Ausgabe 
2.10.1877
 
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der Präsidentschaft und Einsetzung einer einzigen permanenten Kammer, welche alle zwei Jahre zu erneuern ist. Das Actenstück ist unterschrieben von 48 Radicalen und Soeialisten.

28. Sept. Heute fand in den Bureaux des JournalsPatrie eine Versammlung der Directoren sämmtlicher conservativen Journale statt, um sich über ein gemeinschaftliches Verfahren während des bevorstehenden Wahl⸗ Kampfes zu verstän digen.

Belgien. Brüssel, 28. Septbr. Einer Meldung derEtoile belge zufolge hat Prinz Louis Napoleon auf der Reise nach Schloß Dave bei Namur die Stadt Brüssel passirt.

Holland. Haag, 29. September. Das Ministerium hat in Folge des Kammer-Beschlusses der Adreß⸗ Debatte ein collectives Entlassungs⸗ Gesuch beim König eingereicht.

Großbritannien. Nottingham, 27. Sept. Bei der Grundsteinlegung für die Gebäude, welche zur Erweiterung der akademischen Anstalten bestimmt sind, hielt Gladstone eine Rede, worin er namentlich auf die Universitäten hinwies und hervorhob, falls irgend ein Volk auf der Erde im 19. Jahrhundert große Verdienste um die Förderung des höchsten Unter- richts in Anspruch nehmen könne, so sei dies das deutsche. Weiter gab Gladstone in seiner Rede bei Besprechung der orientalischen Frage seiner oft ausgesprochenen Ueberzeugung wiederholten Aus- druck, daß der Krieg entstanden sei durch den Wankelmuth und die Unschlüssigkeit der britischen Regierung, welche im Bunde mit den anderen Großmächten zum Schutze der Rechte der orienta⸗ lischen Christen hätten einschreiten sollen. Trotz

der wohlwollenden Mahnungen Europa's fahre

die Türkei fort, die Christen in traditioneller Weise zu behandeln. Die Greuelfrage berührend, verlangte Gladstone, daß der britische Botschafter instruirt werden solle, die Zahl der in den Hän⸗

den der Türken befindlichen russischen Gefangenen

festzustellen. Bei Besprechung der Rede Gladstones spricht dieTimes die Meinung aus, daß die Ein- haltung strikter Neutralität jetzt für England noth⸗ wendiger als jemals sei. Das Aeußerste daher, was England, falls Waffenruhe einträte, thun könnte, wäre, der Türkei anzurathen, daß sie einige der Reformen zugestehe, welche die Groß mächte auf der Conferenz forderten.

Italien. Rom. Graf Komaroweky von der russischen Botschaft in Rom wird dem Kaiser von Rußland ein Handschreiben des Königs von Italien überbringen, welches dessen freundschaftliche Gesinnungen ausspricht.

Türkei. Constantinopel Die türkischen Truppen in Bosnien erhielten Befehl, theils nach der Herzegowina in der Richtung auf Mostar, theils an die serbische Grenze zu rücken. Ein dem Generalgouverneur zugekommenes Telegramm signalisirtt die Vorrückung von 14 Serben ⸗Ba⸗ taillonen gegen die bosnische Grenze.

Zwischen einigen der hier beglaubigten fremden Botschafter und der Pforte hat ein Ideen⸗ Austausch bezüglich der Bedingungen eines even⸗ tuellen Waffenstillstandes stattgefunden; es ist jedoch kein offitieller Schritt in dieser Richtung unternommen worden.

Suleiman Pascha berichtet vom 25. Sept.: Angesichts des vom Seraskierat an Mehemed Ali Pascha ergangenen Befehls zum Angriff auf Bjela wurde Seadaikerai(?) Pascha von Suleiman Pascha angewiesen, eine Demonstration gegen den von 2000 Russen besetzten Ort Elena auszuführen. Am Montag griff Seadaikerai Elena an, zerstörte eine Redoute und warf die Russen mit einem Verluste von 150 Todten zurück. Nachdem derselbe darauf noch vier andere Ortschaften in Brand gesteckt hatte, kebrte er in seine früheren Stellungen zurück. Der türkische Verlust war äußerst gering.

