Ausgabe 
11.12.1877
 
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ist wieder eine Verschlimmerung durch leichte An- schwellung der Füße eingetreten. g

Portugal. Lissabon. Der seitherige portugiesische Gesandte beim päpstlichen Stuhl Graf Thomar ist zum Range eines Botschafters erboben. Portugal beansprucht das Recht des Veto beim nächsten Conelave.

Türkei. Constantinopel. DieTimes veröffentlicht einen Brief von hier von einer Per⸗ sönlichkeit, welche einen Vertrauensposten bei einem hoben Würdenträger des ottomanischen Reiches bekleidet. In diesem vom 29. November datirten Schreiben heißt es; die Pforte, am Erfolg ver⸗ zweifelnd, wolle, sobald Erzerum gefallen und die Straße nach Adrianopel bedroht sei, mit Rußland einen Separat Frieden schließen und lieber den Russen die freie Passage durch den Bosporus ge- währen, als denselben gestatten, nach Constantinopel zu marschiren.

6. Dec. Saleh Pascha's Diviston rückte gestern aus Osman Bazar gegen Kesrowa vor und eröffnete die Kanonade gegen den Feind. Dieser räumte in der Nacht Kesrowa und ging auf Tirnowa zurück. Kesrowa wurde darauf von Saleh besetzt.

Der Besitz von Elena entspricht einer Vor⸗ rückung der türkischen Front um drei Meilen und gerade an einer Stelle, wo die russische Operations- Linie am Empfindlichsten ist. Von Elena führt eine gute Straße in nordwestlicher Richtung nach Tirnowa und ein Landweg in südlicher Richtung über den Balkan nach Hainkiöbi. Auf der einen Seite könnten also Tirnowa mit der nach Schipka führenden Straße und auf der anderen Seite die im Hainkibipasse stehenden russischen Truppen be⸗ droht werden. Besonders die Letzteren werden Eile haben, sich vor ziemlich sicherer Gefangen nahme zu retten. Ob Suleiman Pascha in der Lage sein wird, den Sieg bei Elena gehörig aus; zunützen, hängt von den näheren Umständen dieses Gefechts ab, jedenfalls dürfte aber der Zustand der Straßen und die Witterung eine verlang; samende Wirkung auf die weiteren türkischen Operationen ausüben.

7. Dez. Edhem Pascha bleibt Großvezir. Der ehemalige Großvezir Mehemed Ruschdi ist seit gestern mehrmals in das Palais berufen worden. Der frühere Botschafter zu Paris, Sadyk Pascha, ist nunmehr zum Minister des Innern an Stelle von Hamdi Pascha ernannt worden. Aus Batum sollen der Regierung ungünstige Nach- richten zugegangen sein.

Der Gouverneur von Kossowa meldet unterm 5. d.: Serbische Truppen ⸗Abtheilungen sind am Javor erschienen. Gleichzeitig kamen vier serbische Beamte über die Grenze, gingen nach Senidje, verlangten daselbst Aufklärung über die Gegen- wart der türkischen Truppen an der Grenze und forderten, daß dieselben bis zum Mittag des folgenden Tages abziehen sollten. Am selben Tage fanden Schlägereien zwischen Serben und der türkischen Bevölkerung statt. Dem Kriegsministerium wurde aus Nisch gemeldet: An der dortigen Grenze herrscht vollkommene Ruhe. Die daselbst concentrirt gewesenen serbischen Truppen sind zurückgezogen und theilweise beurlaubt worden. Die Nach richt von dem Erlaß eines Ultimatums von Seiten der serbischen Regierung ist unbegründet. Die Pforte erhielt neuerdings überhaupt keine serbische Note.

Serbien. Belgrad. Von einer Sistirung der Kriegs Vorbereitungen ist nichts bekannt, wie von einer Seite behauptet wurde, im Gegentheil wurde die Mobilisirung der zweiten Milizaufgebote des serbischen Timok-, des Morawa⸗, und des Javer- Corps angeordnet. Ferner erfolgte die Ankündigung der bevorstehenden Einreihung von 8 russichen Generalstabsoffizieren, sowie von 32 anderen russischen Offizieren.

Rußland. Petersburg. Osjfficiell aus Bogot. Der Kampf am 4. Dezember bei Maren und Elena fiel bedeutend schlimmer aus, als es nach den ersten Nachrichten erschien. 50 Offiziere, 1800 Soldaten blieben todt oder wurden ver- wundet. Elf Geschütze gingen verloren, vier der⸗ selben waren beschädigt. Die übrigen sieben

wegen Mangel an Pferden unmöglich war, sie zu transportiren. Weitere Einzelheiten dieser unglück⸗ lichen Affaire sind noch unkekannt. Am 6. Dez. beschränkte sich unsere Operation darauf, daß die rechte türkische Colonne aus Slatarizza vertrieben und gegen Bebrowa zurückgeworfen wurde. Die linke türkische Colonne versuchte bloß einen Angriff, hielt aber um 3 Uhr Nachmittags inne. Die Kräfte der Türken gegenüber Slatarizia wurden auf 10,000, gegenüber Jakowzi bis auf 30,000 Mann geschätzt. Am 7. gegen Nachmittag erneuerte sich der Kampf bei Jakowzi, jedoch hörte die Kanonade gegen 4 Uhr wieder auf.

