Ausgabe 
2.8.1877
 
Einzelbild herunterladen

lönstedt. 1

on

db.

homas

ea und dit

eg und

1

orstande

3

N. Etrib

chill,

ben* 1 l 0 W 251

f.

ige

Fall.

700

2

Sede

Häuset.

ob nicht der Augenblick gekommen sei, aus der

1877. 5

Donnerstag den 2. August.

N89.

Oberhessischer Anzeiger.

Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Schreinermeister Heinrich Rausch zu Friedberg ist als Holzmesser für die Stadt Friedberg ernannt und als solcher verpflichtet worden.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Großherzogliche Regier ungsblatt Nr. 37 enthält:

I. Bekanntmachung üder die Bestätigung von Stift ungen und Vermächtnissen.

II. Bekanntmachung über die Vorschristen Prüfungen im Finanz- und technischen Fache.

III. Betanutmachung, die Nicht⸗Erhebung einer Um lage der israelischen Religionsgemeinde in Monsbeim betreffend.

IV. Uebersicht der für 1877 genehmigten Umlagen in den Gemeinden des Kreises Erbach.

V. Ordens verleitzungen.

VI. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

VII. Namensveränderung.

Darmstadt. Gerichtsaceessist Dr. Hangen aus Mainz wurde zum Advokat Anwalt bei den dortigen Gerichten ernannt. Der seitherige Ka⸗ binetsdirkctor Geheimerath Winter, wurde in den Ruhbestand versetzt, und der frühere Privatsekretär der Großherzogin, Dr. Becker, zum Vorstand des Kabinets mit dem Titel als Geheimer Kabinets rath ernannt. Ferner wurde der Landstallmeister van der Capellen auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt.

Militärdienstnachricht. Sartorius, Prem.? Lt. a. D., zuletzt im 2. Inf. Regt. Nr. 116 wurde zu der ihm bewilligten Pension die Aus- sicht auf Anstellung im Civildienst ertheilt. Ritt⸗ meister Wernher, aggregirt dem Dragoner Regt, Nr. 24 und commandirt zur Dienstleistung bei dem Großherzog, der Charakter als Major verliehen.

Wie man mittheilt, ist unsere Regierung mit der preußischen wegen der interimistischen Ver- waltung der durch den Tod des Bischofs v. Ketteler erledigten Diöcese Mainz, zu der bekanntlich auch mehrere preußische Kirchspiele gehören, in Ver⸗ handlung getreten.

Der Kaiser wird die im Herbst d. J. dahier unter dem Commando des General-Majors von Wichmann zusammenzuziehende Cavalerie-Diviston am 24. und 25. September einer Besichtigung unterziehen..

Berlin. Die deutschen Unterhändler für den Handels-Vertrag mit Oesterreich reisen, nach einer am 28. d. erhaltenen Weisung, dieser Tage von hier nach Wien ab. f

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 29. Juli. DieN. Fr. Pr. schreibt: Ueber die Dauer des Aufenthaltes von Midhat Pascha in Wien ist nichts Definitives bekannt. Es ist gewiß, daß derselbe die Reise nach Wien auf Wunsch des Sultans unternommen hat und weitere Insormation aus Constantinopel erwartet. Eine Zurückberufung Midhat's nach Constantinopel ist bisher noch nicht erfolgt. Ebenso sind die Meldungen über seine Abreise nach London oder Brindisi verfrüht. Gestern Nachmittag verweilte er mehtere Stunden bei dem türkischen Botschafter.

31, Juli. Finanzminister v. Pretis nebst den ungarischen Ministern v. Tisza und v. Szell, welche bierher berufen sind, nahmen gemeinschaftlich mit den Ministern Fürst Auersperg, Graf Andrassy, von Hofmann und Graf Bylandt an einem Minister- Conseil Theil, welches in Erwägung zog,

für die

bisherigen Passivität herauszutrefen und durch eine wenigstens theilweise Mobilisirung der Armee die militärische Bereitschaft Oesterreich- Ungarns herzustellen. Graf Andrassy, welcher diesen Schritt für nothwendig erachtete, denkt dabei nicht an eine Aenderung der österreichischen Politik, welche nur auf die Wahrung der Interessen der Monarchie Bedacht nimmt. Die Anwesenheit Midhat Pascha's hängt in keiner Weise mit den Maß nahmen zusammen. Die österreichische Politik perhorrescirt jeden Occupations- Gedanken, kann aber niemals zugeben, daß eine neue Ordnung der Dinge ohne ihr Hinzuthun oder gegen die von ihr geltend gemachten Interessen geschaffen werde. Der Kronxath ist also keineswegs identisch mit einem sofortigen Eintritt Oesterreichs in die Action. Die partielle Mobilmachung wurde be. schlossen; dieselbe umfaßt zwei Armee Corps. Diese Thatsache bezeichnet lediglich den Uebergang von passiver zu bewaffneter Neutralität; letztere wird Oesterreich bis auf Weiteres aufrechterhalten.

Pest. In mehreren Städten Ungarns baben Volks-Versammlung die Pester Resolution ange- nommen, welche gegen die russischen Gräuel pro- testirt und eine Vermittlung verkangt.

