Ausgabe 
9.8.1877
 
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6. Aug. Der Kaiser von Rußland ver- legt morgen sein Hauptquartier nach Zarewitza. Großfürst Nikolaus hat sich in der Richtung nach Plewna zum rechten Flügel der Armee begeben, welcher unter dem Commando des Generals Krüdener auf der Straße nach Bjela steht.

7. Aug. Von den Russen werden die

Städte Hirsowa, Matschin und Tultsch verschanzt; im Uebrigen haben dieselben die Dobrudscha ge⸗ räumt. Minister⸗Präsident Bratiano ist in das rumänische Hauptquartier zu Pojana zurückgekehrt. Aus Kilia wird von einem Seegefecht auf dem Schwarzen Meer berichtet. Vom asiatischen Kriegsschauplatze berichtet man: Neun Divisionen Russen haben in Armenien am 3. August die Offensive ergriffen und Ani Magasberi, sowie Digar besetzt; der rechte Flügel der Türken zog sich näher an Kars heran.

Einer Depesche desGolos vom 4. d. zufolge hat Mukhtar Pascha seine überflüssige Bagage nach Kars zurückgesendet. In dem türkischen Lager ist die Dissenterie ausgebrochen. Der eng- lische Militär⸗Bevollmächtigte Kemball ist in Folge eines Zerwürfnisses mit Mukhtar Pascha nach Erzerum abgereist. Die Positionen der beider seiligen Armeen sind unverändert.

6. Aug. In den Sümpfen des oberen Tschel⸗Flusses bei den Auls Saisala und Idyschtar ereilte Oberst Komaroff die Abtheilung des be rüchtigten Räubers Michrali. Nachdem zwei

von der Religion und Zerfall derselben.

Sinne richtig sein. Aber soll das heißen: die Religion ist ein Ersatzmittel für diejenigen, denen Wissenschaft und Kunst abgeht, um denselben in einer ihnen verständlichen Weise doch auch etwas Höberes zu bieten; wer aber Wissenschaft und Kunst besitzt, der bedarf dieses Surrogates nicht? Die Männer der Meißener Versammlung haben es gewiß nicht so gemeint. Aber Viele unserer Gebildeten, welche es nicht ohne geheime Besorg niß sehen, daß die Religionslosigkeit unter der arbeitenden Klasse mit Riesenschritten sich ausbreitet, mögen wohl ungefähr dieser Meinung sein. Für sich selbst bedürfen sie der Religion nicht, da sie ja Wissenschaft und Kunst besitzen, um sich mittelst derselben über Wasser zu halten; aber der gemeine Mann, das sehen sie wohl, kann jener Ssütze nicht entbehren, wenn er nicht rasch in ein thieri sches Genießen des Augenblicks und in vollständigen Lebens- und Arbeitsüberdruß versinken soll. Man wünscht darum der Religion alles Gute und würde es auch nicht ungern sehen, wenn die Kirche einen ausgiebigeren Einfluß auf die arbeitende Klasse auszuüben vermöchte nur nicht auf die eigene Person. Die Erfahrung aller Jahrhunderte lehrt, daß man die Religion nicht schwerer schädigen kann, als wenn man sie in dieser Weise als ein Mittel, um die minder gebildeten Klassen im Zaume zu halten, behandelt. Ueberall, wo das versucht wurde, war der Erfolg völlige Abkehr Die

Schützenbataillone unter Bariatinsky herbeigeeilt, ward der Feind völlig in die Flucht geschlagen.

Die Einwohner der Auls schossen auf die Russen; diese verloren 2 Todte und 4 Verwundete, der sie nicht um ihrer selbst willen schätzt und lieb hat, dem versagt sie den Dienst.

Feind hingegen 30 Todte. Aegypten. Alexandrien. Der Khedive

und Vivian werden eine Convention über Auf- den Arbeiterstand völlig zerstören, so sollen sie

hebung des Sklaven ⸗Vertrags unterzeichnen.

Aus Stadt und Land.

Ober⸗Wöllstadt, 8. August. Gestern früh um 3 Uhr brach in der in der Nähe gelegenen Gänsmüßhle Feuer aus, welches rasch ein Wohnhaus mit ansioßendem Schuppen niederlegte. Näheres konnten wir noch nicht erfahren.

Darmstadt, 6. Aug. die Maschine und drei Wagen des von Mainz kommenden Schnellzugs der Hessischen Ludwigs⸗Eisenbahn in der Nähe des Schniupunktes mit der im Bau begriffenen Linie Frankfuri⸗Mannheim. Vier Passagiere trugen Verletzungen davon, worunter ein Franzose und ein Holländer die be⸗ deutendsten erhalten haben. Der Eine, an der Brust ge

Gestern Nachmittag entgleiste

drückt, wurde im Laufe des gestrigen Tages in das hiesige

Hospital verbracht, der Andere, am Beine gequelscht und geschunden, fand im hiesigen Bahnhofshotel Aufnahme. Die beiden anderen Verletzungen sollen unerheblicher Natur sein. Die Ursache der Entgleisung ist dem Vernehmen nach ein Schienenbruch gewesen.

