Ausgabe 
16.1.1877
 
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wurde vom bisherigen

ine Herren! Die Feier, welche zu begehen mir 2 Tage dieses Jahres durch Gottes Gnade beschieden war, hat meinem Volke wiederum Ge⸗ legenheit gegeben, mir zahlreiche und rührende Beweise der Treue und Anbänglichkeit darzubringen, welche das werthvolle Erbiheil der preußischen Könige sind. Indem ich meinen innigen Dank dafür an dieser Stelle ausspreche, darf ich in der Bewährung der mein Volk erfüllenden Ge- sinnung die sichere Bürgschaft dafür erblicken, daß Preußen in der treuen Pflege wahrbaft monarchischer und zugleich freisinniger Institutionen seinen staat⸗ lichen Beruf in und mit dem deutschen Reiche fort und fort erfüllen werde. Zum weiteren Aus- bau unseres Staatswesens in dieser doppelten Richtung zähle ich auf Ihre freudige Mitwirkung. Bei der Eröffnung waren circa 250 Landtags Mitglieder anwesend, außerdem die Generalität und in der Diplomaten Loge der französische Botschafter Gontaut⸗Biron und der russische Ge- neral v. Reutern. Die Minister erschienen unter der Führung Camphausen's; Bismarck und Leon hardt waren abwesend. Um 12 Uhr erschien der König, gefolgt von dem Kronprinzen und den Prinzen Karl, Friedrich Karl Alexander, Georg und August von Württemberg. Der Vice Präsi⸗ dent des Herrenhauses von Bernuth brachte ein Hoch auf den König beim Erscheinen desselben aus. Die Thronrede wurde, namentlich beim Schluß passus, mit lebhaftem Beifall begleitet. Nachdem Minister Camphausen den Landtag für eröffnet erklärt hatte, schloß die Eröffnungsfeierlichkeit mit einen von dem Alters⸗Präsidenten des Abgeordnetenhauses, von Bonin, ausgebrachten Hoch auf den Kaiser.

12. Jan. Die Sitzung des Herrenhauses ersten Vice Präsidenten v. Bernuth eröffnet, welcher zunächst zur Berufung des provisorischen Bureau's schritt. Zum Präsidenten ward mit 53 Stimmen der Herzog v. Ratibor gewählt. Bei der Wahl des ersten Vicepräfidenten kam es zur engeren Wahl zwischen den Grafen Brühl, Udo Stolberg, Arnim⸗Boytzenburg, Lippe und von Bernuth, aus welcher der Letztgenannte mit 51 Stimmen als Sieger hervorging. Zum zweiten Vicepräsidenten ward mit 66 Stimmen Hasselbach gewählt. 13. Jan. Der Herzog v. Ratibor zeigt telegraphisch die Annahme der auf ihn gefallenen Wahl als Präsident und sein demnächstiges Eintreffen an. Es folgte die Vereidigung neuer Mitglieder und die Entgegennahme mehrerer un erhehlicher Vorlagen und deren Verweisung an Commissionen. Die nächste Sitzung ist unbestimmt.

DerNordd. Allg. Ztg. zufolge hat die deutsche Kriegs- CorvetteVineta telegraphischen Befehl erhalten, von Nokohama nach der Insel Manilla zu segeln und die Kriegsflagge zu zeigen, um die deuischen Handels ⸗Interessen in den dortigen Gewässern zu schützen,

DerReichs Anzeiger erklärt die Mel- dung des in Constantinopel erscheinendenLevant Herald, daß der deutsche Botschaster in der Con ferenzsitzung vom 11. seinen Austritt angekündigt, wenn sich die Pforte nicht kategorisch über die Annahme oder die Ablehnung der Conferenz⸗Vor⸗ schläge erkläre, für vollständig erfunden. Im Anschluß an vorstehende Meldung desReichs Anzeigers werden alle anderen Nachrichten der auswärtigen Presse über eine angeblich der Her stellung eines friedlichen Abkommens mit der Pforte weniger günstige Haltung der deutschen Regierung von bester Seite als falsch bezeichnet.

19 Der Gesetzentwurf über die Gerichtskosten wird den nächsten Reichstag nicht beschäftigen, die Vorarbeiten haben noch nicht begonnen.

Stuttgart. DerStaats- Anz. für Württem⸗ berg enthält gegentheiligen Zeitungsbehauptungen gegenüber eine Ausführung, worin gesagt wird: Die Regierung von Württemberg sörderte das Zustandekommen der Justiz- Gesetze so viel wie möglich. Der Vertreter derselben im Bundesrath nahm persönlich ein lebhaftes Interesse an der Einigung. Die Insinuation, Minister v. Mittnacht wäre bei dem Abschluß des Compromisses zurück gesetzt worden, sei unwahr und grundlos, sämmt⸗

Ausland.

