Ausgabe 
2.10.1877
 
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Hauptaufgabe der Gegenwart, daß die sogenannten gebildeten Stände ihre eigenen pailosophischen, religiösen und wirthschaftlichen Begriffe einer fort- gesetzten ernsten Prüfung und Correctur unter- werfen und daß unsere Gelehrten und Schtist steller ihr bescheidenes Stückwerk Wissen nicht dazu mißbrauchen, um als Unfehlbare über die tiefsten Probleme der Entstehung und Entwickelung der Welt und des Menschen und über unsere höhere diesseitige oder jenseitige Bestimmung abzusprechen, Wenn man das Bewußtsein von der Beschränkt⸗ heit des menschlichen Wissens, das Vertrauen auf eine gütige Vorsehung, die Gottesfurcht und Sehnsucht nach Gnade und innerem Frieden aus dem Herzen des Volkes herausreißt, um die Selbst ständigkeit des modernen Halbwissens mit seiner Diesseitigkeit an die Stelle zu setzen, so darf man sich nicht wundern, daß sich die Massen mit dem Wahlspruch:Ich hab' mein Sach' auf Nichts gestellt! befreunden und die Predigt des Neides und Hasses dem Evangelium der Liebe und Demuth vorziehen. Es ist hohe Zeit, daß wir mit der einseitigen Sorge für Verstandes⸗ bildung die Pflege einer bessern Gesianung ver binden, daß wir eine bessere, sittliche Werth schätzung der Arbeit und die Freude am Berufe in allen Volksklassen verbreiten helfen!

Ueber die Pflege des Kanarienvogels. (Von einem praktischen Wetterauer Züchter). Der Kanarienvogel ist zur Zeit der Allerwelts

½ Pfund oder 1 Pfund Sommersaat und Canarien- samen und lasse sich dieselben in zwei verschiedenen Düten geben. Zu Hause wirft man beiderlei Futter zusammen und mischt sie gut durcheinander. Anderes Futter ist möglichst zu vermeiden. Lecker⸗ bissen wie Kuchen, Fleisch und Kartoffeln nament- lich aber Zucker sind gänzlich zu vermeiden, rath- sam ist es dagegen zeitweise Kopfsalat, im Sommer frische Kirschen und Aepfel zu geben und nur immer von einer Sorte. Stiele, Schaalen und das Kerngehäuse an den Aepfeln entferne man vorher. Jeden Morgen um dieselbe Zeit fülle man den Wassernapf und erneuere einen über den andern Tag das Futter. Man sorge dafür, daß das Futter in den Behältern nicht keimt, deshalb wechsele man damit alle zwei Tage und kratze den Schmutz heraus. Das Wasser muß unbedingt täglich frisch sein und im Sommer, wenn das Trinkgefäß klebrig wird, putze man es täglich aus und reibe mit dem Finger so lange herum bis nur klares Wasser und kein Klebstoff mehr darin ist. Ja bei heißem Wetter muß man dem Vogel zwei und dreimal des Tages frisches Wasser geben.

Man darf einen Kanarienvogel niemals er schrecken; besonders wenn er singt, darf man ihn nicht mit einem Tuche bedecken oder mit Hände klatschen zur Ruhe bringen. Morgens sein Futter, so gehe man nie rasch an den Käfig, sondern langsam und allmählich und reiche behutsam die Nahrung. Bei freundlichem Entgegenkommen und guter Behandlung wird der

Liebling, Jung und Alt liebt den schönbefiederten liebliche goldgelbe Hausfreund viel Vergnügen ge.

Sänger und

lauscht gern seinen schmetternden währen. Der Käfig darf im Winter in einem

Tönen. Es dürfte daher Manchem erwünscht sein Zimmer oder Hausflur von ungefähr 150 Réaumur eine kurze Anleitung zur Behandlung und Pflege sentweder auf einem Blumentisch stehen oder auch an der Wand hängen; dagegen im Sommer darf er, Ein Käfig für einen einzelnen Kanarienvogel wenn die Fenster geöffnet sind, niemals direct an

desselben zu erhalten.

sollte eine Höhe von 35 Centim. und eine Länge

von 45 Centim. haben, doch darf die Größe auch eckigen Käfige vorzuziehen. Selbstverständlich muß der werden durch Zugluft krank und sterben bald.

etwas geringer sein.

dieselben gestellt werden, deshalb sind die vier

Die meisten Vögel

Vogel durchaus reinlich gehalten werden. Die Frische Luft ist im Sommer bei günstiger Witterung

Schublade des Käfigs wird am besten Morgens jeden Tag erwünscht.

alle 3 4 Tage ausgekratzt und mit sauberem trocknem Flußsand bestreut.