28. Sept. Reuf Pascha ist hierher be⸗ rufen und hat heute Schumla verlassen, wo er durch Tahir Pascha ersetzt wird. wird andauernd schlechtes Wetter gemeldet.

Der Commandant von Bazasid meldet vom 26. Septbr.: Aegyplische und ischerkessische Reiter ⸗Schaaren schlugen 1000 Mann russische Cavalerie bei Mosstou.

Von der Donau

Serbien. Belgrad. Der Ministerrath berieht über die Fortsetzung der Action. Letztere erfolgt nach officiöser Versicherung, sobald die russtschen Substdien(8 Millionen Rubel) voll⸗ ständig eingetroffen und die Rüstungen vollendet sind.

Der Kriegsminister schloß mit einheimischen Großhändlern Verproviantirungs-Contracte für vier aufzustellende Armee⸗Corps ab,.

Montenegro. Cettinje. Die Capi tulation von Goransko erfolgte nach eintägigem Bombardement und heftigem Kampf am 24. Sept. Die Montenegriner erbeuteten 3 Geschütze 500 Gewehre; 300 Nizams wurden gefangen. Auch Piva wurde von den Montenegrinern besetzt. Ferner eroberten dieselben das Fort Erkvida und halten das ganze Gebiet bis Foca besetzt. Nach einer Meldung aus Ragusa wurden Bilek und die umliegenden Dörfer von den Montene⸗ grinern eingeäschert. Die Kranken, Verwundeten, sowie Frauen und Kinder wurden unversehrt nach Trebinje escortirt, wo der Belagerungs⸗Zustand proclamirt ist.

Rußland. Petersburg. Officielle Meldung aus Gorni⸗Studen vom 28. d.: Ueberall Kälte und Unwetter; im Balkan ist Schnee ge- fallen. Das Bombardement im Schipka⸗Passe dauerte vom 21. bis 27. September inclusive.

Am 27 d. eröffneten im Schipka⸗Passe unsere

Mörser das Feuer, wodurch sofort der türkische Pulverkeller in die Luft gesprengt ward. An anderen Orten des Kriegs ⸗Schauplatzes ist Alles ruhig. Am 24. d. griffen die Türken die Avantgarde unseres Corps bei Elena in der Nähe des Ortes Mahren an, wurden aber mit großen Verlusten zurückgeworfen, wobei sie Feldzeichen zurückließen. Die Garde- Dragoner und der 29. Zug der reitenden Artillerie-Brigade haben sich besonders ausgezeichnet. Nach ihrer Nieder- lage bei Cerkowna verließen die Türken ihre Position gegenüber der unsrigen gänzlich und gingen schleunigst nach Popkibi zurück, wobei sie den Feld⸗Telegraphen und einige Munitions-Karren zurückließen. Hierauf herrschte überall Ruhe.

Auf Befehl des Großfürsten Nikolaus wurde der Correspondent desStandard, Frederik Boil, aus der Armee und Rumänien entfernt, weil derselbe am 5. ds. aus Poradim Nach richten über die Dislocation der russischen Truppen und über die Befestigungen mittheilte.

29. Sept. Fürst Gortschakoff erhielt von Nepokoitschitzti beute ein Telegramm, daß die Armee des Großfürsten-Thronfolgers gestern einen großen Sieg über Mehemed Ali errungen.

29. Septbr. Nach einer Meldung der Presse wurde gestern bei Plewna durch rumänische Cavalerie und russische Ulanen ein türkischer Convoi von 80 Wagen aufgehoben.

