Ausgabe 
3.5.1877
 
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Majorität angenommen. Mehrere zu den übrigen Paragraphen eingebrachte Amende⸗ ments, namentlich ein zu§ 8 eingebrachtes, wonach die Patentgebühren von 50 auf 30 Mark berab⸗ gesetzt werden sollen, werden abgelehnt; ebenso die auf Einschränkung des Licenzzwanges abzielenden Anträge zu§ 11. Dieser Paragraph wird unter Streichung des Schlußsatzes wesentlich in der Commissionsfassung angenommen. Die übrigen Paragraphen bis zum Schluß werden in wenig veränderter Fassung genehmigt.

DasBerl. Tagbl. bringt die ibm von ungewöhnlicher Seite zugegegangene Nachricht, der Krieg werde wahrscheinlich rasch beendigt sein. Prinz Reuß bringe die officielle Versicherung nach Constantinopel, Rußland verzichte auf Lander werb und acceptire nach Rettung seiner militärischen Ehre neue Verhandlungen auf der Grundlage der Gleichstellung der Christen, namentlich wenn die⸗ selben durch Deutschland und Oesterreich vermittelt würden.

Stuttgart. Die Stände-⸗Versammlung ist auf den 15. Mai einberufen.

Carlsruhe, 30. April. Das ganze Land ist in freudiger Erregung. Vom Bodensee bis über die Ufer des Neckars hinaus, auf den Höhen wie in den Thälern des Odenwalds und Schwarz⸗ walds, in der weiten Rhein Ebene, überall in den Städten und Dörfern herrscht ungewöhnliche Be⸗ wegung. Die Bethätigung der Anhänglichkeit des badischen Volkes an seinen Fürsten bei dem Jubi⸗ läum des Großherzogs ist ein bemerkenswerthes Schauspiel. Die ganze Bevölkerung gewinnt den Anschein einer großen Familie, deren Mitglieder von Fern und Nah herbeidrängen, dem Oberhaupt ihre Glückwünsche, ihren Dank und ihre Liebesgaben darzubringen. Die große Parade der Garnisonen von Karlsruhe, Durlach und Ettlingen nahm am 29. April präcise 12 Uhr ihren Anfang. Die Truppen waren im Parade Anzug vom linken Schloßflügel angefangen längs dem Marstalle und dem vorderen Zirkel aufgestellt. Nachdem der Kaiser, der Großherzog und der Kronprinz in Begleitung der Generalität und vieler Offiziere die Front abgeschritten waren, fand der Vorbei⸗ marsch unmittelbar vor dem Gebäude der Schloß wache statt, woselbst auch die Kaiserin, die Großherzogin, Prinzessin Wilhelm, und die groß- herzoglichen Kinder zu Wagen dem Schauspiel beiwohnten. In dem Hoftheater, wo ein Fest⸗ spiel von Putlitz zur Aufführung kam, wurde der Großberzog mit begeisterten Hochs empfangen. Der Jubilar brachte sodann ein Hoch auf den Kaiser aus, der mit dem Kronprinzen in der Hofloge anwesend war. Nach dem Theater war Feuerwerk und Banket in der neuen imposanten Festhalle, bei welchem der Großherzog, der Kaiser, der Kronprinz und die andern fürstlichen Gäste anwesend waren. Oberbürgermeister Lauter sprach den Trinkspruch auf den Großherzog, der in be⸗ wegten Worten seinen Dank aussprach und mit einem Hoch auf das Land erwiederte. Geheim- rath Bluntschli toastirte auf die Großherzogin, Geheimraih Lamey auf den Kaiser.

mit sehr großer

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 29. April. DerPresse zufolge hat die Donau Dampf⸗ schifffahrts⸗Gesellschaft auf Befehl des Ober- Com- mandeurs der russischen Armee den Verkehr auf der unteren Donau eingestellt und zicht demnach alle ihre Schiffe und Getreide⸗Transport-Fahrzeuge bis Orsowa zurück. Die Personen- und Güter- Dampfer gehen nunmehr nur bis Turnseverin.

30. April. Der österreichische Botschafter Graf Zichy wird nächsten Freitag von Constan⸗ tinopel abreisen.

Großbritannien. London, 29. April. Privat⸗ Mittheilungen wollen, wie dieAgence Havas erfährt, davon wissen, daß die englische Regierung sich entschieden habe, eine Flotte nach Alexandrien zu senden.

