Ausgabe 
2.8.1877
 
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Man meldet aus Shanghai vom 30. Juli: Das russische SchiffBayan, welches die Admi ralitäts- Flagge trägt, ist, von San Francisco kommend, am 1. Juli in Wladiwostock eingetroffen, woselbst auch die übrigen Schiffe des russischen Geschwaders erwartet werden. Der Hafen Wladi⸗ wostock ist durch stärke Torpedos vertheidigt. Der Commandant des btitischen Geschwaders begibt sich demnächst nach Wladiwostock.

Amerika. New⸗Nork, 29. Juli. Ob- schon der Eisenbahn Verkehr noch zum Theil unterbrochen ist, so hat sich doch die Lage im Allgemeinen günstiger gestaltet. Die Miliz von New Jork ist entlassen. In Johnston(Pensyl⸗ vanien) sind 50 Unruheftifter verhaftet. Bei den Unruhen in Chicago wurden 21 Personen getödtet und 90 verwundet. scheint ruhiger. Die Urbeber der jetzt noch statt findenden Ruhestörungen sind hauptsächlich strikende Kohlengruben-⸗Arbeiter.

30. Juli. Augenscheinlich herrscht allen- thalben Rube; das Cabinet hält nicht mehr jeden Tag Sitzung. In New»Rorleans ist die Miliz zu den Waffen gerufen, da die Arbeiter einiger Industrie Zweige mit Arbelts-Einstellung drohen.

Aus Stadt und Land.

Hungen. In der Nacht vom 25 auf den 26. Juli wurde bei dem biesigen Districtseinnebmer eingebrochen und erfäbrt man bierüber folgende Details. Der Districis- einnebmer war noch nicht lange zu Hause und hafte sich kaum zu Bette gelegt, als er ein Geräusch vernahm, das aus seinem neben der Schlasstube gelegenen Geschäfts⸗ zimmer drang und dem Fallen einer schweren Geldrolle glich. Nasch erhob er sich, ergriff einen Revolver und betrat in dem Augenblick das Bureau, als eine Gestalt zu der anderen Thüre desselben hinausschlüpfte. Er schoß feblte aber und verfolgte den Fliehenden. Die Treppe binuntereilend verlor er denselben aus den Augen, und in dem Moment, als er den Hausgang betrat, streckte ihn ein wuchtiger Schlag auf den Kopf zu Boden. Bevor der Verbrecher floh versetzte er dem Besinnungslosen noch zwei Messerstiche in die Brust. Durch den Tumult er⸗ weckt, eilten die Hausgenossen herbei und fanden den Districtseinnchmer besinnungslos und blutend am Boden. Gerichtsleute und der Arzt wurden gerufen. Die Messer- sliche erwiesen sich als ungefährlich, da die Klinge an den Rippen argeglitten war. Der Ttäter muß die Localuäten ebenso genau gekannt haben, als über die Absicht des Districtseinnehmers, am folgenden Tage die Gelder abzu⸗ sübren, unterrichtet gewesen sein. In der Kasse sehlen ungefäbr 10,000 M. in Hundertmarkscheinen, Kronen und Doppelktonen. Ein Bursche in Hungen ist verhaftet worden; ob derselbe aber der Thäter ist, erscheint immerhin noch zweisclbaft.

Mainz. Am Samstag Abend versuchte ein Mann von der Brücke in den Rhein zu springen, wurde jedoch durch seine ihm nacheilende Frau daran gehindert. Das Ehepaar stammt aus Frankfurt. Acußerst komisch war es dabei, daß die Frau den Mann bat, sein Geldtäschchen erst wenignens an sie arzugeben, nachher möge er meinet halben springen.