Wird aber die Holz-

Sollte der Vogel erkranken, so ziehe man einen Thierarzt zu Rathe. Näheres über den Kanarienvogel findet man

schublade einmal vernachlässigt, so bruht man ssie mit in dem Buche:Der Kanarienvogel von Dr. Carl heißem Wasser aus und läßt sie sorgfältig austrocknen. Ruß, sowie in der ZeitschristCanaria, heraus- Was das Futter anbetrifft, so kaufe man gegeben von Brandner in Stettin.

Reicht man ihm

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Handel und Verkehr.

Friedberg, 29. Sept. Wochenmarkt. Butter kostele per Pfund M. 1.20. Eier per Stück 67 Pf. Gießen, 29. Sept. Wochenmarkt. Butter per Pfund M. 1.05- 15. Eier per Stück 67 Pf. Tauben das Paar 50 Pf. Hühner per Stück 75 Pf. Hahnen per Stück 70 Pf. Enten per Stück M. 1.60. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 6. Frankfurt, 29. Sept. Fruchtberticht. Mehl Nr. 1 M. 42., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., Nr. 5 M. 24. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 25., do. II.(Berliner Marke) M. 21. Weizen ab Bahnbof hier M. 23 24, ab unferer Umgegend M. 2223. fremder je nach Qual. M. 23 25.50. Korn M. 1718.50. Gerste M. 1824. Hafer M. 1317. Kohlsamen M. 3637. Erbsen M. 2124., Wicken M. 17.. Linsen M. 2130. Rüböl M. 83.. Die Preise ver⸗ stehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo. Frankfurt, 29. Sept. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Ceniner M. 2.80 3.40. Stroh per Centner M. 2. bis M. 2.30. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qual. M. 1.10, 2. Qual. M. 1.; im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.40., 2. Qual. M. 1.30. Eier das Hundert M. 5 806.60. Ochsenfleisch per Pfund 75 Pf. Kuh⸗ und Rindfleisch 5565 Pf. Kalbfleisch 6075 Pf. Schweinefleisch 7580 Pf. Hammelfleisch 50-63 Pf. Erbsen, geschälte(per 100 Kilogr.), M. 2830., ganze Erbsen M. 23 26. Bohnen M. 23- 26. Linsen M. 36

bis M. 38. Kartoffeln M. 4.605. Weißkraut das Hundert M. 10.. Mainz, 29 Sept. Prodacten-Mirkt. Waizen pet

Nov. M. 22 75. Korn per Nov. M. 15.55. Hafer per Nov. M. 15 25 Rüböl per Oct. M. 39.70. Marburg, 29. Sept. Wochenmarkt. Butter koste te per Pfund M. 105-15. Eier per Stück 68 Pf. Tauben das Paar 4550 Pf. Hähnchen per Stück 80 Pf. bis M. 1. Nunmehr ist auch Seitens des preußischen Finanz⸗ ministers an die königlichen Regierungen die Weisung er gangen, sämmtlichen Kassen ihres Ressorts und den unter staatlicher Aussicht stehenden Instituten aufzugeben, die unter ihren Beständen befindlichen, sowie die bei ihnen ferner eingehenden/ Thalerstücke nicht wieder zu veraus⸗ gaben, sondern in möglichst abgerundeten Beträgen der nächstgelegenen kaiserlichen Postcasse gegen Ersatz in neuen Reichsmünzen abzuliefern.

Geld Cours. Frankfurt am 29. September 1877.

20 Frankenstücke f Mk. 16 20 24 Englische Sovereigns. 8 203338 Russische Im persase; Holländische fl. 10-Stücke 5 1 85 Ducaten..* 9 62 67 Dpeaten abangre gd 9 62-67 Dollars e rr 0 4 1619

1 äußerst billig bei Unterjacken& Unterhosen. gedric.

Güter⸗Versteigerung.

3038 Freitag den 5. Oktober l. J., Vormittaf anfangend, sollen in hiesigem Rathhause die Grundstücke der Johannes Walz III. Erben auf deren freiwilligen

Antrag einer dritten und letzten Versteigerung aus⸗

gesetzt werden. Hierbei wird bemerkt, daß die Genehmigung, wen entsprechende Gebote erfolgen, sofort ertheilt werden soll. Friedberg den 28. September 1877. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fo ue a r

Güter- Versteigerung.

3037 Donnerstag den 4. Oktober fd. J., Vormittags 10 Uhr, sollen in hiesigem Rathhaus auf freiwilligen Antrag der Frau Pfarrer Uhrig, Auguste, geb. Groß,

und den Carl Daniel Groß Erben dahier zustehende

Grundstücke, in den Gemarkungen Friedberg und Fauer⸗ bach b. Fr. gelegen, nochmals öffentlich meistbletend ver steigert werden. Friedberg den 28. September 1877. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. ed.

