücke über die Donau errichtet. Ein ernstes Engagement hat bei Radanci, nächst Gabrowa staltgefunden, in⸗ dem 15,000 Russen auf 6000 Türken gestoßen sind, welche letztere die Avantgarde eines zur Verteidigung der Straße Gabrowa-Kasanlyck, bestimmten Corps von 25,000 Mann bilden. Die Russen haben unter großen Verlusten gesiegt. Das fünfte russische Armee-Corps, welches seit einigen Tagen im Lager von Baneszo angekommen, marsckirt sofort nach Sistowa ab. Seit heute weht die russische Flagge auf den Wällen der von den Türken verlassenen Stadt Nikopolis.

DieAgence russe ist ermächtigt, die Behauptung, die Russen führten in Bulgarien eine Willkürhertschaft ein, für unbegründet zu erklären. Die von Fürst Tscherkaski präsidirte Commission wende ohne jede Aenderung die von den Türken erlassenen, aber todter Buchstabe gebliebenen An- ordnungen an. Die Russen ernannten bloß die Mitglieder der Oberbehörden, die Mitglieder der Unterbehörden würden gewählt. In den Bezirken mit zahlreichen türkischer Bevölkerung wählten die Christen solche Türken, die bei den Grausamkeiten nicht compromittirt sind.

Amtlich wird von der Kaukasus⸗ Armee gemeldet: Die Truppen des Generals Alschasoff haben am 13. Juli die Offensive ergriffen, indem sie in zwei Colonnen aus Pokarli und Kwartscheli auf das rechte Ghilisga- Ufer übergingen, wobei die Türken aus ihren Verschanzungen vertrieben und hinter Morkwa zurückgeworfen wurden. Der russische Verlust war unbedeutend. General Tergukassoff meldet, daß bei dem Rückzuge seiner Colonne nach Bajazid diese Stadt dermaßen zerstört und durch faulende Leichen infieirt erschien, daß ein weiteres Verbleiben der Truppen daselbst sich als unmöglich herausstellte.

17. Juli. Nachdem die Armee seit einigen Tagen im Anmarsch gegen den Balkan begriffen war, erstürmten am 15. Juli die Russen das stark besestigte und hartnäckig vertheidigte Dorf Limovitz bei Nikopolis. Die im Kampf gestan denen lürkischen Truppen, von den Nikopolis be⸗ herrschenden Höhen vertrieben, zogen sich sammt der Garnison von Nikopolis zurück. Der Vortrab der russischen Armee hat am 13. bereits ohne Schwertstreich den Balkan in der Stärke von 18 Bataillonen, durch Bulgaren geführt, über den Engpaß von Schipka passirt. Am 14. wurde vom General Gurko der Ort Khankioy besetzt; 300 daselbst überraschte Nizams ergriffen die Flucht. Die Türken zogen sich gegen das Dorf Konaro hin zurück. Die Russen hatten hiebei einen Verlust von 1 Todten und 5 Verwundeten.

Aegypten. Alexandrien, 16. Juli. Ein weiterer Transport von 3000 Mann ägyp⸗ tischer Truppen ist nach Constantinopel abgegangen.

Aus Stadt und Land.

Friebberg, 17. Juli. Vergangene Nacht wurde in das Bureau des Consumvereins eingebrochen. Der Dieb drückte eine Fensterscheibe vermittelt eines mit Kalk be⸗ schmierten Lappens ein und stieg in das Zimmer. Glück⸗

deckte. Auch in Ober⸗Rosbach wurde vergangene Nacht eingebrochen. l Offenbach. Die Polizei hat dieser Tage bei sämmt⸗ lichen hiesigen Schweinemetzgern, ihrer 23, Fleischwurst einkaufen und chemisch untersuchen lassen, wobei sich ergab, daß nur bei vier dieser Metzger unversälschte Waare ge⸗ funden wurde, indeß die von 17 Metzgereien mehr oder weniger mit Stärkemehl vermischt war; zwei Geschäfte sübrien keine Fleischwurst. Der ganze Vorrath der ver⸗ fälschten Wurst wurde darauf conftscirt und vom Land⸗ gericht jeder der betroffenen Metzger in promptem Ver fahren zu 100 Mark Strafe und in die Kosten der chemischen Untersuchung verurtheilt. Darmstadt, 16. Jusj. Der auch in weiteren Kreisen als ausgezeichneter Künfller in seinem Fache bekannte Hof⸗ münzmedailleur Professor Schnitzspahn ist gestern gestorben. Darmstadt. Dem Vernebmen nach hat das Comite für die Darmstädter Pferbemärkie beschlossen, den nächsten Fohlen⸗ und Pferdemarkt am 15. und 16. October d. J. abzuhalten und soll Großh. Ministerium des Innern bereits die erforderliche Genehmigung bierzu, sowie zur Veran⸗ staltung einer Verloosung unter Ausgabe von 20,000 Loosen à 2 Mark ertheilt haben. Dem Markte kann in diesem Herbste, angesichts der guten Heuernte, ein besonders günstiges Prognosticon gestellt werden. Von den Loosen sind schon weit über die Hälfte fest übernommen. Darmstadt. Geh. Finanzrath S. ist wegen eines bedeutenden Kassendesectes in der Staalsschuldentilgungs⸗ kasse in Untersuchung genommen worden. Gutem Ver⸗ nehmen nach ist das Defieit, durch dessen Privatvermögen reichlich gedeckt, und etleidet det Staat wenigstens in dieser Beziehung keinen Schaden. Eine Uebersührung des hoch⸗ betagten Mannes in ein Haftlokal it wegen dessen körper⸗ lichen Zustandes unmöglich und auch unnöthig, indem jeder Verdacht einer Flucht ausgeschlossen erscheint; gleich⸗ wohl wird derselbe in seiner Wohnung polizeilich überwacht. Darmstadt. Den Anstrengungen der Polizei ist es gelungen, den vor einigen Wochen wegen bedeutenden Kassendesekts durchgegangenen Kriegsralb Wiegand in New⸗York festzunehmen. Derselbe hat die Rückreise über den Ocean nach Darmstadt bereits unter gehöriger Be wachung angetreten. Darmstadt. In der Nacht vom 13. auf den 14. Juli wurde hier in der alten Vorstadt eine ganze Diebesbande

