Ausgabe 
10.2.1877
 
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Großvezir ernannt wird, gibt den sesten Willen des Sultans kund, die Verfassung durchzuführen, und verheißt mehrere Gesetz-Entwürse, welche der Deputirtenkammer vorzulegen wären, namentlich betreffs Organistrung der inneren Verwaltung auf Grundlage der Detentralisation bezüglich der Wahl der Provinzial- Gouverneure und ihrer Stellver- treter und hinsichtlich der Reorganisation des Finanzwesens. Auch wird erwähnt, daß die Re⸗ gierung beabsichtige, europälsche Finanzkräfte zu berufen. Samih Pascha ist zum Gouverneur von Kreta ernannt, Odian Effendi nach Constan- tinopel berufen. In bhiesigen Zeitungen wird als Ursache von Midhat's Sturze die Entdeckung eines von demselben organisirten Complottes zum Sturze des Sultans Abdul Hamid und Ersetzung des- selben durch Murad angegeben. In der Nacht von Sonntag auf Montag hätten sich Mahmud Damat Pascha, Redif Pascha und der Polizeiminister im Pa- lais des Sultans vereinigt und Letzeren, nachdem sie Beweise von Midhat's Schuld beigebracht, bestimmt, diesen zu verbannen. Der Sultan habe Midhat die Wahl gelassen, wegen Hochverrathes vor Ge- richt gestellt zu werden, oder in die Verbannung zu gehen; Midbat habe Letzteres vorgezogen und sich nach Brindist führen lassen. Der kaifer⸗ liche Hat, welcher die Absetzung von Midhat an zeigt, beruft sich auf Artikel 113 der Verfassung, wonach dem Sultan die Befugniß zustehe, die jenigen, welche die Sicherheit des Staats gefähr⸗ den, aus der Türkei zu verbannen. Privat-De⸗ peschen aus Constantinopel behaupten, der Sturz Midhat Pascha's sei durch Umtriebe Ignatieff's herbeigeführt worden.

7. Feb. In einem officiellen Communiqus heißt es: Nachdem der Sultan die Verfassung proclamirt hatte, welche allen Unterthanen Gleich- heit verbürgt und das parlamentarische Regime an Stelle des absoluten setzt, mußten sich alle Beamten, groß wie klein, den Bestimmungen der Verfassung fügen. Trotzdem neigte Midhat Pascha einer dem Geiste der Verfassung zuwiderlaufenden Richtung zu. Es sind gewisse Acte zu constatiren, die darauf hinweisen, daß die vom Sultan auf gegebene absolute Gewalt durch andere Hände ausgtübt werden sollte; einige Individuen schmie⸗ deten Pläne gegen die Prärogative des Sultans und die politische Ruhe. Midhat hatte die Pflicht, dieses Treiben zu verhindern, aber er ließ es ge schehen. Das abgeschaffte Regime wurde dem- nach in anderer Form wieder ausgeübt, wonach der Sultan den Entschluß faßte, Midhat zu ver- bannen, um seine Rechte sowie den Geist der Ver faffung zu wahren.

Serbien. Belgrad, 8. Februar. Die Unterhandlungen der türkischen Bevollmächtigten mit den Agenten Serbiens werden auf ausdrückliche Anordnung des neuen Großvezirs in Wien fortgesetzt. Es heißt, daß, wenn erst weitere Grundlagen für den Friedensschluß gewonnen seien, die Verhandlungen in Konstantinopel fortgesetzt werden sollen.

Rumänien. Bukarest, 7. Feb. Der Timpul meldet folgendes neues Cabinet: Bratiano Präsident und Inneres, Jonescu Unterricht, Chitzu Justiz, General Cernat Krieg, Campincanu Aeußeres, Codrescoi Finanzen.

Rußland. Petersburg, 7. Februar. Gestern wurde im Processe wegen der Demonstration vom 18. v. M. das Urtheil gefällt; drei von den

ö

Angeklagten wurden freigesprochen, die Anderen theils zu Zwangs Arbeit, theils zur Deportation verurtheilt.