Officiell aus Bogot;: Gleichzeitig mit dem Angriff auf Elena demonstrirten die Türken gegen die ganze russische Fronte. Am 4. Dee, rückten 6 Tabors mit Artillerie auf der Straße von Osman Bazar gegen die russische Position bei Kesrowa vor, zogen sich indeß, obwohl ste keinem größeren Widerstand begegneten, sogleich wieder zurück. Am 5, Dec. rückten kleinere Detachements aller Waffengattungen concentrisch von Opaka und Karahassankibi gegen Polomartscha und Kowat⸗ schitza vor, beschränkten sich aber auf eine Kanonade gegen unsere auf der Straße von Polomartscha nach Jenitschesst befindliche Vorderposition. Nach einem von 2 bis 4 Uhr Nachmittags dauernden Schußwechsel, zog sich der Feind zurück und unsere

Vorposten besetzten ihre früheren Stellungen. Am

6. Dec. rückten wieder 5 türkische Tabors mit Artillerie und Cavalerie gegen Polamartscha und Kowatschitza vor, unterhielten vom Morgen bis zur Dämmerung ein Geplänkel mit unserer Vorhut und zogen sich am Abend abermals zurück. An demselben Tage unterhielt der Feind von Morgens bis 3 Uhr Nachmittags ein lebhaftes Geplänkel mit unserem bei Kesrowa stehenden Detachement auf der Straße nach Osman Bazar. Außerdem begegnete am 5. Dec, unser von Pyrgos zur Re

cognoseirung abgesandtes Detachement einer recog · Nach kurzem

noscirenden türkischen Abtheilung. Geplänkel kehrte unser Detachement nach Pyrgos, das türkische nach Basabrowa zurück.

Aus Stadt und Land.

Steinfurth. Bei der am 3. d. Mts. dahier statt⸗ gehabien Wabl eines Kreistags- Abgeordneten für den IX. Wahlbezük wurde der seitherige Abgeordnete Friedrich Keil von Melbach einstimmig wieder gewählt. Diese Wiederwahl erregt allseitig Freude, da der Gewählte ein tüchtiger Nann, und seiner Stellung vollständig gewachsen ist.

Gießen. Vergangenen Samstag fand vor dem Be ziiksstrafgericht die Verhandlung gegen den Wilderer Joh. Zofer von Bornheim stalt, der, wie bekannt, mit seinem Collegen Nuß nach einem Gendarmen schoß. Zofer wurde wegen Widersetzlichkeit und Körperverletzung zu 1 Jahr 6 Monat Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt. Nuß, welchen wohl eine härtere Strafe ge

troffen hätte, hat sich, wie schon früher gemeldet, durch

die Flucht nach Amerika der Untersuchung entzogen,

Ober⸗Ingelheim, 6. Dec. Wie mitgetheilt wird, fand heute in der Nähe unseres Ortes ein Raub statt. Ein Mann von Niedersaulheim, welcher verreisen wollte und sich zu diesem Bebufe nach der hiesigen Station be gab, wurde von Landstreichern überfallen und erheblich verwundet. Die Räuber nahmen dem Unglücklichen eine große Geldsumme ab.

Unterseeische Landschaften.

Das Meer hat seine Berge und Thäler, Hoch- und Tiefländer, die sich mit Geröll, Schiffstrümmern und Menschengebein bedecken. Halb von Kalk und Schlamm überzogen, ruht drunten die grün⸗ lich schillernde Kanone neben der Kiste mit peru anischem Golde und leeren Schalen verwester Muschelgeschlechter. Da modert der kahle Schädel des Seekapitäns neben dem zerbrochenen Panzer der Schildkröte, die verkalkte Harpune neben dem Walroßzahne, hausen in den Ballen indischer Seidenzeuge fröhliche Fischfamilien, während dar- über hin die stillen Meeresströmungen ziehen und mit Billionen winziger Gallertthierchen, riesige Wale und gierige Haie, vor denen scheu die dicht⸗ gedrängten Heerden angstgetriebener Häringe flüchten. Hier wirbelt das Meer um seltsam gestaltete Klippen, dort schleift es mürrisch über weite Sahara's; hier kreist es um Tangwaldungen des Montblanc's der Tiefe, dort schleicht es leisen Schrittes über die Spalten meilentiefer Abgründe, als scheue es sich, in diese ewige Nacht hinabzusinken, wo es

Geschütze wurden vom Feind ergriffen, weil es

unheimlich brodelt, gurgelt und stöhnt.

