auf das Rundschreiben Gortschaloff's gebe die Ge- fühle und Ansichten des Landes nicht wieder, wage sogar einen Vorwurf gegen Rußland daraus her- zuleiten, daß dieses sich zum Organ feierlicher Entschließungen gemacht habe. Die Pforte habe seit dem Krimkriege nichts zur Verbesserung der Lage des Landes gethan; letztere sei im Gegen- theil sogar viel schlechter geworden. Die Interessen Englands schwebten in großer Gefahr. Man könne nicht sicher sein, ob die orientalische Frage nicht durch Rußland oder Oesterreich eine geson⸗ derte Lösung erfahre. Gladstone schloß mit einem beredten Hinweis auf die beilige Sache der unter- drückten Christen. Wolff beantragte die Ablehn- ung der Resolutionen Gladstone's, die nur der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten bezweckten. Groß(2) vertheidigte die Regierung: Rußland trage die Verantwortung dafür, daß die einheit- liche Action Europa's aufgehört habe. England sei bemüht, den Krieg zu lokalistren und die Neu- traliiät zu bewahren. Wenn der Kaiser von Rußland seinem Worte treu bleibe, daß er Con- stantinopel nicht angreifen werde, so komme ein Conflict mit britischen Interessen überhaupt nicht in Frage. Hierauf wurde die Fortsetzung der Berathung auf morgen vertagt.
Spanien. Madrid. Durch ein fetzt ergangens Deeret werden die baskischen Provinzen den übrigen spanischen Provinzen vollkommen gleichgestellt. Der baskische Clerus bezieht fortan ein Staatsgehalt in Gemäßheit des Concordates. Im Hinblick auf jenes Deeret sind in Biscava umfassende militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Italien. Rom, 7. Mai. Der Senat bat bei Fortsetzung der Debatte über den Gesetz⸗ entwurf wegen Mißbrauchs des geistlichen Amtes einen von Cadorra und Lambertico zu Artikel 1 gestellten, Seitens des Justizministers mißbilligten Antrag mit 103 gegen 93 Stimmen angenommen, ebenso die übrigen Artikel mit unerheblichen Ab- änderungen; die Vorlage im Ganzen wurde jedoch mit 105 gegen 92 Stimmen abgelehnt.
Türkei Constantinopel. Eine Depesche Mukhtar Pascha's vom 3. d. M. meldet: In Folge des letzten Gefechtes vor Kars mußten die Russen ihr Lager um acht Meilen zurückverlegen. Sie campiren in der Gegend von Ardahan. Diese Position wurde indeß noch nicht angegriffen. Der Commandant von Batum meldet vom 3. Mai: Ein kleines Gefecht mit den Russen ist ungünstig ausgefallen.
— 5. Mai. Der rechte Flügel der Russen marschirt auf Genles und Tebilder, augenscheinlich um die zweite Vertheidigungslinie der Türken bei Soghanle zu umgehen. Der linke Flügel der Russen forcirt die Passage von Bajazid über Surikoy. Das Centrum der Russen scheint in der Ebene von Kars das Resultat jener Operationen abwarten zu sollen. Das Wetter bessert sich.
— 7. Mai. Der französische Militär-Attache geht im Laufe dieser Woche nach Schumla ab, um den militärischen Operationen zu folgen.— Die Kammer genehmigte die Vorlage wegen Ver— hängung des Belagerungs-Zustandes. Demnächst soll der Kammer eine Vorlage über ein Moratorium zugehen. Heute fand großer Kriegsrath unter dem Vorsitze des Kriegsministers statt.
Erzerum, 8. Mai. 12,000 Russen wurden bei dem Versuch, das Defils von Sognanle bei Narishan zu sorciren, von Kars aus zurückge. wiesen, ein zweistündiger Angriff der Russen auf die Citadelle von Kars abgeschlagen. Die Russen erlitten beträchtliche Verluste.— Der Kurden⸗ Scheik Abdullah concentrirt 10,000 Kurden an der russischen Grenze.
Rustschuk, 6. Mai. Gestern bombardirte und steckte ein türkisches Panzerschiff das russische Lager bei Reni in Brand. Die russischen Häfen werden durch 20 türkische Schiffe blokirt werden.
Rumänien. Bukarest, 5. Mai. In die Atresse des Senats heißt es u. A.: Der Senat wird niemals eine gewagte und gefährliche Politik anrathen, noch weniger einen Angriff auf die Türkei. Allein wir werden unsere heimath- lichen Herde vertheidigen, falls dieselben angegriffen w. den.— Großfürst Nicolaus wird heute Nacht
in Galatz eintreffen und morgen in Barboschi zu- bringen, um daselbst die Truppen und die Befestig⸗
ungen zu inspiciren. In seiner Begleitung befindet sich Bratiano.
— 6. Mai. Drei türkische Monitors haben mehrere Stunden bindurch Oltenitza und die da— selbst befindlichen Batterien beschossen. Die Ein- wohner flüchten. Hier herrscht große Erbitterung über das Bombardement dieser offenen wehrlosen Stadt.