Worms. Von der Station Pfeddersheim ging am Mittwoch ein Korb nach Friedberg ab, welcher eine Anzahl mit Wein gefüllter Krüge enthielt. Der in einem mit Plombe verschlossenen Wagen stehende Korb blieb über Nacht im biesigen Bahnhofe. Am darauffolgenden Morgen wurden im Bahnhofe und dessen Nätze meprere jener Krüge enll gert gefunden, ohne daß die Plombe verletzt war. Der Polizei ist es gelungen, die Teäser in 5 Bahnbebiensteten zu entdecken, welch auch bereits geständig sind.

Erbach. Endlich ist die Richtung der Hessischen Odenwald-Bahn definitiv entschieden, und die Linie, welche von Erbach bis Eberbach eingeschlagen werden soll, fen gesetzt. Sie wird auf der östlichen Seite des Mümling Tbales mit einem Viaduct über das Himbach-Thal sort⸗ geführt und mit einem Tunnel durch den Krähberg und durch den sogenannten Pfeifers-Grund in das Schöllen bacher Thal nach Eberbach geleitet. Der Bahnbof für Beerfelden wird etwa ¼ Stunden von diesem Städtchen enssernt zu liegen kommen.

Allerlei.

Frankfurt, 30. Juli. Auf dem Main Neckar-Bahn⸗ bof fur beute Vormitsag in Folge salscher Weichenstellung ein Zug der Ludwigsbahn mit einem solchen der Neckar bahn zusammen. Eine Frau wurde verletzt, eine Loco⸗ molive beschädigt und 3 Wagen zertrümmert.

Marburg, 31. Juli. Zur Feier des 350jährigen Bestehenes der Unwersizäl Marburg prangt die Stadt im Festschmuck. Auf der Bahnhofstraße ist eine mächtige Ebtenpforte errichtet mit den Bildnissen des Landgrafen Philipp dee Großmüthigen, Stifters der Universitäl, und des Kaisers Wilhelm. Die Feier wurde heute durch Re veille und Choral-Musik vom Schloßthurm herab einge leiset. Sodann bildete sich der Festzug, bestehend aus Sludenten verschiedener Corps, den eingeladenen Ehren gäßten, den Professoren und Docenten, den städtischen, Be hörden und Bürgern, dann den siudentischen Verbindungen, alten Herten früberer Ve bindungen und endlich den Burschenschaften. Dazweschen drei Musik Corps. Der

Die Situation er-

Fesizug bewegte sich zum Markkplatze, woselbst nach Auf⸗ führun z der Jubel⸗Quverlure von Weber Professor Cäsar die Festrede hielt. Derselben folgte wieder eine Musik⸗ Auffübrung und Gesang. Später wurde im Ritter⸗Saale und im mücking'schen Garten der von den Stadibehörden gebotene Früh-Trunk eingenommen, wobei eine sehr ge bobene Stimmung herrschte. Unter den Studenten gab sich die größte Eintracht kund. Die Zahl der Fest⸗Theil nehmer betrug mehr als tausend,

Turin, 29. Juli. Ptinz Amadeus hat sich gestern Abend durch einen Sprung von seinem Wagen, dessen Pferde scheu wurden, eine schwere Kopf-Verletzung zugezogen. Der bohe Patient hatte jedoch eine rubige Nacht und ist jetzt ein anhaltender Besserung begriffen.

Der Koloradokäfer.

Man schreibt aus Thorn:Seitdem die Kölner Zeitung und andere den unfehlbaren Steckbrief hinter dem Koloradokäfer, seinen Larven und Eiern erlassen haben, ist es mir keine Frage mehr, daß dieser Käfer schon vor vielen Jahren in Europa auf Kartoffelfeldern erschienen und dissen Eier und Larven, letztere in den verschiedensten Stadien ihres Vorschreitens zur Käsergestalt, hier in der Provinz Preußen an zwei Tagen hintereinander in ihrem Zerstörungswerke von mir beobachtet worden sind.

