Betreffend: Die Vertilgung der Kleeseide.
Das Großh. Kreisamt Friedberg an die
Großh. Bürgermeistereien und den Großh. Polizeicommissär zu Wickstadt.
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Friedberg den 14. Juni 1877.
Wir tragen Ihnen auf, nach Vorschrift des Reglements vom 6. August vorigen Jahres zum Schutze der Felder und Wiesen gegen die Verbreitung der Kleeseide für den Kreis Friedberg betreffend, das hiernach Erforderliche anzuordnen und zu überwachen und sehen demnächst und längstens bis Ende kommenden Monats Ihren deßfallsigen Berichten hierüber entgegen.
Betreffend: Das Verfabren bei Schulversäumnissen.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
Es ist uns zur Anzeige gekommen, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen insbesondere in Art. 24 des neuen Volksschulgesetzes vom 16. Juni 1874 und in§. 17 Ihrer Instruetion vom 21. September 1874 nicht überall gewissenhaft genau beobachtet, daß insbesondere die ent ⸗ sprechenden Strafen in den von den Lehrern regelmäßig geführten Ver⸗ säumnißlisten der Volksschule und der Fortbildungsschule nicht zum Ansatz Um einer nur verderb⸗ lichen Mißachtung der erwähnten gesetzlichen Vorschriften vorzubeugen, haben wir nicht blos unserm Kreisschulinspector anempfohlen, bei seinen Inspectionen der ihm in§. 5 pos. 6d der Instruction für die Kreis- Schulcommissionen überwiesenen Function entsprechend, nachzufragen, ob
oder doch nicht zur Erhebung gebracht würden.
Betreffend: Statißtik des Volksschulwesens.
Dr. Braden.
Friedberg den 12. Juni 1877.
an sämmtliche Schulvorstände des Kreises.
die Versäumnißlisten sowohl hinsichtlich der Volksschule, als auch des
Fortbildungsschul- und des weiblichen Handarbeitsunter⸗
richts an die Großherzoglichen Bürgermeistereien eingesendet, von diesen für vollziehbar erklärt und dem Gemeindeeinnehmer zur Erhebung zugestellt
werden; wir tragen hiermit auch Ihnen auf, binnen 8 Tagen an uns
zu berichten, ob und aus welchen Quartalen im letzten Schuljahre, also
vom 1. Mai vorigen Jahres bis 7. Mai dieses Jahres die betreffenden
Listen der Volksschule und der Fortbildungsschule an die Großherzoglichen
Bürgermeistereien zur Vollziehbarerklärung abgegeben worden sind.
Dr. Bra de n.
Friedberg den 12. Juni 1877.
Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an die Schulvorstände des Kreises.
Es stehen noch Viele mit Einsendung der betreffenden ausgefüllten Formularien zurück. Wir erwarten dieselben umgehend.
Dr. Bra den.
Betreffend: Die Aufnahme der Kinder in die Volksschule.
Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an sämmtliche Schulvorstände des Kreises.
Da uns einige Fälle zur Anzeige gekommen sind, daß im neuen Volksschulgesetze, insbesondere Art. 20, enthaltenen Bestimmungen nicht sorg⸗ f hiermit veranlaßt, deren genaue Beobachtung nochmals ernstlich einzuschärfen. Es darf darnach insbesondere
fältig beobachtet wurden, so sehen wir uns
kein Kind in die Schule aufgenommen werden, welches erst nach dem 30. September laufenden Jahres sechs
geistig und körperlich noch so gut entwickelt wäre.
nahme berechtigten Kinder, unter genauer Bezeichnung von deren Eltern und des Geburtstages der Kinder einzuhäudigen.
Friedberg den 12. Juni 1877.
Jabre alt wird, auch wenn es sonst
Damit Irrungen verhütet werden, haben Sie den Lehrern eine vollständige Liste aller zur Auf⸗
Es würde uns unangenehm
sein, wenn wir gegen einen Schulvorstand oder Lehrer wegen Nichtbeachtung der betreffenden Vorschriften strafend einschreiten müßten.
Dr., B aden.
Betreffend: Die Einschränkung der Schulzeit in der heißen Sommerzeil.
Die Großherzogliche Kreis-Schulcommission Friedberg an sämmtliche Schulvorstände des Kreises. Durch ein von Großherzoglichem Kreisgesundheitsamte Friedberg an uns gerichtetes Gutachten finden wir uns aufgefordert, hiermit anzuordnen, daß während der dermaligen heißen Witterung der Schulunterricht, welcher mit den größeren Kindern überall wohl schon um 6 Uhr früh beginnen kann, Morgens keinesfalls länger als 11 Uhr andauern und Nachmittags ganz ausfallen soll. Es kann durch Berathung des Gesammtschulvorstandes jeder Unterrichtsgegenstand eine kleine Verkürzung erfahren, deren Festsetzung wir Ihnen überlassen. Auch für den weiteren Sommer gestatten wir diese Einschränkung des Unterrichts, sobald Morgens um 10 Uhr im Schulsaale an einer von der Sonne nicht direct getroffenen Wand die Temperatur
höher als 220 R. ansteigt.
Friedberg den 12. Juni 1877.