Allerlei.

Köln, 5. Aug. der Ober⸗Bürgermeister, die beiden Vice-Bürgermeister und Stadtverordneten zusammen, um eine Justruction für die Commission, welche die Nahrungsmittel untersuchen soll, zu berathen. Von der Milch, Butter, Wurst, dem Bier und Wein ꝛc., welche man für gefälscht hält, werden Proben zum Raihhaus und von hier direct an einen Chemiker zur Untersuchung geschickt. Solcher Chemiker bat die Stadt sechs. Die Händler, welche wegen derartigen Fällen strafrechtlich verurtheilt werden, sollen durch die Blätter genannt werden.

Liegnitz, 4. Aug. Gestern Nachmittag ist der hiesige Pastor Ehlers erschossen worden. Derselbe promenirte in Begleitung seiner Tochter. Als er in den sogenannten Doctor⸗Gang bei der Walkmühle gekommen war, brach er plötzlich zusammen; eine Kugel war durch den Hut in's Gehirn gedrungen und hatte den sofortigen Tod des Ge⸗ troffenen zur Folge gehabt. Man vermuthet, daß die tödtliche Kugel vom Schieß ⸗Hause her gekommen sei. Tbatsache ist, daß die Schützen ein Preis⸗Schießen ge⸗ halten haben.

Die sociale Aufgabe der Kirche.

Unter dieser Ueberschrift bringen die evangel. Blätter einen Aufsatz(im Anschluß an unseren neulich gebrachten Bericht über die Meißener Kirchen versammlung) und sagen darin:Daß wir Dem, was auf der Meißener Versammlung gesagt wurde, im Ganzen unsere volle Zustimmung geben, bedarf nicht der Erwähnung. Doch sei erlaubt, Folgendes dazu zu bemerken: Daßdie sogen. Gebildeten sich hier und da auch ohne Religion durch Wissenschaft und Kunst vor Verflachung retten und über Wasser halten, mag in gewissem

Gestern traten der Polizei⸗Präsident,

Religion und insbesondere das Christenthum ist zu gut, um als Mittel für Zwecke, welche außer ihr selbst liegen, benutzt werden zu dürfen. Wer f Wollen die gebildeten Klassen den Einfluß der Religion auf

denselben nur merken lassen, daß sie zwar dem Arbeiterseinen Gott und das Jenseits und die Religion der Liebe wünschen, selbst jedoch ihrer entbehren zu können glauben, weil sie andere Dinge besitzen, um sich über Wasser zu halten der Erfolg wird nicht ausbleiben. Auch wäre zu fragen, wenn allerdings Manche unserer Be⸗ amten, Kaufleute, Industriellen u. s. f. trotz ihrer Religionslosigkeit nicht sosort demthierischen Genießen des Augenblickes und dem vollständigen Lebens- und Arbeitsüberdruß anheimfallen, ob das Verdienst davon ihrer Wissenschaft und Kunst zu komme oder nicht vielmehr gewissen Ueberresten

von Religiosität, welche sie von ihrer Erziehung her noch bewahrt haben, welche aber bei den Kindern der heute lebenden Generation bereits in wesentlich geringerem Maße vorhanden sein werden. Daß man auch bei einem hohen Bildungsgrade vor dem Versinken in einen, wenn auch nicht thierischen, doch von allem Höheren völlig ab sehenden Lebensgenuß und vollends vor dem gänz⸗ lichen Lebens- und Arbeitsüberdruß nicht sicher ist, zeigen massenhafte Beispiele. Ferner. Mit vollem Rechte machen die Meißener Verhandlungen für die Erfüllung der Aufgabe, welche der Kirche in socialer Hinsicht gestellt ist, in erster Linie die Geistlichen haftbar. Indessen wäre zu fragen, ob diese die Einzigen sind, die für jene Aufgabe in Anspruch genommen werden können, ja ob sie nur im Stande wären, auch beim besten Willen, sie allein in genügender Weise zu erfüllen. Gerade

dazu haben ja die neueren Kirchen ⸗Verfassungen den Geistlichen Vertreter aus dem Laienstande an die Seite gestellt, um sie bei solchen Thätigkeiten, wo es sich um die Einwirkung auf praktische Gemeindeverhältnisse handelt, mit Rath und That zu unterstützen. Es wäre zu fragen, ob und wie unsere Kirchenvorsteher, Gemeindevertreter ꝛc. bis jetzt diese Aufgabe verstanden und ihr gerecht zu werden gewußt haben? Gerade wie von einem Pfarrer mit Recht mehr gefordert wird, als daß er Sonntags seine Predigt hält, so ist auch von einem Kirchenvorsteher mehr zu fordern, als daß er über den Kirchenvoranschlag und die Höhe der Parochial- Umlagen ein wachsames Auge habe. Endlich.

lich, wie man dies früher nicht gekannt hat.

so ist uns das etwas zweifelhaft.

sich bringt, den Gottesdienst zu besuchen, da thut man es; wo es Sitte ist, nicht in die Kirche zu gehen, da läßt man es. Wo die übrigen Stände

von vornherein davon ausschließen, und da werden

richtig angerathen wurden, theilweise von Erfolg sein. Wo nicht, nicht. Wir könnten das vielleicht

hier nicht eingegangen werden kann, belegen. Sitte aber, gute und schlimme, wird vorzugsweise

stimmt. Alle Bemühungen der Geistlichen, dem Arbeiter nahe zu kommen und ihn durch freund⸗

geber, überhaupt der Gebildeten, welche den Ar-

lich bleiben, so lange jene selbst sich vom Gottes- dienst ausschließen. entweder unsere gebildeten Stände müssen anfangen, selbst für die eigene Person mit der Religion

machen, die Wirkungen kennen zu lernen, welche die Religionslosigkeit in der Arbeiterklasse zuletzt mit Nothwendigkeit hervorrufen muß.