Ende Juli 1858 führte mich am frühen Tage mein Weg durch den Kartoffelschlag meiner kleinen Besitzung in der Nähe von Gollub. Der Stand dieser Frucht war damals ein guter, die Saat aus eigenem mehrjährig fortgezogenen Bestande von Kartoffeltransporten aus Amerika nach Europa war damals wobl kaum, nach der Provinz Preußen unbedingt nicht die Rede. Mitten im Schlage und zwar auf dem besten Boden desselben fiel mir ein großes Stück dadurch auf, daß die Spitzen der Stauden und an ihnen namentlich die feineren jüngeren Blätter einen krankhaften Anblick darboten. Bald entdeckte ich denn auch die Ursache davon in der dichten Bedeckung derselben durch eine erschreckend große Anzahl von träge auf ihnen schleichenden mir ganz unbe kannten Insektenlarven und ebenfalls beim Umbiegen der Staudenspitzen die in Häufchen zusammen gelegten Eier derselben. Daß beide ihr Dasein einem sich sortpflanzenden Insekt verdanken mußten, war mein sofortiger Schluß, aber vergeblich suchte ich nach diesen Ausbreitern der Gattung. Die ganze Erscheinung machte mich jedoch stutzig und dieser ungekannte Besuch ließ mich nicht ohne Besorgniß. Zwei Tage später sollte mich ein Geschäft nach Thorn führen, und da in größerer Nähe wohl nicht ein naturkundiges Urtheil zu erwarten war, nahm ich mir vor, von dort ein solches durch Vorlegung von Pflanzen mit jenen Embryonen und Eiern einzuholen. Vorläufig begnügte ich mich damit, durch Marksteine die befallene Fläche zu bezeichnen, die zwischen 3 und 4 Morgen etwa groß war. Am darauf folgenden Tage fand ich kaum eine Veränderung gegen den ersten Befund. Die Larven schienen mir zwar etwas zahlreicher und thätiger geworden zu sein, doch ließ sich das nut schwer feststellen. Zeitig am Nachmittage zog über die Gegend ein beftiges Gewitter und der es begleitende intensive Regen hielt bis spät in den Abend an, so daß durch ihn mehrfach Früchte theils verschlammt, theils herausgerissen wurden. Als nun am dritten Tage mich mein Weg nach Thorn an dem bezeichneten Stücke vorbeiführte und ich dort einige der be lebten Stauden abschgeiden und mit mir nehmen wollte, war ich nicht wenig überrascht, auch nicht die geringste Spur von Larven und Eiern mehr, selbst bei der sorgsamsten Untersuchung, entdecken zu können. Ich mußte endlich ohne Zeichen und Beweise meiner Entdeckung die Weiterfahrt antreten und durfte von der Angelegenheit in Thorn nun nicht einmal sprechen. Die Regenfluth hatte das befallene Kartoffelstück dermaßen abgewaschen, daß auch an spätern Tagen mein eifriges Suchen nicht belohnt wurde und ich niemals wieder von den Larven und Eiern der jetzt getauften Colorado- Chrysomela ein Zeichen auffand. Auch habe ich in späteren Jahren nicht erfahren, daß dort ein solches oder ähnliches Insekt wieder auf der Feld- mark aufgetaucht sei. Die 58er Ernte von dem beregten Kartoffelstücke war übrigens eine gute.

ö 5 1 ö Indem ich der geehrten Redaktion anheimstelle,

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Beobachtung öffentliche Mittheilung zu machen, was wie ich glaube, wohl zu theilweiser Be⸗ ruhigung der Gemüther beitragen könnte, indem es darnach mindessens fraglich bleibt, ob dem unheilvollen Insekt es je gelingen wird, sich bei uns dauernd anzusiedeln, wenn es ihm innerhalb von 19 Jahren nicht gelang, füge ich noch hinzu, daß meine Erinnerung eine so lebhafte und mein Gedächtniß ein so gutes ist, daß ich unter keinen

Larven und Eier des Kolorado-Käfers damals aufgefunden zu haben. Tietzen, früher Landwirth.