Das Meer ist das nie auszufüllende Grab des Lebens, wo unzählbare Thierleichen modern und ihre Gebeine zu meilenlangen Bänken an⸗ häufen. Das Meer ist der Schauplatz unauf⸗ hörlichen Mordens, eines steten Jagens und Ent⸗ fliehens, Verschlingens und Verschlungen werdens. Alles jagd und mordet; doch hört man kein Kampfgeschrei, keinen Siegesjubel. Die Schlachten werden in unheimlicher Stille geführt, welche nur das Plätschern der gepeitschten Wellen und das zuckende Aufspringen der zum Tode Verwundeten unterbricht.

Doch unerschöpflich quillt auch der Strom des Lebens in den Meeresgründen. Wo an den Fels- klippen Spitzbergens, an dem Viktorialand des Südpolarmeeres keine Flechte mehr klebt, wohin kein Rennthier sich verirrt, kein Eisbär jagen geht, da gedeiht der riesenhafte Beerentang, wimmelt es von Infusorien in meilenweiter Ausdehnung und steigt das Leben 12,000 Fuß tief hinab. Bei Grönland färben Thierchen Quadrat- meilen das Meer 1400 Fuß tief grün. In anderen Meeresbuchten findet man gar Breiten⸗ grade weit ungeheure Massen brauner Medusen, von denen erst 110,592 einen Kubikfuß füllen. An dem 14,000 Fuß bohen Vulkan Erebus im Südpolarmeere leben 38 Infusorien- Arten; andere Arten färben bei Ulloa das Meer chocoladebraun, noch andere die Buchten rosenroth, grün, weiß u. s. w,

Das Meer hat aber auch seine Urwälder, Prairien und Blumengärten von einer phoephorisch leuchtenden Farbenpracht, wie sie die Erdoberfläche nicht besitzt. Tangpflanzen sind mannichsach ge. staltet, prachtvoll gefärbt, sehr zahlreich und oft riesengroß(700 bis 1500 Fuß lang) und reichen von moosartiger Kleinheit bis zu bergehoher Länge. Das goldrothe Korallenmoos und die braune spannlange Schotendrahle(ectocarpus) geben das Miniaturbild eines unendlich verzweigten Baumes, wogegen das purpurrothe Stengelmoos Islands sich zu einem zollbreiten, handsörmigen Lappenblatt erweitert, andere Tange wieder Palmen mit wallen⸗ den Blaitwedeln gleichen. Es wiegen und schaukeln sich die klafterlangen Tangblätter auf den Wogen, ringen mit den Sturmwellen, und werden von diesen oft an Küsten getrieben, wo sie meilenlange Streifen von einigen Hundert Fuß Breite bilden und strandende Schiffe gegen harten Anprall schützen, wie die Ballen der Eisenbahnwagen den Stoß abschwächen.

Diese Gewächse bilden die unterseeischen Waldungen, indem sie wie ein Urwald in buntem Gemisch durcheinander wachsen, ihre Zweige ver⸗ flechten, hier Lauben und Gänge, dort unentwirr⸗ bares Dickicht bilden, oder freies Wiesenfeld offen lassen, wo kleinere Meerpflanzen die rosenrothe Rasendecke bilden. Unstät schillern und glitzern die grellfarbigen Blätter durcheinander, die bei jedem Wellenschlag, bei jedem helleren Sonnen⸗ blick in anderen Farben spielen. Ueppig in Tausend mannigfachen Gestalten, theils dem Boden sich anschmiegend, theils mit grausen Laub⸗ büscheln emporragend, stehen die Tange in hellem und dunklem Grün, im prachtvollsten Roth und Gelb, im glänzendsten Widerschein des Lichtes.

Durch dieses traumhaft wechselnde Farbenspiel rudern buntfarbige Muscheln und metallisch schillernde Fischchen. An den Stengeln kriechen langsam weidende Schnecken entlang, an den Bäumen nagen die 20 Fuß langen grauhaarigen Wallrosse, an ihnen nährt sich der riesige Dugong, die Sirene der Fabel, der plumpe Manati, das gewaltige Borkenthier, dessen runzelige Haut wie Eichenborke aussieht. Hier wandern der 30 Fuß laage Hai⸗ fisch, der dichtbehaarte Seehund und die schwer⸗ fällige Schildkröte. Es weiden ganze Heerden in behaglicher Ruhe in der dämmerigen Kühle des Meeresgrundes. Auf dem Meeresboden wachsen aber auch die wunderbaren Korallen. Aus dem steinernen Baumstamm sprießt der empfindende Fangarm des Polypen, eines Gallertklümpchens, welches sich ernährt, foripflanzt und versteinert, indem es sein Steinhaus zum Steingrabe macht, über welchem nachwachsende Geschlechter neue Steingehäuse aufführen. Der ästige, vielgestaltige

Korallenbaum trägt Blätter und Blüthen, aus dem

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