Eine Depesche desGolos aus Igdyr meldet: Die ganze Nacht am 27. d. war das Wetter äußerst stürmisch und wüthete am Morgen ein wahrer Orkan. Dessen ungeachtet eröffneten die Türken um 8 Uhr Morgens einen Angriff auf unseren rechten Flügel. Der Angriff war zuerst gegen den Karavanserai-Paß gerichtet, wo 5 Compagnien von verschiedenen Regimentern der 39. Division unter General-Lieutenant Dewall standen. 3 Bataillone vom Kubanischen Regimente, 2 Compagnien des Derbent'schen Regimentes, 2 Escadrons und 3 Sotnien Kosaken mit 12 Ge schützen begannen den Kampf, der sehr heftig wurde. Die Kanonade dauerte bis spät Abends. Mit Ankunft zweier Bataillone vom Krim'schen Regimente zur Verstärkung traten die Türken den Rückzug an. Unsere Truppen kämpften höchst tapfer. Die Verluste sind noch nicht bekannt. Unter den Ver- wundeten befindet sich der Commandeur des Kubanischen Regimentes, Kabenin, und der Oberst- Lieutenant Midivan. Wir besetzten 10 Positionen und lagerten unsere Truppen die Nacht in denselben.

Aus Stadt und Land.

8. Ober⸗Ros bach. Am 1. October trat dahier eine Postagentur in's Leben, mit dem Landbestellbezirk Nieder-Rosbach, Bainhards, Ludwigshütte und der Weide, Schmelz, Ober- und Unter-, See- und Brunnenmüßhle. Das Ober-Rosbacher Bergwerk wurde dem Ortsbestell⸗ bezirk zugetheilt.

R. Ober⸗Mörlen. Sie baben bereits in Ihrer Nummer 109 unterHandel und Verkehr die Notiz von der Errichtung einer Poftagentur dahier gebracht. Da diese Notiz jedoch an jener Stelle vielleicht vielfach über⸗ sehen wurde, so bitten wir zu wiederholen, daß die Orte Langenhain, Ziegenberg, Nieder-Mörlen, die Bahnwärter⸗ häuschen Nr. 196200, sowie die Krämer⸗, König⸗, Buik⸗, Bach- ünd Untermühle, sowie das Forsthaus Winterstein und der Hof Hasselheck dem Landbestellbezirk zugetheilt wurden.

Vilbel. Einer der Wilderer, Namens Nuß von Bornheim, welcher sich bei dem Kampfe mit den Gendarmen betheiligte, ist noch auf flüchtigem Fuße. Man vermuthet, daß er sich bei Kumpanen versteckt hält. Es fanden deß⸗ halb schon bei mehreren im Geruch der Wild ⸗Dieberel

stehenden Personen in der Nachbarschaft Haussuchungen,

jedoch ohne Erfolg, statt.

Gießen. Vor dem Schwurgerichtshof der Provinz Oberhessen werden in den am 1. October beginnenden Quartals⸗Sitzungen die nachstehend verzeichneten Anklage⸗ sachen zur Verhandlung kommen, nämlich: Den 1. October, Vorm. 9 Uhr, gegen Elise, Witiwe des Eberhard Buß von Eberstadt, wegen Diebstahls; Vertheid. Adv. Curtman zu Friedberg. Denselben, Nachm. 3 Uhr, gegen Jacob Süß von Oes, wegen Meineids; Verth. Adv. Baist. Den 2. Oct., Vorm. 8 Uhr, gegen Konrad Eifert III. von Angersbach, wegen Brandstiftung; Verth. Adv. Dr. Schwarz. Denselben, Nachm. 3 Uhr, gegen Wilhelm Böcher von MRerlau, wegen Diebstabls; Verth. Adv. Dr. Guffleisch.

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Den 3. Oct., Vorm. 8 Uhr, gegen Johs. Schuh III. von

Klein⸗Karben, wegen Meineids; Verth. Adv. Weibig. Denselben, Nachm. 3 Uhr, gegen Johann Georg Brosius von Mornshausen, wegen schweren Diebstahls; Verth. Abv. Lauer. Den 4. Oct., Vorm. 8 Uhr, gegen Bürgexmeister Gemmer von Zell, wegen Verbrechens im Amte, Verth. Adv. Dr. Muhl. Den 5. und 6. Oct., jedesmal Vorm. 8 Uhr, gegen Anton Habig von Schletzenhausen, wegen Verbrechens wider das Leben; Verth. Adv. Dr. Rosenberg.