Frankreich. Paris. Der wiederherge⸗ stellte Justizminister Martel hat die Leitung seines Mintisteriums übernommen.

Versailles, 11. Jan. Der Senat genehmigte den Auslieserungs-Vertrag mit England und ver- tagte sich sodann auf unbestimmte Zeit. Der Finanz Minister legte der Kammer das Budget für 1878 vor.

Dänemark. Kopenbagen. Das Crimi⸗ nalgericht verurtheilte den Führer der Socialisten, Brix, wegen Preßvergehen und Majestätsbeleidigung zu vier Jahren Zuchthaus.

Türkei. Constantinopel, 11. Januar. DemTel. Corr. Bür. wird gemeldet: In der heutigen Conferenz fanden längere Auseinandersetz ungen zwischen den europäischen und ottomanischen Delegirten statt. Man constatirte abermals das Vorhandensein von Divergenzen zwischen den Mächten und der Pforte. Die Türken beharren namentlich darauf, die Intervention der Mächte bei der Ernennung der General-Gouverneure, so- wie die Einsetzung einer internationalen Commisston zurückzuweisen. Die Vertreter der sechs Groß mächte blieben während der ganzen Debatte einig und mußte die Sitzung als resultatlos aufgehoben werden.

12. Januar. Heute hat in dem russischen Botschastshötel eine Versammlung der Bevoll mächtigten der Großmächte stattgefunden. Wie verlautet, motivirt die Pforte ihre Weigerung, die acht wesentlichsten Punke der von der Vorconferenz aufgestellten Vorschläge anzunehmen, folgender- maßen: die Concession hinsichtlich der Gebiets- Abtretungen an Serbien und Montenegro sei mit dem Artikel 1 der Verfassung nicht vereinbar; die geforderte Abgrenzung der slavischen Provinzen sei unannehmbar, weil sie den Widerstand der mohamedanischen und griechischer Bevölkerung her- vorrufen und dem Principe der Regierung, keine Racen⸗Theilung zuzulassen, zuwiderlaufen würde. Ferner müsse die Pforte die Verpflichtung, die Bildung einer Gendarmerie für die aufständischen Provinzen zu übernehmen, ablehnen; eine aus den Landesbewohnern gebildete Miliz sei gefährlich für die allgemeine Sicherheit wegen der eventuellen Streitigkeiten zwischen Christen und Mohamedanern. Die Punkte betreffs Ernennung der Gouverneure der slavischen Provinzen unter Mitwirkung der Botschafter und betreffs der internationalen Ueber wachungscommission verweigere die Pforte überhaupt nur zu discutiren. Die Beschränkung hinsichtlich der Einkünfte aus den genannten Provinzen widerspreche den Souveränetätsrechten der Pforte, und die Ein führung eines besonderen Gerichtssystems daselbst sei dem Geiste der Verfassung zuwiderlaufend.

13. Jan. DieAgence Havas meldet: Die Vertreter der Großmächte werden in der Con- ferenzsitzung am Montag von der Pforte formell verlangen, daß letztere in der zum Donnerstag anzuberaumenden Sitzung auf die Vorschläge der Mächte ihre definitive Antwort abgebe. Sollte diese nicht erfolgen, so würden die Bevollmächtig⸗ ten Constantinopel verlassen. Von dieser Eventua- lität wird man die Pforte ebenfalls am Montag verständigen.

Die Türkei kauft in Ungarn große Mehl- Vorräthe, welche nach Bulgarien geschafft werden.

Die Londoner amtliche Zeitung meldet, der britische Botschafter in Constantinopel Elliot habe angezeigt, daß die Ausfuhr von Getreide und Vieh aus der Donauprovinz, sowie die Aus- fuhr von Getreide aus den Häfen von Trapezunt, Samsun und Kerasun in der aslatischen Türkei verboten worden sei.

Serbien. Belgrad. Der serbische Abge- sandte Marinovits hat dem Grafen Andrassy mit getheilt, der Zar verzichte auf Serbiens Mitwirk- ung bei einem allenfallsigen Krieg.

Rumänien. Bukarest, 13. Januar. Rumänien erklärt die Antwort der Pforte auf seine Reclamationen für ungenügend. Aus Jassy werden Maßregeln in Betreff des Einmarsches der Russen gemeldet.

liche Bevollmächtigte erhielten vor Abschluß Kennt- niß über den Jahalt des Compromisses.

ö Fürst Ghika stellte Savpfet Pascha eine Note zu, welche verlangt, die Türkei solle aner-

kennen, daß Rumänien keinen integrirenden Theil des Ottomanenreiches bilde.

Rußland. Petersburg. Das Budget für 1877 weist an Ausgaben 568,770,000, an Einnahmen 570,778,000 Rubel auf; bei letzteren sind höher veranschlagt als im Vorjahre: die Erträge der Zucker-Steuer um 1 Mill., der Post und Telegraphie um 2 Mill.; niedriger die Zoll- Erträge um 3 Millionen. Die ordentlichen Ausgaben sind um Mill. höher angesetzt.