aufgefunden, welche in letzter Zeit verschiedene freche Ein

brüche verübt hatte. Es wurde eine Masse gestohlener Gegenstände entdeckt, so namentlich ein ganzer Silberschatz, dessen beträchtlichster Theil von einem vor kurzer Zit in der Neckarstraße in ganz räthselhafter Weise ausgeführten Diebstahl berrührte, der einer Wittwe Abends ibr sämmt⸗ liches Silbergerääh im Werthe von 600 bis 700 Mk. eniführte. Am meisten ist ein 11jähriger Junge gravirt (eine arme-Waise), dessen sich die Bande unter Androhung von Mißhandlungen und Entziehung der Nahrung, wozu das den Vorsitz der geheimen Gesellschaft führende Ehe⸗ paar als Vormundschaft das Recht zu haben glaubte, mit großem Erfolge bediente, indem sie den Barfüßigen durch die Fenster der Parterregeschosse einhoben und die Werth⸗ gegenstände holen ließen.

Mainz, 16. Juli. Ein Wolkenbruch ging heute über Siadt und Umgegend nieder. Gegen Uhr ver finsterte sich der Himmel und Ströme von Regen in Be⸗ gleitung von Hagel ergossen sich unter Blitz und Donner über die Stadt. Die Straßen glichen reißenden Bächen und wurden besonders die tiefer gelegenen Siadttheile von dem Unwetter schwer heimgesucht. Die Rheinstraße, Schlossergasse, Löhrstraße ꝛc. wurden unter Wasser gesetzt, am Holzthurm und am Fischtbor stand dasselbe momentan drei Fuß hoch. Auch fast sämmlliche Keller vorgenannter Straßen füllten sich plötzlich mit Wafser, in der Schlosser⸗ gasse drang dasselbe sogar in die Läden. Der Schaden, der in den Kellern angerichtet wurde, ist ein ganz enormer. Auch vor der Stadt soll das Unwetter arg gehaust haben.

Mainz, 18. Juli. Die Beisetzung der Leiche des Bischofs v. Ketteler sollte nach Anordnung des Dom⸗ Capilels heute im Dom dahier stallfinden. Die Leiche des Bischofs, deren Ankunst gestern zu erwarten war, wird von einer Depulation an der Grenze der Diöcese in Empfang genommen. Im Bahnhof angelangt, wird die⸗ selbe von der biesigen Geistlichkeit in das bischöfliche Haus geleitet. Daselbst bleibt sie in dem unteren großen Saale neben der Capelle bis zur Beisetzung ausgestellt. Heute Morgen 9 Uhr bewegt sich der Leichenzug von dem Bischofs⸗ Platz über den Guzenbergs-Platz und Markt zu dem Dom. Daselbst wird der Sarg vor dem Hochallar außgestellt, und das Todten⸗Officium gebe ei. Hierauf wird die Trauer⸗ Rede gehalten, und nach deren Schluß das feierliche Requiem celebrirt werden. An dieses schließt sich die Bei setzung in der Mutter⸗Gottes⸗Capelle an.

Allerlei.

Ems. Der Kaiser hat der hiesigen katholischen Kirche als Beihülse zur Beschaffung der ersorderlichen Ausstattung ein Geschenk von 9000 Mark und 2000 Kilo Kanonen⸗ metall zum Glockenguß zugewiesen.