Zur Gesundheitspflege der kleinen ö Kinder.

Anläßlich der enormen Sterblichkeit der Kinder in Berlin geht derStaatsb.-Zig. folgende Mittheilung zu, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. 1. Sobald sich die erste Spur von Durchfall zeigt, setze man die Milch aus und hole alsbald den Arzt. 2. Man nähre mit Haferschleim, Reisschleim und ge quirltem Eiweiß von tadellosen Eiern, mit Zusatz von Zucker(nicht mit künstlichen Sub stanzen, Kindermehl und dergleichen). 3. Man gebe dem kranken Kinde wenig Nahrung. Alle Stunden zwei Eßlöffel Haferschleim oder einen Theelöffel Eiweiß. Letzteres ist leicht verdaulich, reizt den Darm nicht und nährt sehr gut. Man lasse sich nicht durch das Verlangen des Kindes nach mehr Nahrung täuschen. Selbst verständlich darf das Eiweiß nie länger als 24 Stunden benutzt werden. Ebenso muß man zweimal des Tages frischen Haferschleim kochen und sehr fein durchsieben. 3. Gegen den Durst gebe man öfters einen Theelöffel abgekochtes Wasser mit Zucker und einen Tropfen Citronen saft. Das abgekochte Wasser lasse man vor dem Gebrauch etliche Stunden stehen und gieße dann die obere Hälfte vorsichtig ab, die untere mit den niedergeschlagenen unverdaulichen Salzen schütte man fort. Wird alles aufs Sorgfältigste gehandhabt, die Löffel und Gefäße peinlich sauber und das Kind knapp gehalten, dann kann man ziemlich sicher sein, das Kind zu retten. Selbstverständlich beziehen sich obige Regeln nur auf Kinder welche nicht von der Mutter selbst oder durch eine Amme genährt werden, sondern Kuhmilch erhalten,

Unter den Maßregeln zur Verhütung der außerordentlich hohen Kindersterblichkeit in

großen Städten hat die Beschaffung einer reinen unverfälschten Milch die größte Be deutung. In Berlin erfreut sich die von einer

Commission der Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege controlirte Milchwirthschaft ebenso, wie dies von ähnlichen Instituten an anderen Orten berichtet wird, einer großen Anerkennung seitens des Publikums. Die Nach fragen nach Milch sind so erheblich, daß bereits 28 Kühe eingestellt worden sind. Die Kühe werden vorher von hiermit beauftragten Thier ärzten untersucht und unterstehen einer fort laufenden sachverständigen Prüfung in Bezug auf ihren Gesundheitszustand. Die Fütterung ist nach dem Urtheil der Sachverständigen mustergiltig. Es ist also auf diese Art möglich, Milch von ausgezeichneter Qualität, freilich immer nur in beschränkter Menge und für einen erheblichen Preis zu produciren. Die Milchversorgung der großen Städte im Ganzen muß in anderer Weise hergestellt werden.

einem einzigen Tage 525 Liter in die Stadt gebrachte Milch als gefälscht erkannt und von der Polizei ausgegossen wurden. 133 Liter waren zur Hälfte und 392 Liter zu/ mit Wasser gemischt. Kein Wunder, daß Kinder, welche mit Kuhmilch aufgezogen werden, wie kranke Blumen vegetiren.

Handel und Verkehr. Friedberg, 1. Aug. Wochenmarkt. Butter kostete

per Pfund M. 1 2025. Eier 2 Stück 11 Pf. öFrledberg, 31. Juli. Walzen M. 26.50. Korn

5

von dieser meiner fast zwei Jahrzebnte alten

Umständen zugeben kann, etwas anderes als die

150 Kühe

5 Sea selle

M. 72. 1 Dual.

bob Pfund

Frauk N. 42.). . h M. bo, II.(Be M. 28. hach Ou; MN. 1920

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Man denke, daß z. B. in Köln jüngst au