— 7. Mai. In vergangener Nacht haben die Türken den rumänischen Hafen Beshet bom- bardirt und fünf englische, sowie mehrere andere mit Frucht beladene Schiffe in Grund geschossen. Baschibozuks plünderten die umliegenden Ort⸗ schaften und kehrten darauf beutebeladen über die Donau zurück.— Großfürst Nikolaus wird hier erwartet.
— 7. Mai. In dem von den Türken bom⸗ bardirten Hafen Beshet befand sich ebenso wie in Oltenitza keinerlei Besatzung.
Griechenland. Athen, 7. Mai. Das Cabinet hat an die Pforte eine Protest⸗Note ge- richtet aus Anlaß der Freilassung von mehreren inhastirt gewesenen Führern von türkischen Räuber banden, welche früher die griechischen Grenzbezirke beunruhigt hatten. Die Listen der Armee-Reserve sind im ganzen Königreich geschlossen: Die Alters- Classen vom 20. bis 30. Lebensjahre haben ein Contingent von 100,000 Mann ergeben.
Rußland. Petersburg, 7. Mai. Lord Lostus überreichte gestern dem Fürsten Gortschakoff die Antwort Englands auf das russische Circular. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt die russische Regierung nicht, darauf zu erwiedern.— Der Kaiser traf heute früh hier ein, hielt feierlichen Einzug in die Stadt und empfing eine Deputation der Gewerbtreibenden.
— Ein Telegramm an den Kriegs-Minister aus Tiflis meldet, daß bei der Armee nichts Neues vorgekommen; das Unwetter dauere fort. Am 2. Mai scien 7 feindliche Schiffe vor Letscha erschienen, hätten sich dort einen Tag aufgehalten und sich dann entfernt, ohne etwas vorzunehmen. Am 3. Mai habe eine türkische Fregatte Poti beschossen. Die Schüsse hätten ihr Ziel verfehlt.
— 7. Mai. Aus Alexandropol von gestern verlautet gerüchtweise: Die Türken haben ihre von Erzerum kommenden Truppen bei Saganlugh concentrirt.— Aus Poti vom 6. wird gemeldet: Das türkische Geschwader hat sich getheilt; ein Theil blieb in Sicht von Poti, der andere segelte nach Fort Nicolai hin ab, von wo gestern eine Kanonade hörbar war.— Ein britischer Dampfer hat in der Nacht die Rhede von Poti verlassen und er kam glücklich in's offene Meer, obwohl ihn von Poti aus ein türkischer Monitor verfolgte. — Aus Osurgketi(Georgien) wird vom 5. Mai berlchtet: Die Rion-Abtheilung der Kaukasus— Armee bleibt auf den Höhen von Mukaesta stehen. Gestern wurden Recognoscirungen nach dem Meere und Legwa hin vorgenommen, deren Zweck die Räumung der Wälder Seitens des Feindes war. Tscharucksu ist von den Türken geräumt, aber von sieben türkischen Schiffen geschützt. Die russischen Truppen wurden bei ihrer Annäherung von den Schiffen mit Schüssen empfangen. Auf den Höhen von Legwa ward eine türkische Verschanzung vor- gefunden. Die Türken wurden beim ersten An- griffe von den Russen geworfen.
Moskau. Auf Initiative des evangelischen Hülfsvereins überreichten hiesige Deutsche der Kaiserin 10,000 Rubel für die Verwundeten. Der deutsche Club bewilligte zu gleichem Zwecke 15,000 Rubel.
Amerika. Washington, 7. Mai. Der Schatzsecretär hat wiederum 10 Millionen Doll. 5.20 Bonds zur Rückzahlung gekündigt.
Aegypten. Kairo, 6. Mai. Es wird versichert, die Engländer träfen Vorbereitungen, um am Eingange des Suez Canals ein Lager zu errichten.
Alexandrien, 6. Mai. Der russische General-⸗Consul und sein Personal sind nach Triest abgereist.