29. April. Das englische Mittelmeer

30. April. Die amtliche Zeitung ver⸗

öffentlich die aus Windsor von heute datirte Proclamation der Königin, durch welche strikte

unparteiische Neutralität in dem russisch⸗türkischen Kriege verkündet, und allen Unterthanen anbefohlen wird, dieselbe zu respectiren. Italien. Rom, 30. April. Sitzung des Senats. Berathung des Gesetzes über die Miß- bräuche der Geistlichkeit. Borgatti kündigt ein Amendement zu Artikel 1 an. Alventi spricht gegen den Gesetzentwurf. Amari behauptet, die päpstliche Allocution habe an fremde Intervention appellirt; er constatire jedoch, daß der italienische Clerus weniger geneigt sei, der Regierung Ver⸗ legenheiten zu bereiten, als der fremde. Carunizzato sagt, das Gesetz sei amentirungsfähig, man solle es aber annehmen. Cariccioli beweist, daß das Gesetz den Garantie-Gesetzen nicht widerspreche. Türkei. Constantinopel. Eine Depesche aus Batum vom 27. meldet: Die Russen haben ihren Angriff wiederholt, sind jedoch abermals mit großen Verlusten zurückgesczlagen worden, Wie versichert wird, batten die türkischen Truppen das ganze Gebiet der Miriditen besetzt. 30. April. Die Ein- und Ausfahrt zu dem Bosporus und den Dardanellen ist während der Nachtzeit absolut verboten. Sämmlliche Leucht thürme, ausgenommen zwei bei der Einfahrt des Bosporus und zwei bei der Einfahrt zu den Dardanellen, werden ausgelöscht; auch letztere sollen nöthigenfalls jederzeit ausgelöscht werden. Die fremden Schisfe sind von den Russen aufge⸗ fordert worden, die Donau zu verlassen. 30. April. Vor Kars, bis wohin die Russen vorgerückt und wo größere Abtheilungen derselben concentrirt sind, wird seit gestern gekämpft; Näheres darüber ist noch nicht bekannt. Die Russen führen einen Belagerungs⸗Train mit sich. In Kars befehligt Mukhtar Pascha. Montenegro. Cettinje, 30. April. Der Fürst hat unter jubelnder Begeisterung der Bevölkerung Cettinje verlassen und sich zur Süd- Armee nach Podgorizza begeben. Rumänien. Bukarest, 30. April. Die Rede, mit welcher Fürst Karl die Kammer er⸗ öffnete, lautete äußerst kriegerisch. Es heißt darin, Rumänien sei von den andern Staaten verlassen, es müsse auf sich selbst rechnen. Die Neutralität sei nicht auftechtzuechalten. Rumänien müsse ver⸗ hindern, selbst zum Kriegsschauplatze zu werden. Der Zar verspreche, die Rechte des Staates zu wahren und die Hauptstadt nicht zu besetzen. Die Regierung dürfe, bevor die Kammer Beschluß ge⸗ faßt, keine Entscheidung treffen. Die Volks- Ver⸗ tretung müsse ohne Partei Rücksicht die Mittel zur Rettung des Landes gewähren. Fürst Carl selbst werde stets seine Pflicht thun, welche darin bestehe, Rumänien wieder zu erheben, dessen Mission an den Donau-⸗Mündungen zu erfüllen, die von Alters herstammenden Rechte des Landes aufrechtzuerhalten und die Grenzen zu schützen. Gerüchtweise ver lautet, Seitens Rumäniens sei eine Kriegs⸗Er⸗ klärung an die Pforte erfolgt. Minister Cogal- niceanu hat der Deputirten Kammer Mittheilung von einer am 16. April zwischen Rußland und Rumänien abgeschlossenen Convention gemacht. Darnach sichert der Fürst von Rumänien der russischen Armee freien Durchzug und der be⸗ freundeten Waffenmacht gebührende Behandlung zu. Der Kaiser von Rußland übernimmt dagegen die Verpflichtung, die Rechte und die Integrität Rumäniens den Verträgen gemäß zu achten. Die Deputirten- Kammer hat sodann mit 79 gegen 25 Stimmen die Convention angenom⸗ men, nachdem Minister Bratiano dieselbe als einziges Mittel zur Sicherung der Institutionen Rumäniens bezeichnet hatte. Ebenso hat der Senat die Convention mit 41 gegen 10 Stimmen angenommen. Minister Cogalniceanu erklärte, Rumänien werde Kalafat durch die Türken zwar besetzen lassen, sich aber deren weiterem Vordringen widersetzen. 30. April. In der Deputirten-Kammer

Geschwader unter Admiral Hornby, 5 Panzer- schiffe stark, ist am 29. d. M. von Malta nach Corsu in See gegangen.

hat die Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht,

Der Senat hat das Requisitions- Gesetz ange⸗ nommen. Die Session der Kammern wird nur kurze Zeit währen; vor ihrem Auseinandergehen werden dieselben eine Permanenz-Commission er⸗ nennen.Romanul zufolge herrscht unter den türkischen Truppen in Silistria der Typhus. Die Russen besetzen bei ihrem Vorrücken mehr di Landstraßen, als die Eisenbahnen. Nachdem bis- her die Bewegungen durch Ueberschwemmung viel⸗ fach gehindert waren, ist gegenwärtig bessere Witterung eingetreten. Der bei Rustschuk stationirte Monitor ist die Donau abwärts gesegelt.