Cdictal la dumg.

3051 Einwendungen gegen das von den Friedrich Wiegand Eheleuten zu Bönstadt mit ihren unbe⸗ vorzugten Gläubigern im Termin vom 24. August d. J. abgeschlossene Arrangement sind unter Gestattung der ÜUkteneinsicht um so gewisser

binnen 3 Wochen sahter geltend zu machen, als sonst das Arrangement zerichtlich bestätigt und in Vollzug gesetzt werden würde. Altenstadt den 24. September 1877.

Großherzogliches Landgericht Altenstadt. M g

Wirthschaft.

9005 In einer kleinen Stapt bel Frankfurt am Main, Dahnstatlon an der Main⸗Weser-Bahn, ist eine betriebene Wirthschaft nebst Stallungen, Hofraum und Wohnung enderweitig zu vermiethen.

Näheres bei der Expeditlon des Anzeigers.

Arbeits-Versteigerung. 3047 Die Anfertigung von 40 Stück Schul⸗Subsellien

gs 9 Uhr für die Gemeinde Nieder-Florstadt soll auf dem Wege

öffentlicher Submission vergeben werden und sind die hierauf bezüglichen Offerten verstegelt und portofrei bel Großherzoglicher Bürgermeisterei Nieder- Florstadt bis längstens Montag den 8. October, Vormittags 11 Uhr

n einzureichen. Zeichnung und Kostenanschlag nebst Beding⸗

ungen liegen bei dem Unterzeichneten zur Einsicht offen. Assenheim den 30. September 1877. Wenck, Bezirksbauaufseher

Die Zahlung

3050 der am 1. September fällig gewesenen Holz gelder für ersteigertes Holz aus dem Revier Wick⸗ stadt hat innerhalb 14 Tagen zu erfolgen, gegenfalls Gerichtskosten entstehen. Zahltag: Dognerstag. Assenheim den 28. September 1877. Gräfl. Solms Roͤdelheim'sche Rentkammer.

Aufgebot.

3046 Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß 1) der Büreau-Assistent der Main-Weser-Bahn, Carl August Wiedekind, wohnhaft zu Friedberg, Sohn des Steueraufsehers g. D. Justus Wiedekind und seiner Ehe frau Louise, geb. Lüdeke zu Friedberg, 2) und die ledige Maria Elisabeth Mathilde Lehrke wohnhaft zu Treysa, Tochter des Zimmermeisters Carl Gottfried Lehrle und seiner Ehefrau Gertrude Wilhelmine, geb. Asterroth zu Treysa die Ehe mit einander eingehen wollen.

Dem unterzeichneten Standesbeamten ist ein Hinder⸗ niß dieser Ehe nicht bekannt. Etwaige auf Ehehindernisse sich stützende Einsprachen sind bei dem unterzeichneten Standesbeamten anzubringen.

Die Bekanntmachung des Aufgebots hat in der Stadt Treysa und dem Friedberger Anzeiger zu geschehen.

Treysa am 29. September 1877.

Der Standesbeamte H. Ludwig.

Hosenträger

21 und Strumpfbänder billigst bei JK. Friedrich.

Bekanntmachung.

3052 Freitag den 5. October l. J., Vormittags 10 Uhr, sollen zu Petterweil an Ort und Stelle verschiedene zu der Johs. Stein's Masse gehoͤrige Haus-Mobilien, Wagnerhandwerkzeug, als: 1 Drehbank, Hobelbank, Bohrer zc., sowie verschiedenes Werkholz öffentlich meist⸗ bietend gegen gleich baare Zahlung durch den Unterzeich⸗ neten in Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Vilbel versteigert werden. Vilbel den 29. September 1877. Der Masse⸗Curator E. Camp.

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schneller und leichter als gewöhnlich mit

F. SOENNEOGKEN'S

KURRENT-SCHRIHFT-F EDER N Nro. 104.*

Vorräthig bet Carl Bindernagel.

Haarbalsam.

1989 Dieser Balsam reinigt die Kopfhaut, gilt als das beste Mittel, das Wachsthum der Haare zu be- fördern und das Ausfallen derselben zu verhindern. Er enthält so viele Fettstoffe; dass der Gebrauch von Haaröl, Pomade ete, dadurch überflüssig wird. 4½½ Flacon à Mark 0.60, U d 140 zu haben bei Frau Hoflieferant Windeeker in Friedberg, P h. J. Weiss in Bad- Nauheim.

Eine Wohnung

2987 von 4 fbis 6 Zimmern wird zu miethen gesucht, Näheres bei der Expedition des Anzeigers.