Afrika. Capetownu. In Prantoria ist
am 12. April die englische Flagge aufgehißt und
das Transvaal-Land England einverleibt worden. Der Prästdent Burgers protestirte dagegen. De⸗ legirte begeben sich nach Europa und Amerika, um bei den Mächten, welche die Trans vaal-Republil anerkannt haben, zu protestiren. In Transvaal sind englische Truppen angekommen. Die Cap- Regierung hatte auch der Annectirung des west⸗ lichen Girgualandes zugestimmt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, singt Uhland angesichts der nen erwachen den Natur und wir brauchen nur um die Stadt zu gehen, um uns des Frühlingskleids, welches Sträuche und Bäume angelegt haben, zu erfreuen. Allein auf dem See⸗ graben wird diese Freude sehr getrübt; ein Theil des Grabens dient schon seit länderer Zeit als Ab⸗ lagerungsstelle für buntes Allerlei(Kehricht, Asche, Scherben Gerümpel, Bauschult, zur Abwechslung einmal eine todte Katze ꝛc.) und bietet dadurch einen geradezu widerwärtigen Anblick. ueberall werden die öffentlichen Spazierwege und ihre Umgebung rein gehalten und sorgfältig gepflegt; auf dem Seegraben geschieht das Gegentheil hiervon, indem, aller mögliche Unrath, der vor die Stad gehört, in die nächste Nähe des am Meisten begangenen städtischen Spazierwege mit obrigkeitlicher Erlaubniß ge⸗ tragen wird. Die Folge der Zuschüttung des Grabens wird sein, daß der längs desselben führende Weg der Feuchtigkeit halber, deren Abzug verhindert ist, bei nasser Wilterung schlechter werden, daß ein Theil der vorhandenen Obsibäume allmälig absterben wird und neue, deren An⸗ pflanzung etwa für später auf dem ausgefüllten Stück vorgesehen ist, wegen Mangel an Nahrung nicht gedeihen werden.— Soll dieser Zustand so bleiben? (Wir sind der gegentheiligen Ansicht des geehrten Herrn Einsenders und begrüßen die endliche Ausfüllung dieses zwecklosen Grabens, in welchem sich nur stinkende Feuchtig⸗ keit ansammelte, mit Freuden. Nachdem die übrigen Gräben ebenfalls dem Promenadeweg gleich gemacht wurden, ist es nur eine Consequenz, wenn auch dieser letzte Graben schwinden muß. Elwas rascher dürfte die Ausfüllung allerdings geschehen. Die Redaction.)
Bad⸗Nauheim. Wie wir hören, wird am Himmel⸗ fahrttage die Kurkapelle bei günstigem Weiter zum ersten⸗ male im Freien auf der Terrasse spielen und zwar in der Zeit von 3 bis 6 Uhr.
Allerlei.
Metz, 7. Mai. Heute früh 4 Uhr brach, wohl ver⸗ anlaßt durch die Illumination bei Anwesenheit des Kaisers, in der Dachung des Doms Feuer aus, welches das Dach vollständig zerstörte und auch das Innere des Doms beschädigte. Der Kaiser war selbst auf der Brandstätte. Die Gewalt des Feuers war gegen Miitag gebrochen und die Gefahr vorüber; nur aus den gothischen Pfeilern sleigen noch Rauchwolken auf. Die Thurmuhr ist unver- sehrt, der Dachstuhl niedergebrannt und das Innere der Kirche mehrsach durch herabgefallene brennende Holz— stücke beschädigt.
Berlin, 7. Mas. Bei dem Abbruch des Postgebäudes in der Spandauer Straße stürzte ein Gewölbe ein, wodurch ein Arbener und eine Frau verschüttet wurden; ihre Leichen sind bereits ausgegraben.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 8. Mai. Waizen M. 30.—. Korn M. 24.—. Gerste M. 21.—. Hafer M. 16—20. Kar⸗ toffeln M. 6.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo — 200 Zollpfund.
Gießen, 8. Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfund 1 M. 28 Pf. vis 1 M. 32 Pf. Eier per Stück 4 und 5 Pf. Käse per Stück 5 10 Pf. Tauben das Paar 68 Pf. Hübner per Stück 1 M. 30 Pf., Hahnen per Stück—, Kartoffeln, 100 Kilo, 8 M. 50 Pf.
Frankfurt, 7. Man. Der beutige Viebmarkt war gun defahren. Angetrieben waren: 450 Ochsen 220 Kühe und Rinder, 340 Kälber und 600 Hämmel. Die Preise siellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 65—68., 2. Qual. M. 56—60. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 60—., 2. Qual. M. 51 bis 54. Kälber 1. Qual. M. 65-68. 2. Qual. M. 51—54., Hämmel 1. Qual. M. 54 56., 2. Qual. M. 49 51., Schweine das Pfund 60 Pl. Auf dem heutigen Markie slanden prachtvolle Masikühe von dem Gute des Herrn E. Puth aus Okarben zum Verkauf. Dieselben waren für die hiesige Mastvieh⸗Ausstellung be⸗ stimmt. Sie fanden sofort Käuser.
Frankfurt, 7. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 45., Nr. 2 M. 41., Nr. 3 M. 37., Nr. 4 M. 33., Nr. 5 M. 27. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 29., do. II.(werliner Marke) M. 24., Weizen ab Babnbof hier M. 30 50-31, ab unserer Umgegend M. 29.5030 50, fremder je nach Qual. M. 24-30. Korn M. 21-23. Gerste M. 1922.50. Hatt: M. 15-19. Erbien M. 21—24. Wicken M. 17.50. Linsen M. 21— 30. Rüböl M. 74—. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo.
Minz, 8 Mai. Producsen-Markt. Wadzen ver Mai 28.10. Korn ver Mai 19 45. Haser per Mal 17.60. Rüböl per Mai 35 90.
Kleesamen,
deutschen und ewigen, in bekannten hochfeinen Qualitäten
1452
bei Wilhelm Fertsch.
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