Odessa, 6. Feb. Der Großfürst Ober⸗ befehlshaber trifft zunächst hier mit kleinem Ge⸗ folge zu einem mehrtägigen Aufenthalte ein.

Amerika. Washington, 8. Februar. Der gestrige Beschluß der zur Entscheidung über die Streitpunkte bei der Präsidentenwahl niederge⸗ setzten Commission, wonach nur betreffs der Wahl Certificate und Zeugnisse für die Wählbarkeit Humphrey's im Wabl⸗Collegium von Florida Beweisaufnahme stattfinden soll, wird von den Republikanern mit großer Befriedigung aufge- nommen. Dieselben betrachten diesen Beschluß als Anzeichen für die Entscheidung zu Gunsten von Hayes.

Rio de Janeiro.Reuters Bureau meldet von hier: Gegentheiligen Nachrichten gegenüber ist weder hier, noch in Bahia, noch in Pernambuco irgend welche Spur von gelbem Fieber. Der Gesund⸗ heits-Zustand in ganz Brasilien ist viel günstiger, als im Jahre 1876.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Zu den belehrenden und anregenden Vorträgen im hiesigen Volksbildungsoerein gebören auch riejenigen, welche Seminarlehrer Dr. Heid über das Auge und den Vorgang beim Sehen um 19. und 26. Januar d. J. dahier gehalten hat. Beidemale war das Lokal mit Zuhörern überfüllt, ein Zeichen, daß passend gewählte Themen Theilnahme und Aufmerksamken finden. Nur Andeutungen sollen den Inhalt der Vorträge hier wieder: geben. Der Redner, welcher seinen Gegenstand in gewandter Weise frei vortrug, behandelie zuerst den anatomischen Bau des Auges, ihn auf Tafeln in einem sebr schönen Modell veranschaulichend, dabei auch das eines Inseklenauges vor zeigend. Hierauf wurden die Funktionen des Lichtes beim Seben erläutert. Soll ein Körper gesehen werden, so müssen Lichistrahlen von demselben nach allen Seiten aus⸗

geben; gelangt ein Theil desselben mis Hilfe des im Auge

befindlichen Linsenapparates in das Auge, so entsteht auf det Netzhaut ein umgekehrtes verkleinertes Bilochen, welches durch Experimente nachgewiesen wurde. Damit dieses Bildchen, der Erreger der Netzhaut, nicht vor oder hinter diefelbe fällt, sind die Ciliarmuskeln vorhanden, welche das Auge accomodiren. Solche Sehorgane, welche dieses Vermögen besitzen sind normal; welche dasselbe aber nicht vermögen, bedürfen, wenn sie wensichtig sind, einer Sammellinse, und wenn kuizsichtig, einer Zerstreuungslinse als Brille. Auch bierbei traten Experimente erläuternd ein. Der zweite Vortrag führte die pyysiologischen Vor gänge beim Sehen vor, die Netzhaut, das direkte und inditecte Sehen mit Versuchen, den gelben und blinden Fleck, das Einfach-, Dopp li und Farbensehen, das Sehen der Entfernungen, die Täuschungen ꝛ6. Hervorgehoben wurde dabei, daß wir über die Art nder Zapfenerregung, ihre Fortsetzung zum Gehirn und deren Uebertritt in das Bewußtsein so gut wie Nichts wissen. Nachdem der Redner noch die psychologische Natur des Sehens berührt hatte, schloß er den Vortrag. Möchten die Winke desselben über Schonung des Auges, dieses wundervollen Organs, berück sichügt werden.

Darmstadt. DieHess. Volksbl. bringen in einem Eingesandt folgendes Zeichen der Zeit: Dieser Tage waren wir Augen⸗ und Ohrenzeuge folgender Scene nach Schluß der Fortbildungsschule.Kall, gebste mit ham?Na, erwiederte der Jaängling,es pressirt mer net so, ich geh noch zu meim Mäcdche!

Allerlei.