30. April. Aus Rumänien wird ein Ge⸗ treide-Ausfuhr-Verbot als bevorstehend gemeldet. In Giurgewo fand ein Juden Gemetzel statt, bei welchem 8 Juden erschlagen und 11 ver- wundet wurden. 40,000 Tscherkessen sind von der Türkei nach der Donau-Armee instradirt worden. Rußland. Petersburg, 29. April. Der Kaiser hat dem heutigen Gottesdienste in der Kathedrale in Kischeneff beigewohnt und sodann die durchpassitenden Truppen besichtigt. Die Ab⸗ reise des Kaisers hierher ist auf den 2. Mai fest⸗ gesetzt. Die Ankunft in Moskau findet am 4. Mai, die Abreise von dort am 5. Mai und die Ankunft in Petersburg am 6. Mai statt. 8

Das Kriegsministerium veröffentlicht folgen- des Telegramm über die Operationen an der Kaukasus-Grenze: Am 27. April hat die Infanterie Kuerrvekdara, die Cavalerie Soubotin Chadjihali erreicht. Die starke Position von Muchaster wurde am 26. besetzt. Drei türkische Monitors haben den Grenzposten Fort Nikolaus bombardirt, wo bei auf russischer Seite ein Unteroffizier getödtet und ein Gemeiner verwundet wurde. Am 27. näherten sich die türkischen Monitors Poti, segelten aber wieder ab, ohne Schaden anzurichten.

1. Mai. Gestern Abend sind die ersten 17 Dampfer von Reval angekommen. Die Schlff⸗ fahrt ist eröffnet. Weitere 50 Dampfer für Riga sind in Windau eingelaufen.

Laut einer Meldung aus dem Hauptquartiere Achalzich vom 29. April, bat eine Colonne unler dem Befehle des Obersten Komaroff Dewin besetzt. Die Uebergänge nach Adalia und Ardahan sind sind mit Schnee bedeckt; die Wege schlecht, der Gesundheitszustand der Truppen aber ausgezeichnet. Die Bevölkerung empfängt die Truppen sehr freundlich und leistet der Aufforderung, die Waffen herauszugeben, willig Folge.

Aus Stadt und Land.

Offenbach. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den Fabrikenten A. Martenstein wegen Wechselsälschung wird am 4. Mai in Darmstadt begonnen werden.

Allerlei.

Kissingen, 29. April. Nach Vortrag mehrerer Gesana- und Instrumentalmusikstücke wurde heut Vorminag

den lebhaftesten Hochrufen einer sehr zahlreichen Volks⸗ menge enthüllt. Die Uebergabe des Denkmals an den

Ludwig begleitet.

Berlin. Für das Original⸗Abschiedsgesuch des Fürsten Bismarck mit dem MarginalbescheideNiemals. Wilhelm, das dem Archive des Staatsministeriums einverleibt worden ist, hat, wie wir aus auter Quelle erfahren, ein englischer Aulograpbenhändler 75.000 M. zu bielen die Unver⸗ frorenheit gebabt.

Wien, 24. April. Der k. k. Centralanstalt für Meteorslogie wird heute aus Tüffer in Untersteyermatk lelegraphirt: Heute Morgens um 1 Uhr 55 Minuten wurde hier ein schwacher Erdfloß, um 3 Uhr 9 Minuten

Celsius. Seit halb 7 Uhr Morgens fällt ergiebiger warmer Regen. Ferner meldet man aus Cilli: Heute um 2 und 3 Uhr Morgens zwei heftige, deben von Südost nach Nordwest.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 2. Mai. M. 23.50. Gerste M. 21..

200 Zollpfund.

Gießen, 1. Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfund M. 1.25 30. Eier per Stück 4 und 5 Pf. Käse pe

Stüc 4 5 6. 9 und 10 Pf. Tauben das Paar 70, Pe Hühner per Stück M. 1.40. Hahnen per Stück 85 Pf.

Kartoffeln, 100 Kilo, M. 7.90.

Frankfurt, 30. April. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

wodurch die Verfall Zeiten für Zahlungen bis nach Beendigung des Krieges verlängert werden.

nach 11 Utzr das Denkmal des Fürsten Bismarck unter

Badekommissar wurde von begeisterten Hochs auf den König

früh eine ziemlich starke Erderschülterung verspürt. Der Luftdruck war Nachis über um 2 Millimeter gesallen; die Temperatur schwankte zwischen 5.0 und 10.0 Grad

wellenförmige Erde

Waizen M. 29.50. Korn Hafer M. 16 20. Kar, loffeln M. 6.50. Alle Pleise versiehen sich auf 100 Kilo

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M. 45., Nr. 2 M. 41., Ni. 3 M. 37., Nr. 4 M. 33%

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