Bensheim, 27. Sept. Heute brannte ein Theil des Gymmasiums ab. Das Feuer entstand in einem

benachbarten Bäckerhause, ergriff aber bald auch das Gymnasium. 5 Bürstadt. Auf Verordnung des Kreisgesundheits⸗

amtes in Bensheim wurde dieser Tage der ganze Wurst⸗ vortath zweier hiesigen Metzger confiscitt, und werden sich die Herren Bindemitteler nächtens vor dem Landgericht Lorsch welchem diese Angelegenheit bereits zur Ab⸗ urtbeilung überwiesen wurde zu verantworten haben. Vivat sequens!

Groß-Gerau. Die diesjährige General-Versammlung des Thierschutzvereins für das Grotzherzogthum Hessen findet Mitlwoch den 24. October d. J., Nachmettags, im Gast⸗ hauszur Krone dahier statt.

Allerlei.

Karlsruhe, 25. Sept. Feld⸗Marschall v. Man⸗ teuffel i wieder so weit hergestellt, daß er gestern zum Kur Gebrauch nach Gastein abreisen konnte. Der am meisten leidende Theil scheinen die Füße gewesen zu sein.

Wurzen. Das Urtheil über den Gutsbefitzer Möller und die Fleischer Schubert und Richter, welche durch den Verkauf milzkranken Viehes und Fleisches die Erkrankung und den Tod zahlreicher Einwohner von Wurzen herbei⸗ geführt hatten, ist gefällt. Der Gulsbesitzer Möller ist zu 18,000 M., die beiden Fleischer zu je 6000 M. Geld⸗ strafe verurtheilt.

Berlin. Die Beweise, daß der Raubmörder Thierolf (welcher das Attentat auf den Briesträger Kill mer gemacht hat und auch des Mordes der Wittwe Sabatzki verdächtig ist) ein professionitter Verbrecher ist, mehren sich immer

mehr. Bei seiner Verhaftung wurde demselben ein ganzes i

Packet Pfandscheine abgenommen, worunter fich auch ein solcher auf eine lange goldene Ubrkette befand, Vor einiger Zit wurde im Grunewald der Tischlergeselle Lude ermordet und beraubt vorgefunden, ohne daß bis jetzt der Thäter entdeckt werden konnte. Es hat sich nunmehr heraus- gestellt, daß Thierolf öfter mit dem Ermordeten verkehrte. Ferner haben die Hauswirthe des Letzteren und ein Schank' wirth eidlich erhärtet, daß die fragliche Keite dem Lude gehörte und noch am Morgen vor seiner Ermordung von diesem getragen wurde. Washington, 24. Sept. Die nach Wesien und Norden hin gelegenen oberen Etagen des Patentamtes sind heute niedergebrannt. 50,000 bis 75.000 Modelle(ein⸗ schließlich der zurückgewiesenen), darunter viele hochwichlige, sind vernichtet; die in den unteren Etagen befindlichen

Documente, Zeichnungen und Urkunden sind gerettet, ebenso

die Acten und Schriflstücke der in diesen Etagen befind⸗

sichen Büreaus des Ministeriums des Innern; letztere Documente sind indeß vollfländig durcheinandergeworfen. Durch die Feuersbrunst ist eine empfindliche Geschäfts siörung verursacht; die entstandenen Verluste sind groß und unersetzlich.

Zur sittlichen Bildung.

E. DerArbeiterfreund, den die Prosessoren Böhmert in Dresden und Dr. Gneist in Berlin herausgeben, schreibt: Alle materiellen Errungenschaften und hohen Löhne und alle Fort schritte der bloßen Verstandesbildung⸗ können die Schäden der sittlichen Verwüstung großer des deutschen Volkes nicht heilen. Dazu

bedarf

es einer inneren religiösen Erneuerung des Ge⸗ müthes, einer Kräftigung des sittlichen Willens Es ist daher eine

und besserer Charakterbildung.

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