Frankfurt. Eine Hockin, welche jüngst in Oester⸗ reich einen hohen Treffer gemacht, hat im Westende ein Haus für 31,000 fl. gekauft. Sie erwarb gleichzeitig das gesammte Inventar und zahlte dafür weitere 10000 fl.

Bamberg. Ueber eine bei Staffelstein vorgefallene Mordthat wird denBamb. N. N. von da unterem 3. Febr. gemeldet:Zwischen hier und dem eine halbe Slunde entfernten Dorfe Unter⸗Neuses wurde heute früh bei Tages-Anbruch eine elwa 50 Jahre alte Bauersfrau

von Ebensfeld gräßlich ermordet im Chaufsee⸗Graben aufgefunden. Eine Beraubung hat dabet nicht statige⸗ funden, und die That scheint auch nicht auf diesem Platze ersolgt zu sein, da die Gedärme der durch einen großen Schnitt im Unterleibe und Stockhiebe auf die Hirnschale Ermordeten weiter davon im Felde lagen. Ein dabei liegendes Messer(gefertigt von einem hiesigen Messer⸗ schmied oder einem Lichtenfelser gleichen Namens), sowie ein Stock befinden sich in Gerichts händen. Diese Frau soll sich heute früh 5 Uhr v use wenbegeben haben, um nach Vierzehn⸗Heiligen'otlesdienst zu gehen.

Rom. In den letzien Tagen kam nach Picciotta in der Provinz Salerno die Nachricht, daß die Räuber⸗-Bande Francolino, die seit etwa zehn Jahren die genannte Provinz unsicher machte, sich in der Nähe Picciotta's herumtreibe. Sogleich machten sich die Carabinieri, die öffentlichen Sicherheits⸗Wachen und viele Bürger auf, um der Bande den Weg zu verlegen und sie, wenn möglich, im Kampfe aufzureiben. In der That stieß man im Dorfe Caprioli auf die Bande, verfolgte sie und lödtete im Gesechte den Räuber ⸗Hauptmann Francolino und seinen berüchtigten Spießgesellen Martuscello. Da der Erstere der einzige übrig gebliebene Räuber⸗Haupimann in den neapolitanischen Provinzen war, so kann man mit ihm das Brigantaggio als erloschen betrachten.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 7. Febr. Der heutige Heu- und Stroh- markt war gering befahren. Heu koslete je nach Qualnät per Ceniner M. 4.506.50. Strob per Centiner M. 3. Butter 1. Qual. im Großhandel das Pfund M. 1.15- 20. 2. Qual. M. 11.10., im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.40. 2. Qual. M. 1.30. Eier das Hundert alle M. 5.., ilalienische(srische) M. 7.50. Kartoffeln per 200 Zoll⸗ Pfund M. 5. Erbsen geschälte(per 100 Kilogr.) 3840 M., ganze Erbsen 2428. M., weiße Bohnen 2226. M. Linsen 36 40. M. Ochsenfleisch per Pfund 70 Pf. Rindfleisch 50 Pf., Kalbfleisch 5060 Pf., Hammelfleisch 5060 Pf., Schweinefleisch 79 Pf.

Mainz, 7. Febr. Producten-Markt. Waizen per März 22.30. Korn per März 16.70. Haser per März 16.70. Rüböl per Mai 37.70.

Verloosungen.

Nassauische 255 fl. Loose vom Jahre 1837. Ziehung am 6. Februar. Bei der heute beendeten Ziebung wurden noch folgende Nummern gezogen: Nr. 20698 20,000 fl. Nr. 52139 1000 fl. Nr. 54023 400 fl. Nr. 26676 45448 100 fl. Nr. 59730 54894 74874 44185 76040 14194 88124 29147 je 60 fl. Nr. 4076 21158 53719 89566 101828 47856 76640 6214 16022 63976 52769 96071 22454 26822 50848 26037 89214 85106 89335 51453 73193 54843 8895 12263 69291 70904 20366 16506 je 50 fl.