Sitte veredelt. aus dem Herzen. Hebel für den Fortschritt der Menschheit und ent⸗ scheidet auch über das wirthschaftliche Gedeihen der Familien und Völker. Moral ohne ⸗Religlostzät ist aber, wie die Erfahrung lehrt, bedenklich und unzuverlässig und läuft gewöhnlich auf Weltklug⸗ heit hinaus. Wir haben daher die Religion als ein Hauptförderungsmittel der Volkswohlfahrt hin⸗ gestellt. Gleichzeitig haben wir in einem Berichte über die Meißner Kirchenconferenz folgende Aeußer⸗ ung eines Geistlichen mitgetheilt:Die sogenannten Gebildeten mögen sich hier und da auch ohne Religion durch Wissenschaft und Kunst vor Ver⸗ flachung retten undüber Wasser halten, aber der gewöhnliche Mann, der bei schwerer Tages- arbeit den harten Kampf des Lebens zu bestehen hat, verfällt, wenn man ihm seinen Gott und das Jenseits und die Religion der Liebe nimmt, nur zu oft ganz in ein rein thierisches Genießen des Augenblicks und in vollständigen Lebens und Arbeitsüberdruß u. s. w. Wegen dieser letzten Aeufterungen ist die socialdemokratische Presse wie auf ein Machtgebot über uns hergefallen:Das heiße die Karten verrathen, ruft der Hanauer Volksfreund. Es sei eingestanden: Wissenschaft und Kunstgenuß überheben denGebildeten und Reichen der Religion, die nur für dengewöhn lichen Mann sein solle. DieDresdener Volks zeitung schließt einen Artikel gegen die Beschlüsse der Meißner Kirchenconferenz mit den Worten: Wir kämpfen um die Erde, nicht um den Himmel. Wir wissen nicht, ob hier ein absicht⸗ liches oder unbewußtes Mißverständniß obwaltet, und betonen für alle solche Leser, denen es um wirkliche gegenseitige Verständigung und Volks- belehrung zu thun ist, daß wir alle Religionslosen und nun gar Religionsspötter nur zu den soge nannten Gebildeten zählen. Die Religion ist wie andere hohe Güter, die den Sterblichen beschieden sind, wie Sprache, Schrift, Liebe, Freiheit u. s. w., auch dem Mißbrauch unterworfen und hat zu den furchtbarsten Irrthümern und Gräueln des Fana⸗ tismus geführt; aber das hebt ihren Gebrauch und die Thatsache nicht auf, daß wahre Religiosität zu allen Zeiten der Geschichte eine Hüterin des Idealen und ein Trost für das irrende und schwache Menschengeschlecht gewesen ist und die Entwickelung der Völker am meisten gefördert hat.

Wasser oder Feuer?

Noch immer beschäftigen sich die Arbeiter- blätter mit dem jüngsten Aufstande in Asch in Böhmen, wo die Gendarmen bei einem Arbeiter- auflauf zwar zuerst nur einen blinden Schreckschuß abfeuerten, dadurch aber das Volk erbitterten und dann scharf schossen, wodurch ein Arbeiter getödtet und mehrere verwundet wurden. Dieser bedauer⸗ liche Vorfall veranlaßt uns, darauf aufmerksam zu machen, daß in Amerika gegenwärtig bei Arbeiter- unruhen, welche hier und da in Folge von Arbeiter- entlassungen oder Strikes auszubrechen pflegen, fast allgemein von Seiten der Polizei und selbst des Militärs zuerst die Wasserwaffe anstatt der Feuer wasse in Anwendung gebracht wird. Man säßt in Fällen eines Volksauflaufs die Hydranten oder die Feuerspritzen spielen und dieses Mittel verfehlt fast niemals seine das Blut abkühlende Wirkung, während das Feuer nur erhitzt und die Wuth entflammt. Schon der alte Pindar sagt:Das Beste ist doch das Wasser:(& οανο,. uοοοεα. Da Arbeiterunruhen in der Regel einen unschul⸗ digern Charakter haben, so möge man von Seiten der Behörden überall darauf Bedacht nehmen, bei inneren Unruhen den erfrischenden Wasserstrahl bereit zu balten und den mörderischen Feuerstrahl für Angriffe von Außen aufzubewabren.

Die großen Gedanken kommen

Ueber den Werth der Bildung.

Die Social⸗Correspondenz schreibt:

Man pflegt die Bildung oft sehr einseitig als bloße Verstandespflege und Ansammlung von Kennt⸗ nissen aufzufassen. Als wahre Bildung darf aber nur die harmonische Entwickelung von Körper, Geist und Gemüth gelten. Die Bildung soll den ganzen Menschen erfassen und hat überhaupt nur

Ucherweise war nicht viel Geld in der Kasse und auch dieses eingewickelt in einer Ecke, so daß er es nicht ent⸗

dann einen Werth, wenn sie auch Gesinnung und

Fischzucht.

Es dürfte nicht uninteressant sein, etwas über die weit und breit bekannte Fischbrutanstalt in Hüningen zu erfahren, da durch ihre Vermittlung bereits eine sehr große Menge von Flüssen, Seen und Teichen in Deutschland mit bestem Erfolg besetzt worden sind. So ist z. B. die Oder, in deren oberem Laufe keine Lachse mehre vorkamen, wieder mit diesem Fisch von Hüningen aus be⸗

Moral ist ein unentbehrlicher

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