DerGolos schreibt über die gegenwär tige Sachlage: Die Pforte erlaubt sich, mit der Conferenz Spott zu treiben; die Geduld Ruß- lands dürfte erschöpft sein, weitere Concessionen könnten bloß den Hochmuth der Pforte verstärken. Das Selbstgefühl Rußlands fordere, die Ver handlungen nicht noch mehr in die Länge zu ziehen, sondern energische Maßregeln zu ergreifen und Ignatieff von Constantinopel abzuberufen. Je entschiedener Rußland auftrete, desto eher werde der Friede gestchert.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Weitere Wahlresultate: Backe Curtman Schröder. Hitzkirchen 53 Nieder-Rosbach 43 44 Obermörlen(v. Rabenau 121) 23 1 Wölfersbeim 156 Wenings 14 106 Wolf 60 Dudenrolh 22 Rohrbach 51 Diebach 40 Bindsachsen 106 Münster 57 Hausen 26 Stammheim 60 Rödgen 10 Klein Karben 1 122 Gießen. Der Schwurgetichtshof der Provinz Ober-

hessen vom 1. Quartal l. J. hat in den nachverzeichneten Anklagesachen erkannt: Am 8. Jan. gegen Conrad Eichel⸗ mann von Münzenberg wegen Urkundenfälschung auf Gefängniß von 8 Tagen. Denselben, gegen Nicol. Nagel⸗ schmidt von Wenings, wegen dreier einfachen Diebstähle und einer Unterschlagung auf Zuchthaus von 1 Jahr und 9 Monaten, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Spamer von Dortelweil, wegen Körperverletzung mit tödt⸗ lichem Erfolg auf Freisprechung. Den 11. Jan., gegen Theodor Wild aus Brettach im Königreich Württemberg, wegen Diebstahl's, auf Zuchthaus von 1 Jahr 3 Monaten. Denselben, gegen Louis Pelermann von Nidda, wegen Versuchs der Notbzucht, auf vorläufige Vertagung der Verhandlung. Sodann werden in der nächsten Woche noch weiter folgende Anklagesachen zur Verhandlung kom men: Den 15. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen Heinrich Bien von Freiensteinau, wegen Diebstahles; Verth.: Adv. Dr. Rosenberg. Den 16. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen Conrad Kappes Witiwe und Cons. von Lehrbach, wegen Verleitung zum Meineid; Verth.: die Adv. Baist und Hirschhorn. Den 17. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen Wilh. Amend von Battenfeld, wegen Diebstahls; Verth.: Adv. Dr. Schwarz. Den 18. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen Wilhelm Bücking von Homberg a. d. Ohm, wegen Ver suchs der Tödtung; Verty.: Adv. Weidig. Den 19. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen Feldschütz Conrad Heyer von Mel⸗ bach, wegen Erpressung und Verbrechen im Amte;(Vrth. noch nicht bestimmt.)

Lindenfels, 10 Jan. Heute Abend Uhr war ein Erdbeben mit donnerähnlichem Getöse, das in östlicher Richtung etwa zwei Minuten anhielt, zu bemerken.

Allerlei.

Bremen. In seemännischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Strandung des DampfersSaxonia durch eine in Helgoland zu Gunsten der Schifffahrt vor Kurzem getroffene Einrichtung veranlaßt sei. Es ist an⸗ geordnet, daß von der Insel bei Nebelwetter von Viertel⸗ stunde zu Viertelstunde Kanonenschüsse zur Warnung der Schiffe abgegeben werden. Der Capitän derSaxonia, mit dieser Anordnung noch nicht bekannt, wird geglaubt haben, daß die Schüsse vom Elb-Feuer⸗Schiffe abgefeuert wurden, und ist dadurch im Nebel aus dem Curs ge kommen. DieSaxonia sitzt ganz in der Nähe des im vorigen Jahre im Nordwesten von Helgoland gestrandeten DampfersHalifax.

Neapel, 7. Jan. Professor Palmiert schreibt von dem Observatorium des Versurs, daß der Seismograph seit den letzten zwei Tagen in beständiger Unruhe sei, und daß dichte Rauch-Massen mit großer Kraft ausgestoßen würden. In dem jüngsten Krater, der sich am 18. Decem⸗ ber 1865 öffnete, sei kein Feuer mehr wahrzunehmen, da eine Wand des Kraters von 1872 durch Einsturz den Schlund verstopft habe. Es sei anzunehmen, daß die unterirdischen Gewalten sich demnächst durch diese unge heuren Massen von Sand und Schlacken durch einen neuen Ausbruch Luft machen würden.

Am 9. Jan. gegen Con.

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