Pappenheimer 7 fl.⸗Loose. Ziehung am 1. Febr. Gezogene Serien: Nr. 64 83 30 315 369 594 771 879 895 918 965 967 1057 1133 1191 1235 1270 1336 1451 1681 1766 1800 1949 2128 2246 2597 2632 2662 2847 2905 2972 3003 3010 3015 3025 3072 3347 3396 3525 3561 3666 3808 3861 3964 4053 4121 4197 4250 4420 4500 4771 4802 4865 4884 4923 4932 4946 4968 4975 5055 5072 5084 5234 5425 5532 5630 5672 5703 5765 5861 5997 6119 6283 6410 6428 6461 6180 6521 6522 6696 6814 6842 6945 7030 7099. Die Gewinnziehung findet am 1. März 1877 statt.

Finnländische 10 Thlr.⸗Loose vom Jahr 1868. Ziehung am 1. Febr. Gezogene Serien: Nr. 122 325 937 1343 1429 1450 1470 1667 1700 1975 2011 2294 2497 2501 2699 2706 2715 3097 3131 3302 3690 3699 3904 3982 4911 4944 4949 5341 6277 6149 6977 7028 7199 722 7248 7315 7515 7697 7895 7944 8103 844 8516 8525 8638 8925 9141 9264 9691 9802 10041 103468 10488 10586 10732 10991 11174 11358 11654 11747.

Geld: Cours. Frankfurt am 8. Februar 1877.

20⸗Frankenstücke Mk. 16 2428 Englische Sovereigns 1 20 33 38 Russische Imperiales 16 75-80 Holländische fl. 10-Stücke.. 16 65 G. Ducaten.. 9 6065 Ducaten al mars 0 9 64-69 Dollars in Gold 85 416 19

Holz⸗Versteigerung.

422 Mittwoch den 14. d. M., Vormittags um 10 Uhr, werden dahier 160 Raummeter Buchen- Scheitholz I. Classe zur Lieferung öffentlich versteigert. Marienschloß den 5. Februar 1877. Großherzogliche Landeszuchthaus-Direktion. Scriba.

Bekannt ma ch

N ung. 453 Die am 22. Januar l. J. im Oppershofer Ge

Der erste Fahrtag ist Montag den 12. d. Mts. Oppershofen am 7. Februar 1877.

ö meindewald abgehaltene Holzverstelgerung ist genehmigt. ö

Großherzogliche Bürgermeisterei Oppershofen. ö

ed.

372 Ich suche für mein Manufacturwaaren- Geschäft einen Lehrling mit guter Schulbildung unter günstigen Bedingungen. J. A. Nauheim

Holz- Versteigerung.

430 Montag den 12. Februar d. J. kommen in dem Domanialwald Frauenwald, von Morgens 10 Uhr an, zur Versteigerung:

19 Raummeter Eichen⸗Scheitholz,

2 5 Knüppelholz,

7429 Wellen Eichen- ꝛc. Reisholz,

150 Aspen Reisholz,

14 Stück Eichenstämme von 2742 Centim. Durch⸗ messer und 3 6 Meter Länge 6,90 Festm. Inhalt.

Ober⸗ Rosbach den 6. Februar 1877. Großherzogliche Oberförsterei Ober-Rosbach. eee.

Frische Reys- und Feinkuchen

176 bei Georg Groß.

Versteigerung von Dung und Auswurfserde.

461 Montag den 12. Februar, Vormittags 10 Uhr, soll auf Ort und Stelle nochmals die Dung- und Auswurfs⸗ erde aus der Grube nächst der Seewiese hinter Windeckers Brauerei, sowie aus dem Stadtschreiberei- und Mühl⸗ graben und an der Barbaragasse zꝛc. ꝛc. an die Meist⸗ bietenden versteigert werden. Zusammenkunft am See⸗ graben nächst der Rathhaustreppe. Friedberg den 8. Februar 1877. Großherzogliche Bürgermeisterel Friedberg. Fou e a

Italienische Maccaroni, per Pfd. 52 Pf., Ciergemüs⸗Nudeln, Parmesankäse, Brunellen, Mirabellen, Zwetschen bei

317 Wilhelm Fertsch.

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