Es geht ein Nothschrei durch die Lehrerwelt schreibt derSchulbote für Hessen. Aus allen Theilen unseres Vaterlandes mehren sich die Klagen über zunehmende Zuchtlosigkeit unserer Schuljugend. Ungehorsam, Widersetzlichkeit, Pietätlosigkeit gegen die Lehrer nehmen in bedenklicher Weise zu. Dabei macht sich eine Empfindlichkeit von Seiten der Kinder sowohl, als auch der Eltern gegen jede Strafe, selbst gegen den gerechtesten Tadel bemerk⸗ Die meisten Eltern wollen von der Schule als Erziehungs⸗ anstalt nichs mehr wissen und erblicken in jeder ernsten Zurechtweisung ihrer Kinder einen Eingriff in ihre Elternrechte. Sie suchen den Zweck der Schule in bloßer Verstandesbildung, in der An⸗ eignung von Kenntnissen und mancherlei Geschick lichkeiten. Von einer stttlich-religibösen Bildung ihrer Kinder, von einer Gewöhnung zur Ordnung, Pünktlichkeit, Wohlanständigkeit und zum Gehorsam haben sie kaum noch eine Ahnung. Daher auch die vielen Klagen der Eltern über solche Lehrer, die es mit der Erziehung noch ernst nehmen und streng auf Zucht und Gehorsam halten. In den Städten ist es hierin noch viel schlimmer als auf dem Lande. Wer will es unter solchen Umständen den Lehrern verargen, wenn die Freudigkeit an ihrem Berufe immer mehr schwindet? wenn selbst solche Lehrer, die früher mit Lust und Liebe den Pflichten ihres schweren Amtes gewissenhaft nach⸗ kamen, nun rathlos dastehen und entmuthigt die Hände sinken lassen? Wenn wir auch zugeben, daß der ungebundene, rohe Sinn der Jugend in unseren ganzen Zeitverhältnissen seine Hauptnahrung findet, so darf doch nicht unerwähnt blriben, daß die Verordnungen der Schulbehörde, wonach dem Lehrer fast alle Disciplinarmittel genommen sind, nicht geeignet sind, bessernd einzuwirken. Möchten doch die maßgebenden Behörden erkennen, wohin es führen muß, wenn diesem Geiste der Unge⸗ bundenheit nicht rechtzeitig ein Damm entgegen- gesetzt wird. Möchten aber auch die Eltern, die ihre Kinder in der Widersetzlichkeit und Respect⸗ losigkeit gegen den Lehrer noch unterstützen, sich nicht verhehlen, daß sie dadurch in ihrem eigenen Fleische wühlen.

Landwirthschaftliches und Gewerbliches. Reinigung des Bie nenwachses. Sehr häufig

Wenn man hofft, daßz, wenn die Geistlichen mit den Angehörigen des Arbeiterstandes fleißig ver⸗ kehren, um ihnen in wirthschaftlichen und dergl. Dingen Rathgeber zu sein, jene ihnen den Gegen-

ist es der Fall, daß Bienenzüchter einen Theil des gewonnen e Wachses gar nicht oder nur um Spoltpreise verkaufen können, weil es zu sehr mit Unreinlichkeiten überladen ist. Zwar hat man zur Reinigung des Wachses verschiedenaruge Verfahrungsweisen empfohlen, die indessen

durch das Verhalten der gebildeten Stände be⸗

der Gemeinde mit dem Beispiel des Kirchenbesuches vorangehen, da wird auch der Arbeiter sich nicht

durch manche Erfahrungen, auf welche übrigens Die

liche und sachverständige Theilnahme an seinem wirthschaftlichen Wohlergehen auch für die Kirche heranzuziehen, und alle guten Wünsche der Arbeit-

beiter viel lieber Sonntags in der Kirche, als im socialistischen Club sehen möchten, werden vergeb⸗

Es bleibt nichts anderes übrig,

Ernst zu machen, oder sie müssen sich darauf gefaßt

besuch für ihre Besuche in der Kirche abstatten, 1 d. h. fleißig zum Gottesdienst kommen würden, Besuch oder Nichtbesuch des Gottesdienstes ist für die meisten Menschen Sache der Sitte: wo die Sitte es mit

die Bemühungen des Geistlichen, wie sie dort ganz

werben, meifter, Ven manns gesollen Pergan papier, dicken pinselt

Fiedler

Attikel großer angeb. Düng