Dr. Bra de n.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der verstorbene Großherzog, Ludwig III., war am 9. Juni 1806 als der Sohn des Prinzen und nachmaligen Großherzogs Ludwig II. und dessen Gemahlin Prinzessin Wil⸗ helmine von Baden zu Darmstadt geboren. Am 26. December 1833 vermählte er sich mit der Prinzessin Mathilde von Bayern Erbprinz Ludwig konnte sich in dieser Lebens⸗Epoche wenig um die politischen Angelegenheiten kümmern, bis ihn im Sturmjahre 1848 der Großherzog Ludwig II. zum Mitregenten ernannte. Das betreffende Edict vom 5. März 1848 laufete:„Wir haben, um Uns bei Unserem vorgerückten Alter eine Er⸗ leichterung in den Regierungs⸗Geschäften zu ge⸗ währen, beschlossen, Unseren vielgeliebten Sohn, des Erbgroßherzogs Königliche Hoheit und Liebden zum Mitregenten des Großherzogthums, und zwar
in der Weise anzunehmen, daß von jetzt an alle,
die Staatsregierung betreffenden landesherrlichen Entschließungen von Demselben ausgehen, auch deren Ausfertigungen von Ihm allein unterzeichnet werden sollen.“— Der nunmehrige Großherzog, Ludwig IV., ist geboren am 12. Sept. 1837 als der Sohn des neulich verstorbenen Prinzen Karl(Bruder des Großherzogs Ludwig III.) und der Prinzessin Elisabeth von Preußen. Ludwig IV. war bis jetzt Commandeur der 25.(hess.) Division. Er hat sich am 1. Juli 1862 mit der Prinzessin Alice von England vermählt.
— 15. Juni. Zur Abholung der sterblichen Ueberreste S. K. H. des Großherzogs war der Leichenwagen der Großherzoglichen Familie vor⸗ gestern Abend nach Seeheim entsandt worden. Nachdem derselbe dort eingetroffen, wurde in Gegenwart der Hofcavaliere die Einsegnung der Leiche durch Pfarrer Fischer von Seeheim voll⸗
den sechsspännigen Leichenwagen gehoben. Das Cortége bildete eine Escadron des Garde⸗Dragoner⸗ Regiments, von welcher die Hälfte vor, die andere Hälfte hinter dem Leichenwagen ritt. Denselben begleiteten außerdem der Großh. Hosstallmeister zu Pferde, sowie zu Wagen die Großherzoglichen Adjutanten und die beiden Aerzte. Der Orts- vorstand sowie der Kriegerverein von Seeheim gaben der Leiche das Geleite bis zur Gemarkungs⸗ grenze, wo der Letztere eine dreimalige Salve ab⸗ gab. Daselbst hatten sich der Geistliche und Ortsvorstand von Eberstadt eingefunden. Als sich der Trauerzug durch Eberstadt bewegte, wurde mit allen Glocken geläutet, ebenso in Bessungen und Darmstadt, woselbst er um halb 5 Uhr ein— traf. Auf dem ganzen Wege, welchen der Trauer⸗ zug zurücklegte, standen Tausende von Menschen. Der Leichenwagen fuhr in das Schloß, woselbst sich bereits S. K. H., Großherzog Ludwig IV., mit seinen Brüdern, den Prinzen Heinrich und Wilhelm, eingefunden hatten und wurde nun der Sarg in den sogenannten weißen Saal verbracht. Da der Zudrang des Publikums zum Schloß außerordentlich war, mußten die Thore für einige Zeit geschlossen werden. Die Leiche wurde gestern im weißen Saale aufgebahrt und ist heute auf dem Paradebette öffentlich ausgestellt. Die Stunde und das Programm der Beisetzung sind bis jetzt noch nicht festgesetzt. Die Beisetzung wird auf der Mathildenhöhe stattfinden.
Darmstadt. Den Ständen ist eine Vorlage unterbreitet worden, worin für verschiedene mit der erhöhten Frequenz der Schullehrer⸗Seminarien zu Bensheim und Friedberg zusammenhängende Bedürfnisse ein Gesammt⸗Credit von 17,900 Mk, angefordert wird. Nach den Motiven hat man die Errichtung eines dritten Seminars in feste
zogen und der Sarg sodann um halb 3 Uhr auf Aussicht genommen und ist ein solcher Zudrang
constatirt, daß voraussichtlich„in einigen Jahren wieder tüchtig geschulte Volksschullehrer in genügen ⸗ der Zahl zur Verfügung stehen, um alle vorhan- denen Schulstellen zu besetzen und damit einem Zustande ein Ende machen zu können, der für die sittliche wie für die materielle Wohlfahrt des Volkes gleich verderblich ist.“
Berlin, 13. Juni. Der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten hat heute auf Amtsent⸗ setzung des Bischofs von Limburg, Blum, erkannt.
— 14. Juni. Der Kaiser hat dringender Regier⸗ ungs⸗Geschäfte wegen die Abreise nach Ems auf morgen Abend verschoben.— Der Aufenthalt des Kaisers in Ems wird, der„Prov.⸗Corr.“ zufolge, sich bis Ende der ersten Juli- Woche erstrecken. Der Kaiser wird dann vermuthlich zum Besuch nach der Insel Mainau und Mitte Juli nach Gastein sich begeben, von wo derselbe etwa am 10. August nach Berlin zurückzukehren gedenkt.
Cöln. Dem noch in Rom weilenden Baron Felix v. Los wurde dieser Tage ein Urtheil des preußischen Ministeriums zugestellt, welches seine definitive Absetzung als preuß. Landrath ausspricht.
Coburg. officiböser Weise auf das Nachdrücklichste das Ge⸗ rücht als unbegründet, wonach der Herzog von Edinburg gegen die Bewilligung einer Jahres- rente neuerdings seinen Erbansprüchen auf das Herzogihum Coburg⸗Gotha zu Gunsten des Erb⸗ prinzen von Meiningen entsagt hätte.
Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Gerücht⸗ weise verlautet hier, Prinz Alexander von Hessen sei zum Bulgaren-Fürsten ausersehen. Ein inspi⸗ rirter Artikel des„Pester Lloyd“ bemerkt, daß mit dem Uebergang der Russen über die Donau
der Moment zur Wahrung der Interessen Oester⸗
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