Die Mobilisirungs Nachrichten haben in Ungarn eine zündende Wirkung hervorgebracht; überall herrscht große Begeisterung. Pester Meld- ungen sprechen davon, es solle eine große Illu mination veranstaltet werden, falls Oesterreich Rußland den Krieg erkläre. Der ministerielle Ellenör begrüßt den Beginn der militärischen Action mit einem Eljen. Millionen würden be- geistert folgen sagen die Blätter wenn der König rufe; aber wer diese Begeisterung in An spruch nehme, müsse auch die Richtung befolgen, welche die Stimmung der Nation anweise. Gegen diese Richtung zu steuern, wäre sündhafte Kühn heit. Von Sissek wird eine Truppen-Verschiebung angekündigt; zwei Husaren- und ein Ulanen- Regiment rücken aus Steiermark nach Ungarn an die bosnische Grenze. Artillerie- und Pionir Material ist in Kroatien angehäuft.

Frankreich. Bourges, 29. Juli. Mar- schall Mae Mahon hat heute große Truppen- Musterung gehalten.

Großbritannien. London, 29. Juli. Der englische Marine-Minister Ward Hunt ist heute in Homburg gestorben.

30. Juli. In einigen Tagen werden westere Truppen⸗Massen nach Malta abgehen, und zwar sind zunächst 4 Infanterie-, 2 Cavalerie- Regimenter und 1 Artillerie Brigade hiezu bestimmt. Die Times dementirt jedoch diese Meldung. Die Regimenter, welche Marsch⸗ Ordre haben, seien lediglich für Indien bestimmt.

Italien. Rom. Die italienische Regierung hat in den letzten Tagen den anderen Großmächten die ausdrückliche Zusicherung ihrer friedlichen Intentionen gegeben; dieselbe ist fest entschlossen, von ihrem Programm der Neutralität nicht ab-

zuweichen.

Türkei. Constantinopel, 29. Juli. Die Tscherkessen erstürmten und plünderten den nordwestlich von Varna gelegenen bulgarischen

Ort Covarna. Der bösterreichische Lloyddampfer

nahm daselbst 500 Flüchtlinge auf. Die Festung Silistria setzt den russischen Angriffen Widerstand entgegen. Die in der Richtung auf Varna mar schirende Colonne der Russen wurde in Basardschik aufgehalten. Bei Rasgrad haben die Russen schwere Verluste erlitten; die Türken ihrerseits hatten 100 Todte und 200 Verwundete. In dem Gefecht bei Turlak in der Nähe von Rasgrad, wo Aziz Pascha fiel, wurde noch ein zweiter türkischer General schwer verwundet.

Officiell wird aus Plewna vom 26. Juli gemeldet: Die Russen sind aus Lowatsch vertrieben. Auch andere für die Türken günstige Gefechte, namentlich bei Nuila, in der Umgegend von Osman- Bazar, werden angezeigt. Nach einem Telegramm Mukhtar Pascha's vom letzten Mittwoch haben türkische Truppen in das russische Gebiet hinein, bis auf 3 Stunden von der Grenze eine Recog noscirung gemacht und sind nach einem unbedeuten⸗ den Gefecht in das türkische Lager zurückgekehrt.

30. Juli. Midhat Pascha empfing heute einen von den Redacteuren desWiener⸗Tagblatts und erklärte diesem, die Türkei denke nicht an den Frieden; sie werde den Krieg bis auf's

Aeußerste fortführen und erst beim Erscheinen des

Feindes vor Constantinopel prüfen, ob sie eine Intervention annehmen werde. Midhat Pascha hat eine Conferenz mit Andrassy befriedigt ver lassen. Es verlautet, daß die Entfaltung der Kalifen-Fahne unterbleibt.

30. Juli. Amtlich wird gemeldet: Die Montenegriner wurden bei einem am Donnerstag unternommenen Angriff auf Niksic mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Gegen Sstlistria zu sind die Russen neuerlich zurückgewiesen worden. Die Garnison von Philippopel hat sich größten theils nach Kostanizza im oberen Marizza Thal zurückgezogen. Osman Pascha hat bei Selwi neuerdings den Russen eine Niederlage beigebracht. Osman marschirt auf Gabrowa am Schipka-Paß. Die Türken besetzten Jenisagra und Lowatsch, und richteten ein furchtbares Blutbad unter der bul garischen Bevölkerung an, weil dieselbe die Russen über den Balkan geführt hatte.

Rumänien. Bukarest, 29. Juli. Die vierte Division der rumänischen Armee unter Ge neral Manu hat die Donau überschritten, um Nikopolis zu besetzen, wo bereits die Fahne des fünften Regiments entfaltet ist.

Rußland. Petersburg, 28. Juli.

Gestern machten die Russen einen Schein- Angriff auf Rustschuk, um den Zuzug von Verstärkungen für ihren rechten Flügel zu maskiren. Zwischen Oeman Bazar und Tirnowa werden Zusammen- stöße erwartet. Mehemed Ali Pascha marschirte gestern mit 60,000 Mann von Eski-Djuna in der Richtung nach Tirnowa ab. Die russischen Ge- nerale Krüdener und Schiloner-Schuldecer, sollen vor ein Kriegs-Gericht gestellt werden. 31. Juli. Vorgestern soll am Lom-Flusse bei Rustschuk zwischen der Armee des Großfursten- Thronfolgers und den Türten unter Achme: Ejub Pascha eine Schlacht stattgefunden daben und Letzterer geschlagen worden sein; die Turken hälten 30 Geschütze, 10 Fahnen und 5000 Gefangene verloren.